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EINKAUFEN MIT KIND // AUF DEM BAUERNMARKT // GELDBÖRSEN DIY

Einkaufen und einkaufen mit Kind sind zwei völlig verschiedene Tätigkeiten.

Bei der ersten geht es ums Besorgen der Lebensmittel für eine Familie. Bei der zweiten geht es ums Besorgen der Lebensmittel für eine Familie, währenddem man zwischen den Regalen die Kinder sucht, die ausgeräumten Regale wieder ordentlich einräumt, die unnötige und ausnahmslos ungesunde Schmuggelware im Wagen entdeckt und wieder auspackt, man über warum-wieso und weshalb-nicht diskutiert und dabei den Überblick über die Leckereien zu bewahren versucht, die weggegessen sind, bevor sie jemals das Förderband bei der Kasse auch nur berührt haben. Weiterlesen“EINKAUFEN MIT KIND // AUF DEM BAUERNMARKT // GELDBÖRSEN DIY”

UNSER TÄGLICH BROT // BROTBEUTEL DIY // AUF DEM WEG ZU WENIGER MÜLL

Wenn das Brot in die Hose geht
Einmal in der Woche kaufen wir auf dem Bauernmarkt ein. Genau. Da fällt kein Verpackungsmüll an, ausser beim Bäcker, der bisher das Brot ins Papiersackerl packte… Bisher, denn damit ist nun Schluss. Wir sind nämlich Besitzer eines Brotbeutels. Und das kam so.

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EIN NIGELNAGELNEUES JAHR / FRAU HOLLE, BITTE KOMMEN

  
Euch allen ein sonniges, glückerfülltes, purlimunteres funkelnigelnagelneues Jahr voller zauberhaften Augenblicken, herzlichen Begegnungen und Ideen, die eure Augen zum leuchten bringen.
Wir haben unsere Feiertage in Wien verbracht (mit zwischenzeitlich nicht so feierlicher Magen-Darm… ach, ihr wisst schon…), zusammen mit Familie und lieben Freunden. Gemütlich, fröhlich, aufregend und doch wunderbar unspektakulär. Jetzt, wo alle Feierlichkeiten vorbei sind und uns der Alltag von Weitem wieder zuzwinkert, merke ich erst, wie ruhig und gelassen wir in dieses völlig unverplante, neue Jahr aufgebrochen sind. 
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne… 

Die Ruhe und Leere nach der aufregenden Zeit sind es auch, die einem wieder näher zusammenrücken lassen und die “Langeweile” kostbar und zauberhaft machen. Es scheint, als würden die Sinne, nach dieser Zeit der Fülle, wieder neu geschärft und als hätten sie wieder die Möglichkeit, sich neu zu entfalten. Der Blick auf das Wesentliche, das Ursprüngliche und wirklich Wichtige wird klarer, und es fällt mir nach den reichen Dezembertagen leichter, Altes gehen zu lassen, um Platz zu schaffen für das, was kommt, oder einfach Platz zu schaffen für die Leere, die mich manchmal so inspiriert. 
Die Kinder haben noch Schulferien und so geniessen wir die Vormittage im Schlafanzug beim Spielen und Lümmeln, Pläne schmieden und schöne Sachen aushecken, währenddem wir sehnsüchtig auf Schnee warten. Leider will der einfach überhaupt nicht kommen. Da hilft auch das Flehen und aus dem Fenstergegucken nichts. Auch ich wünschte mir ein paar Flocken, die das Braun-Dunkelgrün mit Weiss und Stille bedecken und uns hinaus locken würden, in den leuchtenden Glitzerschnee. Ja, das wäre wunderbar. Es scheint aber gerade, als hätte hier in Wien die megafaule Marie die tüchtige Goldmarie abgelöst.
Und weil es grade ist, wie es ist, erwische ich mich immer wieder, wie ich an Tulpen auf dem Küchentisch denke, und hätte ich einen Jahreszeitenregler, ich würde ihn gleich hier und jetzt, ohne mit der Wimper zu zucken, auf Frühling drehen. Mit dem neuen Jahr und dem schneefreien Januar ist die Lust gekommen, alles wieder wachsen und gedeihen zu sehen…
Ja, ich werde geduldig warten, Geschichten vom Schnee erzählen und das Märchen von Frau Holle vorlesen. Denn der Januar war und ist auch immer ein Märchenmonat. Ganz nah beieinander, so, wie schon vor vielen Jahren während der Rauhnächte, ist es am allerschönsten, Märchen zu lauschen und von verschneiten Welten zu träumen. 
Wenn bei euch auch kein Schnee liegt und ihr euch danach sehnt, oder ihr euch tagtäglich im Schnee vergnügt, euch mit roten Wangen und eisiger Nasenspitze  bei einem Märchen wieder aufwärmen wollt, habe ich für euch das Märchen von Frau Holle hier angefügt.

