MonatNovember 2016

Wünschereien

Ich habe sie als Kind geliebt, diese Kataloge in der Vorweihnachtszeit. Voller Spielsachen, voller Sehnsüchte. Ich konnte stundenlang darin blättern, abwägen, aussuchen. Und wenn meine Eltern auch sagten, dass in diesen Prospekten eigentlich nur Mist drinnen sei, es war mir egal, denn ich fand es einfach nur traumhaft. 
Klar, da ist hauptsächlich Schrott drin. Und trotzdem; meine Kinder stöbern die Hefte durch, diskutieren, wägen ab, was sie ausschnippeln, besprechen, zu wem was passen würde, wer sich was wünschen könnte, kleben all die wichtigen Schnipsel fein säuberlich auf und beschriften, für wen dann was ist. Sie verbünden sich, freuen sich; und sie träumen…
Mal abgesehen vom Schrott klingt das alles doch einfach grossartig! 
Na dann; her mit den ollen Magazinen!

Kinderküche

Sternschnuppensuppe à la Räuberbande
Ich bin eine Null am Herd und ich verspreche euch, dass ich euch verschonen werde mit Tipps aus meiner Küche. ABER eins möchte ich euch dennoch nicht vorenthalten, denn eine Sternschnuppensuppe, gezaubert mit der Räuberbande, geht jederzeit flugs auswendig und freihändig…
und draussen, über dem Feuer gekocht, schmeckts gleich noch viel leckererer.
Ihr braucht:
Gemüsebrühe
Karotten
kleine Nudeln/Suppeneinlagen
Erbsen (TK) oder sonstiges Gemüse, halt was eure Kinder mögen.
Kocht die Gemüsebrühe auf, schält die Karotten und schneidet sie in Stücke. Sterne zu schneiden geht ganz leicht: einfach “Dreiecke” aus den Karottenscheibchen schneiden, voilà. 
Gebt die Sternkarotten, die ausgeschnittenen “Sternschnuppen” und die Suppennudeln (und alles, was ihr sonst noch in der Suppe mögt) in die kochende Brühe und lasst alles so lange kochen, bis die Nudeln gar sind (etwa 10 Minuten). Fertig.
Zusammen mit einer Butterstulle: niamniam.
Und ihr so?

ANGEKOMMEN ODER ÖSTERREICHISCH FÜR NEULINGE

Wenige Wochen nach unserem Umzug von Berlin nach Wien sass mein Grosser in der Garderobe im Kindergarten, hielt seine Wikinger-Hausschuhe in den Händen und meinte nachdenklich:
Mama, das sind jetzt keine Hausschuhe mehr.
Ich so: Ach ja?
Er: Das sind Batschen.
Ich: Was?
Er: Baaaatschen
Ich: Oh.
Batschen? Klingt nicht wirklich gluschtig. Na ja, tun Finken ja irgendwie auch nicht…
Dann neulich auf dem Weg in den Kindergarten.
Er: Oh nein mama, wir (WIR???) haben meine Haube vergessen.
Ich: Ach, dein Hut haben wir zu Hause liegen lassen. Nicht schlimm.
Er: Ur schlimm!
Ich: Vielleicht haben die Tanten einen Ersatz.
Er: Passt.
Ich: Wie passt?
Er: Na, kenn mich aus!
Ich: Ok…
So ist es mit dieser Sprache, die ja, ach, so gleich ist wie unsere. Hab ich mich doch vom Occasions-Velo erst gerade an das gebrauchte Fahrrad gewohnt, kommt jetzt nochmal alles anders… und die Batschen sind nur der Anfang.
Omelett heisst nicht Pfannkuchen, auch nicht Crepe, sondern Palatschinken (ich so: nö, danke, ich esse kein Fleisch… Peinlich, ich meine natürlich ur peinlich). Lecker heisst leiwand, Tüte heisst Sackerl, Scheisse heisst Gackerl, Pipi heisst Lulu (echt jetzt!!!), und Tschüss heisst nicht Tschüss und auf gar keinen Fall Tschüsi, sondern BABA (ich habe mich lange geweigert, dieses Wort zu benutzen, irgendwie klang es in meinen Ohren nach sehr fremd… Na ja, wenn sich der Grosse morgens mit einem Bussi von der Kleinen verabschiedet und liebevoll “baba, bis später” sagt, dann schmilzt mein Herz…). 
Schlagrahm ist nicht mehr Sahne, sondern Schlagobers, Kietz ist Grätzl, Quark ist unbedingt Topfen, das Unterhemd das Leiberl, Cappuccino ist Melange (ausgesprochen: Melaaaangsch). 
Der Schpiiise nicht mehr der Holzsplitter im Fuss, sondern der Schiefer, Januar ist Jänner, Sprechstunde ist Ordination oder unter Insidern auch „Ordi“, Tomaten sind Paradeiser, Trüübeli oder Johannisbeeren sind Ribisel, Aprikose ist Marille, Schorle ist Spritzer, Wiener Würstchen sind Frankfurter und Hefe ist Germ. Nur Schnitzel ist irgendwie Schnitzel… Ich würd sagen: WIR BLEIBEN DRAN!
PS: Nicht vorzustellen, was mit mir passiert wäre, wäre mein Liebster nach Frankreich versetzt worden…