MonatNovember 2017

24 TAGE VOLLER LICHT – DER UMGEKEHRTE ADVENTSKALENDER


Tausende von Kerzen kann man am Licht einer Kerze anzünden, ohne dass ihr Licht schwächer wird. Freude nimmt nicht ab, wenn sie geteilt wird.
Siddhartha Gautama Buddha
Noch 24 Tage bis Weihnachten… Und bestimmt haben sich viele von euch Gedanken darüber gemacht, wie ihr den Kindern das Warten und das sich Sehnen bis zum Weihnachtsfest versüssen könnt. Denn die 24 Tage würden einfach viel zu lange dauern und das Warten einem wahnsinnig machen, würde man nicht jeden Tag ein Türchen öffnen dürfen, eine Geschichte hören, eine Kerze anzünden, ein kleines Päckchen auspacken oder nach und nach das Adventsgärtlein aufbauen. 
Der Adventskalender ist aber auch eine ganz zauberhafte Erfindung, die Kinder auf das grosse Fest vorzubereiten und die Vorfreude zu nähren. Meine Kinder stehen in der Adventszeit jedenfalls leichter und viel lieber auf als an den Morgen der restlichen 11 Monate… Tja.
Vor ein paar Tagen bin ich auf das Projekt des umgekehrten Adventskalenders von Streetlife Wien gestossen und beschloss, dass wir dieses Jahr mitmachen bei der Aktion. Ein tolles Projekt, wie ich finde, bei dem man jeden Tag etwas verschenkt, statt was zu bekommen. Die Idee ist: Ab dem 1. Dezember jeden Tag ein neues, haltbares Produkt in eine Kiste zu packen und an Weihnachten zu einer Sachspenden-Annahmestelle zu bringen. Wir haben uns entschieden, dass unser gefüllte Adventskalender zur Caritas gebracht wird. Hier findet man die Listen, was in welchem Haus an aktuellen Sachspenden am dringendsten benötigt wird. Denn, nicht alle Mamas und Papas machen sich Gedanken über stimmige Weihnachtsvorbereitungen ihrer Kinder. Nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil sie nicht dazu kommen. Weil die Kraft fehlt, die Musse, die Mittel. Weil die Sorgen gross sind, Ängste und Trauer sie erdrücken, weil Not herrscht und weil sich manche fragen, wie sie den nächsten Tag überstehen.
Es ist richtig, sich die Adventszeit schön zu gestalten. Es ist wichtig, sich auf Weihnachten freuen zu dürfen, auf ein Fest, welches man in Gemeinschaft verbringt, sich nah ist, es sich fein macht.
Vorbereitungen sind gut und sinnvoll und pflegen die Seele der Kinder, wenn wir ganz einfach, aber voller Liebe, jeden Tag etwas Kleines für sie bereit haben. Das ist auch gar nicht materiell gemeint. Eine Geschichte, ein Lied, währenddem man gemeinsam die Kerze anzündet, können Momente des grossen Glücks sein. 
Aber es ist einfach schön, wenn dabei die anderen nicht vergessen werden. Die Kinder eben, deren Eltern jetzt grad nicht können.
Meine Lütten mögen ja immer nicht mitgehen zum Einkaufen. Grosses Gemaule und Zeitlupentempo, wenn wir los wollen. Aber diesmal waren sie voller Freude und haben mit viel Herzblut eingekauft. Der Grosse meinte: „Ich weiss eben am Besten, was Kinder so brauchen.“ Und das stimmt ja so sehr.
Ab Freitag dürfen die Kinder jeden Tag eines der ausgewählten Produkte in die vorbereitete Geschenkeschachtel legen. Sie freuen sich jetzt schon aufs Herrichten der Kiste. Wenn sie gefüllt ist, vor Weihnachten, überbringen wir unser Paket der Caritas und hoffen fest darauf, dass wir so etwas Licht und Wärme überbringen dürfen.
 
Ha, ha, ich höre die Kritiker denken: „Das bringt doch nüscht. Eine Kiste reicht doch niemals.“ Stimmt, da habt ihr vollkommen recht. Es braucht ne ganze Menge Kisten. Mitmachen ist pipileicht! Hier findet ihr alle Listen der aktuellen Sachspenden der Caritas.
Weil es einfach noch viel schöner ist, mit der Familie und den liebsten Freunden Weihnachten zu feiern, wenn man weiss, dass es andere auch gut haben.
Viel Licht und Liebe, euch und euren Liebsten.
Sandra
Vielleicht mögt ihr diesen Post teilen. Ich würde mich sehr freuen.

Der umgekehrte Adventskalender gibt es übrigens auch in Deutschland. Hier findet ihr Infos dazu.

Übrigens: Ja, auch meine Kinder haben Adventskalender. Abwechselnd dürfen sie ein kleines Päckchen öffnen und/oder ein Schnürchen am Holzkalender ziehen, bei dem ein Tier in die Schneelandschaft huscht. Am 24. Dezember wird dann der Weihnachtsbaum zum Vorschein kommen. Der Holzkalender ist meine Diplomarbeit, die ich als Kindergärtnerin im Werkunterricht geschaffen habe. Adelheid Schait hat den genialen „Bauplan“ gefertigt, und zusammen mit meinem Vater habe ich Wochenende um Wochenende gesägt, geschliffen, getüftelt und gemalt. 

Den Adventskalender hängen wir jeden Dezember in unsere Stube. Seit gefühlten hundert Jahren. Und noch immer finde ich ihn wunderschön.

HERZEN FÜLLEN – GEDANKEN ZUR VORWEIHNACHTSZEIT

 

Kekse knuspern, Kerzen anzünden, Geschichten erzählen und ab und zu was werkeln. 
Mehr braucht kein Mensch.

Mein Herz ist Beschützer wunderschöner Erinnerungen. In gewissen Zeiten halte ich mich an diese, weil sie mir helfen, zu erspüren, was wirklich zählt. Gedanken an warme, stimmungsvolle Adventstage meiner Kindheit, zum Beispiel. Wie einfach es war, voller Glück und Aufregung zu sein, aufgehoben in einem Zauber, der damals aus wenig bestand und doch jede Zelle meines Ichs berührte.

Ich erinnere  mich, wie ich ganz früh an einem Weihnachtsmorgen neben dem Christbaum am grossen Fenster stand, in die Schneelandschaft blickte, und wie ich tief in meinem Innern fühlte, dass es wohl nichts Schöneres auf der Welt geben kann wie dieser Schnee, dieser geschmückte Baum und ich in dieser Stille.

