MonatApril 2017

KRAFTORT AUF DEM KÜCHENTISCH

In dir selbst ist eine Ruhe und ein Heiligtum, in welches du dich jederzeit zurückziehen und ganz du selbst sein kannst. 

(Hermann Hesse)

Auf dem Küchentisch, der in der winzigen Kindergarten-Küche meiner lieben Freundin Carmela steht, entdeckte ich kürzlich eine alte Schiefertafel mit dem Bild von Frau Sonne. Carmela hatte sie liebevoll mit Kreide auf eine ehemalige Schülertafel gemalt: “Für anstrengende Zeiten”, meinte meine Freundin, “um wieder Kraft zu tanken”.
Ein kleiner Kraftort in der Küche. Zum Innehalten, um Kraft zu tanken und um sich auf das Wesentliche zu besinnen. Ich wusste gleich, dass ich UNBEDINGT auch einen Kraftort für mich schaffen musste.

Als mir Carmela anbot, Frau Sonne mit nach Wien zu nehmen, zögerte ich keinen Augenblick. Sorgfältig und dankbar habe ich das Kreidebild verpackt und aus der Schweiz nach Österreich in unsere Wiener Küche geschafft. Und hier leuchtet sie, manchmal in Gesellschaft mit frischen Blumen oder einer Kerze, für mich und meine Lieblingsbande. 
Meist geht es in unserer Küche lebhaft und wild zu und her. Es wird zusammen das Essen vorbereitet, geschnippelt und geschält, gegessen, genascht, geredet, erzählt und diskutiert, der Abwasch erledigt und laut mit dem Geschirr geklimpert. Und Frau Sonne schaut gütig zu.
Aber ab und zu (und zwar nicht nur in anstrengenden Zeiten, sonder auch in entspannten Momenten) setze ich mich in aller Ruhe an den Küchentisch zu Frau Sonne. Dann halte ich inne, und denke an all die Wärme, das Sonnige, das Wohlwollen, an Freundschaft, an Verbundenheit, an die Liebe und die Kraft in uns und in unserem Leben. Für einen Moment in Dankbarkeit “nur” sein. Ich atme ein, atme aus, lächle mir zu, und tanke Lebenskraft, für alles was nachher kommen mag.
Danke dir, liebe Carmela, für deine Freundschaft, dein Lachen, deine weisen Worte und für meinen Kraftort am Küchentisch… Oh, die Sonne blinzelt mir zu! Also dann, weiter gehts!

HALLO BIBER

Vergangenes Wochenende waren wir auf Entdeckungsreise im Nationalpark Donau-Auen. Der Park liegt zwischen Wien und Bratislava und verbindet die zwei Städte beinahe mit seiner riesigen Flussauen-Landschaft. Dieses wunderschöne Stück Natur bietet Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren. Und es liegt fast vor unserer Haustüre. Spannend, die Umgebung rund um unser Zuhause zu erkunden… 
Natürlich haben wir an diesem Nachmittag nur einen klitzekleinen Teil des prächtigen Naturschutzparkes ergründet. Sozusagen nur der “Eingangsbereich”. Bei Aprilwetter sind wir durch den Park gewandert, haben beobachtet, wie der Wind die Wasseroberfläche kräuselt und gelauscht, wie er, zusammen mit den Bäumen, Blättermusik macht. Der Wind hat die dunklen Wolken am Himmel auf Reise geschickt und hin und wieder die Sonne aufgedeckt. Dann hat es ein paar Tropfen geregnet, bis gleich darauf die Schmetterlinge wieder im Sonnenschein getanzt haben. Ein Nachmittag mit allem.

Beim Jausnen auf der grossen Wiese haben wir uns vor das Holztipi gesetzt. Mein Grosser hat ein Stück Rinde gefunden und sich daraus natürlich gleich ein Handy geschnitzt… Voll kompostierbar, schadstoffarm, mega okö, der neueste Trend, würde ich sagen. 
Unsere SMS an die Biber: “Liebe Biber, wir kommen euch beim nächsten Mal besuchen. Am Besten treffen wir uns dann am Ufer, dort unten links. Wir machen uns jetzt wieder auf den Heimweg. Ihr habt es sehr schön. Bis bald. Liebe Grüsse von der Lieblingsbande.”

