WELCOME TO DISNEYLAND // ODER KINDERGEBURTSTAGE OHNE KLIMBIM


Damals, in den 70-ern und 80-e
rn, hat jeweils meine Mama für mich und meine Schwester Kindergeburtstage organisiert. Sie hat Kasperltheater gespielt oder Spiele im Garten organisiert. Ich erinnere mich an den selbst gebackenen Marmorgugelhupf (mmmmh, ich hätte darin baden können!), daran, wie ich von den Kindern meine erste Taucherbrille erhielt und Wachsmalstifte, die eigentlich viel zu kostbar waren, um damit zu malen. Wenn ich in Erinnerungen schwelge, bin ich so reich und warm, und ich vermisse gar nichts.


Keep it simpel, um Himmels willen!

Seit einigen Jahren scheint der Kindergeburtstagsboom auszuufern. Ich weiss eigentlich gar nicht, wann genau das angefangen hat, dass man die Feste für die Kleinen zum Event macht, aber es scheint sehr en vogue zu sein. Es gibt hunderte von Event-Planners hier in Wien, die alles möglich machen, um die Kinder zu beglücken, die Eltern zu entlasten und den Kleinen ein einmaliges, unvergessliches Fest zu ermöglichen. Rein gar nichts scheint unmöglich: Zauberer, Hüpfburgen, Clowns und der nimmermüde Ronald MC scheinen dabei noch zu den schlankeren Varianten zu gehören.

Es ist ja wie mit allem: Die Eltern entscheiden, wie ihre Kinder feiern. Ich habe schon 6-jährige Kinder erlebt, die mit ihren Freunden nach Paris ins Disneyland geflogen sind (natürlich mit Privatjet). Gut, wenn’s denn so sein soll, soll es so sein. Aber nötig ist es nicht, denn es sind die kleinen Dinge, die unser Herz berühren, beflügeln und es nähren.Ich habe mittlerweile etwa 300 Kindergeburtstage gefeiert (haha, das Glück einer Kindergärtnerin) und freue mich immer noch, wenn ich mit meinen eigenen Kindern feiern darf. Aber auch nur, weil ich’s ganz einfach halte. Ganz einfach, denn alles andere würde mich komplett überfordern und mir sämtliche Freude und Energie sofort entziehen.

Einfach bedeutet nicht einfältig oder langweilig. Einfach bedeutet echt, innig und ehrlich.

Gerne möchte ich hier ein paar Kinder-Geburtstags-Überlegungen mit euch teilen, vielleicht kann ich euch mit der einen oder anderen inspirieren, nur, falls ihr keine Lust auf Disneyland habt...

Feste feiern ist wichtig und schön. Und weil die Vorfreude darauf so grossartig ist, ist es fein, wenn das Geburtstagskind voll in die Vorbereitungen miteinbezogen wird.

Wo feiert ihr euer Fest?
Draussen in der Natur ist immer ein guter Platz, um Feste mit Kindern zu feiern. Auch im Herbst oder im Winter würde ich rausgehen, in die Natur, in den Wald, Eishockey auf dem gefrorenen Teich im Park, Schlittenfahrt vor dem Haus, eine Schatzsuche/Schnitzeljagd durch das Quartier, Marroni braten im Garten, Geburtstagssuppe und/oder Geburtstagstee vom Feuer kochen, Fahrrad- oder Rollerparcour auf dem Platz vor dem Haus und die dazugehörige Waschanlage für die Räder, mit Schlauch und Putzschwämmen. Wenn die Kinder dem Wetter entsprechend gekleidet sind, steht einem unvergesslichen Gaudi nichts mehr im Weg. Klar, wenn es aber stürmt und Katzen hagelt, dann braucht man ein Dach über dem Kopf. Überlegt also, ob ihr genug Platz zu Hause zur Verfügung habt oder ob ihr in einem Gemeinschaftszentrum einen Raum anmieten könnt.

Was für ein Fest wollt ihr feiern?
Na ja, man feiert einfach! Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass ein roter Faden mir die ganzen Vorbereitungen vereinfacht, und man hat die Möglichkeit, die Kinder damit zu “umarmen”. Damit meine ich nicht Kostüme und allerlei Aufbau, eher ein Grundton.
Als mein Sohn vier Jahre alt wurde, wollte er ein Geburtstagsfest mit ein paar Kindern aus dem Kindergarten feiern. Wir haben uns entschieden, im Garten ein “Sommerfest” zu feiern. Also haben wir mit dem Schlauch gespritzt, die Buddelkiste geflutet und dann auf der kleinen Gartenbank eine Eisdiele eröffnet. Drei verschiedene Sorten Eis, ein paar Streusel und Waffeln. Mein Sohn war der Eismann und jedes Kind durfte sich sein Wunscheis bestellen. Das war so toll. Die Einladung war damals eine Kugel Eis (aus einem Stoffrest gewuselt) im bunten Pappbecher, beschriftet mit dem Namen des Kindes. Perfekt, um danach zu Hause Eisdiele zu spielen.