Viele Jahre später wünsche ich mir diese Empfindungen immer wieder zurück. In einer Zeit, in der alles anders ist (mal abgesehen davon, dass hier seit Jahren kein Schnee mehr liegt an Weihnachten….), mein Herz jedoch immer noch meinen Puls bestimmt.

Seit Jahren nehme ich mir jeden November vor, noch langsamer zu werden,  noch viel weniger im Aussen, stattdessen mehr im Innern zu weilen.
Und trotz guter Vorbereitung und einer Alltagsgestaltung in SloMo meinerseits, ist es doch eine ganz schöne Herausforderung, den Rhythmus der Welt mit meinen Bedürfnissen zu verbinden und die Zeit meiner Kinder mit dem Notwendigen zu füllen, nämlich: gemeinsame Zeit, eine Stimmung des Wohlbefindens, der Wärme und sonst nichts.
Klingt einfach, aber eben.
Als Kindergärtnerin habe ich die Tage im Dezember ganz, ganz einfach gehalten, weil mir bewusst war, welchem Stress und Überfluss manche Kinder ausgesetzt waren. Schon der Gang in den Supermarkt, wo bereits ab September Tausende Schokokläuse stramm stehen, ist ja eigentlich eine Herausforderung, die man den Kindern gerne ersparen würde. Wenn ich also meine Vorbereitungen dann so vor mir liegen sah, kam schon dann und wann das Gefühl auf, dass doch alles sehr Minimalistisch daher kam. Doch spätestens am ersten Dezember, wenn die Kinder das erste „Türchen“ ihrer Adventskalender geöffnet hatten, Pferdehaargummi, Feuerwehrpflaster, das Schokoherz und das Bild mit der brennenden Kerze bestaunt hatten und sich schon auf die Geschenke vom nächsten Tag freuten, wusste ich: „Meine Planung ist genau richtig.“
Und ich wusste es allerspätestens am 7. Dezember, wenn der Kindergarten-Samichlaus (Nikolaus aus der Schweiz) mit seinen Geschichten aus dem Wald wieder gemütlich in sein Häuschen zurückgekehrt war (der Glückspilz!!!) und die Kinder in einem Eldorado aus Erdnüssen, Schokolade, Lebkuchen und kleinen Spielzeugen versanken, weil…
– auch der Nikolaus zu Hause die DVD von Rudolf das Rentier gebracht hatte…
– Oma einen Nikolausgruss per Post schickte…
– die Nachbarin von oben ein paar Leckereien, ein Bilderbuch und eine CD mit leider total prekär arrangierten Weihnachtsliedern im Namen von Nikolo an die Türklinke hängte…
– die Nachbarin von unten ein synthetisches Plüschrentier vorbeibrachte…
Allerallerspätestens ab dann war sichtbar, in was für einen Irrsinn manche Kinder katapultiert werden. 

Natürlich ging es weiter mit Basarbesuchen am Wochenende, Adventskaffee-Einladungen hier, vorweihnachtliches Kekse backen mit Kindern dort, gemeinsames Singen für die Weihnachtsstimmung in der Nachbarschaft, Besuch des Weihnachtspuppentheaters in der Stadt. Alles gut gemeint. Alles stimmungsvoll inszeniert. Alles untermalt mit Musik. Und Duft. Und Licht. Und Glitzer.
Ein Kind ist immer ein Kind. Mit allen Sinnen aufnehmend, Eindrücke sammelnd, Stimmungen empfindend, voller Neugierde. Alle Fühler sind ausgestreckt, bereit Neues zu erfahren. Das ist wunderschön und soll bitte unbedingt genährt werden. Aber man darf nicht vergessen, dass alles sinnlich Erfahrene Zeit und Ruhe braucht, um sich zu setzen, um geordnet und verarbeitet zu werden um dann internalisiert werden zu können. 
Sinnesüberforderung, diese aufgedrückte „Weihnachtsstimmung“, die doch so weit entfernt von der Stimmung ist, mit der ein kindliches Gemüt umgeben werden sollte, nährt jedoch die Seele niemals. Und auch nicht der Überfluss und die Masslosigkeit, die eine grosse Leere inmitten dieser Fülle hinterlässt.
Es ist eine grosse Aufgabe und braucht ein bisschen Mut, finde ich, das Draußen manchmal einfach draussen zu lassen und sein eigenes Ding zu machen. 
Liebevoll einen Schutzraum für die Familie zu gestalten, im Wissen, dass es lebensnotwendig ist, zur Ruhe kommen zu dürfen, weil es nur mit Musse möglich ist, hin zu spüren, zu fühlen, zu schauen, zu staunen, auszuprobieren, einfach nichts zu tun. Die Seele in Friede und Beschaulichkeit nähren. Vögel füttern, kuscheln, in den Wald gehen, singen, heimlich Keksteig naschen, einander Geschichten erzählen, zusammen sein, malen und werkeln, lümmeln und spielen. Zurück zu dem, was wirklich zählt. Zurück gehen von der leeren Fülle zu gefüllten Herzen.

Manchmal, wenn es mir schwer fällt, hilft es, mich zurück zu spüren, an früher. Zurück an den Weihnachtsmorgen, neben dem Christbaum am grossen Fenster. Wie ich in die Schneelandschaft blicke. Der Schnee, die geschmückte Tanne und ich in dieser Stille und dem grossen Glück.

Eine friedvolle, lebendige, glückliche und innige Adventszeit, euch allen.
Alles Liebe, Sandra

FEUERANZÜNDER ZU WEIHNACHTEN (DIY)

Auf dem Nachhauseweg von der Kita fragt die Kleine: „Mama, wo sind meine Bokal?“ Bokal? Ich verstehe kein Wort und frage: „Was suchst du?“ Sie, ein bisschen ungeduldig: „Meine Bokal.“ Ich tu so, als ob ich überlegen würde, schaue nach links und nach rechts, aber in Wahrheit habe ich keine Ahnung, was Bokal sind… Bokal, Bokal… Dann zieht sie aus ihrer Jackentasche zwei kleine Tannenzapfen und sagt freudig. „Hier, schau, so schöne Bokal!“ Ach so… DIE (eigentlich Pockerln, Föhrenzapfen).  Österreichisch für Dummies Mamis…

Der Novemberwind war stürmisch. Er hat Äste von den Bäumen gerissen, den Garten mit Laub zugedeckt und uns mit vielen Föhrenzapfen/Pockerln beschenkt. In einem grossen Korb haben wir diese gesammelt und getrocknet, damit gespielt, gebastelt und unseren Jahreszeitentisch geschmückt. Es sind heuer so viele, dass uns einige von ihnen als hübsche Feueranzünder dienen werden. Eingegossen in Sojawachs und mit einem Kerzendocht versehen, sind sie wunderschöne Anzünder für das Kamin- oder das Lagerfeuer im Garten.

