
Am Winter mag ich, dass man beim Eindunkeln in die hell erleuchteten Fenster der Häuser schauen kann. Ich mag die Vorstellung – obacht, die ist romantisch/naiv – dass hinter diesen Fenstern gelebt wird, dass man es sich gemütlich und fein macht, dass man zusammen kocht und isst, dass man erzählt und zuhört, diskutiert, tanzt, spielt, faul ist… Vor allem aber mag ich den Gedanken, dass da jemand an der Wärme sein kann, geschützt vor Wind und Kälte, wie in einem Nest.

Als ich also die Aufgabe hatte, meinen Kindern der vierten Klasse das Schneiden mit dem Cutter zu zeigen, da dachte ich, dass wir uns eine hell erleuchtete Stadt im Winter gestalten könnten.
Spannend ist, dass meine Vorstellungen von beleuchteten Häusern bei den Kindern fast die gleichen Assoziationen ausgelöst haben. Auch sie erzählten, dass sie es mögen, im Dunkeln herumzugehen und in die Fenster zu schauen und sich vorzustellen, wer es sich da wohl fein macht. Ist das nicht wunderbar?

Ich erklärte den Kindern, dass wir mit den scharfen Cutter hantieren würden und dass es wichtig sei, dass sie den richtigen Umgang damit lernen, weil sie das für ihr Leben bräuchten (gut, das war eventuell ein bisschen übertrieben). Einen Moment schauten sie mich ungläubig an. Aber dann sagte ein Kind: „Klar, damit wir mit dem Cutter die Pakete der Bestellungen öffnen können!“ Und alle nickten. Das Projekt konnte starten.
Zu sagen ist noch: Ich habe mir über dieses Projekt viele Gedanken gemacht. Cutter, so fand ich immer, gehören nicht in Kinderhände. Vielleicht war das aber meine hausgemachte Meinung, weil ich kein Blut sehen kann. Mir wird sofort elend. Also habe ich die Cuttersache immer selber in die Hand genommen. Das sollte sich also ändern.

Wie ich die Einführung des scharfen Messers gemacht habe, erspare ich euch. Zu sagen ist einfach: Es ging alles wunderbar, die Kinder haben top gecuttert, niemand hat sich verletzt, die Arbeiten wurden traumhaft, und die Kinder sind über sich hinausgewachsen.
ABER: Ich habe mit Kindern der 4. Klasse mit dem Cutter gearbeitet und das Schneiden Schritt für Schritt eingeführt. Ich habe den Kindern, die unsicher waren, die Hände geführt und bei jedem Kind die ersten Schnitte beobachtet. Wenn ihr nun mit euren Kindern cuttern möchtet, dann begleitet sie, schaut zu, führt die Hände, erklärt und assistiert. Und falls ihr die Laternen mit kleinen Kindern fertigen möchtet, dann ist das kein Problem. Dann lasst die Kinder zeichnen und kleben… Aber IHR schneidet, nicht euer kleines Kind. Haha, ihr seht, meine Bedenken sind noch nicht ganz überstanden.
Nun aber zum DIY

Ihr braucht:
– ein festes Papier, wir haben ein A3 genommen
– eine Schneideunterlage (Cutterunterlage oder feste, dicke Pappe)
– ev. eine Klebeunterlage
– Cutter
– ev. Alumasstab
– Farbstift
– Lochzange oder Lochstanzer
– Papierkleber
– Pergaminpapierreste oder Transparentpapier (Seidenpapier geht auch, färbt jedoch ab)
– Schere
– LED Licht

Legt die eine kurze Papierseite 10mm um und faltet sie. An dieser Kante wird später die Laterne zusammengeklebt.
Faltet dann die gegenüberliegende, kurze Seite auf die gefaltete Kante (Falt nicht öffnen). Streicht die Faltkante gut flach und öffnet dann das Papier wieder.

Nun legt ihr die Papierseite, die eben noch oben auf der Faltkante lag, auf den entstandenen Mittelfalt und öffnet dann das Papier wieder.

Zum Schluss legt ihr die obere, gefaltete Kante auf die Mittellinie. Die umgefaltete Kante bleibt dabei gefaltet.

Nun habt ihr eine Vierteilung eures Papiers, inklusive kleiner Klebekante.
Messt nun die Breite von einem Viertel. Bei mir ist ein Viertel 10cm breit.

Messt vom unteren, langen Papierrand die Breite dieses Viertels ab. Bei mir sind das 10cm, die ich von der unteren Kante abmesse, einzeichne und über die ganze Länge falte. Diese vier Quadrate werden später der Boden unserer Laterne und werden nicht bemalt.