  
Frau Holle
Eine Witwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleissig, und die andere hässlich und faul. Sie hatte aber die hässliche und faule, weil sie ihre rechte Tochter war, viel lieber, und die andere musste alle Arbeit tun und der Aschenputtel im Hause sein. Das arme Mädchen musste sich täglich auf die grosse Strasse bei einem Brunnen setzen, und musste so viel spinnen, dass ihm das Blut aus den Fingern sprang.
Nun trug es sich zu, dass die Spule einmal ganz blutig war, da bückte es sich damit in den Brunnen und wollte sie abwaschen; sie sprang ihm aber aus der Hand und fiel hinab. Es weinte, lief zur Stiefmutter und erzählte ihr das Unglück. Sie schalt es aber so heftig und war so unbarmherzig, dass sie sprach “hast du die Spule hinunterfallen lassen, so hol sie auch wieder herauf.”
Da ging das Mädchen zu dem Brunnen zurück und wusste nicht, was es anfangen sollte: und in seiner Herzensangst sprang es in den Brunnen hinein, um die Spule zu holen. Es verlor die Besinnung, und als es erwachte und wieder zu sich selber kam, war es auf einer schönen Wiese, wo die Sonne schien und viel tausend Blumen standen. Auf dieser Wiese ging es fort und kam zu einem Backofen, der war voller Brot; das Brot aber rief : “Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich – ich bin schon längst ausgebacken.” Da trat es herzu, und holte mit dem Brotschieber alles nacheinander heraus. Danach ging es weiter und kam zu einem Baum, der hing voll Äpfel und rief ihm zu: “Ach schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.” Da schüttelte es den Baum, dass die Äpfel fielen, als regneten sie, und schüttelte, bis keiner mehr oben war; und als es alle in einen Haufen zusammengelegt hatte, ging es wieder weiter.
Endlich kam es zu einem kleinen Haus, daraus guckte eine alte Frau, weil sie aber so grosse Zähne hatte, ward ihm angst, und es wollte fortlaufen. Die alte Frau aber rief ihm nach: “Was fürchtest du dich, liebes Kind? Bleib bei mir, wenn du alle Arbeit im Hause ordentlich tun willst, so soll dir’s gut gehn. Du musst nur acht geben, dass du mein Bett gut machst und es fleissig aufschüttelst, dass die Federn fliegen, dann schneit es in der Welt; ich bin die Frau Holle.”
Weil die Alte ihm so gut zusprach, so fasste sich das Mädchen ein Herz, willigte ein und begab sich in ihren Dienst. Es besorgte auch alles nach ihrer Zufriedenheit, und schüttelte ihr das Bett immer gewaltig auf, dass die Federn wie Schneeflocken umherflogen; dafür hatte es auch ein gut Leben bei ihr, kein böses Wort, und alle Tage Gesottenes und Gebratenes.
Nun war es eine Zeitlang bei der Frau Holle, da ward es traurig und wusste anfangs selbst nicht, was ihm fehlte, endlich merkte es, dass es Heimweh war; ob es ihm hier gleich viel tausendmal besser ging als zu Hause, so hatte es doch Verlangen dahin. Endlich sagte es zu ihr: “Ich habe den Jammer nach Haus kriegt, und wenn es mir auch noch so gut hier unten geht, so kann ich doch nicht länger bleiben, ich muss wieder hinauf zu den Meinigen.”
Die Frau Holle sagte: “Es gefällt mir, dass du wieder nach Hause verlangst, und weil du nur so treu gedient hast, so will ich dich selbst wieder hinaufbringen.”
Sie nahm es darauf bei der Hand und führte es vor ein grosses Tor. Das Tor ward aufgetan, und wie das Mädchen gerade darunter stand, fiel ein gewaltiger Goldregen, und alles Gold blieb an ihm hängen. so dass es über und über davon bedeckt war. “Das sollst du haben, weil du so fleissig gewesen bist”, sprach die Frau Holle und gab ihm auch die Spule wieder, die ihm in den Brunnen gefallen war. Darauf ward das Tor verschlossen, und das Mädchen befand sich oben auf der Welt, nicht weit von seiner Mutter Haus; und als es in den Hof kam, sass der Hahn auf dem Brunnen und rief:

“Kikeriki, unsere goldene Jungfrau ist wieder hie.”
Da ging es hinein zu seiner Mutter, und weil es so mit Gold bedeckt ankam, ward es von ihr und der Schwester gut aufgenommen.
Das Mädchen erzählte alles, was ihm begegnet war, und als die Mutter hörte, wie es zu dem grossen Reichtum gekommen war, wollte sie der andern hässlichen und faulen Tochter gerne dasselbe Glück verschaffen. Sie musste sich an den Brunnen setzen und spinnen; und damit ihre Spule blutig ward, stach sie sich in die Finger und stiess sich die Hand in die Dornhecke. Dann warf sie die Spule in den Brunnen und sprang selber hinein. Sie kam, wie die andere, auf die schöne Wiese und ging auf demselben Pfad weiter. Als sie zu dem Backofen gelangte, schrie das Brot wieder: “Ach zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich, ich bin schon längst ausgebacken.” Die Faule aber antwortete: “Da hätt ich Lust, mich schmutzig zu machen”, und ging fort. Bald kam sie zu dem Apfelbaum, der rief: “Ach schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.” Sie antwortete aber: “Du kommst mir recht, es könnte nur einer auf den Kopf fallen”, und ging damit weiter. Als sie vor der Frau Holle Haus kam, fürchtete sie sich nicht, weil sie von ihren grossen Zähnen schon gehört hatte, und verdingte sich gleich zu ihr.
Am ersten Tag tat sie sich Gewalt an, war fleissig und folgte der Frau Holle, wenn sie ihr etwas sagte, denn sie dachte an das viele Gold, das sie ihr schenken würde; am zweiten Tag aber fing sie schon zu faulenzen an, am dritten noch mehr, da wollte sie morgens gar nicht aufstehen. Sie machte auch der Frau Holle das Bett nicht, wie sich’s gebührte, und schüttelte es nicht, dass die Federn aufflogen. Das ward die Frau Holle bald müde und sagte ihr den Dienst auf.’ Die Faule war das wohl zufrieden und meinte, nun würde der Goldregen kommen; die Frau Holle führte sie auch zu dem Tor, als sie aber darunter stand, ward statt des Goldes ein grosser Kessel voll Pech ausgeschüttet. “Das ist zur Belohnung deiner Dienste”, sagte die Frau Holle und schloss das Tor zu.
Da kam die Faule heim, aber sie war ganz mit Pech bedeckt, und der Hahn auf dem Brunnen, als er sie sah, rief:
“Kikeriki, unsere schmutzige Jungfrau ist wieder hie.”
Das Pech aber blieb fest an ihr hängen und wollte, solange sie lebte, nicht abgehen. 

(Kinder- und Hausmärchen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Brüder Grimm))

Übrigens: Falls ihr beim Erzählen immer mal wieder zum Weihnachtsbaum schielt und ihr euch im Geheimen denkt: Was wird wohl aus dir werden… So habe ich eine feine Weihnachtsbaum-Upcycling-Idee, die perfekt zu Frau Holle passt und die ich euch nächste Woche gerne vorstellen möchte.

Bis dann wünsche ich euch, dass euch euer Anfang in Ruhe und Gelassenheit gelingen mag, sodass auch der kleinste Alltags-Zauber spürbar wird.
Alles Liebe, Sandra 

Über Schnee- und Winterbilderbücher habe ich hier bereits geschrieben. Schaut rein, falls ihr mehr literarischen Schnee braucht.

Das zauberhafte Märchenbuch “Die 100 schönsten Märchen der Gebrüder Grimm” mit den Bildern von Daniela Drescher findet ihr hier.*

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FÜR SICH SELBER EINSTEHEN

 

Die blödeste Mama der ganzen Welt.

Ein heiterer Kindergarten-Vormittag ging zu Ende. Ich verabschiedete meine Kindergartenkinder und blieb in der Eingangstüre stehen, so wie immer. Die einen Kinder machten sich in kleinen Gruppen plaudernd auf den Heimweg, andere wurden von ihren Müttern abgeholt. So auch ein sechs Jahre alter Junge aus meiner Gruppe. Ja, er war nicht begeistert, als er vor der Türe seine Mutter erblickte, irgendwie hatte er sich sein Nachhauseweg anders vorgestellt. Er schnauzte sie an, er wolle doch noch zu seinem Freund. Als sie ihm sagte, dass sie doch heute noch seinen Geburtstagskuchen backen wollten für das bevorstehende Fest, guckte er sie an und sagte: “Ach f*** dich doch Mama.” Ich stand noch immer in der Türe und dachte: Oh, jetzt wird es spannend. Die herumstehenden Mamas räusperten sich und machten sich dann plötzlich schnell auf den Heimweg. Und die beschimpfte Mama?