Sie sind einfach gemacht, und wie immer ist es eine Arbeit, bei der Kinder viel mithelfen können. Bei der Herstellung und dann natürlich beim Entfachen des Feuers

Um eure eigenen Feueranzünder herzustellen braucht ihr: 

– gut getrocknete Föhrenzapfen
– kleine Kuchenformen oder Giessformen, in denen die Zapfen Platz haben
– Kerzendocht
– (Bio-) Sojawachs
– Zeitungspapier als Arbeitsunterlage
– einen Topf mit Wasser
– Einen feuerfesten Topf/Krug in dem ihr das Sojawachs schmelzt
– etwas Olivenöl
– einen Backpinsel
– ein altes Tuch (einfach so, für den Fall…)
– eine Schere

Und so wird’s gemacht:

Schmelzt das Sojawachs nach Anleitung des Herstellers.
(Füllt einen Krug oder einen Topf mit den Sojawachsflocken und stellt diesen dann in einen zweiten Topf mit Wasser auf den Herd. Erwärmt das Wasser, sodass das Wachs langsam schmelzen kann. Das Wasser soll bitte nicht kochen. Es brauch einen Moment, bis das ganze Wachs geschmolzen ist. Die Kinder beobachten gerne, wie das Wachs schmilzt. Bitte beaufsichtigt die Kinder dabei immer, denn das Wasserbad wird doch sehr heiss.)
 
In der Zwischenzeit bereitet ihr euren Arbeitsplatz vor. Deckt eine hitzebeständige Oberfläche mit reichlich Zeitungspapier ab und lasst eure Kinder schöne Zapfen aussuchen, die gut in die Formen passen und drinnen stehen können. 

Dann bepinselt ihr die Formen mit Hilfe des Backpinseln sparsam mit Olivenöl. Auch dabei können die Kinder sehr gut mithelfen. 

Schneidet die Kerzendochten 3cm länger zu als die Höhe der Formen und gebt in jede Form einen Docht.
  
Dann giesst ihr das flüssige Wachs vorsichtig in die Formen. Lasst zum Rand einen kleinen Abstand, sodass das Wachs nicht über die From schwappt, wenn ihr die Zapfen hinein setzt. 

Wichtig: Das flüssige Wachs ist sehr heiss und nichts für Kinder!!!
Sobald das Wachs ein bisschen erkaltet ist (bevor das Wachs undurchsichtig wird!) könnt ihr die Tannenzapfen in die Formen stellen. Mit eurer Unterstützung können die Kinder dabei gut mithelfen.

Lasst das Wachs in den Formen ganz aushärten. Das braucht ein bisschen Geduld, aber es lohnt sich, zu warten…
Wenn ihr die Formen ein bisschen biegt, könnt ihr das Wachs nun sehr leicht daraus lösen. 

Fasziniert und voller Freude haben wir ganz viele Feueranzünder hergestellt und waren angetan von den vielen kleinen Tannenbäumchen im Winterwald, die aussehen wie Weihnachtspatisserie aus dem Märchenland. So haben wir nun für dieses Weihnachtsfest reichlich Wärme und Gemütlichkeit zu verschenken und freuen uns jetzt schon, unsere Familie und all unsere lieben Freunde damit zu überraschen.
Euch wünsche ich von Herzen eine freuderfüllte, innige Zeit.
Alles Liebe, Sandra
Die Idee zu diesen Tannenzapfen-Feueranzündern habe ich im wunderschönen Buch „Natürlich selbstgemacht“ von Nicola Gouldsmith und Jacqueline Mann gefunden. Ein tolles Buch voller Inspirationen!

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Vielen Dank

BÜCHER SIND LEBENSMITTEL – SAMICHLAUS UND SEINE BRÜDER

Nun wollte ich euch heute ein paar wirklich tolle Bilderbücher vorstellen, weil ich dachte, dass diese sich auch gut machen in einem Nikolaussack. Schoggi schmausend und Nüsse knackend Samichlausgeschichten hören ist nämlich besonders gemütlich und stimmungsvoll. Aber gerade als ich anfangen wollte zu schreiben, fiel mir auf, dass ich eigentlich „nur“ Bilderbücher in meinem Bücherregal stehen habe, die vom rot gekleideten Samichlaus aus dem Wald erzählen…

Aber was ist denn nun der Unterschied zwischen dem roten Samichlaus aus dem Häuschen im Wald und dem St. Nikolaus mit dem Bischofsgewand?
Ein bisschen ist es auch verwirrend, denn im Dezember ziehen so viele nette Gabenbringer durchs Land, dass es sehr leicht passieren kann, dass die Bilder übereinandergeraten und ineinander verschwimmen. Von Gegend zu Gegend wird anders gefeiert, und eine jede Familie hat ihre eigene Tradition. Also habe ich versucht aufzuräumen in meinem Oberstübchen. Ui, ui, ui.
In Teilen der Schweiz sowie in Teilen Österreichs und Deutschlands kommt St. Nikolaus im reich geschmückten Bischofsgewand zu den Kindern. Er zieht von Haus zu Haus und bringt den Kindern gute Sachen. Auch gerne in Begleitung  seiner Gehilfen, dem Schmutzli, Knecht Ruprecht, oder, wie hier in Wien, dem Krampus. Aber eben, der St. Nikolaus heisst hier ja eh Nicolo. Passt.
In Zürich, wo ich aufgewachsen bin, besucht der Samichlaus (St. Nikolaus) am 6. Dezember die Kinder. Er trägt einen roten Mantel, Stiefel an den Füssen und einen schweren Jutesack mit Nüssen, Mandarinen und Lebkuchen, gefüllt für die Kinder. Er lebt, zusammen mit Schmutzli und dem Esel in einem Häuschen im Wald. Sehr einfach, sehr unkompliziert. 

