DAS BISSCHEN HAUSHALT… WENN KINDER MITHELFEN DÜRFEN-MÜSSEN-SOLLEN-WOLLEN

Wenn die Kinder noch klein sind, wollen sie alles im Haushalt mittun, was die Erwachenen machen. Begeistert hängen sie Wäsche auf, lieben es, mit nassen Lappen gleichzeitig Tische, Böden und Fenster aufzuwischen, und staubsaugen locker flockig alles auf, was nicht niet und nagelfest ist. Doch irgendwann gab es bei uns dann einen Einbruch in dieser Hingabe des Mithelfens. Ich habs nicht gleich gemerkt, dass sich der Grosse immer öfter, immer lieber klammheimlich rar machte beim Mithelfen. Aus dem begeisterten “oh ja, ich darf mitmachen” wurde immer mehr so ein röhrendes Maulen, als würde die ungetane Arbeit nur schon beim Anblick aufstossen. Zudem findet er ganz spontan ausreichend Gründe und Ausreden, warum jetzt anpacken grad eher nicht so geht… 

Eigentlich ist es ganz einfach: Wir sind eine Familie und ein jeder trägt dazu bei, dass der Alltag gut funktioniert und wir es schön haben bei uns.

Für Pläne und Ämtlipläne im besonderen war ich nie zu haben. Schon während meiner Arbeit als Kindergärtnerin kam es mir nicht in den Sinn, Pläne aufzuhängen und dann die Wäscheklammern mit den Kindernamen bei irgendwelchen Arbeiten anzuklipsen. Wahrscheinlich war mir unterbewusst sonnenklar, dass ich das nicht durchziehen würde, sicher ist aber, dass ich immer frei sein wollte, jene Kinder mithelfen zu lassen, die Lust und Muse dazu hatten. Zudem halte ich es ganz schlecht aus, wenn was getan werden muss und es heisst: ich bin heute nicht zuständig. Ich vertraute immer darauf, dass ein jedes Kind gerne behilflich sein wollte und bereit war, was für die Gemeinschaft zu tun. Oft habe ich die Kinder direkt angesprochen und gefragt, ob sie mit mir zusammen bitte den Abwasch erledigen, schnell die Tische sauber machen oder mit anderen Kindern zusammen was aufräumen würden (denn manchmal, da spürt man ja auch, wenn wer was zum Tun braucht…).
Ich bin damit sehr gut gefahren, aber Familienleben ist eben auch nicht Kindergarten, und was im Kindergarten alles möglich ist, tja, davon können Mamas eben manchmal nur träumen.

Unsere Kinder sind also planlos und helfen dennoch mit. Nicht immer vollends begeistert, aber das ist dann halt so. Nicht alles im Leben ist spassig. Gleiche, wiederkehrende Tätigkeiten, abgestimmt auf die Möglichkeiten des Kindes, eingebunden in den Rhythmus des Tages, können es leichter machen, dass alltägliche Handgriffe irgendwann vielleicht zur Selbstverständlichkeit werden. Je früher die Kinder liebevoll eingebunden werden ins Tun, desto sicherer und selbständiger werden sie mithelfen. Und es gibt wohl kaum einen Bereich, in dem so viele sinn-volle Erfahrungen gemacht werden können, wie beim gemeinsamen Werken im und rund ums Haus.
Das klappt bei uns zu Hause noch überhaupt nicht wie am Schnürchen, aber wir arbeiten daran ; )

Willkommen zu Hause


Wenn die Kinder von draussen nach Hause kommen, und sich, besonders im Winter, ihrer Kleiderschichten entledigen, sieht es manchmal aus, als hätte ich 23 Kinder. Schuhe, Schals, Mützen, Handschuhe, Jacken, Hosen… Um so wichtiger ist es dann, Stück für Stück an den entsprechenden Ort zu verräumen. Wir haben Körbe für Schals, Mützen und Handschuhe, Haken für die Jacken und einen Platz für die Schuhe.
Diese Organisation können die Kinder gut selber übernehmen, und sie hilft ihnen beim Finden der Sachen, wenn sie später wieder raus wollen.
Das Sortieren von Dingen an vorgesehene Orte ist gerade auch für kleine Kinder eine freudige und wichtige Tätigkeit.

