NOVEMBERGEDANKEN ODER VOM AUSSEN NACH INNEN // DIY

Es gibt ein Schweizer Kinderlied, das geht so (schon übersetzt):

“Ich bin der Herr November und kann ja nichts dafür
dass ich so kalt und grau bin
sag du, sag du, doch etwas Nettes zu mir…”

Dabei geht es reihum und jeder soll etwas Schönes vom November sagen. Es ist, wie es immer ist: Die einen haben wunderbare Ideen, kreativ und ausgefallen. Und dann gibt es die, die sagen: “Also ich finde alles gut am November…” Klingt wie eine Ausrede für: “Äh, hierzu fällt mir grad gar nix ein.”

Es ist bestimmt nicht einfach, lieber Herr November, Sandwich zu sein zwischen der opulenten Farbenpracht des Oktobers und dem dekadenten Glitzerdesaster des Dezembers. ABER, es gibt tatsächlich Menschen, die ALLES gut finden am elften Monat des Jahres. Ich, zum Beispiel.

Ich liebe das Grau-Schwarz-Weiss, die kühle Luft, die Krähen, die, laut krächzend, in Scharen schwarz am Himmel emporsteigen ins weisse Nirgendwo. Ich liebe es, nach unseren Streifzügen durch die Natur in die gemütliche Wärme zurückzukehren, ich liebe meine eingemummelten Kinder, vom Wind durchwebt, voller Glück, mit ihren roten Bäckchen und Nasenspitzen, die ich anknabbern könnte, wie Äpfelchen. Und vor allem liebe ich es, Kerzen anzuzünden, das Licht und die Wärme nach drinnen zu bringen.
Wenn sich in der Novemberzeit die Natur zurückzieht und sich in die Winterruhe verabschiedet, habe ich jedesmal das Bedürfnis, es ihr ein bisschen gleich zu tun. Langsamer zu werden, zur Ruhe zu kommen, das Aussen aussen zu lassen und noch mehr auf mein Inneres zu hören.

Wären wir Einsiedler, es würde sicherlich flutschen, das mit der Ruhe. Aber wir sind Familie, eingebunden in einen Alltag, der nicht nur von uns gestaltet, sondern der auch geprägt ist von Pflichten und Einflüssen von ausserhalb. Von Vorstellungen, Erwartungen und Bildern, von Geschwindigkeit und dem vorweihnachtlichen Klimbim, dem man sich so schwer entziehen kann. Wie aber kann es gelingen, eine familientaugliche Möglichkeit der “Winterruhe” für sich und für alle zu finden?

Ein Bedürfnis oder eine Notwendigkeit kann sich wie ein Nest um eine Familie legen. Ein Nest, in das man schlüpft, wenn es draussen hudelt und strudelt, ein Nest, in das man sich verkriecht, wenn alles viel und hektisch wird. Ein Nest, in dessen Wärme man jederzeit geborgen umarmt und umsorgt wird. Denn nur da, wo die Möglichkeit einer Zäsur im Wuseln und Eilen entsteht, wird Platz geschaffen, um zu spüren und dem inneren Leuchten und der innere Wärme Raum und Zuwendung zu gewähren.
Geschichten, Lieder, gemeinsame Spiele oder kreatives Tun, sich was Leckeres zu backen oder draussen sein in der Natur: Das alles kann zu einer Insel werden, die uns spüren und zur Ruhe kommen lässt. Es sind die innigen und oftmals ganz stillen, unspektakulären Augenblicke, die unsere Seele nähren.

Natürlich ist das alles nicht nur im November so, sondern durch das ganze Jahr. Aber ich finde, der Herr November zeigt uns jedes Jahr auf seine Art und Weise sehr genau, dass die Zeit gekommen ist, sich ein Nest für die Winterruhe zu gestalten, um vom Aussen nach Innen zu kommen, wo das Licht in aller Ruhe umsorgt werden kann.

Von Herzen wünsche ich euch zauberhafte Tage, Momente des Staunens und Innehaltens. Ich wünsche euch Zeit, um immer wieder durch die raue Novembernatur zu streunen, um danach, voller Glück, wieder nach Hause zu kommen.

Habts warm und fein und wunderbar.
Alles Liebe, Sandra

Neulich habe ich beim Draussensein einen abgebrochenen Ast einer Lärche gefunden. “Ein Geschenk”, dachte ich. Daraus lässt sich sehr einfach ein Lärchenkränzchen formen. Das Arbeiten mit Naturmaterialien ist übrigens immer eine sehr feine Tätigkeit, finde ich. Den Lärchenast habe ich, ganz einfach, schwuppdiwupp, ineinander geschlungen. Fertig. Wenn ihr mögt, klemmt ihr einen Weihnachtsbaum-Kerzenhalter an den Kranz und beleuchtet diesen. Novemberlicht.


