MonatJanuar 2018

DIE SCHALE DER AVOCADO // FÄRBEN DIY

Wir sammeln die Apfelkerne unserer Jausen, um neue Bäumchen wachsen zu lassen. Die Steine der hiesigen Zwetschgen und Aprikosen dienen der Küchenchefin in der Kinderküche als wichtige Ingredienzen für so allerlei Menüs, und die Kerne der Avocados versuchen wir hie und da ins Wasser zu stellen, um neue Pflänzchen zu ziehen. Die Avocadoschale hingegen habe ich lange einfach im Biomüll entsorgt. Dabei lässt sich damit ganz einfach wunderbar Stoff einfärben. Entstanden sind zauberhafte Nuancen von Rosé und Altrosa. 

Ihr braucht, wie immer, eigentlich nichts: 
– eine gut ausgekratzte Schale einer Avocado
– einen grossen Topf mit drei Liter Wasser
– ein Becken
– eine alte Holzkelle
– ein altes Tuch, um das Färbewasser zu seihen
– feuchte Baumwolltücher, die vorgewaschen sind (neue Textilien bitte vor dem Färben waschen)

Ich habe unsere alten Mullwindeln eingefärbt sowie Stücke von ausrangierten Baumwolltüchern (also alles schon mindestens hundert Mal gewaschen).

Und so gehts:
– gebt die Schale der Avocado zusammen mit drei Liter Wasser in den Topf.
– Lasst die Zauberbrühe für 20 Minuten kochen… Hokuspokus
– Giesst das Färbewasser durch das alte Tuch in ein Becken. So siebt ihr auch kleinste Fruchtrückstände aus.
– Taucht eure Stoffe nun in das Färbewasser und bewegt sie ab und zu mit einer alten Holzkelle

Ich lege pro “Tauchgang” zwei Mullwindeln ins Bad. Je nachdem, wie dunkel ihr den Farbton mögt, könnt ihr die Stoffe bis zu 24 Stunden lang im Bad lassen. 
Trotz Abseihen des Farbbades und regelmässigem Umrühren der Stoffe wird das Färbegut eigentlich immer unregelmässig (wolkig). Ich finde das wunderschön.

Wenn ihr mit der Färbeergebnis zufrieden seid, dann wascht ihr das Färbegut mit kaltem Wasser aus, bis das Wasser klar ist. Wenn die Tücher trocknen, hellt der Farbton immer noch etwas auf. Wenn sie zu hell sind, dann legt sie einfach noch einmal in den Sud.
Ich wasche die gefärbten Tücher separat bei 40°C. Wenn sie mir dann irgendwann zu hell geworden sind, esse ich einfach bald wieder eine Avocado… So fein und so einfach.

Ich wünsche euch einen sonnigen Tag und viel Freude beim Tun. Wien tut grad so, als ob bald der Frühling kommen würde… Wir werden sehen.
Herzlich, Sandra

Mit liebem Dank verlinkt mit

HUSTENLUTSCHER // REZEPT

Lange war es ruhig an der Erklältungsfront. Kolossal naiv, zu denken, dass für einmal einer dieser vielen Kelche an uns vorübergezogen ist. Er hat sich einfach nur ein bisschen länger Zeit gelassen. Seit vorgestern hustet´s. Mit Tee, Bienenwachswickeln, massierten Füssen und viel Liebe versuchen wir, das Schlamassel so gut es geht in Schach zu halten. Denn schon nur das Tätig-sein vermittelt uns das Gefühl von “Bald ist alles wieder gut”. 
In Berlin gab es eine Apotheke bei uns ums Eck, da konnte man Hustenlollis kaufen. Giftrot und sehr süss. Und ja, für Kinder, die noch zu klein sind, um Hustenpastillen zu lutschen, ist der Lolli eine super Alternative. Ab und zu, wenn mein Sohn stark hustete, gingen wir also in die Apotheke, und er durfte sich einen dieser Lollis kaufen. Alleine schon das Auspacken des Lutschers liess ihn gesunden. Ein rotes, rundes, süsses Stück vom Glück.
Obschon die Kinder nun grösser sind, Hustenbonbos lutschen könnten und wir ja eigentlich aus dem Land der Erfinder der legendäääären Kräuterbonbons kommen, haben wir uns heuer unsere eigenen Lollis zusammengebraut. Sehr einfach, mit Zutaten, die man eigentlich eh so in der Küche hat.

Hier ist unser einfaches Rezept für Husentlutscher, Hustenschlenker oder Hueschtäschläckschtängel.

Ihr braucht:
– 1 EL getrockneter Thymian (ich habe welchen aus der Apotheke benutzt, ihr könnt jedoch auch den Tee aus den Beuteln verwenden)

– 1 EL getrockneter Spitzwegerich (auch aus der Apotheke)

– 1 EL Honig
– 100 g Rohzucker 
– 1 EL Zitronensaft
– Wasser
– eine beschichtete Pfanne
– Holzkelle
– Backpapier, um die Zuckermasse aufzutropfen
– Holzspiesschen (das spitze Ende bitte abgetrennt), Holzstiele, die man im Sommer fürs Eis braucht oder diese papierenen Sticks für die CakePops.
– Butterbrotpapier, um die Goldtröpfchen einzuwickeln, damit sie nicht aneinanderkleben

Und so wird es gemacht:

– Übergiesse den Thymian und den Spitzwegerich in einer Tasse mit siedendem Wasser. Ich habe die Kräuter 15 Minuten darin ziehen lassen. Das ergibt einen starken Sud, der aber dann, zusammen mit dem Zucker und dem Honig, nicht zu intensiv wird. Dann seihst du die Kräuter ab.

– Gib 1/2 dl des Kräutersudes in eine beschichtete Pfanne
– Koche den Sud mit dem Zucker, dem Zitronensaft und dem Honig unter stetem Rühren auf
– Es passiert irgenwie lange nichts, und grad bevor man denkt, das wird nix, karamellisiert der Zucker dann doch noch. Wenn die Zuckermasse wie Honig von der Kelle tropft, ist der Zeitpunkt gekommen.

Vorsicht: Die Zuckermasse ist wahnsinnig heiss und klebrig! 

– Tropft die Masse auf das Backpapier und legt in jeden Kräutertropfen einen Stil.
– Lasst die Lutscher auskühlen und trocknen und löst sie dann vorsichtig vom Backpapier
– wickelt sie in Butterbrotpapier, so kleben sie nicht aneinander.

Ihr habt keine Holzspiesse im Haus? Dann lasst die Zuckermasse ohne Stil trocknen und lutscht die Bonbons einfach so. 

Bonbons heissen in der Schweiz übrigens Zältli und hier in Wien sind es die Zuckerl (ausgesprochen als: Zuckal) 

Klar, dass beim Anblick der Lutscher plötzlich alle ein bisschen vor sich hin hüstelten… Aber eben, manchmal braucht ja auch die Seele ein Stück vom Glück. 

