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STEINSUPPE / BÜCHER SIND LEBENSMITTEL

Wo Menschen sich begegnen, wird geredet und ausgetauscht. Wo Menschen sich begegnen und gemeinsam Feuer machen, wird gleich gewerkelt, ausprobiert, in die Glut gepustet, den Flammen zugesehen, gefachsimpelt und sich aufgewärmt. Wo Menschen sich um ein Feuer begegnen und Geschichten hören, entsteht eine Gemeinschaft. Weil alle einer Stimme lauschen, weil man sich von den Worten wegtragen lässt, in eine andere Welt. Weil zusammen gestaunt, gebangt und gelacht wird.

Wenn nach einer Geschichte gemeinsam vom Feuer in einem grossen Topf gekocht und zusammen gegessen wird, entsteht Wärme im Bauch und überall, Glück und Freude und vielleicht ein Erlebnis, das in Erinnerung bleibt, für immer.
Es ist Nacht.
Es herrscht Winter.
Ein alter Wolf nähert sich dem Dorf der Tiere.

So beginnt die Geschichte der Steinsuppe*,  aus dem gleichnamigen Bilderbuch von Anais Vaugelade (Moritz Verlag). 

Der Wolf ist hungrig. Er trägt einen Sack mit einem schweren Stein auf seinem Rücken. Er klopft bei der Henne, denn er will auf ihrem Feuer eine Steinsuppe kochen. Die Henne erschrickt, öffnet aber die Türe, weil sie neugierig ist und weiss, dass der Wolf nur noch einen Zahn hat. Steinsuppe. Wasser und Stein in den Topf und dann übers Feuer. Die Henne ist skeptisch und fragt: „Ist das alles? Also ich tu ja in meine Suppen immer ein bisschen Sellerie.“ Und der Wolf meint: „Das kann man, das gibt einen gewissen Geschmack.“ 
Und so kochen die zwei, bis weitere Tiere an die Türe klopfen und eines nach dem anderen noch was dazugibt in die Suppe, für den gewissen Geschmack. Schlussendlich sitzen alle, essen, reden, bis der Wolf den Stein aus der Suppe nimmt „ah, noch nicht ganz durch“ und diesen wieder in seinen Sack packt. Für das nächste Abendessen.
Eine zauberhafte Geschichte über das Zusammenkommen, das Teilen und gemeinsame Essen, das Überwinden von Ängsten und Verwerfen von Vorurteilen, die Lust, was Gemeinsames zu schaffen und die Bereitschaft, Zeit miteinander zu verbringen. Sie war für mich der Anlass, eine Steinsuppe vom Feuer in unserem Garten zu kochen. Zusammen mit Nachbarn und Freunden. Und alle sind gekommen und haben von Herzen mitgetan. 
Zuerst habe ich den Kindern und grossen Menschen die Geschichte vorgelesen, dann haben wir gemeinsam gekocht. Wir hatten Feuer, einen grossen Topf mit Wasser, einen Stein von den Alpen und jeder hat etwas geschnippeltes Gemüse mitgebracht. Für den Geschmack. 
Und nach einer Stunde wurde eine Suppe gegessen, die war so fein und herzhaft und reich, dass wir heute noch davon träumen. Bis es dunkel wurde standen wir ums Feuer, redeten, tranken, assen. Die Kinder spielten, lachten, warfen ab und zu wieder ein Stock ins Feuer. 

Manchmal reicht ein Feuer, ein Topf, ein paar Karotten und eine Geschichte, damit Menschen zusammenkommen und gemeinsam etwas Schönes erleben. 

Übrigens: Der Stein aus unserer Suppe war noch nicht ganz durch. Was für ein Glück, so können wir noch einmal Steinsuppe damit kochen.

Bitte nachmachen, teilen und weitererzählen, denn gute Dinge machen das Leben noch viel feiner.
Alles Liebe 
Sandra

In unserem Topf sind übrigens Zwiebeln, Sellerie, Broccoli, Süsskartoffeln, Karotten, Zucchini, Rosmarin, ein Lorbeerblatt, Fenchel, rote Rüben und Kürbis zusammengekommen. Ich sags euch; das alles und noch eine Prise Feuer… so, so LEIWAND. 

Ein anderes Bilderbuch der Steinsuppe „Stone Soup“ von Jon j. Muth ist ebenfalls sehr empfehlenswert. Die Geschichte ist die selbe. Drei Mönche kommen in ein chinesisches Dorf, in dem niemand miteinander spricht. Dann kochen sie Steinsuppe, den Rest könnt ihr euch denken. Ein traumhaft illustriertes Bilderbuch. Gibt es hier*.

Verlinkt mit naturkinder
Danke.

     

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EIN NIGELNAGELNEUES JAHR / FRAU HOLLE, BITTE KOMMEN

  
Euch allen ein sonniges, glückerfülltes, purlimunteres funkelnigelnagelneues Jahr voller zauberhaften Augenblicken, herzlichen Begegnungen und Ideen, die eure Augen zum leuchten bringen.
Wir haben unsere Feiertage in Wien verbracht (mit zwischenzeitlich nicht so feierlicher Magen-Darm… ach, ihr wisst schon…), zusammen mit Familie und lieben Freunden. Gemütlich, fröhlich, aufregend und doch wunderbar unspektakulär. Jetzt, wo alle Feierlichkeiten vorbei sind und uns der Alltag von Weitem wieder zuzwinkert, merke ich erst, wie ruhig und gelassen wir in dieses völlig unverplante, neue Jahr aufgebrochen sind. 
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne… 