Gute Nacht


Wenn sich die Kinder die Schlafanzüge anziehen, helfe ich ihnen, die ausgezogenen Kleider von links auf rechts zu drehen (denn ausgezogen ist immer alles auf links, ganz kompakt in einem Knubbel und liegt dann irgendwo zwischen Wohnzimmer und Bad…). Schon das alleine ist eine gute Übung für die Kinder und erfordert manchmal wirklich motorisches Geschick und Geduld. Socken und Unterhosen kommen in den Wäschekorb, Pullover und Hosen gehen ab und zu (selten bis nie) nochmals für den nächsten Tag. Wenn sie schmutzig sind: ab in die Wäsche. Klappt nicht immer, aber wir bleiben dran.

Sich auf die Socken machen…

Ich mache die Wäsche, die Kinder machen die Socken. Alle sauberen Socken wandern bei uns, nach dem Trocknen, in einen grossen Wäschesack. Einmal die Woche leeren wir diesen auf dem Fussboden aus. Dann suchen die Kinder die passenden Socken und falten diese zusammen. Es ist gar nicht so leicht, die passenden Socken so aufeinanderzulegen, dass man sie ineinanderstülpen kann, damit sie in der Schublade auch wirklich zusammenbleiben. Wir haben viel geübt und verschiedenste Techniken ausprobiert. Nun klappt es ganz wunderbar. Wir nennen das Sortieren übrigens  Sockenmemory und ja, die Kinder finden es nur bedingt lustig…

Backe, backe Kuchen


Das Mittun der Kinder in der Küche gehört einfach dazu und ich finde, dass jedes Kind so früh wie möglich dabei sein sollte, wenn das Essen für die Familie zubereitet wird. Karotten und Gurken schälen und schneiden haben unsere Kinder schon ganz früh gelernt. Daher sind sie schon geschickt im Umgang mit Schäler und Rüstmesser. Zeigt euren Kindern, wie sie sicher mit dem Küchenwerkzeug hantieren, sodass die Finger heil bleiben. Führt die Hände eurer Kinder die ersten paar Male ganz langsam, macht sie aufmerksam, was die Finger und die Hände tun und dass die Augen stets dabei mithelfen. Seid bei eurem Kind, wenn es beim Zubereiten anpackt. Das Schneiden, Schälen, Kneten, Rühren sind sinnliche Tätigkeiten und kostbare Übungen für die Feinmotorik und die Koordination von Händen und Augen. Und auch für den Mund und die Nase ist das Mithelfen in der Küche famos… Denn das geschnippelte Gemüse oder der gerührte Teig muss ja auch hin und wieder ziemlich oft probiert werden.
Der Grosse ist ein super Mengen-Abwäger. Aufs Gramm genau misst er Nüsse und Mehl für unsere Wochenendkuchen ab und lernt so ganz viel über mehr und weniger, darüber, dass gleiches Gewicht nicht gleiches Volumen bedeutet und dass eine Tafel Schokolade auch in geschmolzenem Zustand immer noch 100 Gramm ist. Mathe ausnahmsweise mal praktisch und ziemlich lecker!
Zudem ist die Küche auch idealer Zufluchtsort. Denn wenn es unrund läuft, ist es oft eine gute Sache, sich mit einem oder mehreren Kindern in die Küche zurückzuziehen und gemeinsam ins Tun zu kommen.

Tischlein deck dich

Das Messer links vom Teller und die Gabel und das Glas rechts… Wo ist links? Wo ist rechts? Das alles darf man erfahren, wenn man den Familientisch deckt. Schlussendlich werden noch die Servietten zugeordnet und die Kerze bereitgestellt. Ein Tisch zu decken ist auch ein bisschen wie ein Bild legen. Eine grossartige Tätigkeit für Kinder, denn ein schön gedeckter Tisch ist einladend und man fühlt man sich doch gleich wie im Ristorante!
Nach dem Essen können schon kleine Kinder ihre Teller in die Küche zurück stellen, grössere Kinder gleich den ganzen Tisch abräumen und Teller und Besteck in den Geschirrspüler geben.

Pfannen gehen bei uns nie in den Geschirrspüler. Diese spülen wir von Hand. Und ja, die Kinder trocken diese hin und wieder mit dem Geschirrtuch ab. Klar kann man die Pfannen auch einfach trocknen lassen. Aber manchmal, da schnappt sich ein Kind ein Tuch und trocknet diese grossen, schweren, sperrigen Dinger ab. Es ist schön, einfach zu zweit in der Küche zu stehen und am Ende eines Tages gemeinsam Ordnung zu schaffen. So, dass der nächste Tag wieder ganz frisch begonnen werden kann.

