WIE WIRD MAN EIGENTLICH ADVENTSLIG?

Es geht ja immer schwupps. Kaum sind Badehose und Sonnencrème eingemottet, wird man in den Supermärkten von Schokonikoläusen, Lebkuchen und den obligaten Adventskalendern erschlagen. Ganz zu schweigen von der Weihnachtsbeleuchtung, die hier in Wien flux montiert wird und bis zu ihrer Erleuchtung inkognito im Herbstwind hin und her schaukelt. “Viel zu früh! Die spinnen doch!” posaune ich dann manchmal, als wäre es das Hinterletzte, so früh vorweihnachtlich zu sein.

Insgeheim aber, haha, bereite ich mich schon im Sommer auf die Adventszeit vor. Als ich nämlich am Strand diese tollen, ausgewaschenen Steine in den Händen hielt, ertappte ich mich, wie ich dachte: “Vielleicht für kleine Weihnachtsbasteleien oder so?” Und wenn ich im Herbst Wallnüsse schäle, dann bitte so, dass ich die beiden Nusshälften wieder zusammengeben könnte. Für Zaubernüsse in der Adventszeit. So manch hungriges Kind ist schon fast verzweifelt an meiner umständlichen Art und Weise, Nüsse zu öffnen. Beim Spaziergang im Wald, da sammle ich wie ein Eichhörnchen Eichelhütchen, für die Silvesterkerzlein, die ich so gerne mag. Und auch Hagebutten, und die Erlen- und die Föhrenzapfen, Flechten, Moos und vieles mehr dürfen nicht fehlen im Fundus (Adventsfundus). 
Ich bin wie ein Supermarkt.

Eigentlich aber beginnt die Vorweihnachtszeit weder mit den überladenen Regalen im Supermarkt noch mit hübschen Steinen vom Strand. Sondern mit einem Gefühl und einer Stimmung, die warm und ein bisschen geheimnisvoll ist. Sie beginnt mit einer innigen Atmosphäre, die den Kindern vermittelt, dass eine besondere Zeit kommen wird. Eine Zeit, die golden, aber meist auch sehr voll ist, und in der deshalb auch immer wieder Platz geschaffen werden muss, für Augenblicke der Geborgenheit, der Ruhe und des Nichts. Und weil innige Momente mit Kindern oftmals im gemeinsamem Tun und Erleben entstehen, ist es fein, wenn die Vorweihnachtszeit durch Geschichten, Lieder und einfachsten, sinnlichen Tätigkeiten (Zaubernüsse?) zu etwas besonderem gemacht wird.

Vom Einfachen das Gute.

Es gibt zauberhafte Aktivitäten, die einem in die Adventszeit einstimmen, und die während der Vorweihnachtszeit stetig wiederholt werden können, weil sie so viel Freude bereiten. Und vielleicht mag man diese sogar so sehr, dass sich daraus wertvolle Rituale ergeben, die mitgenommen werden und die immer wieder an die Erinnerungen der letzen Jahre anknüpfen.
Am liebsten beginnen wir hier mit den Vorbereitungen in der letzten Novemberwoche, nachdem die Laternenlieder des Martinsumzuges verklungen und die Kerzen in den Laternen ausgebrannt sind.

Ein wiederkehrendes Ritual bei uns ist es, für genug Licht in der Vorweihnachtszeit zu sorgen. Wir rollen liebend gerne Bienenwachskerzen oder aber ziehen welche aus Kerzenresten. Der Duft, die Wärme und die Vorfreude auf das honiggelbe Licht stehen für uns in tiefer Verbindung mit der Adventszeit. Es ist eine einfache, sinnliche Tätigkeit für kleine und grosse Hände, die wir auf gar keinen Fall missen möchten. Wie ihre die Kerzen rollt habe ich euch hier aufgeschrieben.

Dann hängen wir auch unseren Adventskalender auf, der mich nun über zwanzig Jahre begleitet und schon hunderte von Kinderaugen zum Leuchten gebracht hat. Dieser Akt ist vor allem für mich ein wichtiger, wiederkehrender Moment, weil ich dabei in all die zauberhaften, unvergesslichen Erinnerungen mit all den vielen Kindergartenkinder eingehüllt werde. 
Zudem holen wir die Nikolausbücher vom obersten Bücherregal und geben sie im Wohnzimmer in unsere Bücherkiste. Das gemeinsame Durchblättern unserer Lieblingsbücher, das Stöbern und sich gemütlich gegenseitig Vorlesen ist eine schöne Einstimmung auf die nächsten Wochen.
Ein paar Nikolausbücher, die wir besonders gerne mögen, findet ihr hier.


Die Laternenlieder, die wir auch nach dem Martinsumzug gerne noch singen, machen nun Platz für Nikolaus- oder Weihnachtslieder. Kinder lieben Musik, sie singen voller Lust und Freude und unsere mögen es auch sehr, wenn wir ihnen vorsingen. So begleiten wir unsere Kinder jeden Abend singend in die Nacht. Gerne mit saisonalen Liedern, bevor wir dann das Gutenachtlied singen. Es reicht, wenn die Kinder von zwei, drei Liedern durch die Adventszeit getragen werden. Lieber weniger, dafür aus dem Herzen.