AUF GAR KEINEN FALL ZU VERWECHSELN mit dem Weihnachtsmann, der nämlich auch eine rote Arbeitskleidung trägt (gleiches Gewand, völlig anderer Job), aber erst an Weihnachten zu den Kindern kommt, im Jobsharing mit dem Christkind, sozusagen… 
Und Santa Claus? Arbeitet der eigentlich mit dem Weihnachtsmann im gleichen Haus? Der eine im Rentierschlitten, der andere im Truck? Das ist eine andere Geschichte.
Nun, zurück zum 6. Dezember: St. Nikolaus, Nicolo und Samichlaus tragen zwar unterschiedliche Gewänder, haben aber alle den gleichen Urururururgrossvater, nämlich der erste Nikolaus von Myra, der Schutzpatron war für ganz viele. Vor allem aber der, der den hungrigen Kindern Essen brachte und die armen Menschen  beschenkte.
Und deshalb machen wir es heute einfach so: Ich stelle euch meine Lieblings-Samichlaus-Bücher vor – und ihr schickt mir bitte, bitte Tipps eurer liebsten Bilderbücher von St. Nikolaus im Bischofsgewand. Ich würde mich über einen Austausch riesig freuen. Dann mal los:

Dieses Buch habe ich letztes Jahr erst entdeckt, und es ist einfach ganz zauberhaft. Ein Must-Have, sozusagen.
Mandarinen und Organgen, Datteln und Feigen, Erdnüsse, Baumnüsse, Mandeln und Zimt – all die guten Sachen bringt der Nikolaus! Einmal möchte er aber selber in die Länder reisen, aus denen diese Köstlichkeiten kommen. Und so macht er sich auf den Weg. Unterwegs begegnet er den Menschen anderer Sprachen und Kulturen – und lernt nebenbei so einiges über die Geschichte des Nikolaus, seine eigene Geschichte. Wir können ihn auf seiner Reise begleiten… 
Wunderschön, witzig und informativ, mit Versen und Sprüchen aus der ganzen Welt. Danke Silvia Hüsler!
Aus der Schweiz hier zu bestellen.

Seit zwanzig (!!!!) Jahren mein Lieblingsbuch:
Schon im Herbst erzählen die Tiere im Wald von Sankt Nikolaus. Auch Glisglis, der Siebenschläfer, möchte ihm dieses Jahr einmal begegnen. Doch er hat Mühe, wach zu bleiben. So verpasst er ihn beinahe, doch die aufmerksame Eule weckt ihn noch rechtzeitig. Wie alle Waldtiere bekommt auch Glisglis von Sankt Nikolaus etwas Leckeres zu essen.
Zauberhafte Bilder, und eine so liebe Geschichte… Dass Nikolaus auch für die Tiere da ist, ist für die Kinder sonnenklar, und sie hoffen und bangen mit dem müden, lieben Siebenschläfer. 
Nikolaus und der dumme Nuck“ von Luise von der Crone und Heidi Schait

Nuck, der Esel von Samichlaus, ist verunsichert. Der Fuchs hat ihm eingeredet, dass er dumm sei: „Nuck, du bist dumm. Du musst dem Niklaus den schweren Sack tragen. Wenn er aber zu den Kinder ins Haus hineingeht, lässt er dich draussen im kalten Schnee warten. Willst du nicht selber einmal Nikolaus sein?“, fragt der Fuchs. „Eigentlich hat Rotschwanz recht“, findet Nuck und lässt sich vom Fuchs den Nikolausmantel überziehen und macht sich auf den Weg zu den Kindern. Die Waldtiere freut’s – sie lachen und bekommen erst noch einen Festschmaus.
Ein Esel lässt sich verführen und bringt die Kinder zum Lachen. Und doch versteht man ihn auch, den „dummen“ Esel und seinen Traum vom Nikolausleben.
Liebevoll erzählt und illustriert. Alle Kinder lieben Nuck!
Samichlous“ Barbara von Arx-Haller
Kein Bilderbuch, aber eine reiche Sammlung von Versen, Sprüchen, Liedern, Bastelanleitungen und Ideen rund um den Chlousetag. Leider nur auf Schweizerdeutsch.
Und, egal ob im Bischofsgewand oder im roten Mantel: Wichtig ist, dass die Kinder wissen, dass Nikolaus der Schutzpatron der Kinder ist, dass sie gesehen werden von dem Mann, der für die armen Kinder da war und auch, dass er ab und an mal mit der „Fitze“ winkt…

Einen schönen Chlausetag euch und alles Liebe aus dem Land des Nicolo.

BIENENWACHSKERZEN ROLLEN (DIY)

Alle Jahre wieder… 
…freue ich mich auf das Bienenwachskerzen-Drehen mit den Kindern. Weil es ur gemütlich ist, umhüllt von diesem zauberhaften Duft zusammenzusitzen und die Wachsplatten zu Kerzen zu drehen. Zu den schönsten Kerzen, mit dem wärmsten Schein überhaupt, wie ich finde.

Bienenwachskerzen fertigen ist ein feines, sinnliches Handwerk mit einem grossartigen Naturprodukt, welches uns verregnete Herbstnachmittage vergessen oder die Kinder nach einem Nachmittag draussen zur Ruhe kommen lässt. UND: wir haben ganz entspannt und voller Freude unsere ersten wunderschönen Weihnachtsgeschenke gefertigt.
Es ist, wie immer, ganz einfach: Die Bienenwachsplatten (ich mag die mit 100% Bienenwachs)  müssen Zimmertemperatur haben. Sind sie zu kühl, lassen sie sich nicht rollen und brechen stattdessen. Ihr könnt sie auch mit dem Föhn ein bisschen erwämen, sodass sie sich besser verarbeiten lassen.
Falls ihr auf einer unebenen oder heiklen Arbeitsplatte werkelt, benutzt bitte eine Unterlage. Schneidet die Wachplatten zuerst in die gewünschte Grösse. 
Legt den Docht auf den Plattenrand, an der Seite 1,5 cm über den Rand stehend und achtet dabei darauf, dass der richtige Teil des Dochtes unten ist. Teilweise sind die Dochte mit einem farbigen Punkt markiert (farbiger Punkt muss unten sein) oder mit einem Knopf (Knopf wäre oben, wo die Kerze angezündet wird). Drückt den Docht leicht in die Wachsplatte und legt das Wachs dann um den Docht. Dabei brauchen kleinere Kindern noch etwas Unterstützung. 

Sobald der Docht im Wachs eingepackt ist, kann die Kerze langsam gerollt werden. Bei langen Kerzen kann man auch schon mal vierhändig rollen. Ist die Platte aufgerollt, drückt ihr die „Naht“ leicht an.