Uufruumä, uufruumä


In einem aufgeräumten Zimmer spielen Kinder oft ganz versunken. Weil es dann Platz hat und die Spielsachen verlockend und gut sichtbar an Ort und Stelle sind. Leider geht es auch sehr schnell (ca. 30 Sekunden), bis ein aufgeräumtes Zimmer aussieht, als wäre ein Orkan mit all seinen Verwandten mal schnell durchgerauscht.
Wir räumen das Zimmer einmal in der Woche gründlich auf… Das heisst, dass wir an den restlichen Tagen die aufgebauten Sachen stehen lassen und bloss das aufräumen, was drumrumliegt und nicht dazugehört, so, dass keiner von uns Nachts das Bein bricht, wenn er durchs Zimmer tappst. Dennoch ist das Zimmer aufräumen ein unbeliebtes Thema und sorgt für viel Gemaule und noch mehr Blitzmüdigkeit…
Es fällt meinen Kindern leichter, wenn ich beim Zimmer aufräumen dabei bin und ab und zu auch ansage, was zu tun ist, weil sie manchmal vor lauter Chaos kein Licht am Spielzeugtunnel sehen oder gleich beim ersten Dings, was sie vom Boden aufnehmen, in ein (sehr intensives) Spiel verfallen.
Gemeinsam, mit Liedern und Geschichten geht es meist etwas leichter.
Übrigens: das Zimmer aufzuräumen, dass es Erwachsenen-Vorstellungen entspricht, ist glaube ich das, was das Ganze manchmal noch schwieriger macht. Die Kinder haben ihre eigene Sichtweise von “aufgeräumt”. Das Plüschmäuschen auf dem Regal wird nämlich noch mit einer Decke zugedeckt, damit es nicht friert und dann legt man noch ein paar Nüsse daneben, falls es hungrig ist und ein paar spannende Bücher gegen Langeweile… Und schon sehen manche Erwachsene statt Ordnung das Chaos. Klar, die Kleiderknuddel und Kleinkramberge unter dem Bett müssen mal durchgesehen und weggeräumt werden, aber man darf nicht vergessen, dass ein Kinderzimmer ein Zimmer für Kinder ist und nicht ein Showroom für die Follower auf Instagram.

Und hier ist dein Lohn
Belohnung gibt es bei uns immer! Ein Lächeln, ein Dankeschön, ein Kuss und eine Umarmung. So, wie wir uns mit einem “sieht das gut aus, vielen Dank” für das gekochte Essen bedanken, so bedanke ich mich bei meinen Kindern für ihr Mittun. Wertschätzung ist der Atem des Zusammenlebens und zeigt dem Kind, dass es ganz und gar gesehen wird.

Zugegeben, die Arbeit im Haushalt ist nicht das “Allergluschtigschte” im Leben, aber sie gehört eben einfach dazu. Zudem ist es nicht immer eine Erleichterung, wenn Kinder mithelfen, und es geht häufig auch ganz und gar nicht schneller, wenn kleine Hände mitwirken. Trotzdem müssen wir unseren Kinder die Zeit dazu geben, sie liebevoll anleiten und ihnen zutrauen, eine Aufgabe zu übernehmen. Etwas für eine Gemeinschaft zu tun stärkt das Selbstbewusstsein und das Verantwortungsgefühl und es macht glücklich. Es ist wertvoll, wenn ein Kind lernt, dass man nicht nur bestellen kann, sondern manchmal auch mittun muss, mittun darf, mittun kann, damit es schön wird.

Es ist schön, wenn man nicht immer muss, sondern manchmal einfach auch nur mal darf.

Unsere Kinder dürfen im Haushalt so gut wie alles miterleben. Oft bin ich am Tun und sie kommen dazu und tun mit wenn ihnen danach ist. Sie bügeln (dann bin ich in der Nähe…), staubsaugen, kehren mit dem Handbesen, ölen die Holztische, schütteln die Decken aus, helfen die Betten frisch zu beziehen, putzen die Schuhe… Und auch das Klo dürfen sie sauber machen, wenn nach dem Spülen doch noch was zurück geblieben ist. Ein Blick zurück, für den, der als nächstes zur Toilette geht, ist eine liebevolle Geste, der Griff nach der Klobürste ist nämlich ein Kinderspiel.
Jeder neue Handgriff, auch kleine und für uns vielleicht nichtige, lassen uns Neues erfahren und vielleicht daran wachsen. Kinder wollen ausprobieren und nachmachen, spüren, dabei sein und sich aktiv beteiligen. Sogar beim “bisschen Haushalt” gibt es Momente, in denen ein Kind mit strahlenden Augen ruft: “Schau, wie ich das ganz alleine geschafft habe!”

