SPUREN IM SAND // SANDWANNEN DIY

Auf dem breiten Fenstersims meines Kindergartens stand eine grosse Sandwanne, gefüllt mit allerfeinstem Sand. Angeschafft hatte ich mir die Wanne, weil ich mir vorgestellt hatte, dass das sinnliche Spiel mit dem Sand für die Kinder ein Ort der Ruhe und Konzentration werden könnte, in einem Raum, der klein war und in dem es unablässig wuselte.
Sand wirkt wie ein Magnet. Es war, als würde er immer genau die Kinder zu sich rufen, die eine Auszeit brauchten, in der Kopf, Herz und Hand gleichermassen ins Tun kommen durften.

Das Spiel mit Sand wirkt beruhigend, heilend und fördert auf lustvolle und spielerische Art und Weise die Wahrnehmung, Fein- und Graphomotorik und die Bewegungskoordination.
Sand macht es einem leicht, freudig auszuprobieren, intuitiv entstehen zu lassen, sich in einen sinnlichen Prozess zu begeben, ohne Druck und ohne Erwartung, etwas für die Ewigkeit zu schaffen. Die Sandwanne ist ein optimaler Platz, um neugierig und ganz ohne Leistungsdruck seine Spuren zu hinterlassen und, zum Beispiel, Buchstaben und Zahlen schreiben zu lernen. 

Auch wenn es zu Beginn sein kann, dass nur mal eine Fingerspitze durch den Sand streicht, so wird es wohl nicht beim einen Finger bleiben. Gestaltet und gespürt wird nämlich gerne mit beiden Händen, allen Fingern, links und rechts, beide Seiten gleichzeitig. Der ganze Mensch wird angesprochen beim Tun im Sand.

Es war klar, dass ich irgendwann einmal eine Sandwanne für meine Kinder haben würde, weil ich ihnen diese Erfahrung nicht vorenthalten wollte. Also habe ich für die Kinder zwei Sandwannen gewerkelt, ganz einfach, aus zwei übergebliebenen Laden unseres Esstisches. Und sollte das Spiel mit dem Sand mal passé sein, so können die Laden (mit oder ohne Sand) wieder in den Tisch eingeschoben werden… blitzschnell aufgeräumt!

Um selber eine Sandwanne zu fertigen braucht ihr Ihr :

– eine Lade / Schublade, nicht zu klein
– falls der Boden der Lade, wie bei mir, sehr uneben und gerissen ist, braucht ihr ein Stück dünnes Plexiglas (ich habe von einem alten Bild die Plexiglasscheibe verwendet)
– Kleber / Heisskleber
– Sand

Und so einfach wird’s gemacht:

Unsere Schubladen sind alt, wurmstichig, die Ladenboden sind rauh und das Holz ist gespalten. Wenn die Kinder mit den Fingerspitzen in den Sand zeichnen, ist es schön, wenn der Untergrund möglichst glatt ist (und es wäre gut, wenn man sich keine Holzsplitter holt…). Also habe ich eine dünne Plexiglasscheibe eines alten Bildes mit einem Teppichmesser auf die Grösse des Schubladenbodens zugeschnitten und dann an den Schulbadenrändern festgeklebt. Plexiglas bekommt ihr übrigens auch im Baumarkt, das Zuschneiden und Brechen ist überhaupt gar nichts für Kinder!

Dann habe ich das Plexiglas auf den Ladenboden gelegt und die Ränder der Schublade mit Heisskleber abgedichtet (und so das Plexiglas gleich mit befestigt). Es ist nämlich schade, wenn der feine Sand aus den Ecken und an den Kanten rausläuft. Ihr könnt auch anderen Kleber nehmen, achtet einfach darauf, dass ihr alle Schlupflöcher stopft.

Ist der Kleber getrocknet, könnt ihr bereits den Sand einfüllen. Ich habe diesen Quarzsand für die Sandwanne verwendet (Werbung, unbeauftragt // alles, alles selbst bezahlt : )

→ Ich lege übrigens ein Tuch unter die Sandwanne, damit ich den verschütteten Sand nach dem Spiel einfach wieder zurückgiessen kann. 

Spiele in der Sandwanne:
Eigentlich brauchts dazu überhaupt kein Blabla, denn ihr werdet sehen, dass eure Kinder 1001 Spielideen entwickeln werden. Trotzdem gibt es hier ein paar Anregungen, um in Schwung zu kommen und euch nur einen Bruchteil der Ideen aufzuzeigen:
– mit verschiedenen Holzrechen (auch Kämmen) Spuren in den Sand zeichnen.
– mit anderen Naturmaterialien (Zapfen, Muscheln, Steine, verschieden dicke Stöcke…) Landschaften im und mit dem Sand gestalten.
– den Sand durch einen Trichter rieseln lassen
– den Sand durch ein Sieb durchrieseln lassen (nach längerem Spielen mit der Sandwanne ab und zu zu empfehlen, um den Sand wieder zu reinigen)
– Löcher in eine Kartonkiste bohren und den Sand durchrieseln lassen
– Igelbälle (Massagebälle oder die Trocknerbälle) durch den Sand rollen
– einen Kreisel durch den Sand drehen
– ein Pendel über die Sandkiste hängen und das Entstehen der Muster beobachten
– mit dem Sand Geschichten erzählen
– kleine Schätze vergraben

