RÄBELIECHTLI ODER RÜBENLICHTER // DIY

Ich bin mit miim Räbeliechtli
underwägs hüt Znacht
und ich lüüchtä wie das Liecht
wo alles heller macht
(Kanon, Andrew Bond)

Ich geh mit dem Rübenlichtlein
auf den Weg heut Nacht
und ich leuchte wie das Licht
das alles heller macht 

Wenn sich der November anschleicht, dann kommt diese stille Freude auf den Räbeliechtliumzug. Für mich eines der schönsten Feste im Jahr überhaupt. In den deutschsprachigen Kantonen der Schweiz ist der Räbeliechtliumzug eine Tradition, die jedes Kind kennt. Anfang November ziehen Gross und Klein mit selbstgeschnitzten Räbeliechtli singend durch die Dunkelheit. 

Obschon ich seit vielen Jahren im Ausland lebe, kann ich die Stimmung ganz genau spüren, den Herbstwald und die angebrutzelten Räbeliechtlis riechen, und ich sehe die erleuchteten Kindergesichter vor mir. Es ist wunderschön mystisch, wenn man mit Kindern durch die dunkle Natur zieht, die beleuchteten Räben vor sich her tragend, Licht bringend in die Dunkelheit, zu den Tieren, den Bäumen, und all den anderen zauberhaften Wesen, die da auf uns warten. Wenn unsere Lieder die Stille erfüllen und wir mit langsamen Schritten in die Nacht hinaus gehen, sich an den Händen haltend, weil es doch links und rechts sehr dunkel ist, spürt man ein riesengrosses Glück.

Im Mittelalter zählte die Räbe zu den Grundnahrungsmitteln der Menschen. Die Rübe war die letzte Feldfrucht, die vor dem Winter geerntet wurde, und schon damals haben die Frauen und Kinder nach dem Einbringen der Ernte aus den Rüben zauberhafte Lichter geschnitzt. Diese Lichter erhellten den Familien den Weg, wenn sie in die Kirchen zum Erntedank-Gottesdienst wanderten.

Es gibt zwei Varianten von Räbenliechtlis. Bei der einen werden die Licher an Schnüren getragen und mit Teelichtern beleuchtet, bei der anderen wird das Räbenliechtli mit einer Stabkerze beleuchtet und auch an dieser getragen. So oder so, das Schnitzen und Aushöhlen ist bei beiden Möglichkeiten gleich.
Schnitzt eure Räbenlichter erst am Tag des Umzuges. Falls ihr schon vorher schnitzen wollt, so wickelt eure geschnittenen Rüben in ein feuchtes Tuch und legt sie dann vors Fenster oder auf den Balkon, damit sie frisch bleiben.

Ihr braucht:
– Räbe / Rübe (bedenke; je grösser die Räbe, desto schwerer ist sie zum Tragen…)
– ein grosses und ein kleines Messer (ev. Taschenmesser)
– ein Schneidebrett
– Holzspiess
– Bleistift
– Apfel- oder Melonenaushöhler oder Löffel
– Schnitzwerkzeug (spitzes Rüstmesser oder Linolschnitzwerkzeug)
– Schüssel (für das Räbenfleisch)
– ev. Keksausstecher
– Stabkerze oder Teelicht
– Becken oder Schale für das Räbenfleisch

Und so wird’s gemacht:

– Schneidet den Deckel der Räbe mit einem grossen Messer ab (ca. 3-5cm)
– Nun wird die Räbe geschnitzt. Am Schönsten ist es wohl, wenn die Kinder ihre Wunschformen mit einem spitzen Bleistift vorzeichnen, man gemeinsam mit der Messerspitze oder dem Schnitzwerkzeug die Formen einritzt und dann nur die dunkle Räbenhaut abzieht. Wenn ihr mögt, könnt ihr auch Keksformen nehmen, diese leicht in die Räbe drücken, sodass die Räbenhaut eingeritzt ist, und dann mit dem Messer die Haut abschälen.

Achtet darauf, dass ihr mit dem Ausstecher nicht zu tief in die Räbenwand stecht. Wenn ihr keinen Linolschnitzer zur Hand habt, dann könnt ihr ein spitzes Schnitzmesser kindersicher machen, indem ihr die Klinge, bis ca. 1cm vor die Spitze dick mit Klebeband umwickelt.

