EINKAUFEN MIT KIND // AUF DEM BAUERNMARKT // GELDBÖRSEN DIY

Einkaufen und einkaufen mit Kind sind zwei völlig verschiedene Tätigkeiten.

Bei der ersten geht es ums Besorgen der Lebensmittel für eine Familie. Bei der zweiten geht es ums Besorgen der Lebensmittel für eine Familie, währenddem man zwischen den Regalen die Kinder sucht, die ausgeräumten Regale wieder ordentlich einräumt, die unnötige und ausnahmslos ungesunde Schmuggelware im Wagen entdeckt und wieder auspackt, man über warum-wieso und weshalb-nicht diskutiert und dabei den Überblick über die Leckereien zu bewahren versucht, die weggegessen sind, bevor sie jemals das Förderband bei der Kasse auch nur berührt haben. Ihr seht, wenn immer möglich, erledige ich das gerne alleine. ABER, es gehört eben einfach auch dazu, gemeinsam einkaufen zu gehen.

Denn es ist fein, wenn man die Erkenntnis, dass sich der Schrank in der Küche nicht von selber füllt, vor dem 30. Altersjahr erlangt. 

Und deshalb müssen/dürfen meine Kinder ab und zu mit. Der Supermarkt ist gross und grell und von allem ist da viel zu viel. Dass da so manches Kind durch Sinnensüberreizung an seine Grenzen stösst, kann ich sehr gut verstehen. Tatsächlich gibt es eine Einkaufsvariante, die, wie ich finde, kinderkompatibel, sinnlich, lustvoll, lehrreich und sehr spannend ist.

Auf zum Markt
Schon ab und zu habe ich erwähnt, dass wir hin und wieder auf dem Bauernmarkt einkaufen. Dort bieten die Bauern, Bäcker, Gärtner, Fleischer, Fischer, Käser und ein Imker aus der Umgebung ihre Waren feil. Das geschäftige Tun erinnert mich an meine Kindheit, in der meine Grossmutter zum Markt fuhr um dort Gemüse und Früchte zu verkaufen. Noch immer sehe ich sie, geschäftig und tüchtig hinter dem Marktstand stehend. Sie war so charmant, so witzig und flink, und sie rechnete schneller als jede Rechenmaschine. Wenn man sie dabei beobachtete, konnte man leicht vergessen, wie viel Arbeit getan werden musste, bis die Äpfel, Beeren und Kartoffeln, die Erbsen, der Knoblauch und die roten Beete schön aufgereiht auf der Lade standen.
Gerne erzähle ich meinen Kindern davon, wie sie am Vorabend den Laster mit der frischen, feinen Ware beluden, um dann bei Tagesanbruch in die Stadt zu fahren, alles aufzubauen, den Tag stehend hinter der Lade zu verbringen, um die feinen Sachen zu verkaufen, dann alles wieder abzubauen, nach Hause zu fahren um dort wieder abzuladen und alles wieder an seinen Platz zu räumen… Viel Herzblut, viel Liebe und viel, viel Kraft stecken dahinter.
Ich möchte nicht sagen, dass die Menschen im Supermarkt weniger hart arbeiten. Aber auf dem Markt trifft man Menschen, die von der Saat bis zum Verkauf am Markt dabei sind. Sie verkaufen IHRE Ware. Das spürt man, und um das zu erleben, ist es ein Besuch auf dem Bauernmarkt wert.

Sinnesschulung schwupdiwup
Bei einem Marktbesuch wird man eingehüllt in Düfte, Farben und Geräusche. Im Moment ist es der Fliederduft, der mich von weitem anlockt, wie eine Biene in Trance gehe ich, um zu riechen. Die Kinder riechen an den verschiedenen Blumen, sofort kommt ein „mmmmmh“ oder „bäck“ mit viel Gelächter. Die frischen Kräuter werden beschnuppert, an der warmen Frühlingssonne riechen sie noch intensiver.

Hier ist alles unverpackt und deshalb wunderbar zugänglich für die Nase und unsere Finger!

Man darf schnuppern und berühren, betrachten und abwägen und irgendwann entscheidet man sich.
Beim Bäcker stellen wir uns an, um die obligate Markt-Schrippe auf die Hand zu bekommen. Das frische Brot duftet wunderbar, der Grosse erledigt das Brötchenkaufen gerne alleine. Es macht ihn glücklich, selber einzukaufen. Weiter gehts, vorbei an den frischen Fischen, vorbei am Käse (der stinkt) bis zum Gemüse. Eine Frau bietet uns von ihrem selbstgebackenen Maiskuchen an. Was so trocken und unspektakulär aussieht, schmeckt auf der Zunge so lecker. Maiskuchen haben wir vorher noch nie gekostet, aber wir mögen ihn sehr und kaufen ein kleines Küchlein, das wir am Nachmittag naschen wollen (es hat  nicht bis zum Nachmittag überlebt…).