     
Ihr könnt die Wachsplatten natürlich auch diagonal schneiden und dann die lange Seite zur kurzen rollen. So entstehen verschiedene Kerzenformen.

Bei uns entstanden lange Stabkerzen, Zwischengrössen und natürlich auch noch die süssen Zwergenkerzen für Tomte Tummetott…

Gemeinsam haben wir die Kerzen „gebündelt“. Die Kinder haben sie mit selbstgemachten Etiketten versehen und so noch viel, viel hübscher gemacht. Nun warten die goldenen Schätze noch ein bisschen, bis sie dann an Weihnachten unter den Weihnachtsbaum gelegt werden. Ich freu mich jetzt schon.
Von Herzen wünsche ich euch eine friedliche, herzenswarme Novemberzeit mit vielen gemütlichen Momenten und Augenblicken der Kreativität und Freude. 
Alles Liebe, Sandra

Wunderschöne Bienenwachsplatten mit Dochten habe ich am Bienenfest am Himmel bei einem Imker gekauft. Es lohnt sich auf jeden Fall, Platten vom Imker in der Nähe zu besorgen. Falls das schwierig ist, bekommt ihr auch hier welche mit 100% Bienenwachs, die, wie ich finde, gut zu verarbeiten sind.

ST. MARTIN – EINE GESCHICHTE FÜR DIE KINDER

St. Martin steht vor der Türe und die Kinder sind aufgeregt. Sie freuen sich riesig darauf, mit den Lichtern durch die Dunkelheit zu gehen, gemeinsam Laternenlieder zu singen und sich danach ein Martinsgänschen zu teilen. Es ist ein zauberhafter Brauch und es bedarf eigentlich keiner weiteren Erklärung, weshalb man am 11. November mit den Lichtern durch die Nacht zieht.  Aber manchmal kann so ein Anlass noch inniger erlebbar gemacht werden, wenn man die Kinder ein paar Tage vorher schon auf das Fest vorbereitet. Gemeinsames Laternen basteln, lecker Martinsgänschen backen und eben auch die Geschichte von St. Martin hören und den Kindern davon erzählen, wie es sich vor ganz langer Zeit begeben hat. 

Wenn ihr euren Kindern Geschichten erzählt, kann es leicht geschehen, dass ihr ihre Seele berührt. 
Und auch wenn sie nicht immer alle Worte einer Erzählung verstehen, ist es doch das Gefühl des Zusammenseins, das Spüren der Stimmung beim gemeinsamen Erleben, das was den Sinn einer Geschichte spürbar macht und das Kind nährt und berührt. Und das ist ja überhaupt das aller, aller Wichtigste. 

Hier findest du die Legende von St. Martin, so frei, wie ich sie meinen Kindern erzähle. 

Vor langer, langer Zeit lebte ein junger Mann. Er hiess Martin und er war ein tapferer Ritter. Wie alle Ritter zu dieser Zeit trug Martin ein silbernes Schwert, einen Ritterhelm und einen roten, samtenen Mantel über seinen Schultern. 

Einmal, es war ein düsterer Novembernachmittag, war Martin mit seinem lieben Pferd auf dem Weg in eine ferne Stadt. Da kam der listige Nordwind und wollte die zwei Reisenden foppen. Er brachte Eiseskälte und Schneegestöber, liess die Wege gefrieren und pfiff Mensch und Tier durch Mark und Bein. Martins Pferd jedoch stapfte tapfer weiter und immer weiter. Es wollte Martin sicher in die Stadt bringen, bevor es dunkle Nacht wurde. Martin aber spürte, dass sein Pferd angestrengt war und liess es einen Moment ausruhen. Er strich ihm liebevoll über den Hals und sagte ruhig: „Na, wir gehen ganz langsam vorwärts. Keine Eile, wir werden ankommen und alles wird gut. Mein allerliebster Freund.“ Das Pferd wieherte und schnaubte, was so viel bedeutete wie: „Danke.“ 
Langsam wurde es Nacht und Pferd und Reiter trabten durch den Schnee. Der Wind pfiff und liess die Schneeflocken über die Welt sausen. Da erblickte Martin von weither ein Licht, die Lichter der Stadt. Das Pferd wurde schneller und schneller, jetzt wusste es, es ist nicht mehr weit. Es galoppierte durch den Schnee doch kurz bevor die zwei das Stadttor erreichten, blieb es plötzlich einfach stehen. „Was ist los? Wir sind gleich da. Nur noch ein kurzer Weg, komm, Pferdchen, komm.“ sagte Martin. Doch sein Pferd blieb stehen und tat keinen Schritt. So stieg Martin aus dem Sattel, strich seinem Pferd über den Kopf und da sah er plötzlich vor sich auf dem Boden, dicht bei den Wurzeln eines alten Baumes, etwas im Schnee liegen. Als er näher kam, erblickte er in der Dunkelheit einen Bettler sitzen. Der war in Lumpen gewickelt und fror ganz fürchterlich. „Was tust du hier?“ fragte Martin. „Ich versuche mich aufzuwämen, es ist so kalt“, erwiderte der Bettler. Martin nahm die Hände des Bettlers in die seinen und wärmte die kalten Finger. Dann zog er seinen roten Mantel aus, schwang sein Schwert und teilte damit den Mantel in zwei Teile. Den einen Teil legte er dem Bettler wärmend über die Schulter, den anderen Teil zog er sich selber über. Der Bettler war voller Glück. Und als er dann endlich „Danke“ murmeln konnte, sass Martin schon wieder auf dem Pferd und ritt geschwind durch das Stadttor. 
In dieser Nacht hatte Martin einen Traum. Er träumte von Christus, der die Hälfte seines Mantels trug und zu den Engeln sagte: „Martin hat heute mit mir seinen Mantel geteilt und mir in dieser kalten Nacht Wärme geschenkt.“
Martin konnte diesen Traum nicht mehr vergessen. Er beschloss, von nun an nicht mehr als Ritter durch die Welt zu ziehen und stattdessen als Mönch im Kloster zu leben. Er half den Armen und war da für die Menschen, die einsam waren. Die Menschen spürten, dass Martin ein guter Mensch war, und sie alle mochten ihn sehr gerne. Sie wünschten sich, dass er zum Bischof gewählt würde. Ein Bischof zu sein ist eine grosse Anerkennung. Es ist ein bisschen so, wie wenn man Chef ist. Martin aber hatte Angst vor dieser grossen Aufgabe. Er wollte ein ganz einfacher, bescheidener Mönch bleiben. Da sprang er weit weg und versteckte sich in einem Gänsestall. Die Gänschen aber schnatterten so laut vor Freude, dass es natürlich sehr einfach war, ihn in seinem Versteck zu finden. So wurde aus Martin, dem Rittersmann, St. Martin, der Bischof. Und er lebte glücklich bis ans Ende seiner Tage. Sein Pferd? Ach so ja, das liebe Pferd durfte von nun an natürlich im Klostergarten weiden und wenn Martin ihm Hafer brachte, dann wieherte es voller Freude.