DER KEKS

 
Ich backe Kekse einmal im Jahr. Vor Weihnachten reiss ich mich zusammen und backe mit den Kindern ein Wochenende lag Weihnachtsplätzchen, auch weil ich weiss, dass dann wieder Ruhe ist für die nächsten zwölf Monate. Irgendwie werde ich mit diesem Keks-chichi einfach nicht warm. Und dieser Aufwand… Hach, ich bin einfach eher Kuchen. 

Nun hab ich aber ein Keksrezept mit superfood cookies, extragesund-für-Kinder-und-so entdeckt und gab mir einen Ruck. Die Kekse aufm Bild sahen reizend aus, waren jedoch nicht glutenfrei. Erhobenen Hauptes änderte ich das Rezept schwuppdiwupp in “OHNE GLUTEN”. Der Teig war köstlich, und im Nachhinein wäre es wohl besser gewesen, wir hätten den Plätzchenteig einfach gleich so gegessen. Nun ja, mein Grosser schnappte sich eifrig seine Piratenkeksformen mit Knarre, Totenkopp und Schwert, die Kleine wollte Bären und ein Reh ausstechen. Gesagt, getan. Die Plätzchen kühl gestellt und dann ab in den Ofen. Wir guckten durchs Fenster, beobachteten unsere brutzelnden Leckerlis und auch, wie die Formen immer mehr verschwammen. Aus den Totenköpfen wurden Wolken, aus den Bären wurden Seen, aus vielen Plätzchen wurde ein grosser Platz. 
Wir standen da und guckten zu und konnten gar nichts machen…
Die Kleine: Wo sind meine Bärlis?
Der Grosse: Das ging ja voll in die Hose.
Ich: Ui.
Unser Blick in den Ofen: wohl unbezahlbar!
Aus dem Riesenkeks wurde lecker Crumble, der sich über’s Yoghurt gestreut sehr gut machte, die nächste Plätzchenbäckerei im Hause Lieblingsbande findet frühestens nächsten Dezember statt und das delikate “superfood-cookies-extragesund-für-Kinder-und-so” Rezept behalte ich dann mal für mich. Ich denke, ist ok für euch.

APRIL, APRIL

 
Eben war’s doch grad noch sommerlich und vielversprechend und ich hab mein Leben sozusagen schon wieder nach draussen verlegt. Und jetzt das… Ja, ja, ich weiss schon, April, April… Aber grad so war das doch gar nicht ausgemacht.
Heute wusste das Wetter tatsächlich nicht, was es will. Aber wir wussten es, zum Glück. Wir haben Wasserfarbe auf Papier gelegt. Mit jedem Pinselstrich entstanden spannende Bilder-Geschichten, die weitergesponnen und ausgestaltet wurden. Die Kinder haben erzählt und gelacht und einander voller Lebendigkeit die Bilder veranschaulicht. Die Welt wurde bunt und SEHR spannend. Und als ausgemalt war, blinzelte die Sonne für einen Moment müde zwischen den Wolken durch und lud uns ein, im Garten zu verweilen… Und als wir dann im Garten standen, hat’s auch schon wieder geregnet. April, April!

BULLERBÜ FÜR ALLE!

 
Der Sommer war zu Besuch!!! Das letzte Wochenende war warm und sonnig und es war barfussig und kurzärmlig und wir alle waren voller Freude.
Gibt es Schöneres, als mit lieben Freunden die Tage draussen in der Natur zu verbringen, am Waldrand ein Feuer zu entfachen (in der Schweiz darf man das… noch…), Stockbrot und Würste zu braten, Bäume zu erklettern, Stöcke zu suchen und es miteinander fein zu haben? Nö, denn das ist für uns das Allerbeste überhaupt!
Und wenn der Mond schon am Himmel steht und die Sonne auf ein Schwätzchen trifft, bevor sie untergeht, rumpumpeln die Kinder im Leiterwagen nach Hause. Gefüllt mit Glück, Wärme, und frischer Luft, laut singend! Sonnengeküsst, das Kichern und die Geschichten des Tages, wie Musik, noch immer im Ohr, fallen unsere Kinder zufrieden ins Bett. Und beim gemeinsamen Flüstern, bevor der Tag dann wirklich zu Ende ist, haucht mein Grosser: “Gell Mama, das war ein sooo schöner Tag.” Ja, Bullerbü für alle! 
  