Tschüssi du Husten! Und kannst ruhig da bleiben, wo der Pfeffer wächst!
Bleibt gesund und lustig.
Alles Liebe, Sandra
Thymian
Ist ein guter Schleimlöser (oh, Thymian, das soll ein Kompliment sein!) und erleichtert das Abhusten.
Spitzwegerich
Lindert den lästigen Hustenreiz und stärkt die Abwehrkräfte 
Salbei
Hilft bei trockenem Husten und Reizhusten, sowie bei Halsschmerzen und kann anstelle von Thymian in die Zuckal.
Anstelle des Kräutersudes könnte man die getrockneten Kräuter auch so, oder gemörsert, direkt mit dem Zucker aufkochen. Ich weiss aber von meinen Lütten, dass, sogleich die was Grünes, womöglich Stückiges irgendwo entdecken, sofort der entsetze Blick folgt: “Mama, da ist was Grünes drin. Bäääk! ” Deshalb der Sud…
Zucker
Anstelle des Rohzuckers könnt ihr auch Birkenzucker verwenden. Bestimmt besser für die Zähne!
Honig
Honig wirkt antiseptisch und hilft optimal bei Erkältungen. Leider aber verliert er all seine hilfreichen Eigenschaften, wenn er über 40°C erhitzt wird. Also auch, wenn man ihn in zu heissen Tee mischt. Dann wirkt der Honig zwar noch süssend, aber seine Wirkstoffe gehen leider flöten. Trotzdem habe ich etwas Honig in die Lutscher gemischt. Diesmal einfach nur für den Geschmack.
Wenn euer Kind stark oder lang hustet, wenn es fiebert oder es nicht fit ist, dann geht bitte zum Arzt. Dieses Rezept ersetzt auf gar keinen Fall den Gang zum Arzt. Obschon die Rezeptur sorgfältig erarbeitet wurde, erfolgen alle Angaben ohne Gewähr.

Verlinkt mit den naturkinder // freutag
Mit liebem Dank

SCHNEEBALLBOMMELN (DIY)

Schnee von morgen…

Die halbe Welt ist eingeschneit. Nur wir hier in Wien wurden mit einem lächerlichen Fläumchen abgespeist. 5 mm Schnee und alle Kinder voller Glück, schnell raus, Schneemänner bauen, Schlitten fahren, toben, johlen, juhu! Am nächsten Tag war der Zauber auch schon wieder vorbei. Weil verzweifeln in diesem Fall keine Option ist, haben wir uns Indoschneebälle gemacht und tun einfach bis auf Weiteres mal so als ob…

Für unsere Schneebälle haben wir Pompons oder Bommeln gewickelt. Das ist einfach und die Kinder lieben es, diese Wollbommeln herzustellen. Da wir passionierte Bommelmacher sind, haben wir vor längerer Zeit dieses Pompon-Set* gekauft. Eine gute Investition für uns, weil wir es wirklich oft brauchen und die Bommeln schneller gewickelt sind. Aber natürlich kann man die Pompons auch um zwei runde Kartonscheiben wickeln. Ganz einfach, genau so wie früher. Gute alte Zeit.

Ihr braucht dazu:
– Kartonreste
– Zwei Gläser für die Form
– Bleistift
– Schere
– dicke weisse Wolle, auch verschiedene Wollreste könnt ihr dazu benutzen
– dünnes, stabiles Baumwollgarn

Und dann so:
Zeichnet erst zwei grosse Kreise auf den Karton. Ich habe dazu ein Glas benutzt, damit das Runde auch rund wird. Dann zeichnet ihr in die Mitte der grossen Kreise je einen kleinen Kreis. (Mein grosses Glas hatte einen Umfang von 8.5 cm, das kleine 3,5 cm.)
Schneidet eure Bommelmacher aus. Damit ihr die Kartonreifen nach dem Wickeln gut von der Wolle lösen und wieder verwenden könnt, macht ihr einen Schnitt von der äusseren Kante nach innen. So fällt es auch einfacher, die Mitte auszuschneiden.

Dann legt ihr die Kartonreifen aufeinander. Achtet darauf, dass die Einschnitte dabei nicht aufeinanderliegen.
Beginnt nun mit dem Umwickeln der Kartonschneiben. Benutzt dazu bitte dicke Wolle, ihr könnt den Wollfaden gerne auch doppelt oder sogar vierfach nehmen, falls ihr nur dünne Wolle zu Hause habt. Schneebälle sehen auch sehr schön aus, wenn Wolle in verschiedenen Weisstönen gewickelt wird. Wir haben sogar einen Schneeball, der ein bisschen silbern glitzert… Elsa, eben.
Wickelt so lange, bis das Loch in der Mitte winzig klein geworden ist.

Mit einer spitzen Schere schlüpft ihr durch die Wolle zwischen die zwei Kartonscheiben. Da schneidet ihr nun die Wolle auf. Rundrum.
Nehmt einen dünnen, starken Wollfaden, fädelt ihn doppelt zwischen die Kartonringe und verknüpft ihn mit ein paar festen Knoten. Der Faden soll stark sein, weil er alle Wollfäden und somit euren Pompon zusammenhält. 

Erst wenn ihr gut verkntotet habt, löst ihr vorsichtig die Kartonscheiben vom Wollball. Ihr könnt die Scheiben immer wieder verwenden.
Zu guter Letzt wird der Wollball frisiert. Damit der Pompon schön regelmässig  und dicht wird, muss alles Zerzauste abgeschnitten werden. Das macht ihr am Besten mit einer kleinen Schere… und unbedingt über einem Eimer, denn das Trimmen ist wie ein Besuch beim Friseur. Fusseln überall.
Fertig! Die Schneeballschlacht kann beginnen! 

Die Schneebälle können geworfen, gerollt, auf dem Kopf balanciert, unter dem Pullover versteckt, auf den Handflächen über einen Parcours getragen, mit den Zehen gefasst, mit den Füssen transportiert, im Bett gekuschelt, geformt und geknetet werden. Ihr könnt jonglieren oder euren Kindern die Bälle auf dem Rücken rollen (eine Schneeballmassage), zuwerfen oder ein bestimmtes Ziel treffen, den Jahreszeitentisch schmücken oder ein kleines Bällebad für die Puppen einrichten. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und wenn, wider erwarten, mal ausgespielt ist, dann wird die Bommel mit ein paar Stichen ganz einfach an der Wollmütze befestigt.

Wir haben ein Schneemannspiel ausgetüftelt und haben so den Winter ins Wohnzimmer gezaubert. Auch wenn es toll ist: Schnee, kannst trotzdem kommen!

Ich wünsche euch viele Schneebälle und allen, die im Winterparadies zu Hause sind, lustige Schneeballschlachten. Wir sind ein bisschen neidisch.
Alles Liebe, Sandra

Danke.   

