MonatSeptember 2017

KINDERTAGE IM WALD / GEDANKEN UND TIPPS


Erlaubt euren Kindern, sich in den Wald zu verlieben.

Jeder Tag ist ein Waldtag. Ok, ausser bei Sturm. Dann besser nicht. Aber sonst ist Wald das Beste überhaupt. Als Kindergärtnerin war ich einmal die Woche einen Vormittag im Wald. Bei Regen, bei Schnee, im Nebel, bei Sonnenschein, wenn es bewölkt war, wenn es hochsommerlich heiss und auch wenn es saukalt war, sind wir losgezogen, haben IMMER Feuer gemacht, Suppe oder Tee gekocht und sind im Gehölz rumgestreunt. Und es war jedes einzelne Mal ein wunderschönes Erlebnis. 

Der Wald ist nicht gemacht und deshalb gemacht für unsere Kinder. Man muss die Füsse heben, wenn man durch den Wald geht, denn hier ist nicht Parkett. Wenn man klettert, muss man bei jedem Schritt spüren, ob die Äste dick und stark genug sind, und man muss sich auf jeden Fall festhalten, denn kein Baum ist die Kletterspinne vom Spielplatz, die auf 1000kg getestet wurde, eingebettet in Fallschutzplatten. Der Waldboden ist weich, manchmal rutschig, ab und zu verwurzelt, das Dickicht ist stachelig und düster, und an vielen Stellen braucht man geschickte Füsse und starke Hände, um weiter zu kommen. Der Wald ist wild, zauberhaft und geheimnisvoll. Und er ist sehr ehrlich. In ihm finden wir Ruhe, aber still, nein still ist es nie, denn er ist voller Konzerte. Der Wald als Lebens- und Erfahrungsraum bietet uns alles, was wir brauchen. Er ist Spielplatz, Erholungszone, Atelier, Frischluft- und Energiespender, Turnhalle, Beobachtungsplatz, Mitmachmuseum, Klangwelt, Vorratskammer, ein weiches Bett, ein Platz für alle. Die Spiele, die die Kinder im Wald spielen sind voller Phantasie und Kreativität, sie nähren den Sinn für die Gemeinschaft und jede einzelne Kinderseele.

Und obschon man perfekt ohne nichts im Wald spielen kann, habe ich doch, wenn ich mit Kindern länger unterwegs bin, gerne einen Rucksack mit dabei. Hier also ein paar Tipps für das Packen des Waldrucksackes, wenn ihr mit den Lütten loszieht:

  

Kleidung
Auch wenn ein Waldbesuch keine Expedition zum Nordpol ist, ist es doch wichtig, dass die Kinder zweckmässig gekleidet sind.

In Flipflops und Tutu lässt es sich einfach sehr schlecht entspannt durch den Wald tigern und auf Entdeckungsreise gehen. 

Bitte zieht euren Kinder gutes Schuhwerk an, Turnschuhe, Wanderschuhe, Gummistiefel wenn es sehr matschig ist oder warme Winterstiefel bei Kälte. Eine lange Hose ist Schutz vor Kratzern und Zecken. Auf Bäume klettern oder sich im Dickicht zu verstecken ist gemütlicher, wenn die Beine eingepackt sind. Zudem kann die Hose in die Socken gesteckt werden. Sieht bescheuert aus, hält aber Zecken fern.
Weil ein Waldbesuch bei Regenwetter großartig ist, sollte euer Kind eine Regenhose und eine Regenjacke haben. Bitte schaut darauf, dass ihr diese Gummijacken besorgt, deren Nähte verschweisst sind und die trocken halten, auch wenn man ein paar Stunden draussen verbringt. Eine Schirmmütze unter der Kapuze schützt das Gesicht und die Augen vor dem Regen, vor allem für Brillenträger ist das eine Wohltat. 
Habt immer noch eine Fleecejacke mit dabei, welche ihr drunter oder drüber ziehen könnt, je nachdem. Zwiebeltechnik ist für den Wald optimal.