Wie ist das bei euch? Helfen eure Kinder mit? Und wenn ja, was? Gibt es Pläne bei euch zu Hause oder lasst ihr es frei? Wie ermutigt und motiviert ihr eure Kinder zur Mitarbeit? Oder macht ihr lieber alles alleine und ganz flotti?

Von Herzen wünsche ich euch und euren Kindern ein sonniges Wochenende, gelungene Haushaltstage und viel Kraft und Freude, dranzubleiben, wenns mal mau ist. Immer fröhlich tun und ausprobieren!
Habts fein und schön und wunderbar.
Alles Liebe, Sandra

 

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4 thoughts on “DAS BISSCHEN HAUSHALT… WENN KINDER MITHELFEN DÜRFEN-MÜSSEN-SOLLEN-WOLLEN

  1. Das klappt ja super bei euch – bei uns je nach Laune 😉 Und nein, Pläne haben wir keine, ich schon gar nicht 😉 die Große kocht schon mal (fast) alleine ein Mittagessen für uns und der Kleine ist ein richtiger Zucker-Bäcker. Jeder darf, wie er mag, nur das Zimmer muss jeder selbst aufräumen. Nach dem Essen das Geschirr wegräumen machen sie ganz ohne Aufforderung, nur beim Gatten happert es da ein bisschen 😉 Hast du da ein Rezept? Dafür legt er gerne die Wäsche zusammen, das hasse ich nämlich wie die Pest. Ganz Allgemein macht bei uns jeder, was er gerne tut und für die Sachen, die keiner mag, helfen wir zusammen oder machen sie einfach gar nicht (bügeln z. B. boah, ich hasse das sooo, Gott sei Dank hab ich keinen Mann, der Hemden tragen muss). Liebste Grüße aus Tirol, Uli

    1. Nichts klappt super hier, aber ich bin echt dahinter… Weil: Am Ende eines Klassenausfluges, damals, vor hundert Jahren in der Mittelstufe, mussten wir das ganze Haus sauber machen. Alle Kinder putzten, nur ein Junge stand im Waschraum und reinigte die Toiletten mit Toilettenpapier. Bis dato hatte ihm noch niemand gezeigt, für was die Bürste neben der Schüssel steht und wie man sie benützen könnte. Wir Mädels standen da und haben gelacht und mir hat das so leid getan und mich gleichzeitig peinlich berührt. Ich konnte mir schon damals nicht erklären, wie man nicht wissen kann, wie man eine Toilette sauber macht… Ich glaube also, ich bin bissl voreingenommen…
      Stay clean und hab eine ganz gute Woche! Liebe Umarmung aus Wien.

  2. Liebe Sandra,
    Es ist toll, wie ihr den Haushalt handhabt! Auch ich mag keine Pläne und freestyle gerne. Unsere 12 Monate alte Tochter macht auch schon fleißig mit. Sie bringt immer selbst ihre Windel nach dem Wickeln zum Müll und hilft dabei die Katze zu füttern und bringt dann die Verpackung zum Müll. Gerade üben wir, die Bücher ins Regal zu räumen.
    Die Socken räumt sie gerne von einem Korb in den anderen oder aus der Schublade heraus. Aber da sehe ich Potential für die Zukunft – Vielleicht ja nach eurem Beispiel, in ein paar Jahren 😉
    Liebe Grüße Yasmin

    1. Liebe Yasmin, vielen lieben Dank für deine Nachricht. Das Alter ist allersüssest. Sie helfen so gerne und freuen sich riesig übers Mitmachen. Und ich glaube, wenn man sie lässt und ihnen die Zeit gibt, sich über ihr Mittun freut und sie unterstützt, dann ist der Grundstein doch schon gelegt. Ich wünsche dir und deiner Familie alles, alles Liebe und sende euch herzliche Grüsse aus Wien
      Sandra

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