Keine Erdbeeren im Dezember. Oder es gibt, was es hat.
Auf dem Bauernmarkt wird verkauft, was in der Umgebung wächst und was gerade Saison hat. Regional, saisonal, wenn möglich Bio und unverpackt.
Der Bauernmarkt ist wie ein bunter, sehr lebendiger Lernraum, in dem man im Tun und Beisein, im Austausch und beim Beobachten erfährt, wie das Gemüse angepflanzt, wie es zubereitet wird, oder auch, weshalb heuer die Ernte von diesem und jenem nicht gut ausgefallen ist.

Ich finde es sehr kostbar, wenn die Kinder ihre Welt im hier und jetzt lustvoll und mit allen Sinnen erleben und am Geschehen teilnehmen dürfen. Und ich bin überzeugt davon, dass das „mit dem Herzen Gelernte“ dauerhaft in Erinnerung bleibt.

Mit den Kindern suchen wir das Gemüse aus, das sie gerne essen. Heute gibts riesige Karotten in verschiedenen Farben, Pausenäfpel, einen Kopfsalat mit einer winzig kleinen Schnecke dran, Kartoffeln, die bis vor Kurzem noch in der Erde steckten und einen lecker Karfiol (Blumenkohl) der feilgeboten wird. Ich empfinde es als grosses Glück, das zubereiten zu können, was jetzt gerade im Garten des Bauern wächst.

In Beziehung kommen mit den Lebensmitteln und unserer Umwelt
Ob man vor dem Essen betet, innehält, oder singt, es ist vielen Menschen ein Bedürfnis, ihrer Dankbarkeit für das, was auf dem Teller liegt, Ausdruck zu verleihen. Weil es nicht selbstverständlich ist, dass wir Essen haben und uns dazu noch aussuchen können, was wir gerne essen würden. Es ist ein  Geschenk, gesunde, frische und faire Ware einkaufen zu können. Wir haben grossen Glück, jeden Tag.
Zu wissen, dass Menschen hinter all unseren Lebensmitteln stehen, Menschen, die mit Kopf, Herz und Hand ihr Bestes geben, ist unglaublich wertvoll. Es schafft Beziehung zu unseren Nahrungs- und Lebensmitteln und lässt sie noch kostbarer werden. Wenn wir mit den Menschen reden, die hinter ihren Laden stehen, dann erfahren wir viel über sie, über ihre Arbeit, ihre Leidenschaft und über die Natur. Für die Kinder öffnen solche Begegnungen und Erlebnisse Türchen, um Zusammenhänge zu verstehen, Verbindungen zu schaffen und in Beziehung zu kommen.

Auch so kann eine Grundhaltung der Wertschätzung und des Wohlwollens wachsen.

Zum Schluss unseres Marktbesuches gehen wir zum Imker. Er war im Winter nicht auf dem Markt, aber heute ist er da. Der Grosse tauscht sein leeres Honigglas gegen ein volles und möchte gerne selber bezahlen. Heute soll es übrigens der Cremehonig sein. Der Grosse packt das goldene Glas vorsichtig und stolz in seine Tasche. Der Honigbär freut sich jetzt schon. Unsere Kinder wissen, dass der Mann gut zu seinen Bienen schaut, dass deshalb der Honig ganz besonders lecker schmeckt und dass schon seine Kinder immer Honig gegessen haben und nie krank waren deswegen. Wenn der Grosse zu Hause seine Honigstulle verschlingt, dann ist der goldene Honig vom Imker am Markt der Allerbeste.

Es ist mir bewusst, dass ein Einkauf auf dem Markt nicht immer die günstigste Variante ist. Ich verstehe sehr gut, wenn man seinen Einkauf in einem Supermarkt macht, weil man viel mehr zu viel günstigeren Konditionen bekommt. Aber vielleicht habt ihr ja Lust, mit eueren Kindern einfach mal über den Markt zu bummeln, zu riechen, zu lauschen, zu gucken, zu naschen und zu fragen.
Vielleicht aber geht sich ja mal ein frisches Brötchen vom Bäcker aus? Vielleicht sogar ein ganz selbst gekauftes? Vielleicht mit einer Münze aus dem eigenen Geldbörserl? Falls ihr Lust habt, für euren nächsten Marktbesuch mit euren Kindern eine eigene Geldbörse zu falten, dann findet ihr gleich hier eine ganz einfache Anleitung dazu.

Ich würde mich sehr freuen. Ein Marktbesuch ist ein tolles Erlebnis.

