SchlagwortGedanken

EINKAUFEN MIT KIND // AUF DEM BAUERNMARKT // GELDBÖRSEN DIY

Einkaufen und einkaufen mit Kind sind zwei völlig verschiedene Tätigkeiten.

Bei der ersten geht es ums Besorgen der Lebensmittel für eine Familie. Bei der zweiten geht es ums Besorgen der Lebensmittel für eine Familie, währenddem man zwischen den Regalen die Kinder sucht, die ausgeräumten Regale wieder ordentlich einräumt, die unnötige und ausnahmslos ungesunde Schmuggelware im Wagen entdeckt und wieder auspackt, man über warum-wieso und weshalb-nicht diskutiert und dabei den Überblick über die Leckereien zu bewahren versucht, die weggegessen sind, bevor sie jemals das Förderband bei der Kasse auch nur berührt haben. Weiterlesen„EINKAUFEN MIT KIND // AUF DEM BAUERNMARKT // GELDBÖRSEN DIY“

SAMENBOMBEN SELBER MACHEN // DIY // NATURBEWUSSTSEIN

Wer einem eine Blume sät, blüht selber auf!

Wir haben es also getan. Samenbomben präpariert. Und ja, ich habe mir noch kurz darüber Gedanken gemacht, ob man die Samenbomben vielleicht auch Samenkugeln nennen könnte, weil Bombe ist immer so: hach, na ja. Aber dann habe ich gleich an die Zuckerbombe, die Sexbombe und an die Arschbombe gedacht und schwups: Alles durchaus positiv! Passt!

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WAS MAN IN JUNGE HERZEN PFLANZT // NATURBEWUSSTSEIN

Oder wie geht eigentlich Umwelterziehung?

Wir waren die Tage in der Schweiz. Haben staunend beobachtet, wie ein Kälbchen das Licht der Welt erblickt hat, wie die Meisen am Nistkasten ein- und ausgeflogen sind. Haben am Flussufer Feuer entfacht und darauf lecker Essen gekocht, Steine gesammelt und diese stundenlang über das Wasser gleitend in den Fluss geworfen. Wir haben Stöcke gesammelt, sind durch Wälder und über Wiesen getobt und haben Schmetterlingen beim Tanzen zugesehen. Gemeinsam in die Natur einzutauchen ist traumhaft. Mehr braucht ein Menschenkind eigentlich nicht. Meine ich. Bullerbü für alle!

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OSTERHASE MIT BURN-OUT // ODER WENIGER IST MEHR

Wer in den sozialen Medien unterwegs ist, kommt am grossen Verzicht, der Fastenzeit, nicht vorbei. Es wird gedetoxt, verzichtet und reduziert, gemeinsam oder ganz allein, aber immer mit der Community, die unterstützt, anspornt, bewundert und aber einem auch bei einem „Rückfall“ gut zuredet.

Daumen hoch, I like trotzdem oder eben gerade deswegen!
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NESTER UND KINDER // NILS-UDO // BÜCHER SIND LEBENSMITTEL

Wenn man gelegentlich umzieht, weiss man, dass es wichtig und richtig ist, sich von Dingen zu verabschieden. So haben wir bei unserem letzten Umzug auch einige Bücherkisten gepackt und diese weitergegeben. Schon auch bisschen schweren Herzens, denn Bücher sind Welten. Aber, trägt man die wirklich guten Geschichten in sich, braucht es meist kein Buch mehr dazu. Weiterlesen„NESTER UND KINDER // NILS-UDO // BÜCHER SIND LEBENSMITTEL“

DIE KRAFT DES GESANGES // ODER WARUM WIR NOCH MEHR SINGEN DÜRFEN MIT UNSEREN KINDERN

Singen ist die eigentliche Muttersprache des Menschen

(Yehudi Menuhin)

Wenn meine Kinder singen, dann geht mir das Herz auf. Ich könnte stundenlang zuhören, mich einlullen in diese Klänge, die aus der Seele kommen. Dann legt sich ein Gefühl über mich, das mir sagt: alles ist gut. Das Kind ist bei sich und im Einklang mit sich und der Welt. Sehr schön ist das.

Das Singen mit Kindern ist ein unterschätztes, aber ganz dringendes „must have“. Denn mit Gesang wird das Leben mit Kindern nicht nur schöner, sondern auch einfacher:

Die Stimme als erstes Instrument
Der Gesang ist vermutlich Ursprung der musikalischen Ausdrucksform des Menschen. Der Körper ist Klanginstrument und nichts trennt ihn von der Musik. Das Lied schlummert im Menschen drinnen. Seit jeher und hoffentlich für immer.