Wasser

In Flaschen abgefüllt, zum trinken und zum Hände waschen. Da ich jeweils mit den Kindern im Wald gegessen habe, wollte ich, dass sie vorher ihre Hände waschen. Nicht wegen dem Wald, der an den Händen haftet, aber wegen dem Fuchsbandwurm. Im Winter hatte ich eine PET Flasche mit heissem Wasser mit dabei. Wenn Händewaschzeit war, was das Wasser immer noch angenehm warm und die Kinder konnten ihre kalten Finger reinigen und gleich auch aufwärmen. Die Flasche habe ich in ein altes Handtuch eingewickelt, das Wasser blieb dadurch länger warm und die Kinder konnten ihre gewaschenen Hände trocknen. 

Sitzunterlage

Eine isolierende Sitzunterlage ist wichtig und sinnvoll, wenn man im Herbst/Winter in den Wald geht. Wir haben unsere immer mit dabei. Sie markieren die Sitzplätze der Kinder beim Jausnen am Feuer und bieten Wärme, auch wenn die Kinder in ihren Hütten sitzen.

 

Taschenmesser

Ein Taschenmesser ist eine feine Sache für einen Ausflug in den Wald. Auch mein Sohn trägt sein Kindertaschenmesser (mit abgerundeter Spitze) stets bei sich, um  Stöcke zu schnitzen und/oder zu schälen. In der Kindergruppe wollte ich nicht, dass die Kinder Messer mit in den Wald bringen. Die Kinder durften jedoch jederzeit, unter Aufsicht, mit meinem Messer schnitzen. Dann habe ich mich dazu gesetzt und war zur Stelle, wenn Hilfe benötigt wurde. Wenn ihr für euer Kind ein Taschenmesser besorgt, schaut darauf, dass es eine abgerundete Spitze hat und dass es gut scharf ist. Ein stumpfes Messer braucht Druck beim Schnitzen und erhöht die Gefahr, dass man dabei ungünstig abrutscht und sich verletzt. Ein Taschenmesser mit Säge ist nicht notwendig, aber halt eben schon sehr lässig.

Toilettenpapier / Plastiktüte

Genau. Ihr kennt das. Kaum ist man draussen… Und die Plastiktüte dient dazu, um das Geschäft bitte aufzunehmen und auf dem Heimweg im nächsten Müll zu entsorgen.
 

Seil

Unsere Kinder lieben es, das Seil mit in den Wald zu nehmen. Unseres ist 5 Meter lang, das ist eine gute Länge für Kinder. Ein Seil im Wald ergibt unzählige Spielvarianten für das gemeinsame Spiel: Man kann das Seil von Baum zu Baum zu einem Parcours spannen und mit geschlossenen Augen daran gehen. Meine Kinder bauen sich gerne eine Baumschaukel, seilen sich an einem Waldhang ab oder ziehen sich daran hoch. Mit dem Seil kann man Wege legen oder Äste zusammenknüpfen, um Hütten zu bauen, man kann Gegenstände auf Bäume ziehen oder runterlassen, dicke Baumstämme gemeinsam transportieren und, und, und. 

Und auf dem Nachhauseweg, wenn alle schon ein bisschen müde sind, ist es hilfreich eine Seilschaft zu bilden, um all die müden Lütten nach Hause zu bringen…


Bitte: Wenn ihr ein Seil mit habt, dann muss ein Erwachsener das Spiel der Kinder im Auge behalten, damit kein Kind dabei verletzt wird!

 

Säge

Kinder sitzen gerne im Wald und sägen. Und ich finde, dass es eigentlich keinen besseren Ort dafür gibt. Sich einen Wanderstock, einen Stockbrot-Stock oder einen Säbel abzusägen, ist toll, und die Kinder lernen mit der Säge umzugehen und merken, ob ein Holz zu dick, zu hart oder schon morsch ist. Machmal ist ein Ast so dick, dass sich die Kinder abwechselnd an die Arbeit machen. Auch diese Erfahrungen sind wichtig für die Sinneswahrnehmung und die Gemeinschaftsbildung. Geeignet sind die Sägen der Taschenmesser, kleine Holzsägen, oder bei kleinen Kindern tut es auch eine Metallsäge. 
Wichtig: Nie an lebenden Ästen und auch nicht an Bäumen sägen. 