So faltet ihr euch eure kleine Geldbörse für den nächsten Marktbesuch ganz einfach selber.
Ihr braucht dazu:
– eine bunte Seite einer alten Zeitschrift oder eine Kinderzeichnung in A4
Und dann kann’s auch schon los gehen…

Legt euer Papier vor euch hin und faltet die untere, kurze Kante bis zur oberen Kante. Öffnet dann das Papier wieder.
Faltet dann ihr die langen, seitlichen Kanten aufeinander, sodass ein kleines Buch entsteht.
Öffnet das Buch wieder. Ein Faltkreuz ist entstanden.
Faltet alle Ecken entlang der Mittellinie zu einem Hausdach. Dreht das Papier und faltet ein zweites Hausdach.
Nun legt ihr die entstandenen Dachspitzen auf die Dachrinne und streicht die entstandene Falte gut fest. Oben und unten.
Klappt dann beide Seiten ein, sodass sie sich in der Mitte treffen.
Dreht das Papier um. Auf der Rückseite seht ihr wieder ein Faltkreuz.
Faltet nun die linke und die rechte (die kurzen) Seite zur Mittellinie.
Klappt dann die obere Seite nach unten.
Wenn ihr nun das zusammengefaltete Papier aufstellt, findet ihr eine Öffnung mit zwei Fächern.
Zieht aus einem Fach eine Ecke heraus. Dies ist der Verschluss eures Geldbeutels.
Ihr könnt den Geldbeutel bemalen, bekleben, beschriften… Ich bin sicher, die Kinder haben tausend Ideen.
Ihr findet, dass eure Kinder noch zu klein sind, um mit Geld zu hantieren? Bastelt euer eigenes Spielgeld, womit ihr auch im Verkaufsladen zu Hause bezahlt oder benutzt das gefaltete Portemonnaie für kleine, kostbare Bildchen oder Fotos.

Von Herzen wünsche ich euch und euren Liebsten ein wunderschönes Wochenende mit vielen sinnlichen, lustigen Abenteuern.
Habts fein und schön und wunderbar.
Alles Liebe, Sandra

 

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vielen lieben Dank

11 thoughts on “EINKAUFEN MIT KIND // AUF DEM BAUERNMARKT // GELDBÖRSEN DIY

  1. Eine gute Idee, keine Erdbeeren im Dezember zu kaufen!. Als wir Kinder waren, gab´s das gar nicht, wir freuten uns auf Mandarinen und die Eltern machten frischen Orangensaft. Aber es ist wirklich schwer im Supermarkt zu allen Verlockungen,(meist ungesund) widerstehen, da ist es für ein Kind besonders schwer. Tolle Idee mit der gefalteten Brieftasche. Liebe Grüße, Doris

    1. Liebe Doris, ich danke dir herzlich für deine Nachricht. Ja, uns hat der Nikolaus früher die Mandarinen gebracht… Das waren die leckersten Früchte überhaupt. Es ist auch ganz schön schwierig, im Supermarkt die Produkte zu erkennen, die saisonal sind. Wie soll man denn wissen, was im eigenen Land geerntet wird, wenn man das ganze Jahr hindurch die ganze Palette vor sich stehen hat…
      Ich wünsche dir ein wunderschönes Wochenende und sende herzliche Grüsse aus Wien.
      Sandra

  2. Liebe Sandra, wir versuchen auch so regional und saisonal wie möglich zu kaufen – Bananen und Zitrusfrüchte sind die Ausnahme. Gemüse und Obst (im Sommer gibt der Garten ja auch einiges her), Eier und Fleisch bekommen wir bei den Bauern im Umkreis. Das Milchproblem hab ich allerdings noch nicht lösen können, aber ich bin schon sehr lästig, dass wir im Ort endlich einen Milchautomaten bekommen.

    Meine Tochter ist recht entspannt beim Einkaufen, der Junior ist natürlich immer seeeeehr stark beeindruckt, von der riesigen Süßigkeiten-Auswahl im Supermarkt. Tja, und ich (schämenderweise) auch 😉 Den Mann nehm ich gar nicht mit, weil der kauft nur Blödsinn, da stoß ich auch auf taube Ohren, wenn ich sage: "Jeder darf sich EIN Teil aussuchen" 😉 glg und ein wunderschönes Wochenende, Uli

    1. Liebe Uli, da habt ihrs sehr fein bei euch. Ist voll schön, wenn man sich rundherum besorgen kann, was man so braucht. Ich bin jetzt noch immer sehr beeindruckt von der Süsswaren-Abteilung im Supermarkt… Auch wenn vieles für mich eh wegfällt (ich hab Zöliakie), ein bisschen gucken darf man ja.
      Ich habe diese Woche bei der Valerie einen Workshop gemacht und werde bestimmt hier im Blog darüber berichten. War so inspirierend und eigentlich so logisch, dass man sich die Dinge, die man so im Leben braucht, einfach selber macht. Danke dir für den Tipp.
      Ich wünsche euch ein voll schönes Wochenende. Alles Liebe
      Sandra

