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DIE KRAFT DES GESANGES // ODER WARUM WIR NOCH MEHR SINGEN DÜRFEN MIT UNSEREN KINDERN

Singen ist die eigentliche Muttersprache des Menschen

(Yehudi Menuhin)

Wenn meine Kinder singen, dann geht mir das Herz auf. Ich könnte stundenlang zuhören, mich einlullen in diese Klänge, die aus der Seele kommen. Dann legt sich ein Gefühl über mich, das mir sagt: alles ist gut. Das Kind ist bei sich und im Einklang mit sich und der Welt. Sehr schön ist das.

Das Singen mit Kindern ist ein unterschätztes, aber ganz dringendes “must have”. Denn mit Gesang wird das Leben mit Kindern nicht nur schöner, sondern auch einfacher:

Die Stimme als erstes Instrument
Der Gesang ist vermutlich Ursprung der musikalischen Ausdrucksform des Menschen. Der Körper ist Klanginstrument und nichts trennt ihn von der Musik. Das Lied schlummert im Menschen drinnen. Seit jeher und hoffentlich für immer.

Singen macht glücklich

Ja, und das ist nicht so ein Eso-Dahergerede. Das ist jahrzehntelange eigene Erfahrung, und ganz nebenbei ist es sogar wissenschaftlich belegt. Denn beim Singen werden Hormone und Botenstoffe (wenn ihr es ganz genau wissen wollt: Serotonin, Noradrenalin und Beta-Endorphine) produziert, die uns glücklich machen. Jetzt wisst ihr auch, weshalb nach dem Singen von “Oh Tannenbaum” und der “Stillen Nacht” alle so berührt und zufrieden den Weihnachtsbaum angucken. Glück, so einfach ist das.
Musik macht das Herz weich. Ganz still und ohne Gewalt macht sie die Tür zu Seele auf.
(Sophie Scholl)
Singen verbindet und schafft Beziehung

Wenn wir zusammen sprechen, tut dies, optimalerweise, einer nach dem anderen. Singen aber tun wir gemeinsam. Zu zweit oder mit hundert anderen. Gemeinsames Singen schafft Beziehung, weil wir aufeinander hören, uns dazu gemeinsam bewegen, weil wir kommunizieren, weil wir dabei alle gleich sind. Singen verbindet und diese Verbindung schafft Vertrauen, den respektvollen Umgang miteinander und Akzeptanz.
Für jemanden ein Lied zu singen ist wie eine Liebeserklärung, auch ohne Leier, unterm Balkon des/der Angebeteten. Ein Geschenk aus der Seele und ein grosses Kompliment.

Singen gibt Halt
Wenn man als Kindergärtnerin eine Gruppe von über zwanzig Kinder begleitet, bedient man sich verständlicherweise der besten Tools, die es gibt. Für mich war und ist eines davon der Gesang. War es in der Gruppe unruhig und unrund, half ein Lied, die Kinder zu sammeln. Wenn gesprochene Worte nicht gehört wurden, halfen leise gesungene Worte garantiert. Denn nach und nach blickten die Kinder um sich, suchend, woher die Musik kam, traten heran, hörten zu. Immer (ok, zu 90%) haben sie gelauscht, und wenn ein Moment der Ruhe entstanden war, bot sich mir die Möglichkeit, zu sammeln, etwas Neues aufzugleisen, zu klären, zu unterstützen. 
Schwierige Übergänge vom Gruppenraum in die Garderobe, vom Aufräumen zurück in den Kreis, vom Kreis zum Tisch, waren immer mit Unruhe verbunden. Als hätten die Kinder für einen kurzen Augenblick den Halt verloren. Den aber konnte man ihnen gewähren mit einem Lied. 

Ein Lied hat die Kraft und den Zauber, einer ganzen Kindergruppe Rückhalt und Sicherheit zu geben. 

Eine gesungene Anweisung war oftmals wirkungsvoller als all das Gesagte, was die Kinder eh schon den ganzen Tag zu hören bekamen.

Singen nimmt die Angst
Ja, davon kann ich ein Lied singen. Musste ich als Kind alleine in den Keller, um eine Flasche Pepita zu holen, sang ich. Ich sang, weil es dunkel war und müffelte, weil der Keller im Mehrfamilienhaus voller zugestellter Holzverschläge war, hinter denen Wesen und Gestalten auf mich lauerten, kicherten, knackten, raschelten und knarzten. Aber wenn ich aus Leibeskräften um mein Leben sang, dann packte ich mich ein in einen Schutz aus Klang und zeigte all den Kellergestalten: “Hey, ich komme mit Gebrüll, ihr passt besser auf.”

