RHABARBER-UMARMUNG // DA IST VIELES, WAS WIR VON UNSEREN KINDERN LERNEN KÖNNEN

Rhabarberkuchencrumble
Ich legte den wunderschönsten, frischen Rhabarber vom Freitagsmarkt auf den Tisch und verkündete selbstsicher, dass dieser Wochenendkuchen RHA-BAR-BRIG wird. Die Freude meiner Kinder hielt sich in Grenzen, eh klar, denn Kuchen ohne Schoko ist nur Gebäck!

Dennoch ist der Grosse in die Küche gestiefelt und hat, exakt nach Rezept, den Kuchen meiner Träume gebacken. “Eklig, dieses Gemüse”, raunte er zwar immer wieder, dennoch legte er die Rhabarberstücke mit viel Liebe in einem Regenbogen-Muster auf den Kuchenteig.

Der Kuchen wurde wunderbar und sah sehr schön aus, als ich ihn aus dem Ofen nahm. Leider, leider aber (ich sag’s euch, ich habe drei linke Küchenhände, es ist zum Verzweifeln….), ist mir der Kuchen, als ich ihn aufs Gitter zum Auskühlen stürzen wollte, in tausend Stücke zerbrochen. Schnappatmung – Flüche – Stille.
Der schöne Kuchen war – Crumble. 

Ich ging etwas geknickt ins Zimmer des Grossen, setzte mich zu ihm hin und berichtete vom Kuchenjammer in der Küche. “Es tut mir sehr leid”, sagte ich.

Und dann: Kein Augenrollen, wie ich es vielleicht ganz sicher gemacht hätte, wenn mein Kind den Kuchen ruiniert hätte. Kein “Menno, echt jetzt!”, was ich gut hätte verstehen können. Noch nicht mal ein unüberhörbares Schnaufen, das mir mit grosser Wahrscheinlichkeit entwichen wäre, noch bevor ich die ganze Geschichte zu Ende gehört hätte…
Mein Kind stand auf, nahm mich in die Arme, drückt mich und flüsterte: “Das hätte mir doch auch passieren können,” und dann verständnisvoll schmunzelnd: “Wir beide sind nun mal Schussel.” 

Unsere Kinder sind feine LehrmeisterInnen. Ihre Art, wie sie unvoreingenommen durch das Leben fliessen, freudig, neugierig, grosszügig, zugewandt, mit offenen Ohren, offenen Augen und offenen Herzen, ist ein grosses Geschenk für uns alle. Sie teilen mit uns ihre Sichtweisen, die frisch und beherzt, lebendig, couragiert, manchmal wild und unkonventionell, aber immer echt sind. Und wir dürfen uns davon tagtäglich inspirieren und beflügeln lassen. Dürfen unsere eigene Lebenseinstellung damit bereichern und unseren Horizont erweitern, sodass wir stets in Bewegung bleiben und nicht irgendwann stocken in unserem eigenen Trott (und angenervt die Augen rollen statt liebevoll zu umarmen!) 

In dieser innigen Umarmung und seinen warmen Worten lag so viel Liebe. Bedingungslose Liebe. Sie ist es, die uns alle nährt, die Halt gibt und Leichtigkeit schenkt, Raum zum Wachsen und Gedeihen gewährt, uns erlaubt zu scheitern, und uns die Gewissheit gibt, dass da immer eine Hand ist, die selbstverständlich gereicht wird, wenn man etwas verloren im Rhabarbercrumble stecken geblieben ist. 

Der Grosse hielt mich lange fest, dann löste er sich von mir, lachte übers ganze Gesicht und meinte dann: “Yeah!!! Und jetzt backe ich noch einen Schokokuchen!”

Der Rhabarbercrumble schmeckte übrigens vorzüglich. Schon in mundgerechte Stücke gebrochen, brauchten wir nicht mal ein Kuchenmesser, um ihn zu servieren. Sehr praktisch.

Von Herzen wünsche ich euch eine glückliche Woche, warme Umarmungen, leuchtende Kinderaugen und genug Staubzucker im Küchenschrank, um all die süssen Pannen (und sagt jetzt bitte nicht, euch passiert sowas nie…???) einfach weg zu pudern.

Habt’s fein und schön und wunderbar.
Alles Liebe, Sandra.

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