MonatOktober 2017

GESPENSTERDEKO SCHWUPDIWUP (DIY)

   
HERE COMES HALLOWEEN

Halloween kommt meist überraschend. Letztes Jahr hat der Grosse am Nachmittag des 31. bemerkt, dass am Abend Halloween ist und nein, wir haben uns nicht lumpen lassen. Her mit den Papiertaschentüchern und dem schwarzen Filzer und los gings mit der Türschmuckdeko und den „verkleideten“ Lollies für die Hexen, Vampire und Monster vor der Türe. 

Zum Glück habe ich ein Handwerkerkind und so ging es heiter, lustig und flott an die Gespensterschar. Heuer haben wir vorgesorgt: Wir lesen zusammen „das kleine Gespenst “ von Otfried Preussler und haben aus Stoffresten, Wolle und ein paar Ringschrauben kleine Gespenstermarionetten gewerkelt. Wie immer einfach, um mit Kindern anzufertigen und toll zum Spielen. So gehen bei uns also schon seit einigen Tagen die Gespenster um und rasseln mit ihren Schlüsseln. Boohoo!
Anleitung für die Marionetten: 
– Ihr braucht ein Stück Stoff (Gardine, Mullwindel, auch ein altes, dünnes Küchentuch oder Duvet passt perfekt), mehr oder weniger in ein Quadrat geschnitten 
– Garn
– Wollnadel
– Schafwolle oder etwas Watte
– ein kleiner Schlüsselring
– ein paar kleine Ringschrauben als Schlüssel
– eine Schere
– ein Schaschlik-Spiess, die Spitze bitte unbedingt abgeschnitten, dass sich niemand verletzt!
– Filzer, wenn möglich wasserfest 
– Schneidet aus dem Stoff ein quadratisches (ungefähr quadratisch… wir sprechen hier von Gespenstern, da darf es auch ein bisschen schief sein, würd ich meinen) Stück.
– Macht aus der Schafwolle, der Watte oder Stoffrestchen eine „Kugel“ für den Kopf, legt diese in die Mitte des Stoffes und umwickelt sie mit dem Garn. Die Kopfform könnt ihr später noch zurechtdrücken.
– Legt das Gespenst in einem Dreieck vor euch hin. Nun werden an den beiden äusseren Enden mit der Schafwolle die Hände abgebunden.
– Ein Gespenst! Kleine Kinder können jetzt bereits damit spielen, für die Grösseren können nun die Schnüre für die Marionette durch Kopf (ja, AUA! Geht aber vorbei, der Schmerz…) und die beiden Hände gezogen werden.
  
– Gebt die kleinen Ringschrauben auf den Schlüsselring und fädelt diesen dann auf den Garnfaden der einen Hand
– Bindet alle drei Fäden in gewünschter Länge auf den Holz-Spiess und verknotet diese fest. Wenn ihr wollt, könnt ihr an die Enden des Spiesses noch Holzperlen aufstecken und ankleben, damit die Enden schön „versäubert“ sind. 
– Zeichnet eurem Gespenst ein Gesicht auf. Mit den Malblöcken haben wir noch Wangen aufgemalt. 
Und schon ist das kleine Gespenst bereit zum Ausfliegen. Viel Spass BOOHOO!
Die 10 Minuten Gespenster-Türdeko: 
Für alle, die eben erst erfahren haben, dass Halloween stattfindet…
Ihr braucht dafür:
– Kleenex, Papiertaschentücher, oder weisse Stoffreste.
– Faden
– dünner Filzer
– Schafwolle oder Watte, um die Köpfe zu stopfen.
Die Gespenster werden genau so gemacht, wie die Marionetten, einfach ohne Hände. 
Schafwolle zu einer kleinen Kugel formen, in die Mitte des Taschentuches legen und „einpacken“. Mit dem Faden umwickeln, dann Gesichter aufmalen und den Faden von unten durch den Kopf ziehen. Aufhängen. Fertig.

