NIE FERTIG MIT LOSLASSEN // EIN PAAR GEDANKEN ZUM SCHULBEGINN – UND ÜBERHAUPT

Am Montag hat bei uns das neue Schuljahr begonnen. Für meine Kinder, für mich, und natürlich für tausende Erstklass- und Kindergartenkindern – und deren Eltern.
Mehr Freude und Spannung liegt wohl in keinem einzigen Moment eines Schuljahres in der Luft als nach der grossen Sommerpause, wenn die Kinder mit den neuen Ranzen und ihren zauberschönen Kindergartentaschen auf den Weg hinaus in die Welt gehen.

Ich durfte vorgestern nah bei den Kindern sein und da und dort in die Augen der Eltern blicken. Und mein Herz, liebe Eltern, das war auch ganz bei euch…

Bevor ich Mama wurde, habe ich laut trompetet, dass ich, sollte ich mal Kinder haben, bestimmt, ganz sicher Ü-B-E-R-H-A-U-P-T kein Problem mit dem Loslassen haben würde.
Die Mamas, die mit Tränen in den Augen vor dem Kindergarten standen, während ihre Kinder bereits Kontakte knüpften und mit anderen Kindern ins Spiel fanden, konnte ich nicht so ganz verstehen.

„Macht euch keine Sorgen, hier läuft alles super, lasst los!“

Dann kam mein Sohn auf die Welt, und ich wurde zugedeckt mit einer so innigen Liebe, einer Wärme und Verletzlichkeit, wie ich sie noch nie zuvor erlebt hatte. Mein ganzes Ich, mit jeder Faser, war da für dieses Kind. Und eben diese Liebe brachte einen ganzen Fächer intensiver Gefühle mit sich, von denen ich zuvor nicht die leiseste Ahnung hatte. Mit der Geborgenheit, der Nähe und Zärtlichkeit zu meinem Kind schlichen auch Ängste, sorgenvolle Gedanken und Unsicherheiten in mein Leben. Loslassen – niemals!

Als meine Tochter vor ein paar Jahren lustig in die Kita stiefelte, stand ich draussen im Regen und weinte mit dem Himmel um die Wette. Theoretisch wusste ich, dass es für sie eine grossartige Zeit werden wird, umgeben von liebevollen Menschen, die sich um sie kümmern, und vielen Kindern, mit denen sie spielen kann. Theoretisch wusste ich, dass ich nun Zeit hätte, endlich mal etwas für mich zu tun.
Aber mein Herz wollte (und will noch immer) beschützen und halten, spüren, auffangen, tragen und da sein.

„Macht euch keine Sorgen, hier läuft alles super, lasst los!“

Loslassen bedeutet, sein Liebstes “herzugeben”, den Familien-Schutzraum zu öffnen und Menschen, Impulse und Ansichten von aussen in sein Leben zu lassen. Das beflügelt und bringt frischen Wind, klingt einfach und sehr schön. Aber es ist eben nicht immer leicht, weil Liebe nicht nur mutig und stark, sondern manchmal auch verletzlich macht.

Wenn wir das Loslassen als einen Prozess sehen, in dem Veränderungen und Neuanfänge Zeit brauchen und neue Rhythmen und frische Impulse in Ruhe wachsen dürfen, dann können wir uns vielleicht etwas Druck nehmen. Es ist in Ordnung, dass nicht alle in Nullkommanix loslassen können, sondern manche eben, Schritt für Schritt, immer wieder gehen lassen üben.

Denn es ist eben mit dem ersten Kita- oder Schultag noch lange nicht getan. Loslassen hört nie auf!

Dann lasst uns mal ein bisschen loslassen.

Von ganzem Herzen wünsche ich euren Kindern und euch eine lustige, spannende und lebendige Reise durch das Schulabenteuer und viel Zeit, Muse und Geduld, um immer wieder anzukommen in den neuen Begebenheiten.

Habts fein und schön und wunderbar.
Alles Liebe, Sandra

Apropos nie fertig: Als mein Sohn über Pfingsten mit den Pfadfindern zum Campen fuhr, versuchte ich über meinen Schatten zu springen und loszulassen wie ein Profi, mal ganz un-peinlich. Mein Sohn war vorfreudig, er ist kompetent, fit und ging super ausgerüstet los.
Der daheimgebliebene Profi aber hatte die Migräne ihres Lebens und klebte das ganze Wochenende über am Gewitterradar des Handys, die Gedanken bei meinem Kind, der tausend wilde Dinge erlebte, die er mir (komischerweise… ha, ha!) dann lieber nicht erzählte…

6 thoughts on “NIE FERTIG MIT LOSLASSEN // EIN PAAR GEDANKEN ZUM SCHULBEGINN – UND ÜBERHAUPT

  1. So wahr und so voller Liebe. ❤️
    Jedes einzelne deiner Worte spricht mir aus der Seele.
    Ich übe mich fleißig im Loslassen und bewundere den Mut und die Aufgeschlossenheit, mit der unsere Kinder hinausgehen in ihre/unsere Welt und sie für sich entdecken und erobern. Wir dürfen an sie glauben, in sie Vertrauen haben und für sie da sein, wenn sie zwischen ihren Abenteuern draußen, dann und wann mal ein wenig Geborgenheit suchen.
    Alles, alles Liebe ❤️ und ein aufrichtiges Danke für deine die-Seele-berührenden Texte.
    Ullli

    1. Liebe Ulli
      Ich danke dir ganz herzliche für deine Worte und überhaupt dafür, dass du mit mir deine Erfahrungen teilst.
      Ja, die Kinder frei fliegen lassen, im Vertrauen, dass da immer ein warmes Nest der Geborgenheit ist, in das sie zurückkehren können… Das klingt sehr schön.
      Wir bleiben dran, jeden Tag.
      Alles, alles Liebe dir.
      Herzlich, Sandra

  2. Das hast du so treffend und wunderbar beschrieben, die Sache mit dem Loslassen und der Liebe. Danke für deine schönen Worte, ich lese sehr gerne bei dir.
    Regina

    1. Liebe Regina
      Danke vielmals, ich freue mich sehr über deine Zeilen und fürs Mitlesen. So schön.
      Mit liebsten Grüssen
      Sandra

  3. Sehr schön geschrieben, liebe Sandra. Sei gewiss, deine Kinder können mit großen Vertrauen die Welt erobern, da du ihnen den Raum dafür und den sicheren Hafen schenkst. Auch, wenn es kleine Tränen gibt und dein Herz ein wenig schwer wird.
    Liebe Grüße aus dem kleinen Dorf zwischen den Meeren
    Lydia

    1. Liebe Lydia
      vielen Dank für deine Nachricht und die herzerwärmenden Worte… mit liebsten Grüssen zu dir, ins Dorf zwischen den Meeren (das klingt ganz wunderbar!!!).
      Sandra

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