Nun beginnt ihr mit dem Zeichnen. Wir haben in jeden gefalteten Viertel ein Haus gezeichnet, so dass eine Häuserreihe entstanden ist. Die Kinder hatten wunderbare Ideen. Es gab einen Weihnachtsmarkt mit Riesenrad, ein Einkaufszentrum, Hotels, Restaurants, Schneemänner, Weihnachtsbäume, ganze Traumstädte mit viel Schnee…
- Gerade Linien sind einfacher zu schneiden als Rundungen. Bei den runden Fenstern und Monden habe ich den Kindern geholfen.
- Fenstersprossen dick genug einzeichnen, damit beim Schneiden das Papier nicht reisst.
Die kleine Klappe, die ihr gefaltet habt, könnt ihr zum Malen gerne aufklappen, damit der Farbstift nicht hängenbleibt. Malt aber nicht über die Klappe, denn wenn wir die Laterne später verkleben, sieht man die Zeichnung auf der Klappe nicht mehr.

Wenn ihr eure Häuserzeile fertig habt, gehts direkt ans Ausschneiden mit dem Cutter.

Manche Kinder haben sich den Aluminiummassstab zur Hilfe genommen, andere Kinder haben freihand geschnitten. Wichtig ist, dass sie langsam und ohne viel Druck schneiden. Dass sie Pause machen, wenn sie spüren, dass die Gedanken auf Reisen gehen und dass sie immer das Papier so drehen, dass sie zu sich hin schneiden können.
Falls was ab- oder durchgeschnitten wird, kann das Stück auch später wieder auf das Transparentpapier geklebt werden. Ist also gar nicht schlimm.

Voila. Auch das Rausnehmen der Ausschnitte braucht bissl Übung, ist aber eine schöne Tätigkeit.

Wir haben mit dem Lochstanzer noch Schneeflocken und Lichterketten gestanzt. Ich finde, dass dies sehr viel beiträgt zur gemütlichen Stimmung in der Stadt.
Der Lochstanzer ist für die Kinder übrigens einfacher zu handhaben als die Lochzange. Mit der Lochzange ist man auch beschränkt und kann nur an Papierrändern lochen. Der Stanzer lohnt sich also.

Dann dreht ihr eure Stadt auf die Rückseite. Dort legt ihr das Transparentpapier über die Ausschnitte, die ihr bekleben möchtet, und zeichnet ein, wo ihr zuschneiden müsst. Das Papier schneidet ihr mit der Schere zu oder reisst es.

Wenn ihr wollt, könnt ihr nun die Schneideunterlage wegräumen und eine Klebeunterlage unter die Stadt legen, damit die Schneideunterlage nicht beklebt wird… Wie ihr seht, nehm ich es da nicht so genau 🙂
Wichtig beim Kleben ist, das die Kinder den Kleber um die Fenster, Türen und Schneeflocken auftragen und nicht auf das Transparentpapier. Sonst klebt zum Schluss die Laterne an der Unterlage.
Schön finde ich auch, wenn man verschiedene Papierlagen übereinander klebt. Das gibt so einen Farbverlauf. Haben die Kinder herausgefunden.
Sind alle Ausschnitte beklebt, lasst ihr die Laterne gut trocknen.

Zum Schluss schneidet ihr die kleine Lasche, neben den Bodenquadraten, ab.


Gebt Kleber auf die lange Lasche neben dem Haus und klebt dann das erste und das letzte Haus aneinander, indem ihr die Laterne in der Mitte faltet. Da habt ihr eh schon eine Faltlinie gemacht, das geht also wie von selbst.

Schneidet dann noch die restlichen Bodenplatten ein. Immer von unten bis zu den Häusern einschneiden.

Stellt die Laterne auf den Kopf und legt die Bodenquadrate nach innen. Wenn ihr mögt, könnt ihr den Boden festkleben. Wir haben den Boden ohne Kleber nach innen gelegt, denn wir wollten die Laternen, zusammengelegt, als Weihnachtsgeschenke verpacken. Ich finde eine Laterne, die man zusammenlegen kann, auch wesentlich besser zum verräumen. Und sie bleibt länger schön, wenn man sie gefaltet lagern kann.

Als wir fertig waren mit unseren Arbeiten, hat sich jedes Kind ein LED-Licht geschnappt, die Laterne beleuchtet, und dann sind wir damit zuhinterst in den dunkelsten Keller marschiert. Dahin, wo es stinkt und unheimlich ist. Und dann war es einen Moment ganz still. Weil unsere Stadt warm leuchtete, jedes der ausgeschnittenen Fenster. Wunderschön.
Natürlich könnt ihr bei euch zu Hause auch ein echtes Teelicht in ein Marmeladeglas stellen und die Laterne so beleuchten. Ich finde echtes Licht immer schöner. Aber für die Kinder oder für unbeobachtete Laternenmomente finde ich die LED-Variante formidable.

Mit diesen lichtvollen Kunstwerken wünsche ich euch friedliche, warme und innige Feiertage mit euren Liebsten. Und dass eure Fenster beleuchtet sind, damit ihr alle, die vorbeigehen, mit eurem Licht und euren Geschichten verzaubert.
Habt es fein und schön und wunderbar.
Alles Liebe
Sandra
PS: Sehr gut zugehört 🙂

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