…DANN HALTET MAL DIE OHREN STEIF // HASENOHREN – DIY

So ein paar Hasenohren sind einfach eine dufte Sache. Und ich würde meinen, dass man mindestens ein Paar haben sollte, denn man weiss ja nun wirklich nie und wenn schon, denn schon. 

Hier findet ihr die Anleitung zu den Hasenohren, von denen ich hier geschrieben habe.
Ganz einfach und schnell gemacht… Ich versprechs euch!

Ihr braucht: 
– Bastelfilz 
– Gummilitze/Gummiband
– Nadel und Faden
– Filzkleber/Leim
– Schere
– Messt mit dem Gummiband den Kopf eures Kindes ab und gebt ein bisschen Zugabe, damit der Gummi zusammengenäht werden kann und dann nicht zu eng am Kopf sitzt. Näht den Gummi mit ein paar Stichen zusammen. Und ja, ihr könnt den Gummi auch einfach verknoten…
– Schneidet aus dem Filz zwei lange Ohren aus. 
– Das Innenohr wird aus dem Rosa/Beige Filz etwas kleiner zugeschnitten, auch zwei mal und dann mit dem Kleber auf das grosse Ohr aufgeklebt. 
– Entweder du lässt es so, oder du nähst das Innenohr mit ein paar Stichen am Aussenohr fest. Hält sicher länger, aber eben. Das Innenohr gibt den Ohren zusätzlich noch etwas Stabilität.
– Legt die Hasenohren an der untern Kante etwas übereinander (siehe Abbildung) und näht sie mit ein paar Stichen aneinander. 
– Dann näht ihr die beiden Ohren an das Gummiband. 
Und nun kann losgemümmelt werden. 
Ich wünsche viel Freude und heiteres Gehoppel!
Alles Liebe, Sandra

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Vielen Dank

LANGOHR ODER GEDANKEN ZUM ROLLENSPIEL

Unsere Kinder lieben Rollenspiele. Mal schnell ein Tuch um die Schultern gelegt, ein Schneckenband um die Hüften gebunden und hej ho, stampft die Räuberbande durch den Wald. Es wird geräubert was das Zeug hält und dann werden die Schätze in die selbstgebaute Räuberhöhle geschleppt. Ha, ha, ha, Pech gehabt!