Singen macht glücklich

Ja, und das ist nicht so ein Eso-Dahergerede. Das ist jahrzehntelange eigene Erfahrung, und ganz nebenbei ist es sogar wissenschaftlich belegt. Denn beim Singen werden Hormone und Botenstoffe (wenn ihr es ganz genau wissen wollt: Serotonin, Noradrenalin und Beta-Endorphine) produziert, die uns glücklich machen. Jetzt wisst ihr auch, weshalb nach dem Singen von „Oh Tannenbaum“ und der „Stillen Nacht“ alle so berührt und zufrieden den Weihnachtsbaum angucken. Glück, so einfach ist das.
Musik macht das Herz weich. Ganz still und ohne Gewalt macht sie die Tür zu Seele auf.
(Sophie Scholl)
Singen verbindet und schafft Beziehung

Wenn wir zusammen sprechen, tut dies, optimalerweise, einer nach dem anderen. Singen aber tun wir gemeinsam. Zu zweit oder mit hundert anderen. Gemeinsames Singen schafft Beziehung, weil wir aufeinander hören, uns dazu gemeinsam bewegen, weil wir kommunizieren, weil wir dabei alle gleich sind. Singen verbindet und diese Verbindung schafft Vertrauen, den respektvollen Umgang miteinander und Akzeptanz.
Für jemanden ein Lied zu singen ist wie eine Liebeserklärung, auch ohne Leier, unterm Balkon des/der Angebeteten. Ein Geschenk aus der Seele und ein grosses Kompliment.

Singen gibt Halt
Wenn man als Kindergärtnerin eine Gruppe von über zwanzig Kinder begleitet, bedient man sich verständlicherweise der besten Tools, die es gibt. Für mich war und ist eines davon der Gesang. War es in der Gruppe unruhig und unrund, half ein Lied, die Kinder zu sammeln. Wenn gesprochene Worte nicht gehört wurden, halfen leise gesungene Worte garantiert. Denn nach und nach blickten die Kinder um sich, suchend, woher die Musik kam, traten heran, hörten zu. Immer (ok, zu 90%) haben sie gelauscht, und wenn ein Moment der Ruhe entstanden war, bot sich mir die Möglichkeit, zu sammeln, etwas Neues aufzugleisen, zu klären, zu unterstützen. 
Schwierige Übergänge vom Gruppenraum in die Garderobe, vom Aufräumen zurück in den Kreis, vom Kreis zum Tisch, waren immer mit Unruhe verbunden. Als hätten die Kinder für einen kurzen Augenblick den Halt verloren. Den aber konnte man ihnen gewähren mit einem Lied. 

Ein Lied hat die Kraft und den Zauber, einer ganzen Kindergruppe Rückhalt und Sicherheit zu geben. 

Eine gesungene Anweisung war oftmals wirkungsvoller als all das Gesagte, was die Kinder eh schon den ganzen Tag zu hören bekamen.

Singen nimmt die Angst
Ja, davon kann ich ein Lied singen. Musste ich als Kind alleine in den Keller, um eine Flasche Pepita zu holen, sang ich. Ich sang, weil es dunkel war und müffelte, weil der Keller im Mehrfamilienhaus voller zugestellter Holzverschläge war, hinter denen Wesen und Gestalten auf mich lauerten, kicherten, knackten, raschelten und knarzten. Aber wenn ich aus Leibeskräften um mein Leben sang, dann packte ich mich ein in einen Schutz aus Klang und zeigte all den Kellergestalten: „Hey, ich komme mit Gebrüll, ihr passt besser auf.“

Singen macht mutig und nimmt die Angst. Die Angst, im Dunkeln das Licht anzumachen, die Angst, alleine durchs Treppenhaus zu steigen oder auch die Nervosität vor einer Prüfung oder einem schwierigen Gespräch. Denn auch hier helfen die ausgeschütteten Botenstoffe und Hormone. Probiert es unbedingt aus.

Wer singt, verscheucht sein Unglück
(Spanisches Sprichwort)
Singen bringt den Körper in Bewegung
Singen geschieht mit dem ganzen Körper. Er ist Resonanz- und Klangkörper und noch viel mehr. Wenn wir singen, dann verändert sich unsere Körperhaltung. Wir richten uns auf, öffnen uns, um den Atem in uns aufzunehmen und um die Klänge aus dem Körper zu schicken. Wir klatschen den Takt mit den Händen oder klopfen ihn mit den Füssen, wir schnippen mit den Fingern, tanzen im Kreis, wir bewegen uns im Rhythmus oder untermalen das Gesungene mit passenden Bewegungen (eine tolle Möglichkeit übrigens, um sich Liedtexte zu merken!). Gerade auch weil das Singen unseren ganzen Körper berührt, macht es uns so sehr zufrieden, glaube ich.

 
Singen ist Musizin
Kein Pflaster, kein Coldpack auf dieser Welt heilt so sehr, wie ein leises Lied 
„Heilä, heilä Sägä, drüü Tag Rääge.“ 
Die Wärme der Stimme, die Hingabe und die liebevollen Berührungen dabei lassen die Seele und das aufgeschlagene Knie viel schneller heilen als alles andere.
Singen heisst atmen, atmen heisst leben
Als mein Sohn ein Baby war, war er abends oft ulidig. Am liebsten wolle er getragen werden, und wenn ich dabei sang, war die Welt in Ordnung, er wurde ganz ruhig und war ganz bei sich. So legte ich Kilometer um Kilometer in der Berliner Wohnung zurück, mein Baby am Herzen tragend und singend. Und nicht nur ihm, auch mir hat es gut getan zu singen, denn meine Gesangsmeditation hat mich gelehrt, zu atmen, mich zu beatmen, Sauerstoff und somit Kraft zu tanken statt vor Müdigkeit zusammenzubrechen.
Ein Lied ist wie ein warmer Frühlingwind, der einem durch den Tag tanzen lässt, obwohl man eigentlich beschlossen hat, kommatös müde zu sein. 
Singen fördert die Sprachentwicklung
Lieder sind eine Form gesungener Sprache. Wenn wir Lieder singen, dann geschieht dies sehr viel langsamer, als wenn wir sprechen, auch weil wir das Tempo eines Liedes dem Kind anpassen. Wir bewegen den Mund mehr und betonen die einzelnen Silben stärker. Singen ist eine lusvtolle Art, die Sprachentwickling zu unterstützen.