Süsses für die Rabauken:
Die ganze Süsskrameinsammelei an Halloween finde ich überflüssig und geht mir auf den Nerv. Das muss hier einfach auch mal gesagt sein. Losziehen und sackweise Zuckertrash nach Hause zu schleppen finde ich so überflüssig wie die süsskramgefüllten Mitgebsel-Säckchen an den Kindergeburtstagen. Aber gut, würde ich den Kindern an Halloween Karotten- und Gurkensticks anbieten, wäre mir die Auszeichnung der „greatest Partybremse ever“ sicher. 
So habe ich letztes Jahr Lutscher gekauft und diese mit meinen Kindern zu Gespenstern „verpackt“. Die Hexen und Vampire vor unserer Türe waren überrascht und erfreut über die süssen Gespenster und zogen zufrieden weiter. Und der schwache Trost für mich: das Zuckerzeug war wenigstens liebevoll verpackt.
Die Lutscher sind einfach und schnell aufgehübscht. Ihr braucht:
– Taschentücher
– ein schwarzer Filzer
– Faden
– wenn möglich runde Schleckstengel, Lollies, Lutscher oder Schleckis
    
Papiertaschentuch um den Schlecki binden, mit dem schwarzen Filzer die Gespenstergesichter aufzeichnen, fertig.
Na dann, auf ein lustiges, gruseliges Halloween. Alles Liebe und passt auf euch auf, wenn die Gespenster kommen…

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GRUSELN FÜR ANFÄNGER (MIT OTFRIED PREUSSLER)

   

Gespenster durch die Strassen ziehen…

Es ist ja nicht jedermanns Sache, das Ding mit Halloween. Hätte ich keine Kinder, ich würde es glatt vergessen. Und zwar genau so lange, bis die vielen Nachbarskinder angeboohoot kämen und ich jedes einzelne mit einem Stückchen dunkler Schokolade (80%) abspeisen müsste, denn mehr Kindertaugliches wäre dann vermutlich nicht im Haus. Nun habe ich aber zwei zauberhafte Kinder und Halloween (im letzten Jahr beinahe vergessen…) dieses Jahr voll auf dem Radar. Wenn auch mehr wegen der Nachbarskinder, als wegen meinen Lütten, denn meine sind eher nicht so die Typen, die ausziehen, das Fürchten zu lehren. Und so stellt sich uns die Frage: 

Was wäre, wenn Halloween auf der Strasse stehen würde und wir gingen einfach nicht raus, weil es uns nicht nach blutunterlaufenen Vampiraugen und Gruselhexen im Dunkeln ist? 
Nur weil es ist, wie es ist, muss es für uns noch lange nicht so sein. 

Natürlich bereiten wir uns vor auf diesen Abend. Wir schmücken unsere Haustüre, sodass die Gespenster und Rabauken wissen, wo es was zu holen gibt. Sie sollen kommen, rufen, heulen, klopfen, denn wir freuen uns auf sie. Aber mit ihnen durch die Nacht ziehen, nö. Das dann doch lieber nicht. Wir machen es uns drinnen an der Wärme bei Kerzenschein extra ganz fein, kuscheln uns zusammen und schlagen dann ein Buch auf. Das Buch vom kleinen Gespenst, von Otfried Preussler. 

Eine spannende, liebevolle und perfekte Gespenstergeschichte für einen Halloween-Abend für Angsthasen kleine Kinder. 
Das kleine Gespenst würde die Welt so gerne mal bei Tag sehen und wünscht sich nichts sehnlicher, als bis zum Morgen wach zu bleiben. Was anfangs nicht gelingen will, wird irgendwann wahr. So wird das kleine weisse Nachtgespenst zu einem kleinen schwarzen Taggespenst und sorgt bei den Einwohnern des kleinen Städtchen Eulenberg für ganz schön viel Aufregung. Eine lustige, manchmal sogar ein bisschen unheimliche, freche und phantastische Geschichte, die mich an meine Kindheit erinnert. 
Das perfekte Alternativprogramm für alle, die noch nicht so mittendrin sind in dem ganzen Halloweentrallalla und die mit dem Gruselkram noch ein bisschen warten können. 

Ich wünsche euch allen ein gespenstisches, gemütliches und stimmungsvolles Fest. 
BOOHOO, eure Hallowiener.