Singen macht mutig und nimmt die Angst. Die Angst, im Dunkeln das Licht anzumachen, die Angst, alleine durchs Treppenhaus zu steigen oder auch die Nervosität vor einer Prüfung oder einem schwierigen Gespräch. Denn auch hier helfen die ausgeschütteten Botenstoffe und Hormone. Probiert es unbedingt aus.

Wer singt, verscheucht sein Unglück
(Spanisches Sprichwort)
Singen bringt den Körper in Bewegung
Singen geschieht mit dem ganzen Körper. Er ist Resonanz- und Klangkörper und noch viel mehr. Wenn wir singen, dann verändert sich unsere Körperhaltung. Wir richten uns auf, öffnen uns, um den Atem in uns aufzunehmen und um die Klänge aus dem Körper zu schicken. Wir klatschen den Takt mit den Händen oder klopfen ihn mit den Füssen, wir schnippen mit den Fingern, tanzen im Kreis, wir bewegen uns im Rhythmus oder untermalen das Gesungene mit passenden Bewegungen (eine tolle Möglichkeit übrigens, um sich Liedtexte zu merken!). Gerade auch weil das Singen unseren ganzen Körper berührt, macht es uns so sehr zufrieden, glaube ich.

 
Singen ist Musizin
Kein Pflaster, kein Coldpack auf dieser Welt heilt so sehr, wie ein leises Lied 
“Heilä, heilä Sägä, drüü Tag Rääge.” 
Die Wärme der Stimme, die Hingabe und die liebevollen Berührungen dabei lassen die Seele und das aufgeschlagene Knie viel schneller heilen als alles andere.
Singen heisst atmen, atmen heisst leben
Als mein Sohn ein Baby war, war er abends oft ulidig. Am liebsten wolle er getragen werden, und wenn ich dabei sang, war die Welt in Ordnung, er wurde ganz ruhig und war ganz bei sich. So legte ich Kilometer um Kilometer in der Berliner Wohnung zurück, mein Baby am Herzen tragend und singend. Und nicht nur ihm, auch mir hat es gut getan zu singen, denn meine Gesangsmeditation hat mich gelehrt, zu atmen, mich zu beatmen, Sauerstoff und somit Kraft zu tanken statt vor Müdigkeit zusammenzubrechen.
Ein Lied ist wie ein warmer Frühlingwind, der einem durch den Tag tanzen lässt, obwohl man eigentlich beschlossen hat, kommatös müde zu sein. 
Singen fördert die Sprachentwicklung
Lieder sind eine Form gesungener Sprache. Wenn wir Lieder singen, dann geschieht dies sehr viel langsamer, als wenn wir sprechen, auch weil wir das Tempo eines Liedes dem Kind anpassen. Wir bewegen den Mund mehr und betonen die einzelnen Silben stärker. Singen ist eine lusvtolle Art, die Sprachentwickling zu unterstützen.