*Dies ist ein Amazon-Partnerlink. Wenn du über diesen Link bestellst, bezahlst du für das Produkt natürlich nicht mehr, aber ich erhalte eine kleine Provision, die wiederum meiner Blogarbeit zugute kommt. Merci.

DIE KRAFT DES GESANGES // ODER WARUM WIR NOCH MEHR SINGEN DÜRFEN MIT UNSEREN KINDERN

Singen ist die eigentliche Muttersprache des Menschen

(Yehudi Menuhin)

Wenn meine Kinder singen, dann geht mir das Herz auf. Ich könnte stundenlang zuhören, mich einlullen in diese Klänge, die aus der Seele kommen. Dann legt sich ein Gefühl über mich, das mir sagt: alles ist gut. Das Kind ist bei sich und im Einklang mit sich und der Welt. Sehr schön ist das.

Das Singen mit Kindern ist ein unterschätztes, aber ganz dringendes “must have”. Denn mit Gesang wird das Leben mit Kindern nicht nur schöner, sondern auch einfacher:

Die Stimme als erstes Instrument
Der Gesang ist vermutlich Ursprung der musikalischen Ausdrucksform des Menschen. Der Körper ist Klanginstrument und nichts trennt ihn von der Musik. Das Lied schlummert im Menschen drinnen. Seit jeher und hoffentlich für immer.

Singen macht glücklich

Ja, und das ist nicht so ein Eso-Dahergerede. Das ist jahrzehntelange eigene Erfahrung, und ganz nebenbei ist es sogar wissenschaftlich belegt. Denn beim Singen werden Hormone und Botenstoffe (wenn ihr es ganz genau wissen wollt: Serotonin, Noradrenalin und Beta-Endorphine) produziert, die uns glücklich machen. Jetzt wisst ihr auch, weshalb nach dem Singen von “Oh Tannenbaum” und der “Stillen Nacht” alle so berührt und zufrieden den Weihnachtsbaum angucken. Glück, so einfach ist das.
Musik macht das Herz weich. Ganz still und ohne Gewalt macht sie die Tür zu Seele auf.
(Sophie Scholl)
Singen verbindet und schafft Beziehung

Wenn wir zusammen sprechen, tut dies, optimalerweise, einer nach dem anderen. Singen aber tun wir gemeinsam. Zu zweit oder mit hundert anderen. Gemeinsames Singen schafft Beziehung, weil wir aufeinander hören, uns dazu gemeinsam bewegen, weil wir kommunizieren, weil wir dabei alle gleich sind. Singen verbindet und diese Verbindung schafft Vertrauen, den respektvollen Umgang miteinander und Akzeptanz.
Für jemanden ein Lied zu singen ist wie eine Liebeserklärung, auch ohne Leier, unterm Balkon des/der Angebeteten. Ein Geschenk aus der Seele und ein grosses Kompliment.

Singen gibt Halt
Wenn man als Kindergärtnerin eine Gruppe von über zwanzig Kinder begleitet, bedient man sich verständlicherweise der besten Tools, die es gibt. Für mich war und ist eines davon der Gesang. War es in der Gruppe unruhig und unrund, half ein Lied, die Kinder zu sammeln. Wenn gesprochene Worte nicht gehört wurden, halfen leise gesungene Worte garantiert. Denn nach und nach blickten die Kinder um sich, suchend, woher die Musik kam, traten heran, hörten zu. Immer (ok, zu 90%) haben sie gelauscht, und wenn ein Moment der Ruhe entstanden war, bot sich mir die Möglichkeit, zu sammeln, etwas Neues aufzugleisen, zu klären, zu unterstützen. 
Schwierige Übergänge vom Gruppenraum in die Garderobe, vom Aufräumen zurück in den Kreis, vom Kreis zum Tisch, waren immer mit Unruhe verbunden. Als hätten die Kinder für einen kurzen Augenblick den Halt verloren. Den aber konnte man ihnen gewähren mit einem Lied. 

Ein Lied hat die Kraft und den Zauber, einer ganzen Kindergruppe Rückhalt und Sicherheit zu geben. 

Eine gesungene Anweisung war oftmals wirkungsvoller als all das Gesagte, was die Kinder eh schon den ganzen Tag zu hören bekamen.

Singen nimmt die Angst
Ja, davon kann ich ein Lied singen. Musste ich als Kind alleine in den Keller, um eine Flasche Pepita zu holen, sang ich. Ich sang, weil es dunkel war und müffelte, weil der Keller im Mehrfamilienhaus voller zugestellter Holzverschläge war, hinter denen Wesen und Gestalten auf mich lauerten, kicherten, knackten, raschelten und knarzten. Aber wenn ich aus Leibeskräften um mein Leben sang, dann packte ich mich ein in einen Schutz aus Klang und zeigte all den Kellergestalten: “Hey, ich komme mit Gebrüll, ihr passt besser auf.”

Singen macht mutig und nimmt die Angst. Die Angst, im Dunkeln das Licht anzumachen, die Angst, alleine durchs Treppenhaus zu steigen oder auch die Nervosität vor einer Prüfung oder einem schwierigen Gespräch. Denn auch hier helfen die ausgeschütteten Botenstoffe und Hormone. Probiert es unbedingt aus.

Wer singt, verscheucht sein Unglück
(Spanisches Sprichwort)
Singen bringt den Körper in Bewegung
Singen geschieht mit dem ganzen Körper. Er ist Resonanz- und Klangkörper und noch viel mehr. Wenn wir singen, dann verändert sich unsere Körperhaltung. Wir richten uns auf, öffnen uns, um den Atem in uns aufzunehmen und um die Klänge aus dem Körper zu schicken. Wir klatschen den Takt mit den Händen oder klopfen ihn mit den Füssen, wir schnippen mit den Fingern, tanzen im Kreis, wir bewegen uns im Rhythmus oder untermalen das Gesungene mit passenden Bewegungen (eine tolle Möglichkeit übrigens, um sich Liedtexte zu merken!). Gerade auch weil das Singen unseren ganzen Körper berührt, macht es uns so sehr zufrieden, glaube ich.