BLÄTTERKRANZ (DIY)

Durch den Herbst zu spazieren, ohne dabei Blätter zu sammeln, gelingt uns nie und nimmer. Der Kindergarten-Nachhauseweg führt uns durch den Park, in dem uralte Bäume stehen, die uns tagtäglich einen raschelnden Blätterteppich unter unsere Füsse zaubern. Blätterstrauss um Blätterstrauss tragen wir nach Hause. Und dann? Aus den grossen Blättern fertigen wir Herbstkronen oder legen diese auf unseren Jahreszeitentisch. Bleiben noch viele übrig für unseren Herbstkranz.
Für einen Kranz baucht ihr Schnur und eine dicke Nadel, ein bisschen Geduld und Zeit. 
Fädelt die Schnur in die Nadel, macht am Ende der Schnur einen dicken Knoten. Beginnt dann, jedes einzelne Herbstblatt aufzuziehen. 
Auffädeln, mit dem warmen Duft der Herbstblätter in der Nase, ist eine wunderschöne Tätigkeit, die gerne von Kindern ausgeübt wird. Sie ist eine sinnvolle, sinnliche Erfahrung für die Feinmotorik und bietet Gelegenheit, in der Ruhe des Tuns zu plaudern, zu singen, Geschichten zu erzählen und Zeit zusammen zu verbringen.

Das ist alles. Und mehr braucht es nicht.
Geniesst den Herbst, er ist ganz wundervoll.

HERBSTLICHES MARRONIMUFFIN-REZEPT (GLUTENFREI)


Herbstzeit ist Marronizeit und Lieblingszeit!
Der Geschmack der Marronis erinnert mich immer an meine Kindheit. Im Süden der Schweiz, im Tessin, findet man nämlich ganz viele Edelkastanien-Bäume. Viele Jahre galt dort die Kastanie als Grundnahrungsmittel, und die Familien waren im Winter auf eine gute Ernte angewiesen. Werden die Marronis getrocknet, können sie haltbar gemacht oder zu Mehl weiterverarbeitet werden. Eine Tessiner Marroniverkäuferin in Berlin hat mir einmal versichert, dass man ganz gesund bleibt, wenn man jeden Tag Marronis isst (und ein bisschen bin ich froh, hat sie keine Fitnessabos verkauft…).

Längst ist die Baumfrucht nicht mehr das „Brot der Armen“. Für mich, als Zöliakistin, ist sie ein wunderbar schmackhafter und gesunder Ersatz zu glutenhaltigen Nahrungsmitteln. Weiterlesen„HERBSTLICHES MARRONIMUFFIN-REZEPT (GLUTENFREI)“

HERBSTMÄUSCHEN FILZEN DIY

   

Zehn kleine Mäusekinder lauern im Versteck
(Hände hinter dem Rücken verstecken)
Zehn kleine Mäusekinder werden plötzlich keck
(Hände kommen hinter dem Rücken vor, Finger bewegen sich)
Zehn kleine Mäusekinder springen hin und her
(Hände mit zappelnden Fingern hin und her bewegen)
Zehn kleine Mäusekinder finden das nicht schwer
(„)
Zehn kleine Mäusekinder tanzen ringsherum
(mit den Zappelfingerhänden einen grossen Kreis machen)
Zehn kleine Mäusekinder finden das nicht dumm
(„)
Da kommt die Katz, was für ein Schreck
und alle Mäuschen laufen weg.
(Beide Hände ganz schnell wieder hinter dem Rücken verstecken)

Unserer Nachbarin hatte Mäusebesuch bei sich zu Hause. Hungriger Mäusebesuch, der eigentlich nicht geladen war. Und es war eine grosse Aufregung, bis sie die ganze Mausfamilie wieder da hingebracht hatte, wo sie eigentlich hingehören. Nach draussen. Meine Kinder haben sich die Mäusebande in der Wohnung süss und lustig vorgestellt, so dass sie nicht mehr aufhören konnten, von eigenen Mäuschen zu träumen. Das wärs gewesen, ein Haus voller Mäuse. Auch für unsere Katze eine wahrlich traumhafte Vorstellung. Nur ich wollte lieber nicht… Und so musste halt eine gefilzte Alternative her. Und die sind auch sehr süss und nicht so hungrig. Die perfekten Haustiere, eigentlich.

Nass-Filzen mit Kindern ist sinnlich und lustig und gemütlich und schön. Das Werkeln mit der Wolle im warmen Seifenwasser hat etwas Beruhigendes, fast schon Meditatives und ist doch sehr anregend. Eine wunderschöne Tätigkeit, genau richtig für einen gemeinsamen Herbstnachmittag draussen im Garten oder einen verregneten Nachmittag drinnen in der warmen Küche.

