MonatAugust 2017

SCHULTÜTE OHNE KLIMBIM

 

Mein Schülerinnenleben hat ganz ohne Schultüte begonnen. Ich ging mit meinem roten Ranzen durch den Schnee, that’s it. Schultüte gabs damals bei uns in der Schweiz nämlich nicht, das war so ein deutsches Dings. Auch der Lehrer meines Sohnes meinte am Informationsabend, dass Schultüten nicht nötig sind, weil ja der Schulbeginn mit allem drum und dran genug Erlebnis ist. Und ja, er hat vollkommen recht, finde ich. Aber was ist zu tun, wenn sich das Kind hauptsächlich wegen dieser Tüte auf den Schulbeginn freut? Eben. Weiterlesen„SCHULTÜTE OHNE KLIMBIM“

BÄRENSTARK UND VOGELFREI (DUFTKISSEN DIY)

     
Als mein Sohn vor drei Jahren in den Kinderdgarten kam, waren wir erst ein paar Tage zuvor von Berlin nach Wien gezogen. Unsere Sachen lagerten noch im Container in Berlin, denn wir hatten hier noch keine eigene Bleibe. Unsere Kleine war erst drei Monate alt, und ich versuchte, mir in dieser Stadt so schnell es ging einen Überblick über das Wichtigste zu schaffen (Spielplätze, Kinderarzt, Lebensmittelgeschäfte…). Wir kannten niemanden, und obschon wir UNS hatten und vertrauensvoll in die Zukunft blickten, war doch alles sehr chaotisch und ab und zu viel zu aufregend. 

Ich kann mich erinnern, wie ich für meinen Grossen aus einem alten T-Shirt von mir und geklautem gepflücktem Lavendel aus dem Nachbarsgarten ein kleines Lavendelsäckchen nähte. Dies steckte ich in seine Tasche mit den Ersatzkleidern, die an den Garderobenplatz im Kindergarten gehängt wurde. Ich dachte, dass es schön ist, wenn die Kleider, die er aus der Tasche nimmt, nach „zu Hause“ riechen. Ich stellte mir vor, dass es mein Kind in Wärme und Liebe hüllen würde, wenn er das Lavendelsäckchen aus der Tasche nahm und daran roch. Und all die liebevollen Gedanken und Vorbereitungen gaben mir das Gefühl der Leichtigkeit und gleichzeitig des Geerdet-Seins in einer abenteuerlichen Zeit.
Heute, drei Jahre später, leben wir in einem sonnengelben Haus mit vielen Familien und zahlreichen Kinder. Wir haben liebe Freunde um uns herum, ich kenne meine Wege (ok, ganz ohne Navi bin ich verloren, aber in meinem Gräzel kenn ich mich aus), unser Chaos ist mehr oder weniger durchschaubar. Wir sind angekommen.
Unser Grosser kommt in ein paar Tagen in die erste Klasse und ist voller Freude, Stolz und Spannung. Ein grosser, einmaliger Schritt für uns alle. Und ich? Ich nähe ein Säckchen für mein Kind. Ein Säckchen für die Schultasche. Ein bisschen Duft von „ZU HAUSE“, der ihn umhüllt, wenn er sein Pausenbrot aus der Tasche nimmt oder die Stifte verräumt.

Der Lavendel, der beruhigt und Seelenkraft verleiht, ist diesmal ganz legal von unserem Balkon. Er wird begleitet von Ringelblumen aus dem Garten, die das Gemüt in Sonne tauchen und innere Ruhe und wohlige Wärme schenken. Mit dabei sind Rosenblättchen, die das Herz erfreuen und wenn es mal sein sollte, auch trösten. Dazu kommt noch ein bisschen Thymian für Mut, Stärke und Tapferkeit sowie Johanniskraut für die innere Ruhe. Im zauberhaften Kräuterlädchen in Wien wurde ich kompetent und freundlich beraten. Eine Freude ist es, dort einzukaufen.

Für die Säckchen habe ich Stoffstücke von 10 x 10 cm zusammen genäht. Die Kinder haben die Kräuter gemischt und ihre Säckchen für sich und ihre Freunde gleich selber befüllt. Mit Blüten und Kräutern, viel Freude und liebevollen Gedanken. Und sollte es einmal sein, dass einem der Mut verlässt oder man sich nicht verstanden fühlt, dann kann man sein Säckchen aus der Schultasche kramen, daran riechen und dann: Fühlt man sich bärenstark und vogelfrei. Versprochen.