Euch allen wünsche ich eine wunderschöne St. Martinsnacht, mit goldenen Lichtern, roten Kinderwangen, feinen Martinsgänschen, und einem Nordwind, der nur von ganz weit her zuschaut. 
Alles Liebe, Sandra

Im Jahreszeitenbuch von Christiane Kubik und Eva-Maria Ott-Heilmann findet ihr die St.Martins-Legende, Lieder, Rezepte und viele Ideen. Ein grossartiges Buch, welches einem durch das ganze Jahr begleitet.
In meinem Pinterest-Ordner findest du viele wunderschöne Inspirationen rund um St. Martin.

Mit liebem Dank verlinkt mit naturkinder

RÄBELIECHTLIUMZUG ODER EIN LICHTERDANK AN DIE NATUR (DIY)

  
Lueg mis Räbeliechtli aa
ich hans sälber gmacht
und jetzt lüchteds hell und schön
dur die dunkli Nacht
Ruhig trägä, nöd umäfägä und nöd aafaa rännä
somä Liecht muess glueged sii, wänns söll richtig brännä
(Gerda Bächli)

Wenn sich der November anschleicht, dann kommt diese stille Freude auf den Räbeliechtliumzug, eines der schönsten Feste im Jahr überhaupt. In den deutschsprachigen Kantonen der Schweiz ist der Räbeliechtliumzug eine Tradition, die jedes Kind kennt. Anfang November ziehen sie mit ihren selbstgeschnitzten Räbeliechtli singend durch die Dunkelheit. 
Obschon ich seit vielen Jahren im Ausland lebe, kann ich die Stimmung ganz genau spüren, den Herbstwald und die angebrutzelten Räbeliechtlis riechen, und  ich sehe die erleuchteten Kindergesichter vor mir. Es ist wunderschön mystisch, wenn man mit Kindern durch die dunkle Natur zieht, die beleuchteten Räben vor sich hertragend, Licht bringend in die Dunkelheit, zu den Tieren, den Bäumen, und all den anderen zauberhaften Wesen, die da auf uns warten. Wenn unsere Lieder die Stille erfüllen und wir mit langsamen Schritten in die Nacht hinaus gehen, sich an den Händen haltend, weil es doch links und rechts seeeehr dunkel ist, spürt man das grosse Glück der Einfachheit.

Im Mittelalter zählte die Räbe zu den Grundnahrungsmitteln der Menschen. Die Rübe war die letzte Feldfrucht, die vor dem Winter geerntet wurde, und schon damals haben die Frauen und Kinder nach dem Einbringen der Ernte aus den Rüben zauberhafte Lichter geschnitzt. Diese Lichter erhellten den Familien den Weg, wenn sie in die Kirchen zum Erntedank-Gottesdienst wanderten. Heute noch ziehen im November Schweizer Kinder in Gruppen hinaus in die Nacht und tragen, beim gemeinsamen Singen, die kerzenbeleuchteten Räben (Rüben) durch die Nacht. 

Falls ihr nun Lust bekommen habt, ebenfalls eine Räbe zu schnitzen, findet ihr hier die Anleitung dazu.

Ihr braucht:

– Räbe (bedenke; je grösser die Räbe, desto schwerer ist sie zum Tragen…)
– ein grosses und ein kleines Messer (ev. Taschenmesser)
– Schneidebrett
– Apfelaushöhler, Apfelentkerner oder Löffel
– Schnitzwerkzeug (Rüstmesser oder Linolschnitzwerkzeug)
– Schüssel (für das Räbenfleisch)
– ev. Keksausstecher
– Stabkerze

   

Und so wird’s gemacht:

– Den Deckel (da wo die Wurzeln sind) der Räbe mit einem grossen Messer abschneiden. (ca. 3-5cm)

– Nun beginnt ihr, mit dem Aushöhler oder dem Löffel, die Räbe auszuhöhlen. Die Wand sollte ca 1/2 cm dick sein. Am einfachsten geht dies, wenn ihr von der Mitte aus zum Rand aushöhlt. Achtet darauf, dass die Räbenwände nicht zu dünn werden, ansonsten fällt die Räbe in sich zusammen. Falls ihr unsicher seid, ob die Räbe schon genug gehöhlt ist, haltet sie gegen eine Lichtquelle. Schimmert das Licht durch, hat das Aushöhlen ein Ende.

– Jetzt kann die Räbe geschnitzt werden. Am Schönsten ist es wohl, wenn die Kinder ihre Formen mit einem spitzen Bleistift vorzeichnen, man dann gemeinsam mit der Messerspitze  oder dem Schnitzwerkzeug die Formen einritzt und dann nur die dunkle Räbenhaut abzieht. Wenn ihr mögt, könnt ihr auch Keksformen nehmen, diese leicht in die Räbe drücken, sodass die Räbenhaut eingeritzt ist, und dann mit dem Messer die Haut abschälen.
Achtet darauf, dass ihr mit dem Ausstecher nicht durch die Räbenwand durchstecht. 
Um das Schnitzmesser kindersicher zu machen, könnt ihr die Klinge, bis ca. 1cm vor die Spizte mit Klebeband umwickeln. 

– nun bohrt ihr in der Mitte der Räbenunterseite ein Loch, durch das die Stabkerze gestossen wird. 

GANZ WICHTIG: DAS LOCH MUSS GANZ KNAPP AUSFALLEN. DIE STABKERZE MUSS SCHWER DURCH DAS LOCH DURCHGEDREHT WERDEN, ANSONSTEN WACKELT DIE RÄBE AN DER KERZE.

Dieser Schritt ist der kniffligste von allen, und es kann tatsächlich passieren, dass das Loch mal zu gross gerät. Dann umwickelt ihr die Stabkerze so oft mit Aluminiumfolie, bis sie dick genug ist und wackelfrei in die Räbe passt. Sieht nicht superschön aus, aber erfüllt den Zweck… Und niemand sieht das in der Nacht!