Natur aus dem Buch / Naturführer

Der Wald ist voller Schätze. Pilze wachsen, Tiere krabbeln, man findet Nüsse, Beeren, hört die Vögel singen. Ein Paradies für unsere Sinne. Oft reicht es, zu hören, zu beobachten, zu spüren, zu riechen und zu tasten und es braucht keine Erklärungen dazu. Doch ab und zu gibt es Momente, in denen die Kinder das Naturbuch aus dem Rucksack kramen und gemeinsam darin blättern, um zu erfahren, welcher Vogel da sitzt und Konzert für uns macht, oder welches hübsche Blümchen neben dem Zwergenhäuschen hervorlugt.

Verbandszeug

Immer mit dabei: Pflaster, eine Pinzette, eine Zeckenpinzette, etwas zum desinfizieren, ein Gel bei Verbrennungen, Taschentücher, Arnikasalbe, Zucker gegen Bienen- und Wespenstiche, Notfalldrops.

Sonstiges

Bitte kontrolliert euer Kind nach dem Besuch im Wald auf Zecken. 

Regeln
Ja, stellt euch vor, auch im Wald gibt es Regeln. Diese sind den Kindern schnell klar und helfen dabei, dass die Kinder ganz eintauchen können in ihren Wald.   
– Wir sammeln unseren Müll ein und nehmen ihn mit nach Hause. Nichts davon bleibt irgendwo im Wald liegen. 
– Wenn ich mit Kindergruppen in den Wald gehe, bin ich ganz streng, was das Naschen von Waldköstlichkeiten angeht. Schnell mal steckt sich wer was in den Mund, was ähnlich aussieht, wie das, was Mama erlaubt hat…. Wir essen weder Beeren noch Blüten, kosten keine Pflanzen und schon gar keine Pilze. Wie ihr das in der Familie handhabt, ist natürlich euch überlassen.
– Wenn ihr euren Kinder im Wald freies Spiel gewährt, dann ist es wichtig, den Waldplatz zuerst auszukundschaften, um sicher zu sein, dass das Kind nicht in Gefahr gerät. Ist da eine Schlucht, eine steile Böschung oder ein Steinbruch in der Nähe? Gibt es einen Teich oder einen Fluss? Wenn ihr den Waldplatz ergründet habt, ist es wichtig, mit den Kindern auszumachen, wie weit sie alleine gehen dürfen. Bis zu dem umgefallenen Baum, bis zum Busch mit den Beeren, bis zur kleinen Tanne, bis zum Ameisenhaufen. Legt gemeinsam ein paar Eckpunkte fest, innerhalb dieser sich das Kind gefahrlos frei bewegen kann. 

Es lohnt sich, sich einen feinen Waldplatz auszusuchen und immer wieder an den Platz zurück zu kehren. So erleben die Kinder die Jahreszeiten, die Veränderung der Natur, und ihr könnt eure Jahreszeitenfeste, Waldweihnachten oder Nikolaus an eurem bekannten Ort feiern.

-Falls ihr Feuer im Wald macht (Achtung, nicht erlaubt in Österreich!), gibt es dazu noch einiges zu beachten. Ich habe hier ausführlich darüber geschrieben. 

Es ist wichtig und notwendig, dass wir mit unseren Kindern hinausziehen, in den Wald, in die Natur. Mit Kindern diese grossartigen Welten zu entdecken, macht Freude, macht die Kinder zufrieden, lässt sie staunen und geniessen, ausprobieren, achtsam, mutig und ganz Kind sein. Der Wald ist Lehrmeister. Nirgendwo anders werden die Sinne der Kinder so vielfältig und lustvoll angesprochen wie im Wald. Erlaubt euren Kindern, sich in den Wald zu verlieben, denn das ist das schönste, was überhaupt passieren kann. 