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ACH LIKE MICH DOCH!

 

Auf der Suche nach dem K(l)ick!

Gemocht werden ist was Gutes. Ich kann mich erinnern, wie ich und meine Freundin früher auf dem Pausenplatz aufgesehen haben zu den Megacoolen der Schule. Die mit den unzähligen Freunden, die von allen bewundert und angehimmelt wurden, weil sie schön waren oder besonders frech, stark, sportlich, stylisch oder einfach ein bisschen älter als die anderen (ob die ein paar mal sitzengeblieben waren und deshalb älter waren als alle, spielte keine Rolle, man sah trotzdem zu denen auf). 
„Damals“ war es in Mode, diese schwarzweissen Automaten-Passfotos von sich im Portemonnaie mitzutragen und bei Nachfrage zu tauschen. Je mehr Bilder getauscht wurden, desto grösser das Interesse der anderen, desto höher die Nachfrage, desto dicker der Geldbeutel, desto mehr Fotos, sprich mehr „Freunde“. Und obwohl es eigentlich ein bisschen egal war, ob die Freunde im Geldbeutel wirklich richtige, wahre, innige Freunde waren oder nur „Verdickungsmittel“ – ganz stressfrei war sie für mich nicht, diese Sammlerei. Denn wenn man nämlich nicht nach einem Foto gefragt wurde oder einem eines verwehrt wurde, weil man eben nicht so zu den gefragten Coolen gehörte, war die Stimmung mehr oder weniger im Keller. Herzen wurden gebrochen, Fotos zurückgegeben, zerrissen oder weiterverschenkt, beweint, bewacht, vergöttert… Hach.
Damals ist lange her, die Hormone machten, was sie machten und Jahre später (die Hormone machen wieder, was sie machen…) denkt man darüber nach, lacht, schüttelt ein bisschen den Kopf und merkt dann plötzlich, dass heute eigentlich immer noch 1988 ist. Freunde, Abonnenten, Follower werden gesammelt, auf Facebook, auf den vielen Blogs, auf Instagram, Twitter, einfach ÜBERALL:

„Hey Leute, bald habe ich 9000 Follower!!! Da geht doch noch was, das schaffen wir doch bis zum Weekend! Los, teilt mich, klickt mich, liked mich, yeah!“ 

Als ich erfahren habe, dass man sich auf Facebook gleich auch die „Freunde“ kaufen kann, habe ich zuerst gelacht, dann sicherheitshalber mal meinen Liebsten gefragt, ob das ein Scherz ist oder was. Kein Scherz.
Man kann seine Beiträge kostenpflichtig bewerben, um an mehr Leser zu gelangen, um mehr Klicks zu generieren, um vielleicht noch ein paar Follower zu erhaschen, um vielleicht noch ne geile Kooperation an Land zu ziehen. Ich bin noch nicht lange bei Facebook, und ehrlich gesagt hab ich keene Ahnung von allem. Bis vor drei Jahren habe ich nämlich noch behauptet, dass ich, wenn ich wissen wollte, wie es meinen Freunden geht, anrufen und fragen würde… Und jetzt das.
Auf Instagram überschwemmt einem die Bilderflut von happy families. Bildschöne,  top-frisierte, überglückliche Mamas in aufgeräumten Design-Küchen präsentieren ihre eben schnell mit links frisch gebackenen, veganen, nuss- und palmölfreien Chia-Leckerlis mit Zutaten aus dem eigenen Biogarten. Superfood-Detox-Smoothies werden von strahlenden Menschen gemixt, Models fragen ihre Anhänger: Ein drittes Kind? Ja oder nein? (Ich würde raten: frag mal deinen Mann…) Und überall sieht man hübsche, adrett angezogene Kinder in ihren durchgestylten, AUFGERÄUMTEN Kinderzimmern. Harmonische Bildfolgen mit den immer gleichen Filtern. Nichts wird übersehen, an alles wird gedacht, alles ist ein bisschen imperfekt, damit es eben perfekt rüberkommt, von tausenden von Abonnenten verfolgt. Ein dicker, viraler Geldbeutel.