Achtet darauf, dass die Flamme der Kerze nicht über den Räbenrand züngelt. Sobald die Kerze bis zur Räbe abgebrannt ist, könnt ihr die Kerze wie eine Schraube wieder ein kleines Stück nach oben drehen.

Nun ist euer Räbenliechtli fertig. Bevor ihr auf den Weg geht, beachtet bitte noch folgendes:

-Es hilft, wenn man mit den Kindern eine Proberunde bei Tageslicht macht und ihnen zeigt, wie man die Kerze mit der Räbe gerade hält, genug Entfernung zur Nasenspitze hält und mit dem Kerzenlicht in Händen nicht hastet. Besser ist es, zu stolzieren. 

– Zieht Kindern mit langen Haaren eine Mütze auf oder bindet ihre Haare gut zurück. 

– In der Nacht tendieren wir dazu, schnell zu gehen, statt langsam zu schreiten. Mit dem Räbenliechtli in der Hand soll man jedoch langsam gehen, Schritt für Schritt. Dabei hilft es, wenn ihr die Lieder bewusst langsam singt und euer Schritttempo dem Rhythmus der Gesänge anpasst.

– Bitte begleitet und beaufsichtigt euer Kind, wenn es mit dem Räbenliechtli herumgeht. Helft dem Kind auch draussen, die Räbe aufrecht und in genügend Abstand zum Gesicht zu halten und führt es an der Hand, damit es in der Dunkelheit nicht hinfällt. In der Nacht draussen zu sein, selber ein Kerzenlicht in den Händen zu halten, die eigene Stimme in der Stille zu hören, die Geräusche und Düfte wahrzunehmen ist so stimmungs- und geheimnisvoll, dass die Kinder manchmal einfach vergessen, auf ihr Licht zu achten. 
– Nach dem Umzug stellen die Familien ihre Räbenliechtlis vor die Haustüre, auf den Balkon, in die Gärten oder auf die Fensterbretter. Entfernt dazu die Stabkerze und stellt stattdessen ein Teelicht in die Räbe. Die Räbe kann so lange beleuchtet werden, bis sie schrumpelig ist. Dann übergibt man sie dankbar dem Kompost.

– Übrigens: Ganz traditionell sind an den geschnitzten Lichtern Schüre befestigt, an denen die Kinder die Räbe tragen. Ich fand diese Art ungünstig, weil die Lichter beim hin und her schaukeln immer an die Kinderbeine schlugen und auslöschten und weil die Kinder ihre eigenen Schnitzereien so nicht sehen können. Zudem mag ich es so gerne, wenn das warme Licht die Kindergesichter erleuchtet. Ich finde, dass sich die Variante mit der Stabkerze sehr bewährt hat.

Ich bin mit miim Räbeliechtli
underwägs hüt Znacht
und ich lüüchtä wie das Liecht
wo alles heller macht
(Andrew Bond)
Ich geh mit dem Rübenlichtlein
auf den Weg heut Nacht
und ich leuchte wie das Licht
das alles heller macht 
Ich wünsche euch viel Freude, viel Licht und stimmungsvolle Momente mit euren Kindern. 
Alles Liebe, Sandra
mit liebem Dank verlinkt mit creadienstag / HoT / createinaustria / lemonddekitchi / naturkinder

HÄNDE HOCH! WENN KINDER MIT WAFFEN SPIELEN

  

PIFF, PAFF, PUFF

Oder was, wenn manchmal mehr Räuberhöhle als Puppenecke ist?
„Also wenn ich mal gross bin, dann werde ich James Bond. Einfach ohne küssen!“ meinte damals ein Kindergartenkind zu mir. Anscheinend habe ich ihn entgeistert angeschaut, denn er fügte, so unter uns, noch hinzu: „Küsse, bäähhh.“ Ich verstand. Mit ohne Küssen, dafür mit viel Knarre und Kampf. Gut.

Ehrlich gesagt, ich war als junge Kindergärterin unsicher im Umgang mit Waffen in der Kindergruppe. Kinder und Waffen passt nicht. Krieg, Gewalt, Kindersoldaten. Furchtbar. Schwerter gingen noch grad so, fand ich. Aber wenn die Kinder mit Pistolen und Gewehren hantierten, war bei mir aus die Maus. Kein gutes Gefühl, also habe ich mit den Kindern darüber gesprochen: Waffen sind nicht gut, sich erschiessen ist furchtbar und kämpfen nicht schön (piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb). „Spielt miteinander, baut eine Hütte zusammen, oder malt mit den Wasserfarben“, schlug ich ihnen stattdessen vor. Die Kinder aber haben mich angeschaut, als ob ich vom Mond käme. Sie hatten eben toll zusammen gespielt und konnten nicht verstehen, was mich daran störte. Und so untersagte ich ihnen das Spiel mit den Waffen im Kindergarten. Punkt. Klingt einfach, hat aber auch nicht geklappt.

Gefühlt jedes Stöckchen aus dem Wald, die Banane am Jausetisch, die gestreckten Zeige- und Mittelfinger und sogar Kartonreste wurden zu Pistolen, Schwertern oder Gewehren. 
Denn die Bilder in meinem Kopf sind eben meine Bilder. Und die Kinder gaben sich grosse Mühe, wollten mir zuliebe so sehr nicht mehr mit Waffen spielen und doch kam 007 irgendwie immer wieder ums Eck geschlichen…
Wenn also die Jungs mit einem Stöckchen Pistole spielten und ich an sie herantrat, sagten sie charmant und mich beruhigend: „Guck mal, n Akkubohrer… brrrrrrrr.“ Und alle nickten wie die Wackeldackel. Dagegen kann man ja nichts sagen, denn Akkubohrer sind top! Oder, als sie bemerkten, wie ich sie beim Spielen mit den zum Gewehr zusammengesteckten Wäscheklammern beobachtete, sagten sie verschmitzt: „Schau, ein Haarföhn, extra für dich!“ Und dann hab ich aus tiefstem Herzen gelacht. Gelacht ob der Kreativität und Gewitztheit und ob meiner Naivität. Und dann entschied ich mich, mich mit weisser, wehender Flagge zu ergeben und statt meine Ablehnung zu pflegen meine Vorstellungen und Bilder zu überdenken und einen Umgang damit zu finden. Widerstand zwecklos.