Sie lachte ihren Schreck, ihren Schmerz über diese Worte einfach weg. Sie lachte gequält und meinte: “Ach, du wilder Kerl.” Das wars. Und dann gingen sie nach Hause. 
Ich war perplex. Es war ja nicht das erste Mal, dass ich hörte, wie Kinder ihre Mütter beschimpften. Aber die Reaktion der Mutter auf den Kraftausdruck ihres Kindes ging mir unter die Haut.

Warum gibt es Mamas, die sich beschimpfen lassen? Die sich von ihren Kindern schlagen und an den Haaren ziehen lassen? Wieso gibt es Mütter, die die Worte ihrer Kinder weglachen oder versuchen, die Worte in was Nettes umzuinterpretieren, weil die Kleinen ja eh nicht wissen, was sie sagen, weil die Kleinen doch nur Kontakt aufnehmen wollen? Warum gibt es Frauen, die für alle einstehen, nur nicht für sich selber? Ist es das Gefühl, versagt zu haben in der Erziehung? Eine Rabenmutter zu sein, wenn man seine Emotionen zeigt? Ist es Angst, zu streng zu sein, wenn man für sich einsteht? Warum lassen manche Mamas das zu? Keine einzige hat das verdient.

Wir unterstützen unsere Kinder tagtäglich darin, sich hinzustellen, zu sagen, was man will und was nicht. Nein zu sagen, Stopp zu sagen und zu markieren, wenn Schluss und Aus ist. Und wir stehen ihnen dabei liebevoll zur Seite, weil es manchmal ganz schön viel Mut braucht, sich zu zeigen. Wir wünschen unseren Kindern die Stärke, mutig und ehrlich für sich einzustehen, weil sie unsere allerliebsten Menschen sind. Ein Nein, ein Umkehren, ein Aufstehen im richtigen Moment ist genau so wichtig und so richtig, wie ein Ja oder ein Weitergehen oder ein Bleiben. Wir wünschen unseren Kindern diese Stärke, die uns manchmal so sehr fehlt. 

Wir sind nicht alle Jesper Juul und wissen immer gleich, wie man akkurat reagiert. 
Seit ich selber Mama bin, weiss ich, dass es hin und wieder passiert, dass man aneinandergerät. Die blödeste Mama der ganzen Welt zu sein ist ziemlich einfach, wenn man eh die einzigste Mama ist. Wenn mich mein Grosser nicht zu seinem Kindergeburtstag einlädt, betrübt mich das jeweils schon auch ein bisschen, und die Kraftausdrücke, oh ja. Diese werden zwar in den wenigsten Fällen verstanden, aber mit dem Wissen in die Welt geschmettert, dass das Wort verletzt. Und wenn das Kind seine Hand erhebt, weil es mit Worten nicht weiter kommt, ist das weder für das Kind einfach noch für die Mama. Aber es macht die Situation nicht besser, wenn man seine Emotionen versteckt und stattdessen darüber lacht. Und auch nicht, wenn man so tut, als wäre nichts geschehen, denn es ist eine Aufforderung, ein Hilfeschrei, ein wissen wollen, ein spüren wollen. Und es fordert ganz dringend eine Reaktion des Erwachsenen.

Im Alltag reagieren wir meist innerhalb von Sekunden, und deshalb kommt es auch nicht immer wie im Lehrbuch daher. Machmal fallen einem erst im Nachhinein die passenden Worte ein…

Davon kann ich ein Lied singen. Aber seine Empfindungen zu offenbaren ist wichtig. Wichtiger als ein pädagogisch hochstehender Erguss. Eine Reaktion auf das Geschehene zeigt unserem Gegenüber, dass wir mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen, dass wir hören und sehen, dass wir ganz da sind und dass es uns nicht egal ist. Wenn wir mit unseren Worten, unserer Körpersprache, unserem Wesen zeigen, wer wir sind und wie wir empfinden, geben wir unseren Kindern Halt und die Möglichkeit, uns und andere lesen lernen zu können. Das haben unsere Kinder so sehr verdient.

Ja, die Welt geht nicht unter, wenn man mal beschimpft wird, aber wenn dem Herzen ein Stich versetzt wird, darf die Welt ruhig mal schnell warten. Dann bedarf es einer Zäsur im Weitermachen, eine Pause, ein Innehalten, ein sich neu sortieren (püschele, auf Schweizerdeutsch).