→ Um die Spuren im Sand wieder zu verwischen, habe ich eine Holzlatte in der Länge der Sandkiste zugesägt und dann an den Seiten mit ein paar Gummibändern umwickelt. So können die Kinder ihre Geschichten leicht wieder verwischen und im flachen Sand was Neues beginnen

Formenzeichnen
Kinder, die an einer Sandwanne sitzen, werden gleich ins Tun kommen, selber ausprobieren und sich an verschiedene Formen herantasten. Spannend ist es aber auch, vor allem für grössere Kinder, hin und wieder Formen von Vorlagen im Sand nachzumalen, oder im Sand vorgezeichnete Formen zur Seite oder nach oben oder unten zu spiegeln.
Um eine Form zu erfahren, kann sie auf ein Papier aufgezeichnet und dann mit dem Finger nachgezogen werden. Ihr könnt die Form mit den Händen, Armen und Füssen in die Luft zeichnen oder mit Seilen oder Naturmaterialien auf dem Boden legen. 

Marille Seitz zeigt in ihrem grossartigen Buch “Schreibe es in den Sand” unter anderem ihre Montessori-inspirierten Platten. Darauf hat sie mit Sandpapier verschiedenste Formen aufgeklebt, die die Kinder ertasten und nachfahren. Dabei ist das taktile Erlebnis beim Erfassen einer Form natürlich noch viel spürbarer. Erschienen ist das Buch im Don Bosco Verlag (Werbung, unbeauftragt // das Buch habe ich selber bezahlt).  

Das Formenzeichen macht in der Waldorfschule einen Teil des Hauptunterrichtes aus. Die Kinder erfahren verschiedene (Ur-) Formen, gedreht, in verschiedenen Lagen, sie spiegeln, verkleinern und vergrössern und erfinden eigene Formen. 

Ein gespiegelter Regenbogen wird zum Schmetterling

Aus einem Kreuz wird ein ganzes Muster

Meine Kinder wollten gar nicht mehr aufhören, Formen vom Papier in den Sand zu übertragen…

Manchmal mache ich es so wie damals im Kindergarten. Wenn ich alleine bin, dann setze ich mich für einen Moment an die Sandwanne, lasse den Sand durch meine Finger rieseln und hinterlasse da und dort eine Nachricht für meine Kinder… Fast wie eine kleine Auszeit am Strand.

Die Finger im Sand, das Herz ganz leicht und die Gedanken vogelfrei.

Es ist immer wieder eine Freude, neue, berührende Erfahrung zu machen.
Habts fein und schön und wunderbar.
Alles Liebe, 
Sandra

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4 thoughts on “SPUREN IM SAND // SANDWANNEN DIY

  1. Liebe Sandra,
    ich bin wie immer begeistert darüber, wie du mir schon bekannte Dinge so präsentierst, dass ich beim Betrachten der wunderschönen Fotos und beim Lesen des Textes große Lust darauf bekomme, das auch wirklich für meine Enkeltochter zu machen!
    Die Idee mit der Schublade (und dem Verstauen im Tisch) war neu für mich und wird gleich umgesetzt. Ich finde es auch so schön, wie du zeigst, dass man die Dinge mit schon vorhandenen Sachen selbst herstellen kann (das Glättholz mit den Gummibändern ist so toll!) und dass sinnvolles Spielzeug für Kinder nicht vom Preis abhängt. Danke für die Zeit, die du fürs Schreiben deiner Artikel verwendest, ich freue mich über jeden Beitrag, dein Blog ist wirklich ganz besonders!
    LG Elke (vom Rumpelstilzchen)

    1. Liebste Elke
      So schön, von dir zu hören. Ich hoffe, du hattest einen guten Sommer.
      Danke vielmals für deine lieben Zeilen. Ich freue mich immer, wenn ich höre, dass ich jemanden zum Tun inspirieren konnte. Ich werde bald im Rumpelstilzchen vorbei kommen, dann sehen wir uns.
      Bis bald.
      Alles Liebe, Sandra

  2. Liebe Sandra,
    ich bin eigentlich eine stille und nur sporadische Leserin deines Blogs, aber heute möchte ich dir schreiben. Gerade habe ich die letzten vier Artikel gelesen und aus jedem spricht so viel Liebe und Achtsamkeit, dass ich ganz berührt bin… Schön, dass es dich gibt!

    1. Liebe Ka.
      Deine Worte sind wie Balsam… Ich danke dir ganz herzlich.
      Ich freue mich, wenn du ab und zu hier vorbei schaust und kann es sehr gut verstehen, wenn man einfach nur still mitliest.
      Alles Liebe
      Sandra

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