Was wir lieben, behandeln wir mit Respekt. Wenn wir mit der Natur verbunden sind, tragen wir Sorge. Das Wertschätzen, Kümmern und Achtgeben nährt und wärmt die Kinderseele, in der so ein ganz kostbarer Schatz wachsen kann.

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PFIRSICHMARMELADE (DIY)

Den Sommer konservieren

Der Herbst schleicht sich an, ganz leise, und ein bisschen habe ich getan, als würde ich ihn nicht bemerken. Ich freue mich jedes Jahr auf den Herbst, der so reich und bunt daher kommt. Mit ihm ist immer etwas los, und eigentlich gehört er zu meinen Lieblingskindern des Jahres. Und doch macht sich jedes Jahr, wenn der Sommer sich verabschiedet, auch ein bisschen Melancholie breit. Und mit ihr erwacht in mir das Eichhörnchen, das, noch immer mit reichlich Sommereis auf den Hüften im Bauch, sich plötzlich flink sammelnd auf die Suche macht. Auf die Suche nach Sommer-Leckereien, die ich einmachen, einfrieren, dörren oder trocknen könnte, um über den Winter zukommen. Den Sommer konservieren, so wie Frederik das gemacht hat. Klar, wir hier in Österreich haben ja das grosse Glück, dass wir immer über den Winter kommen.

ABER es ist ein anderes über den Winter kommen, wenn der Küchenschrank mit Sonne gefüllt ist.

Sonne im Glas, auf die man zugreifen kann, wenn der November mal so richtig fies auf die Stimmung drückt. 
In unserem Gemeinschaftsgarten steht ein Pfirsichbaum. Zugegeben, seine Früchte ähneln nicht annähernd seinen Kumpels aus Spanien, die gross, prall, süss und saftig rotbäckig rufen: “HOLA CHICA; DISFRUTA ME!” Unser Baum trägt Früchte, die eher ein bisschen bleich und klein daher kommen, deren Häute dicker sind und das Fleisch trockener und saurer, und die bescheiden flüstern: “Griess di. Probier doch mal. Gar nicht so übel.”

Und dieses Jahr konnte ich nicht widerstehen und habe die Früchte zu Marmelade eingekocht. Mit bisschen Vanille und Thymian von der Fensterbank. UND: Bescheiden ist, wie so oft, super leiwand!

Hier das Rezept für die Marmelade, die ruck zuck gemacht ist (etwa 30 Minuten):
1 kg Pfirsiche (geschält und entsteint) 
1 Zitrone, nur den Saft
3 Zweige Thymian, nur die Blättchen (ohne Stil)
1 TL Vanille 
500 g Bio-Gelierzucker 2:1

Und so wird’s gemacht: 

Pfirsiche waschen, ein Kreuz einschneiden und mit kochendem Wasser übergiessen. Dann kalt abschrecken, schälen, entkernen und in kleine Stücke schneiden.
Thymian waschen und die Blättchen zusammen mit den Pfirsichen, der Vanille und dem Zitronensaft fein pürieren.
Dann das Fruchtmus mit dem Gelierzucker aufkochen und nach Anleitung auf der Zuckerpackung einkochen. 
Marmelade in saubere, vorgewärmte Gläser füllen und sofort verschliessen. Fertig. Lecker.

Hinweis für das Einkochen mit Kindern:

Marmelade kochen mit Kindern finde ich toll, aber auch immer etwas schwierig, weil die Frucht-Zuckermasse super heiss ist und gerne auch mal über den Topf blubbert. Aber beim Einschneiden und Zerkleinern der Früchte, beim Auspressen der Zitrone und beim Blättchen-Zupfen des Thymians können Kinder sehr gut mithelfen. Während ein Erwachsener die Marmelade einkocht, können die Kinder schon mal Etiketten gestalten, die Stoffstücke für den Deckel zuschneiden, bemalen oder bedrucken. Und ein bisschen Sonne im Glas ist auch ein wunderschönes Geschenk zu Weihnachten… (oh menno, eben waren wir noch im Freibad und jetzt das. Entschuldigt.)
Kommt fein durch den Herbst.