 
Singen ist Musizin
Kein Pflaster, kein Coldpack auf dieser Welt heilt so sehr, wie ein leises Lied 
“Heilä, heilä Sägä, drüü Tag Rääge.” 
Die Wärme der Stimme, die Hingabe und die liebevollen Berührungen dabei lassen die Seele und das aufgeschlagene Knie viel schneller heilen als alles andere.
Singen heisst atmen, atmen heisst leben
Als mein Sohn ein Baby war, war er abends oft ulidig. Am liebsten wolle er getragen werden, und wenn ich dabei sang, war die Welt in Ordnung, er wurde ganz ruhig und war ganz bei sich. So legte ich Kilometer um Kilometer in der Berliner Wohnung zurück, mein Baby am Herzen tragend und singend. Und nicht nur ihm, auch mir hat es gut getan zu singen, denn meine Gesangsmeditation hat mich gelehrt, zu atmen, mich zu beatmen, Sauerstoff und somit Kraft zu tanken statt vor Müdigkeit zusammenzubrechen.
Ein Lied ist wie ein warmer Frühlingwind, der einem durch den Tag tanzen lässt, obwohl man eigentlich beschlossen hat, kommatös müde zu sein. 
Singen fördert die Sprachentwicklung
Lieder sind eine Form gesungener Sprache. Wenn wir Lieder singen, dann geschieht dies sehr viel langsamer, als wenn wir sprechen, auch weil wir das Tempo eines Liedes dem Kind anpassen. Wir bewegen den Mund mehr und betonen die einzelnen Silben stärker. Singen ist eine lusvtolle Art, die Sprachentwickling zu unterstützen.

Singen in den Alltag integrieren
Ich bin mir sicher, dass viele von euch singen, wenn ihr eure Kinder zu Bett bringt. Mit einem Lied den Tag abzuschliessen ist wohl die beruhigendste, innigste und allerschönste Art, ein Kind in die Nacht zu begleiten. 
Aber nicht nur abends, auch durch den ganzen Tag kann euch das Singen unterstützen. 
– Die Kinder mit einem Lied aufwecken
Es ist schön, den Tag mit einem Lied abzuschliessen, aber es ist auch wunderschön, den Tag mit einem Lied zu beginnen. Guckt mal, wie es sich für eure Kinder anfühlt, wenn ihr sie morgens mit einem leisen Lied aufweckt.
– Zähneputzen
Ja, das ist manchmal so eine Sache… eine üble Sache, weil Zähneputzen ist blöd. Aber (bei uns zu Hause) muss sein. Es gibt zahlreiche Zahnputzlieder, die ihr beim Zähneputzen singen könnt. Meine Kinder lieben Quatschlieder am allerliebsten. Wie ein Löwe eine Oper singt? Ha, nichts leichter als das und schwuppdiwupp ist die obere Zahnreihe schon geputzt… Es klappt auch bei uns nicht immer, aber ab und zu.
– Vor dem Essen ein Lied singen
Das “Sich-an-den-Händen-halten” und zusammen ein Lied vor dem gemeinsamen Essen singen, ist nicht jedermanns Sache (haha, ich seh meinen Schwager vor mir,  grosse Augen, als er uns an den Händen halten soll und denkt: Oh Scheisse, in welche Sekte bin ich hier geraten…). Aber ein kurzes Lied oder auch ein Spruch vor dem Essen hat was Verbindendes und zeigt klar an, wann das Schmausen beginnt.
– Aufräumen…
Ohjehmine, das Aufräumen, eine leidige Sache, die den Kindern manchmal echt schwer fällt. Aber auch dabei gilt: Das gemeinsame Singen währenddem gibt Halt und lässt die Kinder leichter dabei bleiben. Es lenkt ab von dieser “Tortur” und macht das Ganze einfach lustiger.
Nutzt die Kraft eurer Stimme, um euer Tun zu unterstützen.
– Sich Anziehen
Auch so ne Sache, vor allem im Winter, mit den tausend Schichten. Wie wäre es, das Anziehen mit dem Hampelmannlied zu untermalen? Ist einen Versuch wert. Vor allem, wenn man daraus auch wieder ein Quatschlied macht. Immer lustig bleiben!
– Singend auf den Weg gehen
Nörgelig auf dem Sonntagsspaziergang? Oder schon bissl müde vom Wandern? Ein Lied hilft, denn gemeinsames Singen verleiht Bärenkräfte.
– Stimmung am Nullpunkt
Ich weiss, gerade dann ist es schwierig zu singen. Aber auch ein gesungener Katzenjammer ist Gesang, und wenn man dann noch heult wie ein Wolf bei Vollmond oder singt wie der Esel von den Stadtmusikanten, dann kann der Kummer vielleicht ein bisschen weichen. Wenn selbsterfundene Quatschlieder und umgetextete Kinderklassiker gesungen werden, dann wird gelacht und es wächst Glück. Einfach so, mit nichts als einem Lied.
– Gute Nacht
Ohne Gute-Nacht-Lied gehts nicht. Wie soll ein Kind in die Nacht gehen, wenn wir nicht noch singen? Unmöglich.

 
Bei manchen Völkern wird der Reichtum eines Menschen daran bemessen, wieviele Lieder er im Herzen trägt.
(unbekannter Autor)
Wenn Kinder singen, verzaubern sie die Welt, und ich behaupte, dass jeder Erwachsene gesungen hat, als Kind. Viele tun das noch immer, aber leider gibt es auch jene, denen irgendwann mal gesagt wurde, dass sie nicht singen können. Und deshalb lassen sie es lieber sein. Schade, man sollte wirklich nicht alles glauben, was so dahergeredet wird. Denn, ganz egal, ob man singt wie eine Nachtigall, oder ob man das Gefühl hat, eher im Team Krähe zu trällern, lasst euch bloss nichts einreden. Singen ist wie Tanzen oder Träumen, man kann es einfach.  Schlussendlich, so glaube ich, kommt es, wie so oft im Leben, auf das Gefühl an, welches ihr durch euren Gesang transportiert. Ich bin mir sicher, wenn ihr für eure Kinder singt, werden sie selig, glücklich und verzaubert, weil ein Lied die Gabe hat, einem einzulullen, wie eine warme Decke während einer kalten Winternacht. 
Ich wünsche euch alles Liebe, immer wieder ein fröhliches Lied auf den Lippen und ein feines Wochenende.
Sandra

STEINSUPPE / BÜCHER SIND LEBENSMITTEL

Wo Menschen sich begegnen, wird geredet und ausgetauscht. Wo Menschen sich begegnen und gemeinsam Feuer machen, wird gleich gewerkelt, ausprobiert, in die Glut gepustet, den Flammen zugesehen, gefachsimpelt und sich aufgewärmt. Wo Menschen sich um ein Feuer begegnen und Geschichten hören, entsteht eine Gemeinschaft. Weil alle einer Stimme lauschen, weil man sich von den Worten wegtragen lässt, in eine andere Welt. Weil zusammen gestaunt, gebangt und gelacht wird.

Wenn nach einer Geschichte gemeinsam vom Feuer in einem grossen Topf gekocht und zusammen gegessen wird, entsteht Wärme im Bauch und überall, Glück und Freude und vielleicht ein Erlebnis, das in Erinnerung bleibt, für immer.
Es ist Nacht.
Es herrscht Winter.
Ein alter Wolf nähert sich dem Dorf der Tiere.