Der Grosse sprüht voller Ideen, was sie hätten und würden und müssten, und die Kleine ist voller Begeisterung mittendrin. Immer häufiger trägt auch sie ihre Ideen bei und ich bin so erfreut darüber, wie das Spiel von beiden belebt und gelenkt wird. Als wichtiger, mitgestaltender Teil der Bande voll und ganz im Spiel aufzugehen, in dieser innigen Geschäftigkeit zu versinken, das zaubert nicht nur rote Wangen auf Kindergesichter, sondern beschert ihnen auch eine tiefe Glückseligkeit. Die Kinderherzen werden mit Wärme gefüllt. So geht Erleuchtung im Kinderzimmer!
“Saisonbedingt” habe ich den Kindern die Geschichte vom kleinen Häschen erzählt, das auf Ostern wartet und von den Tieren im Wald immer wieder vertröstet wird mit den Worten: 
“Erst wenn der volle Mond erwacht,
und so rund wie die Sonne lacht,
kann es hier auf Erden
wieder Ostern werden.”* 
Die Geschichte kann Inspiration sein, um ein Rollenspiel entstehen zu lassen. 
Schwupps hat der Grosse ein Tuch über ein paar Stühle gelegt und mit Wäscheklammern sturmsicher gemacht. Mit Kissen weich ausgestattet, mit einer Taschenlampe ausgeleuchtet und mit zwei Büchern dekoriert, wird dies die perfekte Hasenhöhle. Ganz wichtig, denn wenn die Nacht hereinbricht, braucht jedes Tier sein Plätzchen UND Schutz vor dem Fuchs… Der Höhleneingang ist eng… Besser so, Füchse überall. Ein blaues Tuch wird das Bächlein (gegen den Hasendurst, auch sehr wichtig!), und los geht das Spiel. 
Ach ja, schnell noch die einfachen Hasenschlappohren aus Filz übergezogen, und schon ist man Häsin und Mümmelmann. Die Tücher fürs Hasenfell mussten wohl überlegt ausgesucht werden. Die Kleine wollte pink, klar, das war schnell entschieden. Der Grosse hingegen überlegte. Braun oder Grün? Braun sind die Hasen, aber Grün ist besser wegen Tarnung und so… Schlauer Hase. Dann hoppelten sie heiter los, der rosa und der grüne Hase, hätten, würden und könnten. Und wenn sie nicht eingeschlafen sind, in ihrem kuscheligen Hasenbau, dann mümmeln sie noch heute!

*Die ganze Geschichte vom Ostermond findet ihr hier diesem wundervollen Buch (Partnerlink)

KLING, GLÖCKLEIN, KLINGELINGELING

 
An diesem Sonntagmorgen, als die Sonne uns die Nasenspitze küsste und unsere Seele zum jauchzen brachte, kramten wir die Kiste mit den Ostersachen hervor. Einfach mal so, um zu gucken, was da alles so drinnen liegt. Die Kinder öffneten den Karton und hoben mit glänzenden Augen und leuchtenden Herzen unsere Osterreichtümer ans Licht. 

Da war das Holzhäschen im Auto von Grami, die drei gepunkteten Stoffhasen, die mein Grosser zu seinem allerersten Osterfest von seiner Patentante geschenkt bekommen hat (statt Schokolade… hach, wie gut wir die Schokolade fürs Kind damals noch umgehen konnten… Wir haben sie einfach verschwiegen oder selber gegessen und gut war. Gute, alte Zeit!). Die Papierschmetterlinge, die seit Jahren unseren Osterstrauch schmücken, flatterten aus der Kiste, die bunten Stoffhühner vom Tausendschön und ein kleiner Weidekätzchen-Ast vom Arkonaplatz in Berlin kamen hervor. All die feinen Sachen, die wir jedes Jahr wieder an unseren Osterstrauch hängen, mit denen wir unseren Jahreszeitentisch schmücken und mit denen Ostern zum Fest wird. 
Die Kinder betrachteten alle Schätze, hielten sie in den Händen, erzählten davon und legten sie dann wieder zurück. Mit ein paar Kleinigkeiten schmückten die Kinder ihr Zimmer. Zur Vorfreude wurden am Ast mit den Weidekätzchen ein paar kleine Holzeier und ein Schmetterling aufgehängt und das Bienenwachskörbchen mit den roten Wachseiern dazu gestellt. Dann noch ein bisschen grüne Schafwolle. Fertig.
Als ich etwas später ins Kinderzimmer kam, sassen der Grosse und die Kleine ganz nah beieinander im österlich dekorierten Zimmer, hörten sich andächtig Weihnachtslieder an und waren selig. “Kling, (Oster-)Glöckchen, klingelingeling…” trällerten sie und ich stand da und dachte: wouuuww, die schaffen den Spagat ohne mit der Wimper zu zucken. Sie hatten es sehr feierlich und es war ganz ruhig, freudig und schön. Und obschon es für meinen Geschmack etwas unpassend schien, muss ich zugeben, dass diese gemeinsam erschaffene Stimmung etwas Heiliges an sich hatte. 
Auf Zehenspitzen schlich ich davon, nichts von der Stimmung wollte ich stören. 
Kinder können das. Einfach so. Wie wunderbar!