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BÜCHER SIND LEBENSMITTEL / HERBST


„Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne“
Jean Paul

Eben habe ich für euch unsere Herbstlieblinge zusammengestellt. So. Und jetzt kann es draussen bitte richtig ungemütlich werden, denn wir haben drinnen viel zu tun. Habt es lustig und spannend, innig und vor allem sehr heimelig.

von Oliver Jeffers

Leider, leider ist Floyds roter Drachen in eine Baumkrone geflogen und dort stecken geblieben. Erst versucht Floyd, seinen Lieblingsschuh nach dem Drachen zu werfen, um ihn aus den Ästen zu befreien. Leider aber bleibt auch dieser beim Drachen stecken und so bleibt dem Jungen nichts andres übrig, als nach mehr Gegenständen zu suchen, mit denen er seinen Drachen befreien könnte. Er wirft Stühle, den Milchmann, einen Leuchtturm und Nachbars Haus in den Baum, doch irgendwie will die Rettung einfach nicht gelingen.
Die Kinder und ich haben so gelacht. Die Geschichte ist voller Witz und Phantasie, und so haben wir das Buch mit Spannung gelesen und waren bei jedem Seitenumblättern von Neuem überrascht. Einfach toll. Und mein Grosser hat beim Einschlafen noch lachen müssen…

Der Herbstwind zupft zehn Blätter einer Weide und trägt diese weit davon. Jedes der Weidenblättchen erlebt eine andere Geschichte. Das eine wird zum Rettungsboot, ein anderes wird auf eine St. Martins Laterne geklebt, und eines wird von einem Wurm verspeist und wird so Dünger für die Weide. Der Kreis schliesst sich, und im Frühjahr wachsen am Ast der Weide wieder zehn Blättchen…
Ein hübsch bebildertes Buch mit einer ganz einfachen und deshalb grossartigen Geschichte. Die Kinder gehen gerne mit auf die luftige Reise. 
Mit schönen Ideen, die man mit den Kindern im Herbst gleich umsetzen kann.
von Petr Horacek

Was, wenn man einen leckeren Schatz gefunden hat, der aber leider so gross ist, dass man ihn nicht mit in seine Höhle nehmen kann? Richtig, man sucht sich ein neues Haus. Und dies tut die Maus, die mit ihrem grossen Apfel loszieht in die Welt. Weil die Höhlen, die sie unterwegs findet, immer schon besetzt sind und das Herumziehen ganz schön hungrig macht, wird der Apfel immer kleiner. Schlussendlich ist der Apfel so klein, dass er perfekt in ein Mauseloch passt…
Eine einfache, lustige und lebendige Geschichte für Gross und Klein, liebevoll bebildert und zum Nachspielen animierend.
von Leo Lionni
Eine wunderbare Geschichte, die Leo Lionni vor 50 Jahren für uns aufgeschrieben hat. Wir kennen es alle, das Mäuschen Frederik, das still sitzend Sonnenstrahlen, Farben und Wörter sammelt, währenddem seine Brüder und Schwestern Weizen, Stroh und Nüsse zusammen tragen, um zu überwintern. Ein bezauberndes Kinderbuch über die Kraft der Geschichten, der Bilder und Träume. 

In diesem Sinne wünsche ich euch und euren Kindern einen grossartigen Herbst mit vielen Geschichten, Bildern und Träumen, die das Überwintern einmalig machen. Wenn dir dieser Artikel gefällt, freue ich mich sehr, wenn du ihn mit deinen Freundinnen und Freunden teilst. Herzlich, Sandra von der Lieblingsbande

LOSLASSEN UND VERBUNDEN BLEIBEN // WENN DIE KINDER IN DIE SCHULE KOMMEN

Viele Jahre hing eine Postkarte mit folgendem Spruch am Kühlschrank in unserer Kindergartenküche:
ACHTUNG, ELTERN HAFTEN AN IHREN KINDERN.