Auch ein Ritual ist es, beim Frühstück eine Kerze anzuzünden, weil die Morgen doch schon sehr dunkel sind und es einfach gemütlich ist, den Tag mit Kerzenlicht zu beginnen. Fein ist es, wenn man eine selbstgemachte Kerze entzündet. Das Licht nämlich scheint gleich viel wärmer.


Das Binden des Adventskranzes machen wir gerne gemeinsam. Wir holen auf dem Markt Reisig, das nach Nikolaus riecht, pflücken Thymian im Garten und schmücken den Kranz mit selbstgesuchten Zapfen, getrockneten Orangenscheiben oder Hagebutten (aus dem Adventsfudus…).
Die Anleitung zu unserem Duft-Adventskranz findet ihr gleich hier.

Vorweihnachtszeit ist eine reiche Zeit voller Gerüche, Geschmäcker, voller Geschichten, Kerzenlicht und Klänge. Es sind für unsere Kinder aufregende Tage, die gefüllt werden könnten mit tausend Sachen. Um die Kinder heranzuführen in eine stimmungsvolle, innige und freudige Vorweihnachtszeit, sind Nähe, Geborgenheit und Zeit aber wahrscheinlich die allerwichtigsten Ingredienzen. 
Vielleicht wird das mit den Steinen vom Strand heuer nichts, und eventuell müssen auch die Zaubernüsse auf das nächste Jahr verschoben werden. Eben wie im Supermarkt, der fast aus den Nähten platzt, aber wo man dann doch nur das aus dem Regal nimmt, was man im Moment tatsächlich braucht. Und das ist ja bekanntlich immer weniger, als man denkt. Nur wo Platz und Muse ist, um freudig zu gestalten und mit Liebe vorzubereiten, können Herzen leuchten. Das, so glaube ich, ist feines adventslig sein. 

Ich freue mich, euch durch die nächsten Wochen zu begleiten, mit Gedanken, einfachen Anregungen und Ideen für eine innige, lustige und stimmungsvolle Zeit.
Habts fein und schön und wunderbar.

Alles Liebe, Sandra

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8 thoughts on “WIE WIRD MAN EIGENTLICH ADVENTSLIG?

  1. Wow, was ist das für ein wunderbarer und geheimnisvoller Adventskalender, der bereits so viele Jahre währt?
    Danke für die schönen Ideen für die nun kommende Adventszeit.

    1. Liebe Vanessa
      Der Adventskalender war meine Werk-Abschlussarbeit im Kindergärtnerinnen-Seminar. Die vielen Arbeitsstunden haben sich voll und ganz gelohnt, weil er jeden Dezember eine Wand schmückt und Kinderaugen zum leuchten bringt.
      Ich danke dir für deine Nachricht und wünsche euch eine zauberhafte Adventszeit.
      Alles Liebe, Sandra

  2. Der ist ja wirklich zauberhaft. Ist der selbst gebaut? Was für ein Kindheitsschatz. Ja hier ist es schon schön adventelig. Meine große Tochter ist auch schon seit Wochen am schmücken und ständig werden auf dem Klavier Weihnachts- und Adventslieder geklimpert, während ich noch versuche, den Herbst festzuhalten 😉 Aber so langsam, langsam, langsam zieht hier auch die richtige Stimmung ein… Ich wünsche euch viel Freude und Genießen im Advent!
    Dörte

    1. Liebe Dörte
      Ja, der Kalender ist selbstgemacht und deshalb hat er hier auch jedes Jahr seinen festen Platz. Bei uns sind die Kinder auch schon viel adventsliger als ich. Sie freuen sich riesig auf den Dezember und reissen mich mit ihrer Vorfreude regelrecht mit.
      Ich wünsche euch ganz friedliche und stimmungsvolle Tage.
      Mit herzlichsten Grüssen
      Sandra

  3. Liebe Sandra,
    ich bin schon adventslig 😉
    Dein Post ist so stimmungsvoll.
    Deine Nikolaus-Szenerie ist wunderschön.
    Hab gleich mal geschaut, was die Ostheimerfiguren in dieser Kombination so kosten würden 😉
    Da muss ich wohl jedes Jahr ein Figürchen so nach und nach anschaffen.
    Das hab ich mit unserer Krippe auch so gemacht und die ist inzwischen vollständig 😉
    Ganz liebe Grüße
    Melanie

    1. Liebe Melanie, danke vielmals für deine lieben Worte. Wir wünschen uns die Ostheimerfiguren schon seit vielen Jahren. Immer mal wieder eine Figur dazu. Der Nikolaus hat uns tatsächlich mal den Holz- Nikolaus mitgebracht, Maria und Josef mit dem Kindlein gab es mal zu Weihnachten. Und ab und zu bekommen die Kinder zum Geburtstag ein Holztier geschenkt. Ich finde die Ostheimerfiguren so zeitlos schön, dass einige von ihnen das ganze Jahr auf unserem Jahreszeitentisch Platz nehmen.
      Ich wünsche euch heiteres adventslig sein.
      Alles Liebe, Sandra

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