Ein klares Nein ist manchmal entlastend und einfach so ehrlich, dass es eine richtige Wohltat sein kann. Auch eine Pause mit Blickkontakt zum Kind ist eine Reaktion, weil man nicht immer gleich was Gscheites zu sagen weiss. Und das ist voll in Ordnung, denn die Kinder verstehen auch die Sprache der Augen sehr gut. Sich zum Kind niederzuknien, sich auf Augenhöhe begegnen, die Hände an die Hüften des Kindes zu legen, nicht um es festzuhalten, aber um es sanft zu erden und klar zu sagen, dass wir hier sind, dass wir so miteinander nicht sprechen, so miteinander nicht umgehen. Wir lassen das Kind nicht allein, auch nicht, wenn es uns verletzt. Wir bleiben in Kontakt und tanzen die Schwierigkeiten zusammen aus, statt mit gesenktem Kopf abzuziehen. Auch das ist verbunden sein, nichts ist schlimmer als Gleichgültigkeit.
Und dann verzeihen wir. Spätestens wenn wir das Kind am Abend zudecken, singen, es streicheln, Händchen halten und zusammen flüstern, muss das Kind die Gewissheit haben, dass wir verziehen haben. Denn erst dann, wenn alles wieder gut ist, kann ein Kind (und wir) den Tag abschliessen und getrost und vertrauensvoll in die Nacht gehen. 

In einer ruhigen Minute nochmals über alles reden…

Zurück zum Kindergarten: Als der Junge am Nachmittag wieder in die Gruppe kam, setzte ich mich zu ihm in die Garderobe. Ganz nah. Alles war ruhig, es waren nur wir zwei. Und dann schauten wir uns in die Augen und ich sagte zu ihm: “Du, gell, das heute Mittag… das geht so nicht. So reden wir hier nicht miteinander.” Der Junge sah mich an und sagte: “Das weiss ich. Sowas würde ich niemals zu dir sagen.” 
Das war so ehrlich und es tat mir leid für seine Mama und auch für ihn. Ja, eine Kindergärtnerin ist nicht die Mama, die Blitzableiter für alles und alle ist, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Aber eine Mutter ist auch jemand und zwar ziemlich viel davon. Ein Leben lang so viel Herz, so viel Liebe, so viel Fürsorge für die Kinder. Nehmt davon auch ein Stück für euch und werdet bitte nicht müde, Mamas, auch für euch einzustehen.

STAND DER DINGE: AUGENRINGE

Die letzten Jahre fielen für mich schlaftechnisch eher ungünstig aus. Also eigentlich total ungünstig bis sauschlecht. Unsere Kleine ist nämlich eine Nachteule; ich aber so gar nicht. Umso glücklicher bin ich, wenn mal eine Nacht einfach durchgeschlafen wird. Ha, ha, wenn ich dann überhaupt schlafen kann und nicht vor lauter Überraschung schlaflos neben schnarchenden Kindern liege und verzweifelt in die Dunkelheit starre.

Letzte Nacht war mal wieder eine Nacht der “Frau der Ringe”… Der Augenringe! Das geht so:
22.30 Uhr: Die Kleine hustet. So ein Husten, ihr wisst schon… Ich hänge nasse Tücher auf im Kinderzimmer.

23.00 Uhr: Wir nehmen die arme Hustenmaus zu uns ins Bett. Hier, zwischen Mama und Papa, hustet sie vor sich hin. Ich nehme sie in den Arm und streichle sie, bis sie sich beruhigt.

23.11 Uhr: Ich stehe auf, wärme den Bienenwachswickel und lege ihn der Kleinen auf die Brust. Sie hustet und mir bricht das Herz. Ich taste das Bett nach ihrem Schnulli ab. Spurlos verschwunden. 

Ich stelle mich auf eine lange Nacht ein. 

23.45 Uhr: Ihre Nase ist total zu. Ich suche den Nasenspray… der war doch irgendwo. Verflixt und zugenäht, warum um Himmelswillen legen wir die Dinge, die wir brauchen, immer nicht zurück an ihren Ort? Ich dreh durch. Ab morgen werde ich IMMER alles wieder zurück an seinen Platz schaffen… Ehrenwort! Uff, Nasenspray gefunden. Jetzt aber schnell ins Bett. 

01.19 Uhr: Ich bin eben abgetaucht, in meinen Schlaf… Die Kleine liegt quer. Ich habe abwechselnd einen Fuss im Gesicht oder einen Ellbogen am Kopf. So wird das nichts… Sie ist so unruhig. Ich stehe auf und hole ein Glas Wasser für sie. Auf dem Weg in die Küche springt mir eine fröhliche Katze entgegen. Spielen, spielen, mauzt sie und ist guter Dinge. Nö, Süsse, jetzt nicht.