Singen in den Alltag integrieren
Ich bin mir sicher, dass viele von euch singen, wenn ihr eure Kinder zu Bett bringt. Mit einem Lied den Tag abzuschliessen ist wohl die beruhigendste, innigste und allerschönste Art, ein Kind in die Nacht zu begleiten. 
Aber nicht nur abends, auch durch den ganzen Tag kann euch das Singen unterstützen. 
– Die Kinder mit einem Lied aufwecken
Es ist schön, den Tag mit einem Lied abzuschliessen, aber es ist auch wunderschön, den Tag mit einem Lied zu beginnen. Guckt mal, wie es sich für eure Kinder anfühlt, wenn ihr sie morgens mit einem leisen Lied aufweckt.
– Zähneputzen
Ja, das ist manchmal so eine Sache… eine üble Sache, weil Zähneputzen ist blöd. Aber (bei uns zu Hause) muss sein. Es gibt zahlreiche Zahnputzlieder, die ihr beim Zähneputzen singen könnt. Meine Kinder lieben Quatschlieder am allerliebsten. Wie ein Löwe eine Oper singt? Ha, nichts leichter als das und schwuppdiwupp ist die obere Zahnreihe schon geputzt… Es klappt auch bei uns nicht immer, aber ab und zu.
– Vor dem Essen ein Lied singen
Das „Sich-an-den-Händen-halten“ und zusammen ein Lied vor dem gemeinsamen Essen singen, ist nicht jedermanns Sache (haha, ich seh meinen Schwager vor mir,  grosse Augen, als er uns an den Händen halten soll und denkt: Oh Scheisse, in welche Sekte bin ich hier geraten…). Aber ein kurzes Lied oder auch ein Spruch vor dem Essen hat was Verbindendes und zeigt klar an, wann das Schmausen beginnt.
– Aufräumen…
Ohjehmine, das Aufräumen, eine leidige Sache, die den Kindern manchmal echt schwer fällt. Aber auch dabei gilt: Das gemeinsame Singen währenddem gibt Halt und lässt die Kinder leichter dabei bleiben. Es lenkt ab von dieser „Tortur“ und macht das Ganze einfach lustiger.
Nutzt die Kraft eurer Stimme, um euer Tun zu unterstützen.
– Sich Anziehen
Auch so ne Sache, vor allem im Winter, mit den tausend Schichten. Wie wäre es, das Anziehen mit dem Hampelmannlied zu untermalen? Ist einen Versuch wert. Vor allem, wenn man daraus auch wieder ein Quatschlied macht. Immer lustig bleiben!
– Singend auf den Weg gehen
Nörgelig auf dem Sonntagsspaziergang? Oder schon bissl müde vom Wandern? Ein Lied hilft, denn gemeinsames Singen verleiht Bärenkräfte.
– Stimmung am Nullpunkt
Ich weiss, gerade dann ist es schwierig zu singen. Aber auch ein gesungener Katzenjammer ist Gesang, und wenn man dann noch heult wie ein Wolf bei Vollmond oder singt wie der Esel von den Stadtmusikanten, dann kann der Kummer vielleicht ein bisschen weichen. Wenn selbsterfundene Quatschlieder und umgetextete Kinderklassiker gesungen werden, dann wird gelacht und es wächst Glück. Einfach so, mit nichts als einem Lied.
– Gute Nacht
Ohne Gute-Nacht-Lied gehts nicht. Wie soll ein Kind in die Nacht gehen, wenn wir nicht noch singen? Unmöglich.

 
Bei manchen Völkern wird der Reichtum eines Menschen daran bemessen, wieviele Lieder er im Herzen trägt.
(unbekannter Autor)
Wenn Kinder singen, verzaubern sie die Welt, und ich behaupte, dass jeder Erwachsene gesungen hat, als Kind. Viele tun das noch immer, aber leider gibt es auch jene, denen irgendwann mal gesagt wurde, dass sie nicht singen können. Und deshalb lassen sie es lieber sein. Schade, man sollte wirklich nicht alles glauben, was so dahergeredet wird. Denn, ganz egal, ob man singt wie eine Nachtigall, oder ob man das Gefühl hat, eher im Team Krähe zu trällern, lasst euch bloss nichts einreden. Singen ist wie Tanzen oder Träumen, man kann es einfach.  Schlussendlich, so glaube ich, kommt es, wie so oft im Leben, auf das Gefühl an, welches ihr durch euren Gesang transportiert. Ich bin mir sicher, wenn ihr für eure Kinder singt, werden sie selig, glücklich und verzaubert, weil ein Lied die Gabe hat, einem einzulullen, wie eine warme Decke während einer kalten Winternacht. 
Ich wünsche euch alles Liebe, immer wieder ein fröhliches Lied auf den Lippen und ein feines Wochenende.
Sandra

STEINSUPPE / BÜCHER SIND LEBENSMITTEL

Wo Menschen sich begegnen, wird geredet und ausgetauscht. Wo Menschen sich begegnen und gemeinsam Feuer machen, wird gleich gewerkelt, ausprobiert, in die Glut gepustet, den Flammen zugesehen, gefachsimpelt und sich aufgewärmt. Wo Menschen sich um ein Feuer begegnen und Geschichten hören, entsteht eine Gemeinschaft. Weil alle einer Stimme lauschen, weil man sich von den Worten wegtragen lässt, in eine andere Welt. Weil zusammen gestaunt, gebangt und gelacht wird.