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FÜR SICH SELBER EINSTEHEN

 

Die blödeste Mama der ganzen Welt.

Ein heiterer Kindergarten-Vormittag ging zu Ende. Ich verabschiedete meine Kindergartenkinder und blieb in der Eingangstüre stehen, so wie immer. Die einen Kinder machten sich in kleinen Gruppen plaudernd auf den Heimweg, andere wurden von ihren Müttern abgeholt. So auch ein sechs Jahre alter Junge aus meiner Gruppe. Ja, er war nicht begeistert, als er vor der Türe seine Mutter erblickte, irgendwie hatte er sich sein Nachhauseweg anders vorgestellt. Er schnauzte sie an, er wolle doch noch zu seinem Freund. Als sie ihm sagte, dass sie doch heute noch seinen Geburtstagskuchen backen wollten für das bevorstehende Fest, guckte er sie an und sagte: “Ach f*** dich doch Mama.” Ich stand noch immer in der Türe und dachte: Oh, jetzt wird es spannend. Die herumstehenden Mamas räusperten sich und machten sich dann plötzlich schnell auf den Heimweg. Und die beschimpfte Mama?

Sie lachte ihren Schreck, ihren Schmerz über diese Worte einfach weg. Sie lachte gequält und meinte: “Ach, du wilder Kerl.” Das wars. Und dann gingen sie nach Hause. 
Ich war perplex. Es war ja nicht das erste Mal, dass ich hörte, wie Kinder ihre Mütter beschimpften. Aber die Reaktion der Mutter auf den Kraftausdruck ihres Kindes ging mir unter die Haut.

Warum gibt es Mamas, die sich beschimpfen lassen? Die sich von ihren Kindern schlagen und an den Haaren ziehen lassen? Wieso gibt es Mütter, die die Worte ihrer Kinder weglachen oder versuchen, die Worte in was Nettes umzuinterpretieren, weil die Kleinen ja eh nicht wissen, was sie sagen, weil die Kleinen doch nur Kontakt aufnehmen wollen? Warum gibt es Frauen, die für alle einstehen, nur nicht für sich selber? Ist es das Gefühl, versagt zu haben in der Erziehung? Eine Rabenmutter zu sein, wenn man seine Emotionen zeigt? Ist es Angst, zu streng zu sein, wenn man für sich einsteht? Warum lassen manche Mamas das zu? Keine einzige hat das verdient.

Wir unterstützen unsere Kinder tagtäglich darin, sich hinzustellen, zu sagen, was man will und was nicht. Nein zu sagen, Stopp zu sagen und zu markieren, wenn Schluss und Aus ist. Und wir stehen ihnen dabei liebevoll zur Seite, weil es manchmal ganz schön viel Mut braucht, sich zu zeigen. Wir wünschen unseren Kindern die Stärke, mutig und ehrlich für sich einzustehen, weil sie unsere allerliebsten Menschen sind. Ein Nein, ein Umkehren, ein Aufstehen im richtigen Moment ist genau so wichtig und so richtig, wie ein Ja oder ein Weitergehen oder ein Bleiben. Wir wünschen unseren Kindern diese Stärke, die uns manchmal so sehr fehlt. 

Wir sind nicht alle Jesper Juul und wissen immer gleich, wie man akkurat reagiert. 
Seit ich selber Mama bin, weiss ich, dass es hin und wieder passiert, dass man aneinandergerät. Die blödeste Mama der ganzen Welt zu sein ist ziemlich einfach, wenn man eh die einzigste Mama ist. Wenn mich mein Grosser nicht zu seinem Kindergeburtstag einlädt, betrübt mich das jeweils schon auch ein bisschen, und die Kraftausdrücke, oh ja. Diese werden zwar in den wenigsten Fällen verstanden, aber mit dem Wissen in die Welt geschmettert, dass das Wort verletzt. Und wenn das Kind seine Hand erhebt, weil es mit Worten nicht weiter kommt, ist das weder für das Kind einfach noch für die Mama. Aber es macht die Situation nicht besser, wenn man seine Emotionen versteckt und stattdessen darüber lacht. Und auch nicht, wenn man so tut, als wäre nichts geschehen, denn es ist eine Aufforderung, ein Hilfeschrei, ein wissen wollen, ein spüren wollen. Und es fordert ganz dringend eine Reaktion des Erwachsenen.