Alles was ihr braucht, um ein Mäuschen zu filzen:

– Eine Handvoll Filzwolle/Vlieswolle in der Farbe eurer Wahl

– Becken
– Krug mit warmem Wasser
– eine Handseife (Schafmilch- oder Olivenölseife)
– ein altes Handtuch
– ein Stein (in Mäuschengrösse)
– ein Becher, gefüllt mit einem Schluck Essig und Wasser

Für die „Feinarbeit“:
– Nadel und Faden
– zwei kleine Perlen für die Augen (alternativ könnt ihr die Augen auch aufsticken)
– ein Stückchen Filz in der Farbe eurer Wahl
– eine Schere

Zupft die Schafwolle in fünf Stränge und umwickelt euren Stein mit vier davon. Bitte schaut darauf, dass ihr jeden Strang im Kreuz wickelt. Das heisst, jeder Wollstrang wird in einer anderen Richtung gewickelt; längs, quer und an der kurzen Seite… (der fünfte Strang wird das Mäuseschwänzchen, muss also noch warten.)

Ist der Stein weich eingehüllt, gehts ab mit ihm zum warmen Wasser. Gerne könnt ihr mit einer Reibe ein bisschen Seife in das Wasserbad reiben, oder aber ihr lasst die Kinder mit den Händen ein Seifenbad machen. Achtet darauf, dass das Wasser immer warm ist. So warm wie möglich, aber nicht zu heiss für die Kinderhände. 

Zu Beginn des Filzens achtet darauf, dass der Wollstein nicht zu nass wird. Dabei brauchen kleinere Kinder eventuell eure Hilfe, denn zu Beginn darf der Stein nur mit nassen, seifigen Händen gedrückt werden. Ähnlich, wie wenn ihr einen Schneeball formt. Die Seife und das warme Wasser lassen die Wollfasern langsam ineinander verfilzen und ihr spürt, wenn die Wolle fester und kompakter wird. Ist dem so, können die Kinder beginnen, ihre Mäuschensteine zu reiben, zu streicheln und zu drücken. Natürlich immer mit viel warmem Wasser und viel Seife, wie es sich gehört! Ihr könnt die Wollsteine zum verfilzen auch über eine Luftpolsterfolie reiben. 

Ja, gut Ding will Weile haben, denn nun muss der Mäusepelz richtig gut festgefilzt werden. Singt dazu, erzählt euch Mäusegeschichten, macht Schaum und spielt mit den Mäusen im Mäuseschaumbad.
Währenddem eure Kinder die Steine umfilzen, könnt ihr schon mal mit dem letzten Wollstrang den Mäuseschwanz herstellen. Schaut dabei darauf, dass der Schwanz nicht zu dünn wird. Nehmt den Wollstrang und zieht ihn etwas auseinander. Wässert die Wolle mit dem Seifenwasser nun leicht und rollt die Form so aus. Wenn der Strang zu nass ist, ist es schwierig, eine Rolle zu formen. Wenn der Mäuseschwanz seine Form angenommen hat, reibt sie zwischen euren seifigen Händen. Ist die Wolle fest geworden, können die Kinder diese auf der Noppenfolie noch gut von der Mitte aus ausrollen. So, wie bei einem Brotteig. Dann ist der Mäuseschwanz fertig. 
Sind Maus und Schwanz gefilzt, spült ihr sie mit reichlich klarem Wasser aus, legt sie dann ins Essigbad, um die Seifenreste zu neutralisieren und danach auf ein Tuch zum trocknen.

Wir haben aus grauem und rosa Filz je zwei Ohren ausgeschnitten und diese, zwei Perlenaugen und den Schwanz, an den Mäusekörper genäht. 
Und nun sitzen die zwei gemütlich auf unserem Jahreszeitentisch, werden immer wieder zum Spielen abgeholt oder erzählen unserer Katze ein paar Mäusewitze. Kennste den: Sitzt ne alte Katze aufm Sofa… 

 
verlinkt mit naturkinder / freutag / createinaustria / creadienstag / HoT

DAS VERPLANTE KIND

       

„Und wir spielten und spielten und spielten, so daß es das reine Wunder ist, daß wir uns nicht totgespielt haben.“ 