Wenn nach einer Geschichte gemeinsam vom Feuer in einem grossen Topf gekocht und zusammen gegessen wird, entsteht Wärme im Bauch und überall, Glück und Freude und vielleicht ein Erlebnis, das in Erinnerung bleibt, für immer.
Es ist Nacht.
Es herrscht Winter.
Ein alter Wolf nähert sich dem Dorf der Tiere.

So beginnt die Geschichte der Steinsuppe*,  aus dem gleichnamigen Bilderbuch von Anais Vaugelade (Moritz Verlag). 

Der Wolf ist hungrig. Er trägt einen Sack mit einem schweren Stein auf seinem Rücken. Er klopft bei der Henne, denn er will auf ihrem Feuer eine Steinsuppe kochen. Die Henne erschrickt, öffnet aber die Türe, weil sie neugierig ist und weiss, dass der Wolf nur noch einen Zahn hat. Steinsuppe. Wasser und Stein in den Topf und dann übers Feuer. Die Henne ist skeptisch und fragt: „Ist das alles? Also ich tu ja in meine Suppen immer ein bisschen Sellerie.“ Und der Wolf meint: „Das kann man, das gibt einen gewissen Geschmack.“ 
Und so kochen die zwei, bis weitere Tiere an die Türe klopfen und eines nach dem anderen noch was dazugibt in die Suppe, für den gewissen Geschmack. Schlussendlich sitzen alle, essen, reden, bis der Wolf den Stein aus der Suppe nimmt „ah, noch nicht ganz durch“ und diesen wieder in seinen Sack packt. Für das nächste Abendessen.
Eine zauberhafte Geschichte über das Zusammenkommen, das Teilen und gemeinsame Essen, das Überwinden von Ängsten und Verwerfen von Vorurteilen, die Lust, was Gemeinsames zu schaffen und die Bereitschaft, Zeit miteinander zu verbringen. Sie war für mich der Anlass, eine Steinsuppe vom Feuer in unserem Garten zu kochen. Zusammen mit Nachbarn und Freunden. Und alle sind gekommen und haben von Herzen mitgetan. 
Zuerst habe ich den Kindern und grossen Menschen die Geschichte vorgelesen, dann haben wir gemeinsam gekocht. Wir hatten Feuer, einen grossen Topf mit Wasser, einen Stein von den Alpen und jeder hat etwas geschnippeltes Gemüse mitgebracht. Für den Geschmack. 
Und nach einer Stunde wurde eine Suppe gegessen, die war so fein und herzhaft und reich, dass wir heute noch davon träumen. Bis es dunkel wurde standen wir ums Feuer, redeten, tranken, assen. Die Kinder spielten, lachten, warfen ab und zu wieder ein Stock ins Feuer. 

Manchmal reicht ein Feuer, ein Topf, ein paar Karotten und eine Geschichte, damit Menschen zusammenkommen und gemeinsam etwas Schönes erleben. 

Übrigens: Der Stein aus unserer Suppe war noch nicht ganz durch. Was für ein Glück, so können wir noch einmal Steinsuppe damit kochen.

Bitte nachmachen, teilen und weitererzählen, denn gute Dinge machen das Leben noch viel feiner.
Alles Liebe 
Sandra

In unserem Topf sind übrigens Zwiebeln, Sellerie, Broccoli, Süsskartoffeln, Karotten, Zucchini, Rosmarin, ein Lorbeerblatt, Fenchel, rote Rüben und Kürbis zusammengekommen. Ich sags euch; das alles und noch eine Prise Feuer… so, so LEIWAND. 

Ein anderes Bilderbuch der Steinsuppe „Stone Soup“ von Jon j. Muth ist ebenfalls sehr empfehlenswert. Die Geschichte ist die selbe. Drei Mönche kommen in ein chinesisches Dorf, in dem niemand miteinander spricht. Dann kochen sie Steinsuppe, den Rest könnt ihr euch denken. Ein traumhaft illustriertes Bilderbuch. Gibt es hier*.

Verlinkt mit naturkinder
Danke.