Zugegeben, ich mag diese aufgeräumten Bilder sehr, und ginge es nach mir alleine, wäre bei uns zu Hause auch mehr Ordnung. Aber bei uns ist nun mal leider viel zu oft mehr Life als Style. Auch mit Filter. Dagegen anzukämpfen ist mir zu anstrengend, und ich habe eigentlich ein bisschen aufgegeben.
Mein Blog ist jung und klein, und ich als Greenhorn-Bloggerin habe keinerlei Druck. Mit voller Hose lässt sich gut stinken, sozusagen. Ich schreibe freischnauze, muss davon nicht leben, niemandem Klicks oder Geschäfte bescheren – und deshalb bin ich frei. Wenn ich an einem Tag meine Leser an einer Hand abzählen kann, dann weiss ich, dass mein Papa, meine Mama, meine frühere Nachbarin und meine Freundin aus der Schweiz meinen Post gelesen haben und freue mich, dass mein Geschriebenes gesehen wird. Zugegeben, manchmal, wenn ich viele Leser hatte, dann fuchst es mich ein bisschen, wenn am Tag danach „nur“ noch weniger Gäste auf meiner Seite waren. Und, obschon ich mich entschieden habe, dass es mir Wurst ist, wieviele „Follower“ ich habe, kommt es dann, das alte, hinterhältige Ego, das mich zum Sammeln anstachelt: mehr, mehr! Ja, ich werde gerne gemocht, werde gerne gelesen, weil ich das, was ich tue, mit Herz und Freude, Zeit und Liebe mache. Und wenn mir jemand schreibt, dass sie/er mein Geschriebenes mag, dann geht mir ein bisschen das Herz auf und ich freue mich und natürlich motiviert es mich auch.
Letzthin hat ein „cooles Unternehmen“ Blogger für eine Kooperation gesucht. Voraussetzung: 1000 Follower und mehr. Das sind viele, dachte ich und habe  darauf mal gekiebitzt, wieviele Follower ich denn so habe. Ich wusste nicht gleich, wo in meinen Statistiken ich das nachsehen kann, aber als ich das Kästchen mit meinen Abonnenten fand stand da: 50. Nicht 50 Tausend, ich meine fünf null.

„Hey Leute, ich brauch nur noch 950 Follower!!! Da geht doch noch was, das schaffen wir doch bis zum Weekend! Los, teilt mich, klickt mich, liked mich, yeah!“

EINMAL NASE IM WIND UND WIEDER ZURÜCK…

Wir waren nämlich unterwegs. Einen Monat lang sind wir durch Spanien getingelt und das war sehr fein. Das erste Mal war die ganze Lieblingsbande im Camper unterwegs auf Entdeckungsreise. Schön war’s, unvergesslich, eindrücklich, gemütlich, abenteuerlich, manchmal auch anstrengend, aber immer aufregend und lustig und vor allem war es innig und nah.

 
Angedacht war, von Barcelona nach Santiago de Compostela zu reisen, dann zurück nach Barcelona zu tuckern, um noch ein paar Tage auf Mallorca zu verbringen. 
Vor Ort haben wir ziemlich schnell gemerkt, dass unsere Reisepläne grösser waren als es unser Zeitplan erlaubte, dass sich unsere Kinder natürlich viel lieber draussen in der Natur herumtrieben als im fahrenden Wagen zu sitzen, und dass wir Zeit und Musse haben wollten, um einzutauchen in den Camperalltag. Und so haben wir Santiago auf „das nächste Mal“ verschoben. 
Unter uns: ich bin nicht so die Reisebericht-Leserin. Solche Texte überfliege ich gerne und bleibe lieber bei den Fotos hängen. Deshalb möchte ich gerne Bilder  unserer Reise, Impressionen vom Camperleben und unseren Eindrücken aus Spanien mit euch teilen. Einen Monat lang, jeden Tag ein Bild auf Instagram.

Über den Link https://www.instagram.com/frau_lieblingsbande/ kannst du unseren Nomaden-Alltag nachverfolgen. Ich freue mich, wenn du reinschaust, und strecke dann mal in Gedanken genüsslich meine Nase in den Wind.