Aus: „Das entschwundene Land“ von Astrid Lingdren
Ich habe in Berlin für ein paar Monate als Yogalehrerin in einer Privatschule Kinderyoga unterrichtet. In einer Randstunde. Und ein bisschen war es für mich, als wäre ich eine sinnvolle Übergangslösung in Leggings. 
In der ersten Stunde kam ein Junge zu mir und meinte: „Ich wollte ja zum Fussball und nicht zum Yoga, aber meine Mutter bestand darauf, denn ich kann mich so schlecht konzentrieren.“ Ja dann, namaste. Ein anderer Junge kam im weissen Judodress… Scheisse! Yoga und Judo verwechselt! Tja, aber wenn du schon mal da bist: komm rein. Ein Mädchen kam und sagte, dass sie Yoga machen wolle, weil sie so schlecht abschalten könne. Schon das Wort „abschalten“ aus dem Mund eines Kindes… Die Mädchen kamen gleich im Ballettkleidchen, denn nach der Yogastunde war noch eine Ballettsession und die Musicalprobe. Und wenn ich mir die Kinder so anschaute, wie sie vom Schachunterricht in die Violinenstunde und von der Physik-Experimentierwerkstatt zur English-Lecture hetzten, dachte ich:

Raus mit euch! An die frische Luft! Auf die Bäume! In die Pfützen! 

Aber gut, wir haben dann geyogt und zum Glück viel gelacht. Aber jedes Mal hat mich die Stunde ein bisschen nachdenklich gestimmt.

Warum verplanen Eltern ihre Kinder? Versteht mich nicht falsch, es ist voll in Ordnung, wenn Kinder im Fussballverein sind oder bei den Pfadfindern mitmachen. Aber falls ihr denkt, dass ihr eurem Kind jeden Nachmittag ein anderes Programm bieten müsst, damit euer Liebstes zu einem gesunden, zufriedenen, intelligenten und erfolgreichen Menschen heranwächst, kann ich euch beruhigen: Nein, kein Kind braucht das. Die Kindheit soll kein Trainingslager sein. 
Eltern wollen das Beste für das Kind. Weil sie nichts verpassen wollen. Das Angebot ist gross, und man will dem Kind ja schliesslich etwas bieten. Denn was, um Himmels willen, wenn man das Talent des Kindes zu spät entdeckt oder nicht adäquat fördert? Stellt euch vor, man verpasst den Schritt zum Mozart, nur weil man rumgedüdelt hat. Blöd, wäre das. Also, schnell ins Auto und los gehts mit dem Herumchauffieren der Kinder. Nachmittag für Nachmittag.
Und schliesslich das Killer-Argument: das Kind will das ja alles selber. Es will Reiten und Klavier spielen und es will in die Theaterwerkstatt, es will tanzen und an die Kinderuni.
Und weil Kunst ja auch sowas tolles ist, besucht man noch das Malatelier, wo das Kind verarbeitet, was es nicht zu verarbeiten hätte, würde man es einfach in Ruhe lassen.
„Mein Kind will das aber alles.“ Ja und sie wollen auch viel Süsses essen, vor der Glotze sitzen, lange aufbleiben, Chips à discrétion knabbern und jeden Tag Geschenke bekommen und natürlich am liebsten an ihrem EIGENEN Tablet rummachen. Von Herzen gerne würden sie das wollen. Aber da sind wir Eltern uns unserer Verantwortung ganz bewusst und sagen: Nein, mein Schatz. Ich glaube dir, dass du dir das alles ganz traumhaft vorstellst. Aber das tut dir nicht gut.
Kinder möchten vieles ausprobieren und haben zu so vielem Lust – und das ist grossartig. Bitte unterstützt diese Lust und Freude und gebt ihnen die Möglichkeiten, dass sie diese Energien umsetzen können; in Freiheit. Geht raus mit den Kindern, schafft Platz und eine Umgebung, die es erlaubt, dass Kinder selbständig spielen können. Kleine Finger können voller Begeisterung auf der Trommel oder dem Topfboden die Tiere Afrikas trommeln oder die Gitarrensaiten zum klingen bringen, ohne dass sie vom allerbesten Musiklehrer der Stadt gefördert werden. Ganz einfach, nur so für sich. Und ja, die Kinder sollen unbedingt tanzen. Im Wohnzimmer oder in der Küche, zu Musik aus der ganzen Welt oder zu selbstgesungenen Liedern. Wild und ausgelassen, zusammen mit euch, im Kreis mit anderen und ruhig auch mal im Tutu das Padödö vom Schwanensö. Das ist so schön und so lustig, so frei und so simpel. Lasst die Kinder Fussball-WM spielen, mit den anderen aus der Strasse, vor dem Haus oder im Garten. Lasst die Kinder Yoga machen und auf der Matte ihre eigenen Asanas und Kunststücke erfinden. Aber lasst sie all das selber tun und selber gestalten. Ohne jemanden im Rücken zu haben, der sagt, wie es gehen würde, aussehen müsste oder eigentlich richtig wäre.
Die Freizeitgestaltung der Kinder ist wichtig und sehr einfach. Wenn die Kinder noch klein sind, dann gestaltet man die Freizeit so, dass die Zeit eben frei ist. 
In meinen Kindergartengruppen gab es Kinder, die so „früh-verfördert“ waren, dass sie nichts mehr zu tun wussten, wenn ihnen niemand Aufgaben erteilte oder sie, wie im Kinderklub, bespielte. Sie hatten keine Zeit zum Spielen, weil ihre Freizeit für Effektivität genutzt wurde. Sie lernten Englisch und E-Gitarre und spielten Golf, aber leider standen sie dann ganz verloren da, wie in einem Vakuum, währenddem sich andere Kindergartenkinder sofort auskannten und freudig ins Tun kamen.
Die einzigste Aufgabe, die ein Kind hat, ist: Spielen und die Welt im Tun und Erleben zu erkunden und zu begreifen. Nicht am Tablet, nein, im Leben! Das freie Spiel ist Seelennahrung und genau so wichtig für die Entwicklung im Leben eines jungen Menschen wie bedingungslose Liebe, Wärme, gesundes Essen oder genügend Schlaf. Im freien Spiel verarbeiten die Kinder Erlebtes, und ihre Phantasie bekommt nirgendwo so grosse Flügel, wie wenn das Kind spielt, denn nur da ist der Ort, an dem alles möglich ist. 
Im Spiel lernen die Kinder alles, was sie fürs Leben brauchen, es bietet eine Vielfalt an lustvollen Sinnes-, Erfahrungs- und Lernmöglichkeiten. Dabei spielt es keine Rolle, ob alleine gespielt wird oder mit anderen Kindern, im Wald oder im Park, ob in der Küche oder im Kinderzimmer, denn spielen kann man (beinahe) überall. Auch mit fast nichts.
Die Aufgabe der Umgebung ist nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren.
Maria Montessori
Vertraut euren Kindern und euch. Habt den Mut, Platz zu schaffen für die Bedürfnisse der Kinder und dann einfach nichts zu arrangieren und stattdessen das Kind seinem natürlichen Spiel und Rhythmus zu überlassen. Wenn das Kind sich nicht gewohnt ist, frei zu Spielen, braucht es vielleicht etwas Zeit, ins Spiel zu kommen. Aber dann werdet ihr staunen, mit wieviel innerer Zufriedenheit und Lebendigkeit euer Kind auftauchen wird. 