Singen in den Alltag integrieren
Ich bin mir sicher, dass viele von euch singen, wenn ihr eure Kinder zu Bett bringt. Mit einem Lied den Tag abzuschliessen ist wohl die beruhigendste, innigste und allerschönste Art, ein Kind in die Nacht zu begleiten. 
Aber nicht nur abends, auch durch den ganzen Tag kann euch das Singen unterstützen. 
– Die Kinder mit einem Lied aufwecken
Es ist schön, den Tag mit einem Lied abzuschliessen, aber es ist auch wunderschön, den Tag mit einem Lied zu beginnen. Guckt mal, wie es sich für eure Kinder anfühlt, wenn ihr sie morgens mit einem leisen Lied aufweckt.
– Zähneputzen
Ja, das ist manchmal so eine Sache… eine üble Sache, weil Zähneputzen ist blöd. Aber (bei uns zu Hause) muss sein. Es gibt zahlreiche Zahnputzlieder, die ihr beim Zähneputzen singen könnt. Meine Kinder lieben Quatschlieder am allerliebsten. Wie ein Löwe eine Oper singt? Ha, nichts leichter als das und schwuppdiwupp ist die obere Zahnreihe schon geputzt… Es klappt auch bei uns nicht immer, aber ab und zu.
– Vor dem Essen ein Lied singen
Das “Sich-an-den-Händen-halten” und zusammen ein Lied vor dem gemeinsamen Essen singen, ist nicht jedermanns Sache (haha, ich seh meinen Schwager vor mir,  grosse Augen, als er uns an den Händen halten soll und denkt: Oh Scheisse, in welche Sekte bin ich hier geraten…). Aber ein kurzes Lied oder auch ein Spruch vor dem Essen hat was Verbindendes und zeigt klar an, wann das Schmausen beginnt.
– Aufräumen…
Ohjehmine, das Aufräumen, eine leidige Sache, die den Kindern manchmal echt schwer fällt. Aber auch dabei gilt: Das gemeinsame Singen währenddem gibt Halt und lässt die Kinder leichter dabei bleiben. Es lenkt ab von dieser “Tortur” und macht das Ganze einfach lustiger.
Nutzt die Kraft eurer Stimme, um euer Tun zu unterstützen.
– Sich Anziehen
Auch so ne Sache, vor allem im Winter, mit den tausend Schichten. Wie wäre es, das Anziehen mit dem Hampelmannlied zu untermalen? Ist einen Versuch wert. Vor allem, wenn man daraus auch wieder ein Quatschlied macht. Immer lustig bleiben!
– Singend auf den Weg gehen
Nörgelig auf dem Sonntagsspaziergang? Oder schon bissl müde vom Wandern? Ein Lied hilft, denn gemeinsames Singen verleiht Bärenkräfte.
– Stimmung am Nullpunkt
Ich weiss, gerade dann ist es schwierig zu singen. Aber auch ein gesungener Katzenjammer ist Gesang, und wenn man dann noch heult wie ein Wolf bei Vollmond oder singt wie der Esel von den Stadtmusikanten, dann kann der Kummer vielleicht ein bisschen weichen. Wenn selbsterfundene Quatschlieder und umgetextete Kinderklassiker gesungen werden, dann wird gelacht und es wächst Glück. Einfach so, mit nichts als einem Lied.
– Gute Nacht
Ohne Gute-Nacht-Lied gehts nicht. Wie soll ein Kind in die Nacht gehen, wenn wir nicht noch singen? Unmöglich.

 
Bei manchen Völkern wird der Reichtum eines Menschen daran bemessen, wieviele Lieder er im Herzen trägt.
(unbekannter Autor)
Wenn Kinder singen, verzaubern sie die Welt, und ich behaupte, dass jeder Erwachsene gesungen hat, als Kind. Viele tun das noch immer, aber leider gibt es auch jene, denen irgendwann mal gesagt wurde, dass sie nicht singen können. Und deshalb lassen sie es lieber sein. Schade, man sollte wirklich nicht alles glauben, was so dahergeredet wird. Denn, ganz egal, ob man singt wie eine Nachtigall, oder ob man das Gefühl hat, eher im Team Krähe zu trällern, lasst euch bloss nichts einreden. Singen ist wie Tanzen oder Träumen, man kann es einfach.  Schlussendlich, so glaube ich, kommt es, wie so oft im Leben, auf das Gefühl an, welches ihr durch euren Gesang transportiert. Ich bin mir sicher, wenn ihr für eure Kinder singt, werden sie selig, glücklich und verzaubert, weil ein Lied die Gabe hat, einem einzulullen, wie eine warme Decke während einer kalten Winternacht. 
Ich wünsche euch alles Liebe, immer wieder ein fröhliches Lied auf den Lippen und ein feines Wochenende.
Sandra

HERBSTLICHES MARRONIMUFFIN-REZEPT (GLUTENFREI)


Herbstzeit ist Marronizeit und Lieblingszeit!
Der Geschmack der Marronis erinnert mich immer an meine Kindheit. Im Süden der Schweiz, im Tessin, findet man nämlich ganz viele Edelkastanien-Bäume. Viele Jahre galt dort die Kastanie als Grundnahrungsmittel, und die Familien waren im Winter auf eine gute Ernte angewiesen. Werden die Marronis getrocknet, können sie haltbar gemacht oder zu Mehl weiterverarbeitet werden. Eine Tessiner Marroniverkäuferin in Berlin hat mir einmal versichert, dass man ganz gesund bleibt, wenn man jeden Tag Marronis isst (und ein bisschen bin ich froh, hat sie keine Fitnessabos verkauft…).

Längst ist die Baumfrucht nicht mehr das “Brot der Armen”. Für mich, als Zöliakistin, ist sie ein wunderbar schmackhafter und gesunder Ersatz zu glutenhaltigen Nahrungsmitteln. Weiterlesen“HERBSTLICHES MARRONIMUFFIN-REZEPT (GLUTENFREI)”

KREN DE LA KREN

Unser Grosser durfte sich auf dem Biomarkt einen Bienenhonig aussuchen. Er entschied sich für den “crème de la crème”, mit dem goldgelben Etikett. Heute morgen, als wir den Honig das erste mal kosteten fragte er: “Mama, was steht denn da auf dem Etikett?” 
Ich: “Naturreiner Bio-Honig, crème de la crème.” 
Er: “Was soll denn das heissen?” 
Ich: “Na ja, crème de la crème bedeutet: das Beste vom Besten.” 
Sichtlich zufrieden ass er seine Honigstulle. 
Am Abend dann umarmte er mich und sagte zu mir: “Ach Mama, du bist auch so Kren de la Kren.” 
Ich glaube, das war ein Kompliment.
Für alle Nicht-Österreicher: Kren ist Meerrettich.