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13 thoughts on “NOVEMBERGEDANKEN ODER VOM AUSSEN NACH INNEN // DIY

  1. Liebe Sandra,
    wieder einmal so wunderbar wahre Worte von dir. Auch ich mag den November. Man kann so schöne Dinge tun, um Körper und Seele zu wärmen. Da habe ich mich nach dem langen Sommer und sommerlichen Herbst richtig drauf gefreut. Genießen wir also diesen, zu Unrecht verpönten, Monat.
    Liebe Grüße aus dem hohen Norden,
    Lydia

    1. Liebe Lydia, genau so machen wir’s. Wir geniessen die Tage und nähren unsere Seelen. Danke, für deine lieben Worte und habt’s ganz fein, gemütlich und wunderbar.
      Alles Liebe aus Wien, Sandra

      1. Liebe Sandra, den Text vom Novemberlied finde ich soo schön und mir kamen gleich ganz viele Ideen für meine Waldkitagruppe. Leider habe ich unter deiner Übersetzung nichts im Internet gefunden, magst du mir den Originaltext nennen, damit ich die Noten suchen kann. Das wäre soo fein!!
        Liebe Grüße aus dem hohen Norden,
        Lydia

        1. Liebe Lydia, der Text kommt von der famosen Gerda Bächli, das Liederbuch heisst Traumschiffchen. Ich habe nach den Noten gesucht, aber ich habe sie nicht gefunden… irgendwo sind sie… aber auf youtube findest du es https://www.youtube.com/watch?v=dE8CbL3MwDI Guck mal.
          Übrigens sind alle Lieder von Gerda Bächli grossartig. Ich habe sie mit meinen Kindergartenkindern immer gerne gesungen.
          Viel Freude und einen wunderbaren Herbst mit deinen Waldkindern.
          Herzlich, Sandra

  2. Liebe Sandra,
    ich mag den November auch sehr gerne, auch wenn er heuer sehr nach Oktober schmeckt 😉 Genießen wir ihn, bevor das “dekatente Glitzerdesaster” losgeht (ich muss mir das merken, besser kann man’s nicht beschreiben 😉

    Ich hab letztes Jahr auch einen Lärchenkranz gemacht, allerdings hängend – feuertechnisch nicht so optimal… 😉 liebe Grüße in die City, Uli

    1. Liebe Uli, hier heute auch wieder eher oktobrig, aber es wird, es wird. Die Kinder hätten so gerne Schnee… von der Badehose am allerliebsten direkt auf die Piste. Übergänge wären ihnen eher nicht so wichtig.
      Habt ein feines Wochenende und bis bald.
      Herzlich, Sandra

  3. Ich bewundere es, wie Du so schöne Worte und Gedanken zu Texten formulieren kannst. Da werde ich vom Lesen schon ein wenig ruhig und eingehüllt in Deine wunderbare Sprache. Die Fotos tun ihr Übriges dazu und Deine Gestaltungsideen, die werden hier so oft umgesetzt, dass es ohne Lieblingsbande fast gar nicht mehr vorstellbar ist. Ich mag Deinen Stil sehr.
    Mit herzlichem Gruß
    Regina

    1. Liebe Regina… Deine schönen, wohlwollenden und allerliebsten Worte haben mich gerade so berührt und riesig gefreut. Vielen herzlichen Dank dafür. Für mich ist es das allerschönste Kompliment überhaupt, wenn die Leserinnen und Leser immer wieder gerne zurück kommen, stöbern und die eine oder andere Idee umsetzen. Danke dir vielmals.
      Liebste Grüsse und bis ganz bald.
      Sandra

  4. Einfach SCHÖN! So schöne Worte… Und auch für mich voll wahr.
    Wenn da nur nicht von außen soooooo viel Schulstress, Termine und alles andere wäre… Gerade um diese Zeit, wo es eigentlich ums Innehalten geht, geben alle immer Vollgas :). Aber deine Worte inspirieren mich! Komme gerade von einem kurzen feinen Morgenspaziergang durch nebeilge Weinberge zurück…
    Alles Liebe aus Niederösterreich und danke für deine Beiträge!
    Veronika

    1. Liebe Veronika, das gleiche Gefühl hatte ich am Wochenende auch… So viel los da draussen! Es ist manchmal echt eine Herausforderung, sich immer wieder Inseln zu schaffen. Da hast du dir mit deinem Spaziergang in den nebelverhangenen Weinbergen eine zauberhafte Auszeit gegönnt. Danke für diesen Einblick in dein Novemberalltag.
      Alles, alles Liebe und viele stimmige, ruhige Momente wünsche ich dir.
      Sandra

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