So beginnt die Geschichte der Steinsuppe*,  aus dem gleichnamigen Bilderbuch von Anais Vaugelade (Moritz Verlag). 

Der Wolf ist hungrig. Er trägt einen Sack mit einem schweren Stein auf seinem Rücken. Er klopft bei der Henne, denn er will auf ihrem Feuer eine Steinsuppe kochen. Die Henne erschrickt, öffnet aber die Türe, weil sie neugierig ist und weiss, dass der Wolf nur noch einen Zahn hat. Steinsuppe. Wasser und Stein in den Topf und dann übers Feuer. Die Henne ist skeptisch und fragt: “Ist das alles? Also ich tu ja in meine Suppen immer ein bisschen Sellerie.” Und der Wolf meint: “Das kann man, das gibt einen gewissen Geschmack.” 
Und so kochen die zwei, bis weitere Tiere an die Türe klopfen und eines nach dem anderen noch was dazugibt in die Suppe, für den gewissen Geschmack. Schlussendlich sitzen alle, essen, reden, bis der Wolf den Stein aus der Suppe nimmt “ah, noch nicht ganz durch” und diesen wieder in seinen Sack packt. Für das nächste Abendessen.
Eine zauberhafte Geschichte über das Zusammenkommen, das Teilen und gemeinsame Essen, das Überwinden von Ängsten und Verwerfen von Vorurteilen, die Lust, was Gemeinsames zu schaffen und die Bereitschaft, Zeit miteinander zu verbringen. Sie war für mich der Anlass, eine Steinsuppe vom Feuer in unserem Garten zu kochen. Zusammen mit Nachbarn und Freunden. Und alle sind gekommen und haben von Herzen mitgetan. 
Zuerst habe ich den Kindern und grossen Menschen die Geschichte vorgelesen, dann haben wir gemeinsam gekocht. Wir hatten Feuer, einen grossen Topf mit Wasser, einen Stein von den Alpen und jeder hat etwas geschnippeltes Gemüse mitgebracht. Für den Geschmack. 
Und nach einer Stunde wurde eine Suppe gegessen, die war so fein und herzhaft und reich, dass wir heute noch davon träumen. Bis es dunkel wurde standen wir ums Feuer, redeten, tranken, assen. Die Kinder spielten, lachten, warfen ab und zu wieder ein Stock ins Feuer. 

Manchmal reicht ein Feuer, ein Topf, ein paar Karotten und eine Geschichte, damit Menschen zusammenkommen und gemeinsam etwas Schönes erleben. 

Übrigens: Der Stein aus unserer Suppe war noch nicht ganz durch. Was für ein Glück, so können wir noch einmal Steinsuppe damit kochen.

Bitte nachmachen, teilen und weitererzählen, denn gute Dinge machen das Leben noch viel feiner.
Alles Liebe 
Sandra

In unserem Topf sind übrigens Zwiebeln, Sellerie, Broccoli, Süsskartoffeln, Karotten, Zucchini, Rosmarin, ein Lorbeerblatt, Fenchel, rote Rüben und Kürbis zusammengekommen. Ich sags euch; das alles und noch eine Prise Feuer… so, so LEIWAND. 

Ein anderes Bilderbuch der Steinsuppe “Stone Soup” von Jon j. Muth ist ebenfalls sehr empfehlenswert. Die Geschichte ist die selbe. Drei Mönche kommen in ein chinesisches Dorf, in dem niemand miteinander spricht. Dann kochen sie Steinsuppe, den Rest könnt ihr euch denken. Ein traumhaft illustriertes Bilderbuch. Gibt es hier*.

Verlinkt mit naturkinder
Danke.

     

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UND WAS WIRD AUS DEM WEIHNACHTSBAUM? (DIY)

Es ist eigentlich ein ganz schön trauriges Leben, das Leben als Weihnachtsbaum. Nach stundenlangem hin und her wird der stachelige Auserwählte freudig ins Wohnzimmer gehievt, festlich geschmückt, beleuchtet, bestaunt und besungen und ist Mittelpunkt von allem. Aber schon nach ein paar Tagen werden die Kerzen nicht mehr angezündet, zu gefährlich, weil schon ein bisschen trocken. Nach Neujahr wird er immer öfter mit dem Blick “oje, dein letztes Stündchen hat bald geschlagen” beäugt, und spätestens, wenn er nadelt, wird beratschlagt, was mal aus ihm werden sollte. Heuer haben wir sogar vor dem Dreikönigstag tabula rasa gemacht.

Aber erst haben wir den Baum entschmückt, die Kinder und ich. Den ganzen Vormittag haben wir Lieder gesungen, über das schöne Fest geschwärmt und doch noch das eine oder andere Kerzlein brennen lassen. Jeden Schmuck in den Fingern gehalten, danach in die “Weihnachtszeugs”-Box gelegt und wieder im Keller verstaut. Bis nächstes Jahr, wir freuen uns jetzt schon. Das gemeinsame “Aufräumen” war nötig, denn als wir den nackten, entzauberten, trockenen Nadelriesen vor uns stehen sahen, hat der Grosse ein bisschen geweint. Denn er war, wie jedes Jahr, der schönste Baum, den es überhaupt gibt. Und die Zeit, in der ein Weihnachtsbaum im Wohnzimmer glitzert, ist halt einfach schon unglaublich allerschönst. 
Dann habe ich die Stichsäge herausgeholt… Ende der Weihnachtszeit. ABER, Teile unseres Baumes werden uns weiter begleiten, denn so einfach gehen lassen wollten wir ihn dann doch nicht, den Allerschönsten. 
Gemeinsam haben wir mit der Gartenschere die Äste abgeschnitten und diese im Garten auf den Beeten verteilt. Die Tannennadeln, in den Gartenbeeten verteilt, schrecken die Schnecken ab. Den Stamm haben wir mit Sägen zerteilt, damit wir Stücke zurechtmachen können, die wir zum Schnitzen, zum Werken an der Werkbank oder auch zum Feuer machen im Garten brauchen können.