Wer ist eingeladen?

“Wir organisieren einen Clown, weil wir uns nicht zumuten, mit 30 Kindern im Park zu feiern.” Tja, dann ladet einfach nur 5 Gäste ein. Das ist ok und eine Anzahl, die auch vom glückserfüllten, aufgeregten Geburtstagskind verarbeitet werden kann. Es gibt Eltern, die erlauben oder wünschen, dass alle Kinder einer Gruppe eingeladen werden sollen. Wenn das bei euch so Tradition ist und ihr euch dabei wohl fühlt, dann ist das genau richtig so. Wenn nicht, dann finde ich die Regel sehr gut: Mehr oder weniger so viele Kinder, wie das Geburtstagskind alt ist. Aber ich glaube, das kommt auch sehr auf das Geburtstagskind, auf euch als Gastgeber und an den Raum an, den ihr zur Verfügung habt.

Bitte habt kein schlechtes Gewissen, wenn:
– euer Fest kleiner ausfällt als das der Nachbarn
– ihr nicht alle Kinder der Gruppe einladen mögt/könnt/wollt, denn es gehört auch dazu, mal wo nicht eingeladen zu werden…


Wann wird der Kindergeburtstag gefeiert?

Ich finde es sehr schön, den Geburtstag meiner Kinder ganz in Ruhe im Kreise der Familie zu feiern. Es ist für mich nämlich auch immer ein sehr besonderer, emotionaler und inniger Tag…
Natürlich kann man den Kindergeburtstag am Geburtstag selber feiern, alles mit einem Wisch! Nur bedenkt: Das Geburtstagskind hat am Morgen schon grosse Aufregung, schlaflose Nacht, Kerzen, Kuchen, Lieder und Geschenke. Dann die Feier im Kindergarten oder in der Schule mit den Ritualen und den mitgebrachten Leckereien. Vielleicht kommt am Abend dann noch Oma und Opa auf eine Umarmung und ein Liedlein vorbei… Das ist ganz schön viel. Vielleicht ist es dann auch besser, ihr feiert mit den Freunden einen Tag danach, oder eine Woche später? Einfach, dass sich die Aufregung zwischenzeitlich mal ein bisschen setzen kann und die zauberhaften Eindrücke verarbeitet werden können.


Die Geburtstagseinladungen

Denkt euch gemeinsam am Küchentisch was Tolles aus und lasst dann eure Kinder stempeln und malen, kleben und schneiden. Bastelt eine Flaschenpost für jedes Kind oder sucht Stöcke draussen, umwickelt diese ein paar mal mit farbiger Wolle und befestigt einen Zettel daran, auf dem steht, “wer, wann, wo und von wem” und schon habt ihr Zauberstab-Einladungen. Aus Klorollen können tolle Fernrohre entstehen, mit denen man bis zum Geburtstag sehen kann und auf denen geschrieben steht, wann das Fest stattfinden wird. Schreibt kleine Zwergenbriefe und umwickelt diese mit Schnur und einem Glöckchen oder schreibt die Einladung auf ein buntes Herbstblatt.

Wenn eure Kinder selber mitgestalten, mitorganisieren und mithelfen dürfen, dann sind sie Teil ihres Festes und werden es ihren Lebtag nicht mehr vergessen!

Klar, wenn man eine SMS schreibt, erfahren die nicht geladenen Kinder vielleicht nichts von der Sause. Mal ehrlich: Es reden eh alle davon…
Und die vorgedruckten Einladungen? Tja, pfff, wenn ihr Macherkinder habt, könnt ihr die eigentlich vergessen…