     

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EIN NIGELNAGELNEUES JAHR / FRAU HOLLE, BITTE KOMMEN

  
Euch allen ein sonniges, glückerfülltes, purlimunteres funkelnigelnagelneues Jahr voller zauberhaften Augenblicken, herzlichen Begegnungen und Ideen, die eure Augen zum leuchten bringen.
Wir haben unsere Feiertage in Wien verbracht (mit zwischenzeitlich nicht so feierlicher Magen-Darm… ach, ihr wisst schon…), zusammen mit Familie und lieben Freunden. Gemütlich, fröhlich, aufregend und doch wunderbar unspektakulär. Jetzt, wo alle Feierlichkeiten vorbei sind und uns der Alltag von Weitem wieder zuzwinkert, merke ich erst, wie ruhig und gelassen wir in dieses völlig unverplante, neue Jahr aufgebrochen sind. 
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne… 

Die Ruhe und Leere nach der aufregenden Zeit sind es auch, die einem wieder näher zusammenrücken lassen und die „Langeweile“ kostbar und zauberhaft machen. Es scheint, als würden die Sinne, nach dieser Zeit der Fülle, wieder neu geschärft und als hätten sie wieder die Möglichkeit, sich neu zu entfalten. Der Blick auf das Wesentliche, das Ursprüngliche und wirklich Wichtige wird klarer, und es fällt mir nach den reichen Dezembertagen leichter, Altes gehen zu lassen, um Platz zu schaffen für das, was kommt, oder einfach Platz zu schaffen für die Leere, die mich manchmal so inspiriert. 
Die Kinder haben noch Schulferien und so geniessen wir die Vormittage im Schlafanzug beim Spielen und Lümmeln, Pläne schmieden und schöne Sachen aushecken, währenddem wir sehnsüchtig auf Schnee warten. Leider will der einfach überhaupt nicht kommen. Da hilft auch das Flehen und aus dem Fenstergegucken nichts. Auch ich wünschte mir ein paar Flocken, die das Braun-Dunkelgrün mit Weiss und Stille bedecken und uns hinaus locken würden, in den leuchtenden Glitzerschnee. Ja, das wäre wunderbar. Es scheint aber gerade, als hätte hier in Wien die megafaule Marie die tüchtige Goldmarie abgelöst.
Und weil es grade ist, wie es ist, erwische ich mich immer wieder, wie ich an Tulpen auf dem Küchentisch denke, und hätte ich einen Jahreszeitenregler, ich würde ihn gleich hier und jetzt, ohne mit der Wimper zu zucken, auf Frühling drehen. Mit dem neuen Jahr und dem schneefreien Januar ist die Lust gekommen, alles wieder wachsen und gedeihen zu sehen…
Ja, ich werde geduldig warten, Geschichten vom Schnee erzählen und das Märchen von Frau Holle vorlesen. Denn der Januar war und ist auch immer ein Märchenmonat. Ganz nah beieinander, so, wie schon vor vielen Jahren während der Rauhnächte, ist es am allerschönsten, Märchen zu lauschen und von verschneiten Welten zu träumen. 
Wenn bei euch auch kein Schnee liegt und ihr euch danach sehnt, oder ihr euch tagtäglich im Schnee vergnügt, euch mit roten Wangen und eisiger Nasenspitze  bei einem Märchen wieder aufwärmen wollt, habe ich für euch das Märchen von Frau Holle hier angefügt.

  
Frau Holle
Eine Witwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleissig, und die andere hässlich und faul. Sie hatte aber die hässliche und faule, weil sie ihre rechte Tochter war, viel lieber, und die andere musste alle Arbeit tun und der Aschenputtel im Hause sein. Das arme Mädchen musste sich täglich auf die grosse Strasse bei einem Brunnen setzen, und musste so viel spinnen, dass ihm das Blut aus den Fingern sprang.
Nun trug es sich zu, dass die Spule einmal ganz blutig war, da bückte es sich damit in den Brunnen und wollte sie abwaschen; sie sprang ihm aber aus der Hand und fiel hinab. Es weinte, lief zur Stiefmutter und erzählte ihr das Unglück. Sie schalt es aber so heftig und war so unbarmherzig, dass sie sprach „hast du die Spule hinunterfallen lassen, so hol sie auch wieder herauf.“
Da ging das Mädchen zu dem Brunnen zurück und wusste nicht, was es anfangen sollte: und in seiner Herzensangst sprang es in den Brunnen hinein, um die Spule zu holen. Es verlor die Besinnung, und als es erwachte und wieder zu sich selber kam, war es auf einer schönen Wiese, wo die Sonne schien und viel tausend Blumen standen. Auf dieser Wiese ging es fort und kam zu einem Backofen, der war voller Brot; das Brot aber rief : „Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich – ich bin schon längst ausgebacken.“ Da trat es herzu, und holte mit dem Brotschieber alles nacheinander heraus. Danach ging es weiter und kam zu einem Baum, der hing voll Äpfel und rief ihm zu: „Ach schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.“ Da schüttelte es den Baum, dass die Äpfel fielen, als regneten sie, und schüttelte, bis keiner mehr oben war; und als es alle in einen Haufen zusammengelegt hatte, ging es wieder weiter.
Endlich kam es zu einem kleinen Haus, daraus guckte eine alte Frau, weil sie aber so grosse Zähne hatte, ward ihm angst, und es wollte fortlaufen. Die alte Frau aber rief ihm nach: „Was fürchtest du dich, liebes Kind? Bleib bei mir, wenn du alle Arbeit im Hause ordentlich tun willst, so soll dir’s gut gehn. Du musst nur acht geben, dass du mein Bett gut machst und es fleissig aufschüttelst, dass die Federn fliegen, dann schneit es in der Welt; ich bin die Frau Holle.“
Weil die Alte ihm so gut zusprach, so fasste sich das Mädchen ein Herz, willigte ein und begab sich in ihren Dienst. Es besorgte auch alles nach ihrer Zufriedenheit, und schüttelte ihr das Bett immer gewaltig auf, dass die Federn wie Schneeflocken umherflogen; dafür hatte es auch ein gut Leben bei ihr, kein böses Wort, und alle Tage Gesottenes und Gebratenes.
Nun war es eine Zeitlang bei der Frau Holle, da ward es traurig und wusste anfangs selbst nicht, was ihm fehlte, endlich merkte es, dass es Heimweh war; ob es ihm hier gleich viel tausendmal besser ging als zu Hause, so hatte es doch Verlangen dahin. Endlich sagte es zu ihr: „Ich habe den Jammer nach Haus kriegt, und wenn es mir auch noch so gut hier unten geht, so kann ich doch nicht länger bleiben, ich muss wieder hinauf zu den Meinigen.“
Die Frau Holle sagte: „Es gefällt mir, dass du wieder nach Hause verlangst, und weil du nur so treu gedient hast, so will ich dich selbst wieder hinaufbringen.“
Sie nahm es darauf bei der Hand und führte es vor ein grosses Tor. Das Tor ward aufgetan, und wie das Mädchen gerade darunter stand, fiel ein gewaltiger Goldregen, und alles Gold blieb an ihm hängen. so dass es über und über davon bedeckt war. „Das sollst du haben, weil du so fleissig gewesen bist“, sprach die Frau Holle und gab ihm auch die Spule wieder, die ihm in den Brunnen gefallen war. Darauf ward das Tor verschlossen, und das Mädchen befand sich oben auf der Welt, nicht weit von seiner Mutter Haus; und als es in den Hof kam, sass der Hahn auf dem Brunnen und rief:

„Kikeriki, unsere goldene Jungfrau ist wieder hie.“
Da ging es hinein zu seiner Mutter, und weil es so mit Gold bedeckt ankam, ward es von ihr und der Schwester gut aufgenommen.
Das Mädchen erzählte alles, was ihm begegnet war, und als die Mutter hörte, wie es zu dem grossen Reichtum gekommen war, wollte sie der andern hässlichen und faulen Tochter gerne dasselbe Glück verschaffen. Sie musste sich an den Brunnen setzen und spinnen; und damit ihre Spule blutig ward, stach sie sich in die Finger und stiess sich die Hand in die Dornhecke. Dann warf sie die Spule in den Brunnen und sprang selber hinein. Sie kam, wie die andere, auf die schöne Wiese und ging auf demselben Pfad weiter. Als sie zu dem Backofen gelangte, schrie das Brot wieder: „Ach zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich, ich bin schon längst ausgebacken.“ Die Faule aber antwortete: „Da hätt ich Lust, mich schmutzig zu machen“, und ging fort. Bald kam sie zu dem Apfelbaum, der rief: „Ach schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.“ Sie antwortete aber: „Du kommst mir recht, es könnte nur einer auf den Kopf fallen“, und ging damit weiter. Als sie vor der Frau Holle Haus kam, fürchtete sie sich nicht, weil sie von ihren grossen Zähnen schon gehört hatte, und verdingte sich gleich zu ihr.
Am ersten Tag tat sie sich Gewalt an, war fleissig und folgte der Frau Holle, wenn sie ihr etwas sagte, denn sie dachte an das viele Gold, das sie ihr schenken würde; am zweiten Tag aber fing sie schon zu faulenzen an, am dritten noch mehr, da wollte sie morgens gar nicht aufstehen. Sie machte auch der Frau Holle das Bett nicht, wie sich’s gebührte, und schüttelte es nicht, dass die Federn aufflogen. Das ward die Frau Holle bald müde und sagte ihr den Dienst auf.’ Die Faule war das wohl zufrieden und meinte, nun würde der Goldregen kommen; die Frau Holle führte sie auch zu dem Tor, als sie aber darunter stand, ward statt des Goldes ein grosser Kessel voll Pech ausgeschüttet. „Das ist zur Belohnung deiner Dienste“, sagte die Frau Holle und schloss das Tor zu.
Da kam die Faule heim, aber sie war ganz mit Pech bedeckt, und der Hahn auf dem Brunnen, als er sie sah, rief:
„Kikeriki, unsere schmutzige Jungfrau ist wieder hie.“
Das Pech aber blieb fest an ihr hängen und wollte, solange sie lebte, nicht abgehen. 

(Kinder- und Hausmärchen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Brüder Grimm))

Übrigens: Falls ihr beim Erzählen immer mal wieder zum Weihnachtsbaum schielt und ihr euch im Geheimen denkt: Was wird wohl aus dir werden… So habe ich eine feine Weihnachtsbaum-Upcycling-Idee, die perfekt zu Frau Holle passt und die ich euch nächste Woche gerne vorstellen möchte.

Bis dann wünsche ich euch, dass euch euer Anfang in Ruhe und Gelassenheit gelingen mag, sodass auch der kleinste Alltags-Zauber spürbar wird.
Alles Liebe, Sandra 

Über Schnee- und Winterbilderbücher habe ich hier bereits geschrieben. Schaut rein, falls ihr mehr literarischen Schnee braucht.