Hier noch ein paar Ideen für ein Weihnachtsbaumre- upcycling (wadewer):
Vor ein paar Tagen habe ich hier über das Märchen von Frau Holle geschrieben. Als ich meinen Kindern davon erzählte, wollten sie wissen, was eine Spindel ist und was man damit macht. Es ist spannend, wie man von der Wolle zum Wollfaden kommt. Wir haben uns eine Handspindel gewerkelt und uns unsere eigene Wolle gesponnen. 
Wolle spinnen ist eine uralte Tätigkeit. Die Handspindel ist eines der ältesten handwerklichen Geräte der Menschheit überhaupt. Seit mehreren tausend Jahren spinnen Menschen mit Wolle.
Spindel 
Ihr braucht: 
– eine Holzscheibe vom Stamm des Weihnachtsbaumes (oder eines Stammes / Astes eines gefällten Baumes), ca. 2  cm dick.
– ein Holzstock (Spinnstab), der möglichst gerade und astfrei ist (haha, das schreibe ich und unser Stöckchen auf den Bildern ist sowas von krumm…)
– Säge
– Handbohrer
– Sackmesser / Schnitzmesser
– Kleines Stück Karton
– Schafwolle
(unsere Spindel ist vom Ast eines gefällten Baumes aus dem Park, aber ebenso gut machbar aus dem Stamm des Weihnachtsbaumes)
So wird es gemacht:

Sägt euch eine Scheibe des Stammes vom Weihnachtsbaum ab. Wenn ihr wollt, könnt ihr den Stamm vorher mit dem Taschenmesser abschälen und alles schön glatt schleifen.
Bohrt ein Loch in der MITTE eurer Holzscheibe (Wirtel). Tja, die Mitte ist leider nicht immer da, wo der Baum sein Zentrum anzeichnet. Ihr müsst also, damit eure Spindel dann auch schön rund läuft, die genaue Mitte ermitteln. Das geht am Besten, indem ihr ein rundes Stück Papier auf euer Holz legt und mit einer Ahle ein Loch vorbohrt. Dann bohrt ihr mit dem Handbohrer ein so grosses Loch, dass ihr euer Holzstöckchen KNAPP hineinstecken könnt. Falls das Loch zu gross geworden ist, könnt ihr das Stöckchen mit Kleber festmachen. 

Am oberen Ende des Stöckchens schneidet ihr mit dem Schnitzmesser eine Kerbe hinein, damit ihr die Wolle befestigen könnt.

Die Spindel ist jetzt schon fertig. Jetzt wird gespinnt! Nehmt die Schafwolle, dreht mit den Fingern einen kleinen Strang zum Faden und wickelt diesen um ein Stück Karton. Ihr braucht etwa 30 cm Wollfaden, damit ihr diesen um die Spindel binden und mit dem Spinnen beginnen könnt. 

Befestigt den Wollfaden mit einem Knopf unter dem Wirbel am Spinnstab und dann mit einer Schlinge fest in der Kerbe.

Nun nehmt ihr das Ende eures gedrehten Wollfadens und legt dieses auf ein Stück der Schafwolle. Achtet darauf, dass beide Enden, die ihr zusammenspinnen wollt, 3 – 5 cm aufeinander liegen. 

Haltet die Verbindung Wollfaden – Schafwolle mit der einen Hand fest. Mit der anderen Hand fasst ihr den Spinnstab am oberen Ende und dreht ihn mit Daumen und Zeigefinger, sodass der Wirbel der hängenden Spindel schnell kreist. Lasst den Wollfaden mit der Schafwolle zu einem Faden verdrehen, währenddem lockert ihr den Griff um die Verbindung des Wollfadens und der Schafwolle.

 

Achtet darauf, dass ihr die Spindel immer auf die gleiche Seite dreht und lasst dabei die Schafwolle langsam durch eure Finger gleiten. Verliert die Spindel an Schwung, haltet ihr sie an und dreht sie immer wieder, bis der Faden an Länge gewonnen hat. Dann löst ihr ihn aus der Kerbe, wickelt ihn eng um den Spinnstab und macht am oberen Ende des Stöckchens den Faden wieder mit einer Schlinge fest. Der Faden sollte nur etwa 10 cm über den Spinnstab hinausragen, wenn ihr ihn neu mit der Schafwolle verbindet. Und dann spinnt und spinnt und spinnt.

Es braucht Achtsamkeit, ein bisschen Fingerspitzengefühl und ein klein wenig Übung, bis man aus der Schafwolle einen Wollfaden drehen kann. Aber wenn die Finger erst mal erlebt haben, wie das Spinnen vor sich geht, wollen sie meist gar nicht mehr damit aufhören… Und das Schöne ist: Auch wenn der Faden bricht, er lässt sich immer wieder mit der Schafwolle verdrehen.
Was ihr aus eurer selbstgesponnenen Wolle anfertigen könnt, seht ihr hier.

Holzknöpfe

Schält einen Ast mit dem Schnitzmesser zuerst und sägt ihn dann in dünne (5mm) Scheiben. Schleift die Scheibe fein und bohrt dann je zwei kleine Löcher hinein. Sollte irgendwann an einer Strickjacke ein Knopf fehlen, habt ihr doch gleich eueren selbstgemachten Weihnachtsbaumknopf zur Hand.

Stelzen

Wie ich für meine Tochter aus einem Stück eines gefällten Baumes Stelzen gemacht habe, könnt ihr gerne hier nachlesen. Auch eine Idee machbar aus dem Weihnachtsbaum.

Es gibt auch viele Rezepte für Tees aus Tannennadeln, Tannennadel-Salz, Hustensirup oder Badezusätze aus den Nadeln. Ich bin mir nicht sicher, aber ich habe das Gefühl, dass unser Baum ganz schön gedüngt und gespritzt wurde, um so makellos auszusehen… Deshalb verzichte ich lieber aufs Aufessen des Baumes. Falls ihr jedoch einen Biobaum ergattert habt, findet ihr viele weitere Ideen für das Verwerten des Weihnachtsbaumes im Netz.
Ich wünsche ich euch einen ganz besonders gelungenen Start in die erste Schulwoche dieses Jahres und viel Freude, Begeisterung und Herz, bei allem was ihr tut.
Herzlich, Sandra
Obwohl wir begeisterte Weihnachtsbaumverarbeiter sind, habe ich mich dieses Jahr besonders schwer getan mit dem Gedanken, dass im Januar der geschnittene Baum “entsorgt” wird. Und da ich finde, dass es unbedingt ein Leben nach der Weihnachtszeit geben muss, habe ich mich entschieden, dass wir im nächsten Jahr einen lebenden Weihnachtsbaum mieten werden. Dieser wird in einem Topf unser Heim verzaubern und danach wieder in die Natur gepflanzt. Ein schöner Gedanke, finde ich. Klar, noch dauert es 11 Monate, bis wieder Weihnachten ist, aber es geht ja immer schneller, als man denkt…
Infos über lebende Weihnachtsbäume in eurer Stadt gibt es hier.

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Vielen Dank!

DREI KÖNIGE / KÖNIGSKUCHEN – BROT – REZEPT

Seit Weihnachten sind die heiligen drei Könige mit ihrem Elefanten und dem kleinen Kamel in unserem Adventsgärtlein unterwegs nach Bethlehem. Jeden Tag sind sie dem Stall und der Krippe ein Stückchen näher gewandert. Gut, manchmal haben sie einen Abstecher unter die Sofakissen gemacht, um ein Schläfchen zu halten, haben sich unterm Weihnachtsbaum versteckt, sind ab und zu im Puppenwagen ein Stück mitgefahren (hop on hop off) und haben auch ab und zu in den Tiefen des Kinderzimmers residiert. Glücklicherweise sind sie nun aber doch pünktlich angekommen, beim Jesuskind. Alle da!