    2. Ach Zöliakie ist ja doof. Ich bleib aber meistens auch bei der Schoko, das ist mein böses Laster. Valerie hat mir schon erzählt, dass du bei ihr warst – das freut mich dann umso mehr, dass es dir gefallen hat. Aber ein bisschen neidisch bin ich ja schon, ich würde ja wieder gerne mal "fremd-kursln" 😉 aber wir haben halt alle zugleich Saison. Euch auch ein wunderbares Wochenende, glg

  3. oh mein Gott ich lieeebe Bauernmärkte und gehe wann immer ich kann. und dann ein gemütliches Käffchen für die Großen und dem Markttreiben zuschauen. Dafür bin ich immer zu haben. Am liebsten mit Mann und Kind ( Hund bleibt besser daheim ; )) Gutes Essen direkt von Menschen ist auch meine große Leidenschaft. Man schmeckt einfach den Unterschied. Nun hab ich was zum nachbasteln da wird sich jemand freuen Danke

    1. Liebste Kira
      Danke dir vielmals für deine liebe Nachricht. Also dass wir uns noch nie getroffen haben… Ich hoffe, es geht sich sehr bald ein gemeinsames Käffchen nach dem Marktbummel aus. Und die kleine Brieftasche kann dein Grosser schon ganz alleine falten.
      Sei lieb umarmt.
      Sandra

  4. Liebe Sandra
    Ach wie ist das schön, dass ich deinen Blog entdeckt habe. Wunderschöne Bilder, Texte die mir aus dem Herzen sprechen, es fühlt sich an wie nach Hause kommen!Eine echte Bereicherung, lieben Dank dafür!
    Bei mir im Kindergarten bringt auch der Samichlaus die ersten Mandarinen. Die Kinder essen sie genüsslich, sind es doch die allerbesten, süssesten Früchte.
    Am Montag habe ich mit den Kindern Samenkugeln hergestellt, jetzt freut es mich, diese auch auf deinem Blog zu finden.
    Hab eine schöne, sonnige Frühlingszeit!
    Liebe Grüsse aus der Schweiz
    Manuela

    1. Liebe Manuela
      Ich freue mich auch sehr, dass du meinen Blog entdeckt hast. Herzlichen Dank für deine lieben Worte. Ich komme ja ursprünglich auch aus der Schweiz, und ich war dort viele Jahre lang Kindergärtnerin, deshalb freue ich mich um so mehr über dich!
      Die Zeit als Kindergärtnerin war für mich so reich und lebendig, ich zehre noch immer davon und schreibe ab und zu über meine Erfahrungen und Gedanken darüber. Chindsgi isch doch eifach s Bescht!
      Ich wünsche dir von Herzen alles, alles Gute, ein wunderschönes Wochenende und schicke dir allerliebste Grüsse in die Schweiz.
      Alles Liebi, Sandra

  5. Liebe Sandra,
    ich habe deinen Blog seit November abonniert und finde die Fotos und Texte immer wunderschön und sehr inspirierend. Danke für die Anleitung für die gefaltete Geldbörse, die werde ich in den nächsten Tagen für meine dreijährige Enkeltochter Mia machen, sie wird sich sicher sehr darüber freuen!
    Ich selbst wünsche mir schon lange eine gehäkelte Einkaufstasche, die auf deinen Fotos gefällt mir ganz besonders gut!
    Sie erinnert mich ein bisschen an die Ballnetze, die meine Kinder immer in der zweiten Klasse gehäkelt haben.
    Ist sie selbst gemacht oder gekauft? Falls du eine Anleitung dafür hast (oder einen Link zur Anleitung), würde ich mich sehr darüber freuen, wenn sie gekauft ist, würde mich auch da eine Bezugsquelle interessieren.
    Vielen Dank und liebe Grüße,
    Elke

    1. Liebe Elke
      Vielen herzlichen Dank für deine liebe Nachricht. Ich freue mich sehr, dass du wohl bist bei der Lieblingsbande und wir dich ab und zu inspirieren.
      Das Einkaufsnetz habe ich selbst gehäkelt. Es ist ein kleines Modell, dass ich für meine Tochter gefertigt habe. Sie geht damit tatsächlich auf dem Markt einkaufen. Ich habe auf Pinterest eine Anleitung gefunden, habe sie jedoch nicht so ganz verstanden und deshalb so nach Gefühl gehäkelt. Guck mal hier: https://eriscreation.wordpress.com/handmade-with-love/haekeln/einkaufsnetz-haekeln/
      Viel Freude beim Häkeln und Falten.
      Alles Liebe aus dem sommerlichen Wien.
      Sandra

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