Räuber Hotzenplotz hat sieben Messer und seine Pfefferpistole, ein Indianer kommt mit Pfeil und Bogen daher, ein Cowboy hat eine Pistole bei sich und Michel aus Lönneberga liebt sein Gewehr. Genau. So. Ist. Es. 

Dann haben wir Regeln (immer wieder Regeln) ausgehandelt:

– Kämpfen nur mit selbstgemachten Waffen (kein gekaufter Plasitkschaass) oder Stöcken aus dem Wald. Und ja, sie durften sich an der Werkbank im Kindergarten eine Waffe (Pistole, Gewehr, Schwert, Messer) zimmern. Gleiche Chancen für alle.
– Nur mit den Kindern kämpfen, die beim Spiel mitmachen (nicht zielen auf andere Menschen und auch nicht auf Tiere).
– Sobald es ein Kind mit der Angst zu tun bekommt, ist der Kampf zu Ende.
– Beim Kämpfen gilt die Bauch-Beine-Po Regel (eine geniale Beschreibung der „Zielpunkte“ meiner lieben Freundin Carmela). Es wird weder mit der Pistole noch sonst einer Waffengattung im Gesicht rumgefuchtelt.
– Keine zerstörerische Gewalt, heisst: es darf niemand verletzt werden und nichts darf mutwillig kaputt gehen.
– Wer die Regeln nicht einhält, gibt seine Waffe ins Waffenlager ab. Aber sicher.
Die Kinder waren zufrieden, sehr kooperativ und voller Freude, sich eine Waffe zu zimmern. Sie standen stundenlang an der Werkbank, geduldig sägten sie Holz, schliffen die Kanten, tüftelten, zeichneten Pläne auf Papier, diskutierten und halfen einander.

Das Anfertigen alleine fordert und fördert die Phantasie, die Feinmotorik, Geschicklichkeit, Durchhaltewillen, Teamgeist, Geduld und Experimentierfreude. Nur so, um auch mal die positiven Seiten der Waffenherstellung zu erläutern… 

Dann spielten sie Ritter, Indianer und zogen zusammen als Räuberbande los. Sie besiegten die fiesesten Ungeheuer und schrecklichsten Halunken. Sie fochten, schlichen sich an, zielten mit der Pfefferpistole und PENG! Gut gegen Böse. Und sie fühlten sich stark und mutig und selbstbewusst, mit ihren zusammengestiefelten Flinten und Messer. Selbst ängstliche Kinder konnten, mit einem Stöckchen in der Hand, mutige Kämpfer sein, die sich trauten, es mit dem schlimmsten Schuft aufzunehmen. Mutig blickten sie der Angst ins Gesicht.
Natürlich habe ich die Spiele beobachtet und begleitet, und manchmal musste ich schlichten und helfen, das Spiel neu aufzugleisen… Wenn ich nicht zwischenzeitlich ausgeraubt wurde. Sie spielten und es war ihnen allen klar, dass wenn die Spielzeit aus ist, die Waffen ins Waffenlager verräumt werden und die Kämpfe zu Ende sind. Und ich spürte weder mehr Aggressivität noch Unruhe oder gewalttätige Energie. Es war ausgespielt. Dann kamen auch wieder Zeiten, in denen die Räuberbande Bilderbücher anschaute oder in der Puppenecke Mittagessen kochte. Die Cowboys bauten sich eine Eisenbahn durch den Kindergarten, und die Indianer plastizierten sich aus Ton einen Berg bis unter die Zimmerdecke. 
Ausprobiert. Voll lässig war’s. Und gut ist. 

Nun, seit sechs Jahren bin ich Mama eines Jungen, und glaubt mir, das Ding mit den Waffen habe ich ihm bestimmt nicht auf die Nase gebunden. Im Sommer haben wir Wasser jeweils aus diesen süssen Wassertierchen gespritzt, weil ich  keine Pistole kaufen wollte. 
Aber dann waren wir mal für ein Wochenende in einer wunderhübschen Airbnb- Wohnung… Und da gab es ein Kinderzimmer, in dem normalerweise zwei Jungs hausen. Puhuhu, da lagen Schätze rum… Dem Grossen sind fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Nerf-Pistolen mit unendlich viel Munition, Plastikschwerter mit Totenköpfen, Cowboypistolen, für jeden Finger eine. PARADIESISCH! Fasziniert nahm unser Kind eine Pistole nach der anderen in die Hand und konnte sein Riesenglück kaum fassen. Ein Wochenende lang schwelgte er im Helden-Waffenparadies, und als wir wieder nach Hause kamen, wurde gleich aufgerüstet. Unsere Werkbank ist Produktionsstätte unzähliger Waffen, vom Schwert zur Pistole, vom Gewehr zur Armbrust (Wilhelm Tell, eben) und wieder zurück zum Pfeilbogen. Alles da. Und kaum konnte die Kleine sprechen, ging auch sie mit dem Säbel in der Wohnung umher und behauptete mit fiesem Blick, sie sei Räuber Hotzenplotz mit „Stoole“ (Pistole). 

Ich will es nicht verherrlichen, ich mag es viel, viel lieber, wenn die Kinder Hütten bauen, als Hasen und Eichhörnchen durch den „Wald“ springen und Abenteuer erleben. Aber das eine schliesst das andere nicht aus, es ist nun mal nicht jeder Tag ein Eichhörnchentag. Manchmal ist halt eher Räuberhöhle und dann, finde ich, soll das Kind wissen, dass das auch ok ist. Ich glaube, dass alles, was interessant ist und unterbunden wird, sich zu etwas noch viel Spannenderem aufbauscht. Auch wenn ich das Herumhantieren mit den Waffen manchmal anstrengend finde, gehört es doch irgendwie dazu, und bin ich froh, dass ich die Kinder beim Spiel mit den Waffen begleiten kann. Das ist eben nur dann möglich, wenn ich es erlaube und sie nicht hinter meinem Rücken oder im Geheimen fechten und schiessen. 

Ich habe sogar das Glück, dass ich meistens zu den Guten gehöre. Immerhin.

Irgendwo habe ich mal von einer Mutter gelesen, die erzählte, dass ihre drei kleinen Jungs nie ohne Waffen durch die Gegend gezogen seien. Jahre später waren alle drei Wehrdienstverweigerer… Gut. Dann entspanne ich mich mal, im Land der sieben Messer und dem Gewehr. 

Es ist eben manchmal, wie es ist. Und wenn wir liebevoll in Verbindung sind, ist alles gut. Ich wünsche euch und euren Liebsten eine feine, friedliche Zeit. Herzlich, Sandra 

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