03.27 Uhr: Der Grosse ist durstig und stampft ins Badezimmer. Licht an, Wasser an, Wasser ab, stampft zurück. Licht bleibt an. Ich stehe auf, drehe das Licht ab und als ich zurück ins Bett möchte, liegt da bereits der Grosse, lang und breit ausgestreckt neben der Kleinen. Ich lege mich unauffällig zwischen die beiden. Seit ich Kinder habe, bin ich Elastygirl, kann mich verbretzelt um meine Kinder legen, pas de problème.

03.40 Uhr: Mein Liebster packt seine Decke und sein Kissen und wandert aus, schleicht Richtung Kinderzimmer. Gute Idee und ich bin ein bisschen neidisch.

04.45 Uhr: Die Kleine hustet und der Grosse erwacht… Die wohl ungünstigste Zeit, wach zu werden. Drei Uhr in der Früh ist doof, aber man hat ne Chance, dass alle nochmals einschlafen… Aber knapp vor fünf? Nein!!! Ganz schlecht. Leicht verzweifelt gehe ich im Kopf durch, wie ich es wohl schaffen kann, den Rest des Tages über die Runden zu bringen und rechne aus, wie viele Stunden ich irgendwie überstehen muss, bis wieder 20 Uhr ist und ich mich wieder hinlegen kann (theoretisch hinlegen könnte…).

Draussen bricht der Tag an und ich könnte im Stehen schlafen.

04.47 Uhr: Die Kleine ist hellwach. Sie schaut sich um und freut sich so, dass wir zu dritt im Bett liegen. Laut und fröhlich sagt sie: Fast ganze Familie im Bett. Der Grosse schaut mich an und lacht. Ihr zwei Spassvögel… sehr lustig.

04.50 Uhr: Ich gebe auf und frage: Kinder, mögt ihr ein Vogelkonzert hören? Beide nicken. Gut, dann deckt euch bis zur Nasenspitze zu und seid ganz still. Ich öffne das Fenster einen Spalt. Wir spüren, wie die kühle Luft ins Zimmer schleicht und hören, wie die Vögel singen. Wunderschön pfeifen sie ihre Lieder in den neuen Tag, und weil die Welt noch so leise ist, hört man das Gezwitscher um so intensiver. Der Grosse flüstert: Das sind die Vögel, die wir im Winter gefüttert haben. Jetzt singen sie DANKE. Ja, wie schön. Mucksmäuschenstill liegen wir drei aneinandergekuschelt unter den warmen Decken und folgen den zauberhaften Melodien. Ich bin hundemüde nach dieser Nacht, aber so gerührt vom Moment und diesen heilsamen Klängen. Ein Vogelkonzert nur für uns. 
Und als ich ein wenig später das Fenster wieder schliesse, sind die Kinder doch noch einmal eingeschlafen.
Was für ein Glück. Schnell schlüpfe ich zurück zu den zweien. Und jetzt aber husch, noch ein bisschen Schlaf einsammeln, bis dann wirklich Aufstehzeit ist. 

Der frühe Vogel mit den tiefschwarzen Augenringen findet bestimmt auch später noch n Wurm.

Müde Grüsse nach da draussen.
Sandra

KRAFTORT AUF DEM KÜCHENTISCH

In dir selbst ist eine Ruhe und ein Heiligtum, in welches du dich jederzeit zurückziehen und ganz du selbst sein kannst. 

(Hermann Hesse)

Auf dem Küchentisch, der in der winzigen Kindergarten-Küche meiner lieben Freundin Carmela steht, entdeckte ich kürzlich eine alte Schiefertafel mit dem Bild von Frau Sonne. Carmela hatte sie liebevoll mit Kreide auf eine ehemalige Schülertafel gemalt: “Für anstrengende Zeiten”, meinte meine Freundin, “um wieder Kraft zu tanken”.
Ein kleiner Kraftort in der Küche. Zum Innehalten, um Kraft zu tanken und um sich auf das Wesentliche zu besinnen. Ich wusste gleich, dass ich UNBEDINGT auch einen Kraftort für mich schaffen musste.

Als mir Carmela anbot, Frau Sonne mit nach Wien zu nehmen, zögerte ich keinen Augenblick. Sorgfältig und dankbar habe ich das Kreidebild verpackt und aus der Schweiz nach Österreich in unsere Wiener Küche geschafft. Und hier leuchtet sie, manchmal in Gesellschaft mit frischen Blumen oder einer Kerze, für mich und meine Lieblingsbande. 
Meist geht es in unserer Küche lebhaft und wild zu und her. Es wird zusammen das Essen vorbereitet, geschnippelt und geschält, gegessen, genascht, geredet, erzählt und diskutiert, der Abwasch erledigt und laut mit dem Geschirr geklimpert. Und Frau Sonne schaut gütig zu.
Aber ab und zu (und zwar nicht nur in anstrengenden Zeiten, sonder auch in entspannten Momenten) setze ich mich in aller Ruhe an den Küchentisch zu Frau Sonne. Dann halte ich inne, und denke an all die Wärme, das Sonnige, das Wohlwollen, an Freundschaft, an Verbundenheit, an die Liebe und die Kraft in uns und in unserem Leben. Für einen Moment in Dankbarkeit “nur” sein. Ich atme ein, atme aus, lächle mir zu, und tanke Lebenskraft, für alles was nachher kommen mag.
Danke dir, liebe Carmela, für deine Freundschaft, dein Lachen, deine weisen Worte und für meinen Kraftort am Küchentisch… Oh, die Sonne blinzelt mir zu! Also dann, weiter gehts!