Der Ablauf des Geburtstages
Es lohnt sich, vorab ein paar Überlegungen für einen Ablauf zu machen. Muss ja dann nicht genau so gemacht werden, aber ein paar Gedanken und Vorbereitungen dazu können euch die Organisation eines Kindergeburtstagsfestes sehr erleichtern.
Geburtstagsfeiern mit Kindern sind lebendig und wild, das ist genau so, wie es sein muss, finde ich. Meistens hat man viele Spiele und Ideen bereit, bei denen die Kinder sehr ausgelassen sein dürfen. Aber manchmal kippt die Stimmung, das spürt ihr sehr schnell, und dann kommt der Zeitpunkt, wo man was tun muss, damit die Fete nicht ganz aus dem Ruder läuft.
Gut und wichtig ist das Abwechseln von Momenten, die wild und laut und bewegt sein dürfen, und Augenblicken der Ruhe (ja, ganz wichtig, auch an einer Geburtstagsparty brauchen Kinder Momente der Ruhe). Der Versuch, eine wildgewordene Kindergruppe mit wilden Spielen und lauter Musik zu beruhigen, wird vermutlich voll in die Hose gehen. Deshalb ist es immer gut, wenn ihr eine Geschichte, ein Märchen oder ein Buch zur Hand habt, die Kinder sammelt und wieder zur Ruhe kommen lasst. Singt ein Lied oder macht ein paar Klänge Musik und ihr werdet sehen, dass die Kinder ruhig und aufmerksam werden. Dann könnt ihr mit der Geschichte beginnen, Klatschspiele im Kreis machen, Rätseln, etwas Kleines basteln oder falten, oder ihr zeigt den Kindern einen einfachen Zaubertrick, den sie mit nach Hause nehmen dürfen. Wenn ihr draussen seid, könnt ihr die Kinder um die Feuerschale sammeln und alle dürfen mithelfen, das Feuer zu entfachen. Ihr könnt getrockneten Salbei verbrennen und jedes Kind, welches Salbei ins Feuer wirft, darf sich etwas wünschen. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, mit Kindern zur Ruhe zu kommen, um danach wieder neu und frisch ins Spiel zu finden.

Ruhige Momente können sich beim Kuchenessen oder beim Geschenk auspacken ergeben. Wenn alle um den Kuchen sitzen, die Kerzen anzünden, ein Lied singen und dann gemeinsam essen, kann dies ein lebendiger und dennoch entspannter Moment werden. Schön finde ich, wenn sich die Kinder setzen und in der Gemeinschaft zusammen essen. Auch die Kinder, die sich gewohnt sind, sich einen Muffin zu schnappen und damit gleich wieder spielen zu gehen.

Bei uns haben sich für die “aufgeregten” Teile der Feste
Bewegungsparcours/Sinnesparcours stets bewährt. Über eine Holzlatte balancieren, über Seile springen, in der Buddelkiste nach Schätzen graben, Barfuss über Moos gehen, von Hulahopring zu Hulahopring hüpfen, sich an der Strickleiter zur Schaukel schwingen, dort absteigen und auf einem Bein zu den Wasserbecken hüpfen, Sandsäcke in einen Haifisschlund werfen, einer Schnipselspur nachschleichen… Die Parcours können lustvoll in jeden Geburtstagsablauf eingebaut werden. Egal, ob ihr Piraten seid oder auf dem Einhorn durch das Fest reitet. Es ist einfach, draussen im Garten oder im Park einen Bewegungsparcour aufzubauen. Mit ein paar Stöcken, Seilen und Naturmaterialien ist ein Parcours schnell errichtet. Achtet darauf, dass beim ersten Durchgang des Parcours jedes Kind alleine auf den Weg gehen darf, und begleitet es, damit ihr, wenn möglich, Hilfestellung geben könnt. Später dann, wenn alle Posten durchlaufen sind, ist das Spiel ein Selbstläufer, und es ist toll, wenn die Kinder den Parcours in ihr Spiel integrieren, ihn umgestalten und neue Spiele damit erfinden. Und ihr seid mittendrin, ohne dauernd die Animation sein zu müssen!


its my party and i cry if i want to

Ja, Emotionen eines Geburtstagskindes können ganz schön an der Grenze zur Überschwappung liegen… Wenn es dann noch bei einem Spiel verliert, kann es passieren, dass die ganze Geburtstagswelt in Trümmern liegt. Organisiert an diesem Tag Spiele, bei dem es nicht darum geht, wer höher, weiter, schneller… Sondern nur, wer am allermeisten Spass hat (Bewegungsparcours!). Ein Glückstag eben!


Das Kind ist zu einem Geburtstsfest eines Freundes eingeladen, man kommt nichtsahnend an, sieht den Geschenketisch und fragt erstaunt:

Wie viele Kinder haben denn heute Geburtstag?

