
Ich habe mich hier schon lange nicht mehr blicken lassen, meinen letzten Eintrag gab es hier zu Ostern. Jesses, seither ist einiges geschehen.
Ich habe im Sommer einen neuen Job begonnen und arbeite momentan als TTG Lehrperson (Lehrperson für Textiles und Technisches Gestalten… oder einfach Werken und Handarbeiten). Die Arbeit ist grossartig, die Schulkinder sind toll, aber ich muss mich natürlich ganz schön ranhalten, mit Vorbereitungen, mit der Planung und allem Drum und Dran. Nach dem Unterrichten bin ich abends glücklich, aber auch so durch, dass ich mit den Hühnern ins Bett gehe… Darum war ich selten hier.
Zurück zum TTG: Die erste Werkarbeit mit den Kindern der 5. Klasse war ein Holzprojekt. Wir fertigten Ping-Pong-Schläger und haben wochenlang gesägt, geschliffen, gefeilt, und geschwitzt.

Die Arbeit hat sich mehr als gelohnt, denn schlussendlich hielt jedes Kind einen einzigartigen, handgemachten, wertigen, wunderschönen Schläger in den Händen. Ich bin ganz verliebt!
Die Schläger sind aus Birkensperrholz, die Griffe veredelt mit heimischem Vollholz. Die Kinder konnten aussuchen zwischen Nuss (erstes Bild mit dem Einzelschläger), Birne (zweites Bild) oder Kirsche (Bild Nr. 3).
Wir haben die Hölzer, die entsprechenden Bäume, Blätter und Früchte angeschaut, haben das Holz gefühlt und gerochen, die Kinder haben erzählt, welche Früchte sie besonders mögen. Und beim Bearbeiten des Vollholzes haben wir bemerkt, dass es sehr viel anspruchsvoller und anstrengender ist, ein Vollholz auf Mass zu sägen und zu schleifen, als ein Sperrholz. Eine Erfahrung reicher : )

Während des Tuns, das teilweise viel Geduld und Muskelkraft brauchte, flackerte Freude und Stolz durch. Die Kinder strichen über das geschliffene Holz, spürten und umfassten die Griffe ihrer Schläger, als wollten sie sie an sich gewöhnen. Ein Sich-einander-bekannt-machen.
„Ich habe so lange an meinem Schläger gearbeitet, dass ich das beim Spielen spüren werde. Ich glaube, dass ich gewinne!“
Wir waren fast fertig mit unseren Arbeiten, als die Kinder fragten, wie teuer eigentlich ein gekaufter Schläger wäre. „Tja“; sagte ich, „da gibt es grosse Unterschiede. Ihr könnt euch einen Schläger für 5 Franken kaufen oder einen für 400.“

5 Franken. Die Augen der Kinder wurden gross. „Bei Temu gibts das noch billiger“, sagte ein Kind und die anderen nickten.
Aber wie kann den sowas überhaupt gehen? 5 Franken, das ist eigentlich doch nichts. Die Kinder begannen zu diskutieren, wie viel das Holz wohl kostet und überhaupt – wie teuer ist eigentlich ein Baum? Bestimmt teuer, denn der wächst ja einige Jahre.
Wie lange man wohl braucht, um den Baum in Stücke zu sägen und wer das wohl macht? Wer bearbeitet die Schläger und baut sie zusammen?
Für die Kinder war es, nach dieser intensiven Arbeitsphase, schwer zu verstehen, dass ein Tischtennisschläger für 5 Franken überhaupt auf den Markt kommen kann. Wir sprachen über den Wert von Materialien, über Qualität, Maschinen und unterschwellig auch über Arbeitsbedingungen, die an vielen Orten nicht schön sind.

Dieser Moment, in dem die Kinder da standen, ihre wunderbaren Schläger in den Händen, und versuchten, diese Realitäten einzuordnen, war für mich einer der innigsten und ehrlichsten Augenblicke.
Die Erkenntnis – dass mit Liebe und Herz Gestaltetes unglaublich kostbar ist, dass man zwar ein billiges, perfektes Produkt kaufen kann, aber dass das Selbstgemachte eben einen Seelenwert haben kann, der unbezahlbar ist – spannte sich wie ein sicheres Dach über uns alle.
Wenn Menschen gestalten und selber ins Tun kommen, dann können solche Gedanken auf den Arbeitstisch schwirren. Wer selber schon mal ein Shirt genäht hat, weiss, dass ein T-Shirt für 4.95 eigentlich ein totaler Irrsinn ist.
Und wenn dann solche Gedanken Worte finden, ist der richtige Zeitpunkt, gut hinzuhören, nachzufragen und gemeinsam darüber zu reden. Es ist eine wichtige Aufgabe, die Kinder in ihrer – ehrlichen und richtigen – Wahrnehmung zu bestärken, denn meist spüren sie ganz genau, was sich recht anfühlt und was eigentlich nicht sein kann.