Im Alltag reagieren wir meist innerhalb von Sekunden, und deshalb kommt es auch nicht immer wie im Lehrbuch daher. Machmal fallen einem erst im Nachhinein die passenden Worte ein…

Davon kann ich ein Lied singen. Aber seine Empfindungen zu offenbaren ist wichtig. Wichtiger als ein pädagogisch hochstehender Erguss. Eine Reaktion auf das Geschehene zeigt unserem Gegenüber, dass wir mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen, dass wir hören und sehen, dass wir ganz da sind und dass es uns nicht egal ist. Wenn wir mit unseren Worten, unserer Körpersprache, unserem Wesen zeigen, wer wir sind und wie wir empfinden, geben wir unseren Kindern Halt und die Möglichkeit, uns und andere lesen lernen zu können. Das haben unsere Kinder so sehr verdient.

Ja, die Welt geht nicht unter, wenn man mal beschimpft wird, aber wenn dem Herzen ein Stich versetzt wird, darf die Welt ruhig mal schnell warten. Dann bedarf es einer Zäsur im Weitermachen, eine Pause, ein Innehalten, ein sich neu sortieren (püschele, auf Schweizerdeutsch).

Ein klares Nein ist manchmal entlastend und einfach so ehrlich, dass es eine richtige Wohltat sein kann. Auch eine Pause mit Blickkontakt zum Kind ist eine Reaktion, weil man nicht immer gleich was Gscheites zu sagen weiss. Und das ist voll in Ordnung, denn die Kinder verstehen auch die Sprache der Augen sehr gut. Sich zum Kind niederzuknien, sich auf Augenhöhe begegnen, die Hände an die Hüften des Kindes zu legen, nicht um es festzuhalten, aber um es sanft zu erden und klar zu sagen, dass wir hier sind, dass wir so miteinander nicht sprechen, so miteinander nicht umgehen. Wir lassen das Kind nicht allein, auch nicht, wenn es uns verletzt. Wir bleiben in Kontakt und tanzen die Schwierigkeiten zusammen aus, statt mit gesenktem Kopf abzuziehen. Auch das ist verbunden sein, nichts ist schlimmer als Gleichgültigkeit.
Und dann verzeihen wir. Spätestens wenn wir das Kind am Abend zudecken, singen, es streicheln, Händchen halten und zusammen flüstern, muss das Kind die Gewissheit haben, dass wir verziehen haben. Denn erst dann, wenn alles wieder gut ist, kann ein Kind (und wir) den Tag abschliessen und getrost und vertrauensvoll in die Nacht gehen. 

In einer ruhigen Minute nochmals über alles reden…

Zurück zum Kindergarten: Als der Junge am Nachmittag wieder in die Gruppe kam, setzte ich mich zu ihm in die Garderobe. Ganz nah. Alles war ruhig, es waren nur wir zwei. Und dann schauten wir uns in die Augen und ich sagte zu ihm: “Du, gell, das heute Mittag… das geht so nicht. So reden wir hier nicht miteinander.” Der Junge sah mich an und sagte: “Das weiss ich. Sowas würde ich niemals zu dir sagen.” 
Das war so ehrlich und es tat mir leid für seine Mama und auch für ihn. Ja, eine Kindergärtnerin ist nicht die Mama, die Blitzableiter für alles und alle ist, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Aber eine Mutter ist auch jemand und zwar ziemlich viel davon. Ein Leben lang so viel Herz, so viel Liebe, so viel Fürsorge für die Kinder. Nehmt davon auch ein Stück für euch und werdet bitte nicht müde, Mamas, auch für euch einzustehen.