Österreichisch für Neulinge: Teil zwoa

 
Mein Grosser hatte einen Freund zum Spielen eingeladen. Nach einer Weile im Kinderzimmer kam sein Spielkamerad (der ist 5 Jahre alt…) zu mir in die Küche und sagte stolz: Ich kenne ein ur schlimmes Wort. Soll ich´s dir sagen?

Ich so: Ou, also eigentlich mag ich keine ur schlimmen Worte bei uns zu Hause (kurze Pause, schliesslich will man ja ernst genommen werden…).
Dann ich: Ok, ausnahmsweise.

Er: FACK! (gespannt wartet er meine Reaktion ab)
Ich (so naiv wie irgendwie möglich): Ist das schlimm?

Er (siegessicher, denn eigentlich hat er ja schon gewusst, dass die Muddi keine Ahnung hat): Ja, ur schlimm, aber ich brauch´s nur, wenn´s gar nicht anders geht.

Ich: Oweia.

Herr Gscheit zu mir: Na ja, du kannst das Wort ja nicht kennen! Es ist österreichisch, weisst du.
Tja, schon wieder was gelernt, die Muddi!

ANGEKOMMEN ODER ÖSTERREICHISCH FÜR NEULINGE

Wenige Wochen nach unserem Umzug von Berlin nach Wien sass mein Grosser in der Garderobe im Kindergarten, hielt seine Wikinger-Hausschuhe in den Händen und meinte nachdenklich:
Mama, das sind jetzt keine Hausschuhe mehr.
Ich so: Ach ja?
Er: Das sind Batschen.
Ich: Was?
Er: Baaaatschen
Ich: Oh.
Batschen? Klingt nicht wirklich gluschtig. Na ja, tun Finken ja irgendwie auch nicht…
Dann neulich auf dem Weg in den Kindergarten.
Er: Oh nein mama, wir (WIR???) haben meine Haube vergessen.
Ich: Ach, dein Hut haben wir zu Hause liegen lassen. Nicht schlimm.
Er: Ur schlimm!
Ich: Vielleicht haben die Tanten einen Ersatz.
Er: Passt.
Ich: Wie passt?
Er: Na, kenn mich aus!
Ich: Ok…
So ist es mit dieser Sprache, die ja, ach, so gleich ist wie unsere. Hab ich mich doch vom Occasions-Velo erst gerade an das gebrauchte Fahrrad gewohnt, kommt jetzt nochmal alles anders… und die Batschen sind nur der Anfang.
Omelett heisst nicht Pfannkuchen, auch nicht Crepe, sondern Palatschinken (ich so: nö, danke, ich esse kein Fleisch… Peinlich, ich meine natürlich ur peinlich). Lecker heisst leiwand, Tüte heisst Sackerl, Scheisse heisst Gackerl, Pipi heisst Lulu (echt jetzt!!!), und Tschüss heisst nicht Tschüss und auf gar keinen Fall Tschüsi, sondern BABA (ich habe mich lange geweigert, dieses Wort zu benutzen, irgendwie klang es in meinen Ohren nach sehr fremd… Na ja, wenn sich der Grosse morgens mit einem Bussi von der Kleinen verabschiedet und liebevoll “baba, bis später” sagt, dann schmilzt mein Herz…). 
Schlagrahm ist nicht mehr Sahne, sondern Schlagobers, Kietz ist Grätzl, Quark ist unbedingt Topfen, das Unterhemd das Leiberl, Cappuccino ist Melange (ausgesprochen: Melaaaangsch). 
Der Schpiiise nicht mehr der Holzsplitter im Fuss, sondern der Schiefer, Januar ist Jänner, Sprechstunde ist Ordination oder unter Insidern auch „Ordi“, Tomaten sind Paradeiser, Trüübeli oder Johannisbeeren sind Ribisel, Aprikose ist Marille, Schorle ist Spritzer, Wiener Würstchen sind Frankfurter und Hefe ist Germ. Nur Schnitzel ist irgendwie Schnitzel… Ich würd sagen: WIR BLEIBEN DRAN!
PS: Nicht vorzustellen, was mit mir passiert wäre, wäre mein Liebster nach Frankreich versetzt worden…