Das zauberhafte Märchenbuch „Die 100 schönsten Märchen der Gebrüder Grimm“ mit den Bildern von Daniela Drescher findet ihr hier.*

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BESEELTE WOLLSCHÄFCHEN DIY

Seit vielen Jahrhunderten wickeln die Menschen Wolle. Vom Strang der Spindel zu handlichen Wollknäueln, die verstrickt werden. Seit immer schon sitzt man zusammen, redet und wickelt Wolle. Versunken in den Bewegungen der Hände gleitet die Wolle durch die Finger. Auch Kinder wickeln. Als wäre es in den Zellen, wickeln sie Wollfäden um ihre eigenen Hände, Schnüre um Stuhlbeine, Verbandszeug tausendmal um ihr Kuscheltier, wickeln ihre Schneckenbänder um Arme und Beine, und als ich letztens den Gürtel meines Bademantels vermisste, fand ich ihn zu einem Strang gewickelt im Kinderzimmer. Darin ein wunderschöner Schatz… 

Als wir für das Kinderlädchen des Waldorfbazars nach geeigneten Produkten Ausschau hielten, stiess Sofia auf die Idee der zauberhaften Wollschafe. Diese fertigten wir dann auch gleich mit der ganzen ersten Klasse an und waren begeistert von der wollenen Schafherde, die in so kurzer Zeit auf einfache und lustvolle Art und Weise entstanden ist.
Die Herde ist so hübsch geworden, dass ich euch gerne daran teilhaben lassen möchte.

Ihr braucht: 
– ein Stück Wellkarton einer Kartonkiste 
– einen Stift
– eine Schere
dicke Wolle
– einen Klebestift
– ev. Klebesterne 

So wird’s gemacht:
Zeichnet auf dem Karton euer Schaf vor. Falls eure Kinder die Schafe vorzeichnen, dann zeichnet die Kontouren so nach, dass Hals und Beine dick genug sind, dass die Schafe gut ausgeschnitten werden und, wenn sie umwickelt sind, gut stehen können.
Schneidet die Schäfchen doppelt aus und benutzt einen Kartonrest, um einen Distanzhalter für den Bauch zu falten:
Damit die Schafbeine beim Wickeln nicht zu nah zusammen kommen, braucht ihr ein Stück Karton, den ihr ein paar mal faltet und dem Schäfchen in den Bauch (zwischen die beiden Bäuche) klebt. Das gibt ein bisschen Luft und lässt die Schäfchen nach dem Umwickeln besser stehen.
Ein Gedanke, bevor ihr nun das Schaf in die feine Wolle wickelt:  Es ist ein sehr schönes Ritual, einem selbstgebastelten Tier, einer genähten Puppe oder einem selbstgemachten Wesen eine Seele einzuhauchen. Ein Wesen zu beseelen heisst, es lebendig zu machen. Für die Kinder bedeutet das auch, sich noch mehr zu verbinden mit dem was sie fertigen. Ihre Werkarbeit wird dadurch noch wertvoller, individueller und noch einzigartiger.
Ein Wesen zu beseelen heisst, in Verbindung zu treten, ihm Leben einzuhauchen und es ganz seins werden zu lassen. Ein gedanklicher Herzschlag.
Für einen kurzen Moment halten wir inne. Das Kind sucht sich einen goldenen Stern aus und gemeinsam überlegen wir uns einen Wunsch, einen Gedanken, ein Gefühl. Manchmal ist es nicht möglich oder nötig, dies in Worte zu fassen. Es geht alleine um die Stimmung, in die die Kostbarkeit und die Kraft der Beseelung eingepackt wird.
Dann kleben wir den Stern, mit dem Anfangsstück des Wollfadens auf den Bauch oder auf das Herz des Schafes und besiegeln unsere Gedanken.  
Die Kleine liess ihren Blick vom nackten Kartonschaf auf die warme Wolle gleiten. Dann nahm sie einen goldenen Stern und sagte: „Ich wünsche dir, dass dir ganz warm ist.“ 
Dann beginnen wir mit dem Umwickeln. Zuerst werden die Schafe von der Brust zum Po umwickelt, dann vom Bauch zum Rücken bis um den Hals und zum Kopf. Das Gesicht des Schafes bleibt frei. Wickeln und reden, wickeln und entstehen lassen, so lange, bis das Schaf wollig und wohlig ist. Schön ist es auch, wenn wir mit Gesang oder mit einem Vers das rhythmische Wickeln unterstützen. Dabei wird die Feinmotorik und die Hand- Hand- Augenkoordination auf lustvolle und sinnliche Art und Weise geübt. 
Am Schluss stecken wir das Ende des Wollfadens unter das Gewickelte, biegen die Beinchen etwas auseinander und dann kann es los gehen, auf die Schafweide, in den Stall zu Maria und Josef und auf Entdeckungsreise.
In ein paar Tagen ist Weihnachten. Die Zeit rennt… 
Ich wünsche euch bis dahin entspannte, warme und wohlige Tage und immer wieder ein bisschen Zeit um durchzuatmen und den Boden unter den Füssen zu spüren.
Habts fein. Sandra
     
Lieben Dank.           