Auch die notwendige Langeweile und die Zeit im Lümmelmodus, in dem die genialsten Einfälle für zukünftige Vorhaben wachsen können, darf den Kindern zugemutet werden. Langeweile ist ein Geschenk und eine Brutstätte für Ideen.
Könnt ihr euch erinnern, wie ihr gespielt habt? Euer Lieblingsspiel? Mit den Spielzeugautos stundenlang auf den Mustern des Teppichs herumchauffiert, perfekt eingeparkt und Autorennen gefahren? Euren Puppen liebevoll Brei aus geklauten Rosenblättern aus dem Garten gefüttert? Auf dem Fahrrad eure Runden gedreht und euch vorgestellt, das Rad wäre das Pferd (meins hiess übrigens Silberpfeil) und ihr würdet über die Prärie reiten? Erinnert ihr euch an eure Verstecke und die vielen Geheimnisse mit der liebsten Freundin oder dem liebsten Freund? Wie ihr auf die Bäume geklettert und durch Bäche gewatet seid, immer bereit, neue Abenteuer zu erleben und nie zu müde, was Spannendes auszuhecken? Und weit und breit kein Erwachsener. Ja, ist lange her. Aber wenn wir unsere Kinder beim Spielen betrachten, dann ist es so, als wäre all das eben erst gestern gewesen. Und, hey, das war doch das beste Leben überhaupt!
Ich wünsch euch und euren Kindern alles Liebe und innige Momente. Sandra

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