Es ist wichtig, dass wir mit unseren Kindern immer wieder Erlebnisse schaffen, in denen sie in Verbindung kommen mit sich selbst, mit ihrer Schaffenskraft, mit ihrer Gestaltungskraft und so mit der Welt, in der sie leben. Zu reflektieren und sich eine eigene Meinung zu bilden, mit dem selbst gemachten Ping-Pong-Schläger in der Hand, macht stolz und ergibt so viel mehr Sinn, als wenn ihnen jemand einen Vortrag über Billigstprodukte hält.
„Wie teuer wäre wohl mein Schläger?“, fragt ein Kind.
„Mir egal, ich würde den so oder so nie verkaufen!“
Als alle Schläger fertig waren, spielten wir gemeinsam auf dem Schulhausplatz ein Turnier. Mit Ping und Pong, Gelächter und mächtig viel Stolz.
Von Herzen wünsche ich euch und euren Kindern unvergessliche Augenblicke im Tun und ganz viel Freude.
Habt’s fein und schön und wunderbar.
Alles Liebe
Sandra


Toll machst Du das, schön, dass die Kinder das so wertschätzen! Habt eine schöne Weihnachtszeit!
Lieber Gruß!
Beate
Ich danke dir, liebe Beate, für deine Worte. Von Herzen wünsche ich dir ebenfalls eine zauberhafte Weihnachtszeit.
Mit liebsten Grüssen, Sandra
Wow, was für eine tolle tolle Arbeit und welche wertvolle Gedanken! Danke für diesen Beitrag und wie schön, wieder von dir zu lesen. Eine gesegnete Adventszeit dir! Und diese Schläger sind wahrlich die schönsten, die ich je gesehen habe! Sind das immer ganz dünne Schichten Holz, die dann miteinander verklebt werden? So schöne Farben und wie schön, das im Gesamtpaket vom Baum an kennenlernen zu dürfen. Ein Glück für diese Kinder, dich zu haben! Liebe Grüße, Dörte
Liebe Dörte
Vielen lieben Dank für deine wertschätzenden Worte, ich freue mich sehr darüber – auch, dass ich wieder hier bin 🙂
Das Sperrholz ist eh schon ein „verklebter“ Holzwerkstoff, also diese Schichten haben wir nicht selber verklebt. Aber die Griffe wurden zusätzlich mit Vollholz – mit dem Nageltrick und Holzleim – verstärkt.
Herzliche Grüsse, einen friedlichen 2. Adventssonntag und alles Liebe.
Sandra
Liebe Sandra,
danke für deine Gedanken, deine Beiträge. Ich bin immer wieder zutiefst berührt … Du kannst Wesentliches so gut in Worte packen. Danke!
Alles Liebe hin zu dir:)
Regine
Liebe Regine
Danke dir für deine Nachricht, ich freue mich immer sehr darüber.
Auch alles Liebe zu dir zurück.
Sandra
Wow, was für ein Projekt!!! Gratuliere zum neuen Job und zu dieser wunderschönen Idee, da konnten alle viel erfahren und lernen.
Viele liebe Grüße auf dem Weg von Graz nach Wien! Miriam
Liebste Miriam
Wie schön von dir zu hören… auf dem Weg von Graz nach Wien… Hach, danke für deine Nachricht. Ja, eine wunderbare, neue Herausforderung. Ich hoffe, dass es euch ganz gut geht und ihr die Adventszeit in Wien geniesst.
Herzensumarmung, Sandra
Das war wirklich sehr schön zu lesen. Du vermittelst deinen Schüler*innen soviel mehr als „nur“ Arbeitstechniken. Deinen neuen Arbeitsbereich finde ich sehr interessant. Könnte ich mir auch vorstellen. Ich wünsche dir eine gemütliche Adventszeit!
Lieben Gruß aus dem kleinen Dorf zwischen den Meeren
Lydia, die sich freut hier mal wieder etwas zu lesen
Liebe Lydia
Danke dir für deine Nachricht, wie schön, von dir zu lesen. Ja, ich merke, dass die Arbeit mit den Kindern in der Werkstatt genau meins ist… Probiere es aus!
Herzliche Grüsse zu dir in den Norden und lichtvolle Adventstage.
Sandra
Ich habe mich gerade beruflich neu orientiert und arbeite jetzt im heilpädagogischen Bereich und finde es sehr interessant.Wenn das nicht wäre, dann könnte ich mir deinen Arbeitsbereich sehr gut vorstellen. Lichtvolle Grüße an dich
Oh wow. Welch feines, lehrreiches Projekt – wenn daraus dieser Stolz & solches Bewusstsein fürs Handwerk entsteht: wunderbar! Danke fürs Teilen!
Liebe Andrea
Danke für deine lieben Worte, ich freue mich sehr. Ja, das Werken mit den Händen tut so viel für die Seele.
Habt es fein und geniesst die Adventstage.
Herzlich, Sandra
So schön, treffend und wahr geschrieben, liebe Sandra!
Deine Schülerinnen und Schüler haben wahrlich ein riesiges Glück, dass genau du ihre TTG-Lehperson bist.
Ich bin immer wieder sehr beeindruckt durch dich, dein Werken, dein Tun, deine feine Art, deine Tiefgründigkeit.
Liebe Claudia, danke dir vielmals für deine wertschätzenden Zeilen und deine wohlwollende Art. Bin so super glücklich in der Werkstatt 🙂
Sei ganz herzlich gegrüsst und bis glii!
Herzlich, Sandra