Melchior, der König mit dem roten Gewand, brachte als Geschenk das Gold, als Symbol der Weisheit. Der blaue König ist Balthasar und reichte dem Kind Weihrauch, als Symbol des Gebetes. Kaspar, der grüne König, überbrachte Myrrhe, die als Symbol für die Verbindung des Menschlichen mit dem Göttlichen steht.
Wir haben heute Morgen bereits unseren Königsteig geknetet und daraus ein Blumenbrot gebacken, in dem wir traditionell eine Mandel versteckt haben. Reihum darf sich jeder ein Stück des Brotes aussuchen. Derjenige, der die Mandel in seinem Stück entdeckt, ist König oder Königin für einen Tag… 
Unser Rezept für den Königskuchen / das Königsbrot:

– 500 g Mehl und
– 1 Päckchen Hefe    
in einer Schüssel verrühren
– 1 1/2 KL Salz und 
– 2 KL Rohrzucker 
beigeben

– 60 g Butter in 3 dl Milch auflösen
Die Flüssigkeit mit dem Mehl vermengen und zu einem Teig kneten. Mit einem feuchten Tuch zugedeckt an der Wärme um das Doppelte aufgehen lassen, dann den Teig in zwei gleich grosse Stücke teilen.
Aus dem einen Teil die Mitte des Kuchens formen, aus dem anderen Teil 8 gleich grosse Stücke formen und diese dann um das Mittelteil legen. In eines der kleinen Brötchen unbedingt heimlich eine Mandel oder eine Nuss schmuggeln!
Nun die Brotblume mit einem zerklopften Ei bestreichen und in den kalten Ofen schieben. Diesen dann auf 220° heizen und das Brot 20-30 Minuten ausbacken. Kurz bevor ihr das Brot aus dem Ofen nehmt, könnt ihr es noch mit Mandelsplitter und Hagelzucker bestreuen. Voilà.
Wenn ihr das Brot aus dem Ofen nehmt und auf die Unterseite klopft, soll es dumpf/hohl klingen. Wenn’s hohl klingt, ist ausnahmsweise mal jut.

Nun wünsche ich euch einen feinen, stimmungsvollen Dreikönigstag, guten Appetit, ein geschicktes Händchen beim Aussuchen des Stückchens und reichlich Stolz beim Tragen der Krone!
Alles Liebe, Sandra

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EIN NIGELNAGELNEUES JAHR / FRAU HOLLE, BITTE KOMMEN

  
Euch allen ein sonniges, glückerfülltes, purlimunteres funkelnigelnagelneues Jahr voller zauberhaften Augenblicken, herzlichen Begegnungen und Ideen, die eure Augen zum leuchten bringen.
Wir haben unsere Feiertage in Wien verbracht (mit zwischenzeitlich nicht so feierlicher Magen-Darm… ach, ihr wisst schon…), zusammen mit Familie und lieben Freunden. Gemütlich, fröhlich, aufregend und doch wunderbar unspektakulär. Jetzt, wo alle Feierlichkeiten vorbei sind und uns der Alltag von Weitem wieder zuzwinkert, merke ich erst, wie ruhig und gelassen wir in dieses völlig unverplante, neue Jahr aufgebrochen sind. 
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne… 

Die Ruhe und Leere nach der aufregenden Zeit sind es auch, die einem wieder näher zusammenrücken lassen und die “Langeweile” kostbar und zauberhaft machen. Es scheint, als würden die Sinne, nach dieser Zeit der Fülle, wieder neu geschärft und als hätten sie wieder die Möglichkeit, sich neu zu entfalten. Der Blick auf das Wesentliche, das Ursprüngliche und wirklich Wichtige wird klarer, und es fällt mir nach den reichen Dezembertagen leichter, Altes gehen zu lassen, um Platz zu schaffen für das, was kommt, oder einfach Platz zu schaffen für die Leere, die mich manchmal so inspiriert. 
Die Kinder haben noch Schulferien und so geniessen wir die Vormittage im Schlafanzug beim Spielen und Lümmeln, Pläne schmieden und schöne Sachen aushecken, währenddem wir sehnsüchtig auf Schnee warten. Leider will der einfach überhaupt nicht kommen. Da hilft auch das Flehen und aus dem Fenstergegucken nichts. Auch ich wünschte mir ein paar Flocken, die das Braun-Dunkelgrün mit Weiss und Stille bedecken und uns hinaus locken würden, in den leuchtenden Glitzerschnee. Ja, das wäre wunderbar. Es scheint aber gerade, als hätte hier in Wien die megafaule Marie die tüchtige Goldmarie abgelöst.
Und weil es grade ist, wie es ist, erwische ich mich immer wieder, wie ich an Tulpen auf dem Küchentisch denke, und hätte ich einen Jahreszeitenregler, ich würde ihn gleich hier und jetzt, ohne mit der Wimper zu zucken, auf Frühling drehen. Mit dem neuen Jahr und dem schneefreien Januar ist die Lust gekommen, alles wieder wachsen und gedeihen zu sehen…
Ja, ich werde geduldig warten, Geschichten vom Schnee erzählen und das Märchen von Frau Holle vorlesen. Denn der Januar war und ist auch immer ein Märchenmonat. Ganz nah beieinander, so, wie schon vor vielen Jahren während der Rauhnächte, ist es am allerschönsten, Märchen zu lauschen und von verschneiten Welten zu träumen. 
Wenn bei euch auch kein Schnee liegt und ihr euch danach sehnt, oder ihr euch tagtäglich im Schnee vergnügt, euch mit roten Wangen und eisiger Nasenspitze  bei einem Märchen wieder aufwärmen wollt, habe ich für euch das Märchen von Frau Holle hier angefügt.