24 TAGE VOLLER LICHT – DER UMGEKEHRTE ADVENTSKALENDER


Tausende von Kerzen kann man am Licht einer Kerze anzünden, ohne dass ihr Licht schwächer wird. Freude nimmt nicht ab, wenn sie geteilt wird.
Siddhartha Gautama Buddha
Noch 24 Tage bis Weihnachten… Und bestimmt haben sich viele von euch Gedanken darüber gemacht, wie ihr den Kindern das Warten und das sich Sehnen bis zum Weihnachtsfest versüssen könnt. Denn die 24 Tage würden einfach viel zu lange dauern und das Warten einem wahnsinnig machen, würde man nicht jeden Tag ein Türchen öffnen dürfen, eine Geschichte hören, eine Kerze anzünden, ein kleines Päckchen auspacken oder nach und nach das Adventsgärtlein aufbauen. 
Der Adventskalender ist aber auch eine ganz zauberhafte Erfindung, die Kinder auf das grosse Fest vorzubereiten und die Vorfreude zu nähren. Meine Kinder stehen in der Adventszeit jedenfalls leichter und viel lieber auf als an den Morgen der restlichen 11 Monate… Tja.
Vor ein paar Tagen bin ich auf das Projekt des umgekehrten Adventskalenders von Streetlife Wien gestossen und beschloss, dass wir dieses Jahr mitmachen bei der Aktion. Ein tolles Projekt, wie ich finde, bei dem man jeden Tag etwas verschenkt, statt was zu bekommen. Die Idee ist: Ab dem 1. Dezember jeden Tag ein neues, haltbares Produkt in eine Kiste zu packen und an Weihnachten zu einer Sachspenden-Annahmestelle zu bringen. Wir haben uns entschieden, dass unser gefüllte Adventskalender zur Caritas gebracht wird. Hier findet man die Listen, was in welchem Haus an aktuellen Sachspenden am dringendsten benötigt wird. Denn, nicht alle Mamas und Papas machen sich Gedanken über stimmige Weihnachtsvorbereitungen ihrer Kinder. Nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil sie nicht dazu kommen. Weil die Kraft fehlt, die Musse, die Mittel. Weil die Sorgen gross sind, Ängste und Trauer sie erdrücken, weil Not herrscht und weil sich manche fragen, wie sie den nächsten Tag überstehen.
Es ist richtig, sich die Adventszeit schön zu gestalten. Es ist wichtig, sich auf Weihnachten freuen zu dürfen, auf ein Fest, welches man in Gemeinschaft verbringt, sich nah ist, es sich fein macht.
Vorbereitungen sind gut und sinnvoll und pflegen die Seele der Kinder, wenn wir ganz einfach, aber voller Liebe, jeden Tag etwas Kleines für sie bereit haben. Das ist auch gar nicht materiell gemeint. Eine Geschichte, ein Lied, währenddem man gemeinsam die Kerze anzündet, können Momente des grossen Glücks sein. 
Aber es ist einfach schön, wenn dabei die anderen nicht vergessen werden. Die Kinder eben, deren Eltern jetzt grad nicht können.
Meine Lütten mögen ja immer nicht mitgehen zum Einkaufen. Grosses Gemaule und Zeitlupentempo, wenn wir los wollen. Aber diesmal waren sie voller Freude und haben mit viel Herzblut eingekauft. Der Grosse meinte: „Ich weiss eben am Besten, was Kinder so brauchen.“ Und das stimmt ja so sehr.
Ab Freitag dürfen die Kinder jeden Tag eines der ausgewählten Produkte in die vorbereitete Geschenkeschachtel legen. Sie freuen sich jetzt schon aufs Herrichten der Kiste. Wenn sie gefüllt ist, vor Weihnachten, überbringen wir unser Paket der Caritas und hoffen fest darauf, dass wir so etwas Licht und Wärme überbringen dürfen.
 
Ha, ha, ich höre die Kritiker denken: „Das bringt doch nüscht. Eine Kiste reicht doch niemals.“ Stimmt, da habt ihr vollkommen recht. Es braucht ne ganze Menge Kisten. Mitmachen ist pipileicht! Hier findet ihr alle Listen der aktuellen Sachspenden der Caritas.
Weil es einfach noch viel schöner ist, mit der Familie und den liebsten Freunden Weihnachten zu feiern, wenn man weiss, dass es andere auch gut haben.
Viel Licht und Liebe, euch und euren Liebsten.
Sandra
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Der umgekehrte Adventskalender gibt es übrigens auch in Deutschland. Hier findet ihr Infos dazu.

Übrigens: Ja, auch meine Kinder haben Adventskalender. Abwechselnd dürfen sie ein kleines Päckchen öffnen und/oder ein Schnürchen am Holzkalender ziehen, bei dem ein Tier in die Schneelandschaft huscht. Am 24. Dezember wird dann der Weihnachtsbaum zum Vorschein kommen. Der Holzkalender ist meine Diplomarbeit, die ich als Kindergärtnerin im Werkunterricht geschaffen habe. Adelheid Schait hat den genialen „Bauplan“ gefertigt, und zusammen mit meinem Vater habe ich Wochenende um Wochenende gesägt, geschliffen, getüftelt und gemalt. 

Den Adventskalender hängen wir jeden Dezember in unsere Stube. Seit gefühlten hundert Jahren. Und noch immer finde ich ihn wunderschön.