DER KEKS

 
Ich backe Kekse einmal im Jahr. Vor Weihnachten reiss ich mich zusammen und backe mit den Kindern ein Wochenende lag Weihnachtsplätzchen, auch weil ich weiss, dass dann wieder Ruhe ist für die nächsten zwölf Monate. Irgendwie werde ich mit diesem Keks-chichi einfach nicht warm. Und dieser Aufwand… Hach, ich bin einfach eher Kuchen. 

Nun hab ich aber ein Keksrezept mit superfood cookies, extragesund-für-Kinder-und-so entdeckt und gab mir einen Ruck. Die Kekse aufm Bild sahen reizend aus, waren jedoch nicht glutenfrei. Erhobenen Hauptes änderte ich das Rezept schwuppdiwupp in “OHNE GLUTEN”. Der Teig war köstlich, und im Nachhinein wäre es wohl besser gewesen, wir hätten den Plätzchenteig einfach gleich so gegessen. Nun ja, mein Grosser schnappte sich eifrig seine Piratenkeksformen mit Knarre, Totenkopp und Schwert, die Kleine wollte Bären und ein Reh ausstechen. Gesagt, getan. Die Plätzchen kühl gestellt und dann ab in den Ofen. Wir guckten durchs Fenster, beobachteten unsere brutzelnden Leckerlis und auch, wie die Formen immer mehr verschwammen. Aus den Totenköpfen wurden Wolken, aus den Bären wurden Seen, aus vielen Plätzchen wurde ein grosser Platz. 
Wir standen da und guckten zu und konnten gar nichts machen…
Die Kleine: Wo sind meine Bärlis?
Der Grosse: Das ging ja voll in die Hose.
Ich: Ui.
Unser Blick in den Ofen: wohl unbezahlbar!
Aus dem Riesenkeks wurde lecker Crumble, der sich über’s Yoghurt gestreut sehr gut machte, die nächste Plätzchenbäckerei im Hause Lieblingsbande findet frühestens nächsten Dezember statt und das delikate “superfood-cookies-extragesund-für-Kinder-und-so” Rezept behalte ich dann mal für mich. Ich denke, ist ok für euch.

LANGOHR ODER GEDANKEN ZUM ROLLENSPIEL

Unsere Kinder lieben Rollenspiele. Mal schnell ein Tuch um die Schultern gelegt, ein Schneckenband um die Hüften gebunden und hej ho, stampft die Räuberbande durch den Wald. Es wird geräubert was das Zeug hält und dann werden die Schätze in die selbstgebaute Räuberhöhle geschleppt. Ha, ha, ha, Pech gehabt!

Der Grosse sprüht voller Ideen, was sie hätten und würden und müssten, und die Kleine ist voller Begeisterung mittendrin. Immer häufiger trägt auch sie ihre Ideen bei und ich bin so erfreut darüber, wie das Spiel von beiden belebt und gelenkt wird. Als wichtiger, mitgestaltender Teil der Bande voll und ganz im Spiel aufzugehen, in dieser innigen Geschäftigkeit zu versinken, das zaubert nicht nur rote Wangen auf Kindergesichter, sondern beschert ihnen auch eine tiefe Glückseligkeit. Die Kinderherzen werden mit Wärme gefüllt. So geht Erleuchtung im Kinderzimmer!
“Saisonbedingt” habe ich den Kindern die Geschichte vom kleinen Häschen erzählt, das auf Ostern wartet und von den Tieren im Wald immer wieder vertröstet wird mit den Worten: 
“Erst wenn der volle Mond erwacht,
und so rund wie die Sonne lacht,
kann es hier auf Erden
wieder Ostern werden.”* 
Die Geschichte kann Inspiration sein, um ein Rollenspiel entstehen zu lassen. 
Schwupps hat der Grosse ein Tuch über ein paar Stühle gelegt und mit Wäscheklammern sturmsicher gemacht. Mit Kissen weich ausgestattet, mit einer Taschenlampe ausgeleuchtet und mit zwei Büchern dekoriert, wird dies die perfekte Hasenhöhle. Ganz wichtig, denn wenn die Nacht hereinbricht, braucht jedes Tier sein Plätzchen UND Schutz vor dem Fuchs… Der Höhleneingang ist eng… Besser so, Füchse überall. Ein blaues Tuch wird das Bächlein (gegen den Hasendurst, auch sehr wichtig!), und los geht das Spiel. 
Ach ja, schnell noch die einfachen Hasenschlappohren aus Filz übergezogen, und schon ist man Häsin und Mümmelmann. Die Tücher fürs Hasenfell mussten wohl überlegt ausgesucht werden. Die Kleine wollte pink, klar, das war schnell entschieden. Der Grosse hingegen überlegte. Braun oder Grün? Braun sind die Hasen, aber Grün ist besser wegen Tarnung und so… Schlauer Hase. Dann hoppelten sie heiter los, der rosa und der grüne Hase, hätten, würden und könnten. Und wenn sie nicht eingeschlafen sind, in ihrem kuscheligen Hasenbau, dann mümmeln sie noch heute!