  
Frau Holle
Eine Witwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleissig, und die andere hässlich und faul. Sie hatte aber die hässliche und faule, weil sie ihre rechte Tochter war, viel lieber, und die andere musste alle Arbeit tun und der Aschenputtel im Hause sein. Das arme Mädchen musste sich täglich auf die grosse Strasse bei einem Brunnen setzen, und musste so viel spinnen, dass ihm das Blut aus den Fingern sprang.
Nun trug es sich zu, dass die Spule einmal ganz blutig war, da bückte es sich damit in den Brunnen und wollte sie abwaschen; sie sprang ihm aber aus der Hand und fiel hinab. Es weinte, lief zur Stiefmutter und erzählte ihr das Unglück. Sie schalt es aber so heftig und war so unbarmherzig, dass sie sprach “hast du die Spule hinunterfallen lassen, so hol sie auch wieder herauf.”
Da ging das Mädchen zu dem Brunnen zurück und wusste nicht, was es anfangen sollte: und in seiner Herzensangst sprang es in den Brunnen hinein, um die Spule zu holen. Es verlor die Besinnung, und als es erwachte und wieder zu sich selber kam, war es auf einer schönen Wiese, wo die Sonne schien und viel tausend Blumen standen. Auf dieser Wiese ging es fort und kam zu einem Backofen, der war voller Brot; das Brot aber rief : “Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich – ich bin schon längst ausgebacken.” Da trat es herzu, und holte mit dem Brotschieber alles nacheinander heraus. Danach ging es weiter und kam zu einem Baum, der hing voll Äpfel und rief ihm zu: “Ach schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.” Da schüttelte es den Baum, dass die Äpfel fielen, als regneten sie, und schüttelte, bis keiner mehr oben war; und als es alle in einen Haufen zusammengelegt hatte, ging es wieder weiter.
Endlich kam es zu einem kleinen Haus, daraus guckte eine alte Frau, weil sie aber so grosse Zähne hatte, ward ihm angst, und es wollte fortlaufen. Die alte Frau aber rief ihm nach: “Was fürchtest du dich, liebes Kind? Bleib bei mir, wenn du alle Arbeit im Hause ordentlich tun willst, so soll dir’s gut gehn. Du musst nur acht geben, dass du mein Bett gut machst und es fleissig aufschüttelst, dass die Federn fliegen, dann schneit es in der Welt; ich bin die Frau Holle.”
Weil die Alte ihm so gut zusprach, so fasste sich das Mädchen ein Herz, willigte ein und begab sich in ihren Dienst. Es besorgte auch alles nach ihrer Zufriedenheit, und schüttelte ihr das Bett immer gewaltig auf, dass die Federn wie Schneeflocken umherflogen; dafür hatte es auch ein gut Leben bei ihr, kein böses Wort, und alle Tage Gesottenes und Gebratenes.
Nun war es eine Zeitlang bei der Frau Holle, da ward es traurig und wusste anfangs selbst nicht, was ihm fehlte, endlich merkte es, dass es Heimweh war; ob es ihm hier gleich viel tausendmal besser ging als zu Hause, so hatte es doch Verlangen dahin. Endlich sagte es zu ihr: “Ich habe den Jammer nach Haus kriegt, und wenn es mir auch noch so gut hier unten geht, so kann ich doch nicht länger bleiben, ich muss wieder hinauf zu den Meinigen.”
Die Frau Holle sagte: “Es gefällt mir, dass du wieder nach Hause verlangst, und weil du nur so treu gedient hast, so will ich dich selbst wieder hinaufbringen.”
Sie nahm es darauf bei der Hand und führte es vor ein grosses Tor. Das Tor ward aufgetan, und wie das Mädchen gerade darunter stand, fiel ein gewaltiger Goldregen, und alles Gold blieb an ihm hängen. so dass es über und über davon bedeckt war. “Das sollst du haben, weil du so fleissig gewesen bist”, sprach die Frau Holle und gab ihm auch die Spule wieder, die ihm in den Brunnen gefallen war. Darauf ward das Tor verschlossen, und das Mädchen befand sich oben auf der Welt, nicht weit von seiner Mutter Haus; und als es in den Hof kam, sass der Hahn auf dem Brunnen und rief:

“Kikeriki, unsere goldene Jungfrau ist wieder hie.”
Da ging es hinein zu seiner Mutter, und weil es so mit Gold bedeckt ankam, ward es von ihr und der Schwester gut aufgenommen.
Das Mädchen erzählte alles, was ihm begegnet war, und als die Mutter hörte, wie es zu dem grossen Reichtum gekommen war, wollte sie der andern hässlichen und faulen Tochter gerne dasselbe Glück verschaffen. Sie musste sich an den Brunnen setzen und spinnen; und damit ihre Spule blutig ward, stach sie sich in die Finger und stiess sich die Hand in die Dornhecke. Dann warf sie die Spule in den Brunnen und sprang selber hinein. Sie kam, wie die andere, auf die schöne Wiese und ging auf demselben Pfad weiter. Als sie zu dem Backofen gelangte, schrie das Brot wieder: “Ach zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich, ich bin schon längst ausgebacken.” Die Faule aber antwortete: “Da hätt ich Lust, mich schmutzig zu machen”, und ging fort. Bald kam sie zu dem Apfelbaum, der rief: “Ach schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.” Sie antwortete aber: “Du kommst mir recht, es könnte nur einer auf den Kopf fallen”, und ging damit weiter. Als sie vor der Frau Holle Haus kam, fürchtete sie sich nicht, weil sie von ihren grossen Zähnen schon gehört hatte, und verdingte sich gleich zu ihr.
Am ersten Tag tat sie sich Gewalt an, war fleissig und folgte der Frau Holle, wenn sie ihr etwas sagte, denn sie dachte an das viele Gold, das sie ihr schenken würde; am zweiten Tag aber fing sie schon zu faulenzen an, am dritten noch mehr, da wollte sie morgens gar nicht aufstehen. Sie machte auch der Frau Holle das Bett nicht, wie sich’s gebührte, und schüttelte es nicht, dass die Federn aufflogen. Das ward die Frau Holle bald müde und sagte ihr den Dienst auf.’ Die Faule war das wohl zufrieden und meinte, nun würde der Goldregen kommen; die Frau Holle führte sie auch zu dem Tor, als sie aber darunter stand, ward statt des Goldes ein grosser Kessel voll Pech ausgeschüttet. “Das ist zur Belohnung deiner Dienste”, sagte die Frau Holle und schloss das Tor zu.
Da kam die Faule heim, aber sie war ganz mit Pech bedeckt, und der Hahn auf dem Brunnen, als er sie sah, rief:
“Kikeriki, unsere schmutzige Jungfrau ist wieder hie.”
Das Pech aber blieb fest an ihr hängen und wollte, solange sie lebte, nicht abgehen. 

(Kinder- und Hausmärchen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Brüder Grimm))

Übrigens: Falls ihr beim Erzählen immer mal wieder zum Weihnachtsbaum schielt und ihr euch im Geheimen denkt: Was wird wohl aus dir werden… So habe ich eine feine Weihnachtsbaum-Upcycling-Idee, die perfekt zu Frau Holle passt und die ich euch nächste Woche gerne vorstellen möchte.

Bis dann wünsche ich euch, dass euch euer Anfang in Ruhe und Gelassenheit gelingen mag, sodass auch der kleinste Alltags-Zauber spürbar wird.
Alles Liebe, Sandra 

Über Schnee- und Winterbilderbücher habe ich hier bereits geschrieben. Schaut rein, falls ihr mehr literarischen Schnee braucht.

Das zauberhafte Märchenbuch “Die 100 schönsten Märchen der Gebrüder Grimm” mit den Bildern von Daniela Drescher findet ihr hier.*

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