Das Ding mit den Dingen oder die Geburtstagsgeschenke
Mal ganz ehrlich? Wir hier bei der Lieblingsbande haben viel zu viele Dinge und das erdrückt mich manchmal fast. Und dann kommen die Geburtstage der Kinder und viele Geschenke von überall. Das ist grossartig, weil es auch so schön ist, zu schenken. Und so bringt es nichts, sich nichts zu wünschen, denn dann bringt jeder trotzdem was…
Aber es gibt die Möglichkeit, zu schenken und nicht im Geschenkberg zu versinken.

Das Gemeinschaftsgeschenk
Ein – und nur ein – Geschenk von allen. Ein Buch, ein Schnitzmesser, ein Spiel, das vielleicht grad mit allen Geburtstagsgästen gespielt werden kann. Wenn jede Mama der geladenen Kinder einen kleinen Beitrag beisteuert, wird der Wunsch von allen gemeinsam erfüllt. Ein Geschenk. Unvergesslich. Einfach. Perfekt.

Das Erlebnisgeschenk
Eine Einladung von allen ins Puppentheater zu gehen oder eine Einladung im Schwimmbad zu planschen und dann zusammen Eis essen gehen? Zusammen eine Pizza backen und diese draussen verschlingen? Ein Besuch in der Sternwarte, um gemeinsam den Mond zu besuchen? Gemeinsam etwas erleben, finde ich die allerschönsten Geschenke überhaupt.

Etwas Selbstgemachtes/Selbstgepflanztes für den Garten
Wenn Kinder für ihre Freunde werken, dann entstehen tolle Kreationen. Ich finde es sehr schön, wenn diese verschenkt werden. Es können aber auch selbstgemachte Saatenbomben sein oder jedes Kind säht in einem Topf eine Pflanze an und bringt diese mit zum Geburtstagsfest. Das Geburtstagskind wird jedesmal, wenn es die Pflänzchen giesst, die Blumen betrachtet oder die Früchte erntet, an seinen Geburtstag erinnert.

Alle auf Zucker und das Dilemma mit den Mitgebseln
Ich steh dazu, ich liebe Süsses und ich finde, dass man am Geburtstag auch mal über die Stränge schlagen darf. Aber manchmal ist es sogar mir zu viel. Kuchen, Eis, Kekse, Gummizeugs, eine Süssigkeit nach jedem gespielten Spiel, eine Mitgebseltüte voller Süsskram.
Es gibt auch feine, feierliche Alternativen. Selbstgemachte Popcorn vom Feuer (übrigens auch ein tolles Mitgebsel, wenn’s denn sein soll), ein selbstgepresster Fruchtsaft/Smoothie, Fruchtspiesse, eine Suppe oder Stockbrot vom Feuer…
Nach jeder Aufgabe/Spiel bekommen die Kinder eine “Belohnung”, aber eben keine Süssigkeiten. Eine Muschel für den Piratenschatz; eine Feder für jede Aufgabe, die den Indianerschmuck zieren; Glitzersteine, die nach und nach auf die Prinzessinnenkrone geklebt werden; goldbemalte Steine als Goldnugget für den Cowboy, der ein Spiel gespielt oder eine Aufgabe erledigt hat. Und das sind dann auch gleich die “Mitgebsel” für die Gäste. Sie nehmen sich ihre verdienten Belohnungen und all die damit verbundenen Erlebnisse mit nach Hause.

Übrigens finde ich Mitgebsel eigentlich voll beknackt! Die Erlebnisse der Feier allein sind doch schon Mitgebsel genug! Trotzdem mache ich da auch mit. Halt einfach bissl anders 😉
Es geht an diesem Tag um das Geburtstagskind und um seine liebsten Freunde. Es ist die Gemeinschaft, die im Mittelpunkt steht, die unsere Kinder, unsere Gesellschaft trägt. Das gemeinsame Spielen und Lachen, Kerzen anzünden und singen, essen und ausgelassen sein ist es, was die Seele der Menschen so glückserfüllt leicht werden lässt. Nicht der Event mit dem Animator und auch nicht die Location!

Ende Mai feiern unsere Kinder ihre Geburtstage. Erst der Grosse, nach einem Tag Muffinpause dann die Kleine. Grosse Aufregung, grosses Glück, endlose Freude, schlaflose Nächte, viele Ideen, viele Wünsche und noch mehr Kuchen… Tja, so ist das bei uns im Wonnemonat Mai.
Mit der Bikinifigur wird jedenfalls auch dieses Jahr wieder nichts werden… Hoch die Muffins!
Habts fein und schön und wunderbar.
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