ST. MARTIN // EINE GESCHICHTE FÜR KINDER

St. Martin steht vor der Türe und die Kinder sind aufgeregt. Sie freuen sich riesig darauf, mit den Lichtern durch die Dunkelheit zu gehen, gemeinsam Laternenlieder zu singen und sich danach ein Martinsgänschen zu teilen. Es ist ein zauberhafter Brauch und es bedarf eigentlich keiner weiteren Erklärung, weshalb man am 11. November mit den Lichtern durch die Nacht zieht. Aber manchmal kann so ein Anlass noch inniger erlebbar gemacht werden, wenn man die Kinder ein paar Tage vorher schon auf das Fest vorbereitet…

Gemeinsames Laternen basteln, Martinsgänschen backen und die Geschichte von St. Martin hören und den Kindern davon erzählen, wie es sich vor ganz langer Zeit begeben hat, stimmt die Kinder auf sinnliche Weise auf das Fest ein.
Wenn ihr euch mit euren Kindern zusammenkuschelt und ihnen Geschichten erzählt, kann es leicht geschehen, dass ihr ihre Seele berührt. Auch wenn die Kinder nicht immer alle Worte einer Erzählung verstehen, ist es doch das Gefühl des Zusammenseins und das Spüren der Stimmung beim gemeinsamen Erleben, das, was den Sinn einer Geschichte spürbar macht und das Kind nährt und berührt. Das ist ja überhaupt das aller, aller Wichtigste.


Hier findest du die Legende von St. Martin, so frei, wie ich sie meinen Kindern erzähle.

Vor langer, langer Zeit lebte ein junger Mann. Er hiess Martin und er war ein tapferer Ritter. Wie alle Ritter zu dieser Zeit trug Martin ein silbernes Schwert, einen Ritterhelm und einen roten, samtenen Mantel über seinen Schultern.
Einmal, es war ein düsterer Novembernachmittag, war Martin mit seinem lieben Pferd auf dem Weg in eine ferne Stadt. Da kam der listige Nordwind und wollte die zwei Reisenden foppen. Er brachte Eiseskälte und Schneegestöber, liess die Wege gefrieren und pfiff Mensch und Tier durch Mark und Bein. Martins Pferd jedoch stapfte tapfer weiter und immer weiter. Es wollte Martin sicher in die Stadt bringen, bevor es dunkel wurde.
Langsam wurde es Nacht und Pferd und Reiter trabten durch den Schnee. Der Wind pfiff und liess die Schneeflocken über die Welt sausen. Da erblickte Martin von weither ein Licht, die Lichter der Stadt. Das Pferd wurde schneller und schneller, jetzt wusste es, es ist nicht mehr weit. Es galoppierte durch den Schnee doch kurz bevor die zwei das Stadttor erreichten, blieb es plötzlich einfach stehen. “Was ist los? Wir sind gleich da. Nur noch ein kurzer Weg, komm, Pferdchen, komm.” sagte Martin geduldig. Doch sein Pferd blieb stehen und tat keinen Schritt. So stieg Martin aus dem Sattel, strich seinem Pferd über den Kopf und da sah er plötzlich vor sich auf dem Boden, dicht bei den Wurzeln eines alten Baumes, etwas im Schnee liegen. Als er näher kam, erblickte er in der Dunkelheit einen Bettler sitzen. Der war in Lumpen gewickelt und fror ganz fürchterlich. “Was tust du hier?” fragte Martin. “Ich versuche mich aufzuwämen, es ist so kalt”, erwiderte der Bettler. Martin nahm die Hände des Bettlers in die seinen und wärmte die kalten Finger. Dann zog er seinen roten Mantel aus, schwang sein Schwert und teilte damit den Mantel in zwei Teile. Den einen Teil legte er dem Bettler wärmend über die Schulter, den anderen Teil zog er sich selber über. Der Bettler war voller Glück. Und als er dann endlich “Danke” murmeln konnte, sass Martin schon wieder auf dem Pferd und ritt geschwind durch das Stadttor.
In dieser Nacht hatte Martin einen Traum. Er träumte von Christus, der die Hälfte seines Mantels trug und zu den Engeln sagte: “Martin hat heute mit mir seinen Mantel geteilt und mir in dieser kalten Nacht Wärme geschenkt.”
Martin konnte diesen Traum nicht mehr vergessen. Er beschloss, von nun an nicht mehr als Ritter durch die Welt zu ziehen und stattdessen als Mönch im Kloster zu leben. Er half den Armen und war da für die Menschen, die einsam waren.
Die Menschen spürten, dass Martin ein guter Mensch war, und sie alle mochten ihn sehr gerne. Sie wünschten sich, dass er zum Bischof gewählt würde. Ein Bischof zu sein ist eine grosse Anerkennung. Es ist ein bisschen so, wie wenn man Chef ist. Martin aber hatte Angst vor dieser grossen Aufgabe. Er wollte ein ganz einfacher, bescheidener Mönch bleiben. Da sprang er weit weg und versteckte sich in einem Gänsestall. Die Gänschen aber schnatterten so laut vor Freude, dass es natürlich sehr einfach war, ihn in seinem Versteck zu finden. So wurde aus Martin, dem Rittersmann, St. Martin, der Bischof. Und er lebte glücklich bis ans Ende seiner Tage.
Sein Pferd? Ach so ja, das liebe Pferd durfte von nun an natürlich im Klostergarten weiden und wenn Martin ihm Hafer brachte, dann wieherte es voller Freude.

Euch und euren Kindern wünsche ich eine wunderschöne St. Martinsnacht, mit goldenen Lichtern, heiteren Gesängen, roten Kinderwangen, feinen Martinsgänschen, und einem Nordwind, der nur von ganz weit her zuschaut.

Habt’s fein und schön und wunderbar.
Alles Liebe, Sandra

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