→ Bitte schnitzt zusammen mit euren (kleinen) Kindern und führt deren Hände, damit sie sich nicht verletzen.

Wenn ihr eure Räbe verziert habt, beginnt ihr, mit dem Aushöhler oder dem Löffel die Räbe auszuhöhlen. Die Wand sollte ca 1/2 cm dick sein. Am einfachsten geht dies, wenn ihr von der Mitte aus zum Rand aushöhlt und von aussen immer wieder tastend spürt, wie dick die Rübenwände noch sind. Achtet darauf, dass die Wände nicht zu dünn werden, ansonsten fällt die Räbe in sich zusammen. Falls ihr unsicher seid, ob ihr schon genug ausgehöhlt habt, haltet die Räbe gegen eine Lichtquelle. Schimmert das Licht durch, hat das Aushöhlen ein Ende.

Höhlt für das Teelicht eine kleine Kuhle aus, damit sich die Kerze nicht verschiebt.

Beim Aushöhlen können die Kinder gut mithelfen. Es braucht ein bisschen Kraft und auch ein bisschen Geduld. Aber wenn man dabei gemeinsam schon mal die Laternenlieder singt, geht das Werken ganz leicht von der Hand.

Ganz traditionell sind an den geschnitzten Lichtern Schüre befestigt, an denen die Kinder die Räbe tragen. Damit die Kinder aber ihre Räbe und das Kerzenlicht auch gut sehen können, habe ich oft, statt Schnüre und Teelicht, eine Stabkerze verwendet. Zudem mag ich es so gerne, wenn das warme Licht die Kindergesichter erleuchtet.

Ich habe euch hier beide Optionen erklärt und bebildert, vielleicht probiert ihr dieses Jahr die eine und nächstes Jahr die andere Möglichkeit aus….

Für die Teelichtoption mit den Schnüren

Bohrt ca. 2cm vom Räbenrand drei Löcher mit dem Holzspiess, durch die ihr die Schnüre durchfädelt. Macht die Schüre nur so lange, dass die Rübe nicht am Boden schleift, wenn das Kind mal seinen Arm hängen lässt… Also kurze Schnüre. Den Rübendeckel könnt ihr ebenfalls verzieren und ein Loch in der Mitte anbringen, damit die Wärme der Kerze entweichen kann. Den Deckel fädelt ihr ebenfalls auf.

Die Räben könnt ihr, wenn ihr wollt, auch an einem Holzstab befestigen. Wird bissl schwerer zum Tragen für die Kinder, aber wenn die Räbe schön klein ist, dann ist dies eine Möglichkeit.

Für die Option mit der Stabkerze

Bohrt in der Mitte der Räbenunterseite ein Loch, durch das ihr die Stabkerze stossen könnt.

Wichtig: Das Loch muss ganz knapp ausfallen und die Stabkerze muss schwer durch das Loch durchgedreht werden können, ansonsten wackelt die Räbe an der Kerze.
Dieser Schritt ist der kniffligste von allen, und es kann tatsächlich passieren, dass das Loch mal zu gross gerät. Dann umwickelt ihr die Stabkerze so oft mit Aluminiumfolie, bis sie dick genug ist und wackelfrei in die Räbe passt. Sieht nicht superschön aus, aber erfüllt den Zweck… Und gar rein niemand sieht das in der Nacht!

Achtet bei den Stabkerzen stets darauf, dass die Flamme der Kerze nicht über den Räbenrand züngelt. Sobald die Kerze bis runter zur Räbe abgebrannt ist, könnt ihr die Kerze wie eine Schraube wieder ein kleines Stück nach oben drehen.

Nun sind eure Lichter fertig. Bevor ihr auf den Weg geht, beachtet bitte noch folgendes:

– Es hilft, wenn man mit den Kindern eine Proberunde bei Tageslicht macht und ihnen zeigt, wie man mit den Lichtern herumgeht. Die Räben an den Schnüren sollen nicht zu sehr baumeln. Die Räben mit den Stabkerzen sollen gerade gehalten werden, und es ist genug Entfernung zur Nasenspitze gefragt. Das ist nicht schwierig, aber gut, wenn man die Kinder darauf aufmerksam macht und sie die Möglichkeit haben, bei Tageslicht auszuprobieren.
– In der Nacht tendieren wir dazu, schneller zu gehen, statt langsam zu schreiten. Mit dem Räbenliechtli in der Hand soll man jedoch langsam gehen, Schritt für Schritt, sogar fast schon stolzieren. Dabei hilft es, wenn ihr die Laternenlieder bewusst langsam singt und euer Schritttempo dem Rhythmus der Gesänge anpasst. Wer langsamer geht, kann den Umzug länger geniessen.
– Zieht Kindern mit langen Haaren eine Mütze auf oder bindet die Haare gut zurück. Achtet darauf, dass Bändel und Kordeln an Jacken und Mänteln nicht in die Flamme geraten.
– Bitte begleitet und beaufsichtigt euer Kind, wenn es mit dem Räbenliechtli herumgeht. Helft dem Kind auch draussen, die Räbe aufrecht und in genügend Abstand zum Gesicht und zu anderen Kindern zu halten und führt es an der Hand, damit es in der Dunkelheit nicht hinfällt. In der Nacht draussen zu sein, selber ein Kerzenlicht in den Händen zu halten, die eigene Stimme in der Stille zu hören, die Geräusche und Düfte wahrzunehmen, ist so stimmungs- und geheimnisvoll, dass die Kinder manchmal einfach vergessen, auf ihr Licht zu achten.

Nach dem Umzug stellen oder hängen die Familien ihre Räbenliechtlis vor die Haustüre, auf den Balkon, in die Gärten oder auf die Fensterbretter. Falls ihr eine Stabkerzenräbe gefertigt habt, entfernt die Stabkerze und stellt stattdessen ein Teelicht in die Räbe. Die Räbe kann so lange beleuchtet werden, bis sie schrumpelig und immer kleiner und kleiner wird. Irgendwann ist die Rübe ganz winzig und getrocknet,  dann übergibt man sie dankbar dem Kompost.

Das ausgehöhlte Räbenfleisch kann zu Suppe oder Püree verarbeitet werden. Ich habe im Kindergarten vor Jahren Suppe aus den Räbenresten gekocht. Die Kinder fanden sie voll BÄÄK… Aber einmal BÄÄK muss ja nicht immer BÄÄK, finde ich.
Ansonsten lässt sich das Räbenfleisch auch kompostieren.

Ich wünsche euch viel Freude, viel Licht und stimmungsvolle, innige Momente mit euren Kindern.

Habts fein und warm und ganz wunderbar.
Alles Liebe, Sandra

 

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9 thoughts on “RÄBELIECHTLI ODER RÜBENLICHTER // DIY

  1. Von den Räben weiß ich von meinen Enkeln, die in Züri leben und dort den Martinszug hier in Köln vermissen – da scheint ihr was gemeinsam zu haben.
    Und ich vermisse inzwischen alle meine 7 Enkel, die nicht mehr hier bei uns in Köln leben und mit denen ich früher das Martinsfest gefeiert habe.
    Ich würde mich freuen, wenn du diesen Post mit meiner Linkparty zum Thema Feuer verlinken würdest…
    Liebe Grüße
    Astrid

    1. Liebe Astrid, danke dir, das mache ich sehr, sehr gerne. Ich finde St.Martin auch ein ganz wundervolles Fest und ich freue mich riesig, mit den Kindern am Freitag mit den Laternen durch die Nacht zu gehen. Nacht und Kerzenschein hat einfach was zauberhaftes.
      Alles Liebe dir nach Köln und deinen Enkeln nach Zürich.
      Herzlich, Sandra

  2. oh..
    wie schön ist das..
    hier bei uns gibt es auch die "feurigenMänner"
    dsa sind Zucker oder Futterrüben die ausgehölt und mit Augen versehen werden wie die Kürbisse
    aber die tragen meist die großen Jungen

    liebe Grüße
    Rosi

  3. Oh wie schön, eine klitzekleine Wehmut erfasst mich! Danke für deinen schönen Räbenbeitrag. Bei Gelegenheit erzähle ich dir noch eine wunderlustige Räbengeschichte, zum kugeln 🙂 Herzlich aus der dunklen Nacht, Carmela

    1. Liebe Carmela, ja, gell, die Räbenliechtlis… Schöner geht fast nimmer. Ich bin gespannt auf deine Geschichte und schicke wunderbarste Herbstgrüsse aus Wien.
      Umarmung, Sandra

    1. Oh, dann freut es mich um so mehr, dass ich dir was ganz Neues zeigen konnte. Danke für deine lieben Worte.
      Einen wunderschönen Martinstag und alles Liebe.
      Sandra

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