*Die ganze Geschichte vom Ostermond findet ihr hier diesem wundervollen Buch (Partnerlink)

DREIMAL IST FÜR IMMER

“Was man als Kind geliebt hat, 
bleibt im Besitz des Herzens bis ins hohe Alter.”
Khalil Gibran

Im Garten des Kindergartens, in dem ich gearbeitet hatte, stand ein uralter Baum, der von allen Kindern “pipileicht” beklettert werden konnte. Die geübten Kletterer hangelten weiter oben, die weniger Geübten an den unteren, ausladenden Ästen. Hauptsache, es waren alle irgendwie Teil des Baumes. Man konnte auf ihm gemütlich sitzen, wie auf einem Baumsofa. Wenn man mit baumelnden Füssen über den Platz schaute, umgab einem das Gefühl von der unendlichen Weite und der ganz grossen Freiheit. Also haben wir hin und wieder auf dem Baum unsere Pausenbrote gegessen. Die Kinder fanden das abenteuerlich, wenn sich auf den Ästen gemütliche Baum-Wohngemeinschaften bildeten, die das Essen teilten, fröhlich quatschten und es genossen, für einen Moment “hoch oben in der Luft” zu sitzen. 
Als mich Jahre später ein paar ehemalige Kindergartenkinder besuchten, sagte das eine zu mir: “Weisst du noch, wie wir IMMER auf dem Baum gegessen haben? Oh war das schön.” Und die anderen Kinder nickten und schwelgten in Erinnerungen. Immer… Tatsächlich waren das vielleicht vier Mal, diese Male aber wurden als so kostbar und so intensiv erlebt, dass die Kinder das Gefühl hatten, immer im Baum gesessen und geknabbert zu haben. 
Einmal ist einmal, zweimal ist zweimal, aber dreimal ist schon ziemlich immer. 
Wunderschön, finde ich, wenn aus ein paar Mal ein Immer werden kann.
Wertvolle Momente, die unsere Kinder nähren und kräftigen, dürfen/müssen ruhig mehrmals erlebt werden, damit daraus ein IMMER wird. 
Das heisst, wir sollten: Mehr als nur einmal auf die Bäume klettern, Feuer machen, im Sommer mit dem Schlauch spritzen. Mehr als einmal alles stehen und liegen lassen, in den Wald gehen und dem Vogelkonzert lauschen. Noch mehr gemeinsame Hüttenlandschaften bauen, sich besuchen und darin Geschichten erfinden, noch öfter am hellheiteren Tage alle Fensterläden schliessen und mit den Taschenlampen durch den “dunkelsten Wald” schleichen, sich einfach auf den Rücken legen und die Wolken beobachten und sich schöne Geheimnisse ins Ohr flüstern. Und viel mehr als einmal gemeinsam Feste feiern, beieinandersitzen und sich ganz nah sein.
Einfach weil es schön ist und die Seele beflügelt. Und damit es den Kindern im Herzen bleibt – für immer.

Alles Liebe, euch und euren Kindern
Sandra

Verlinkt mit 
danke!

EINMAL BREZN MIT ALLEM…

 
Tja, manchmal hat man als Kind einfach keine Zeit zum Essen UND zum Trinken. Da ist es ja nur praktisch, man knetet das Zeug mal so schnell all in one. Nicht so schnieke fürs Auge, aber wen kratzt das schon, wenn man dafür husch, husch wieder beim Spielen ist? Also dann: ein grande special vegan natural Hahnenwasser singleshot mit salted Brezn, to go, bitte!