Die Ruhe und Leere nach der aufregenden Zeit sind es auch, die einem wieder näher zusammenrücken lassen und die „Langeweile“ kostbar und zauberhaft machen. Es scheint, als würden die Sinne, nach dieser Zeit der Fülle, wieder neu geschärft und als hätten sie wieder die Möglichkeit, sich neu zu entfalten. Der Blick auf das Wesentliche, das Ursprüngliche und wirklich Wichtige wird klarer, und es fällt mir nach den reichen Dezembertagen leichter, Altes gehen zu lassen, um Platz zu schaffen für das, was kommt, oder einfach Platz zu schaffen für die Leere, die mich manchmal so inspiriert. 
Die Kinder haben noch Schulferien und so geniessen wir die Vormittage im Schlafanzug beim Spielen und Lümmeln, Pläne schmieden und schöne Sachen aushecken, währenddem wir sehnsüchtig auf Schnee warten. Leider will der einfach überhaupt nicht kommen. Da hilft auch das Flehen und aus dem Fenstergegucken nichts. Auch ich wünschte mir ein paar Flocken, die das Braun-Dunkelgrün mit Weiss und Stille bedecken und uns hinaus locken würden, in den leuchtenden Glitzerschnee. Ja, das wäre wunderbar. Es scheint aber gerade, als hätte hier in Wien die megafaule Marie die tüchtige Goldmarie abgelöst.
Und weil es grade ist, wie es ist, erwische ich mich immer wieder, wie ich an Tulpen auf dem Küchentisch denke, und hätte ich einen Jahreszeitenregler, ich würde ihn gleich hier und jetzt, ohne mit der Wimper zu zucken, auf Frühling drehen. Mit dem neuen Jahr und dem schneefreien Januar ist die Lust gekommen, alles wieder wachsen und gedeihen zu sehen…
Ja, ich werde geduldig warten, Geschichten vom Schnee erzählen und das Märchen von Frau Holle vorlesen. Denn der Januar war und ist auch immer ein Märchenmonat. Ganz nah beieinander, so, wie schon vor vielen Jahren während der Rauhnächte, ist es am allerschönsten, Märchen zu lauschen und von verschneiten Welten zu träumen. 
Wenn bei euch auch kein Schnee liegt und ihr euch danach sehnt, oder ihr euch tagtäglich im Schnee vergnügt, euch mit roten Wangen und eisiger Nasenspitze  bei einem Märchen wieder aufwärmen wollt, habe ich für euch das Märchen von Frau Holle hier angefügt.

  
Frau Holle
Eine Witwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleissig, und die andere hässlich und faul. Sie hatte aber die hässliche und faule, weil sie ihre rechte Tochter war, viel lieber, und die andere musste alle Arbeit tun und der Aschenputtel im Hause sein. Das arme Mädchen musste sich täglich auf die grosse Strasse bei einem Brunnen setzen, und musste so viel spinnen, dass ihm das Blut aus den Fingern sprang.
Nun trug es sich zu, dass die Spule einmal ganz blutig war, da bückte es sich damit in den Brunnen und wollte sie abwaschen; sie sprang ihm aber aus der Hand und fiel hinab. Es weinte, lief zur Stiefmutter und erzählte ihr das Unglück. Sie schalt es aber so heftig und war so unbarmherzig, dass sie sprach „hast du die Spule hinunterfallen lassen, so hol sie auch wieder herauf.“
Da ging das Mädchen zu dem Brunnen zurück und wusste nicht, was es anfangen sollte: und in seiner Herzensangst sprang es in den Brunnen hinein, um die Spule zu holen. Es verlor die Besinnung, und als es erwachte und wieder zu sich selber kam, war es auf einer schönen Wiese, wo die Sonne schien und viel tausend Blumen standen. Auf dieser Wiese ging es fort und kam zu einem Backofen, der war voller Brot; das Brot aber rief : „Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich – ich bin schon längst ausgebacken.“ Da trat es herzu, und holte mit dem Brotschieber alles nacheinander heraus. Danach ging es weiter und kam zu einem Baum, der hing voll Äpfel und rief ihm zu: „Ach schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.“ Da schüttelte es den Baum, dass die Äpfel fielen, als regneten sie, und schüttelte, bis keiner mehr oben war; und als es alle in einen Haufen zusammengelegt hatte, ging es wieder weiter.
Endlich kam es zu einem kleinen Haus, daraus guckte eine alte Frau, weil sie aber so grosse Zähne hatte, ward ihm angst, und es wollte fortlaufen. Die alte Frau aber rief ihm nach: „Was fürchtest du dich, liebes Kind? Bleib bei mir, wenn du alle Arbeit im Hause ordentlich tun willst, so soll dir’s gut gehn. Du musst nur acht geben, dass du mein Bett gut machst und es fleissig aufschüttelst, dass die Federn fliegen, dann schneit es in der Welt; ich bin die Frau Holle.“
Weil die Alte ihm so gut zusprach, so fasste sich das Mädchen ein Herz, willigte ein und begab sich in ihren Dienst. Es besorgte auch alles nach ihrer Zufriedenheit, und schüttelte ihr das Bett immer gewaltig auf, dass die Federn wie Schneeflocken umherflogen; dafür hatte es auch ein gut Leben bei ihr, kein böses Wort, und alle Tage Gesottenes und Gebratenes.
Nun war es eine Zeitlang bei der Frau Holle, da ward es traurig und wusste anfangs selbst nicht, was ihm fehlte, endlich merkte es, dass es Heimweh war; ob es ihm hier gleich viel tausendmal besser ging als zu Hause, so hatte es doch Verlangen dahin. Endlich sagte es zu ihr: „Ich habe den Jammer nach Haus kriegt, und wenn es mir auch noch so gut hier unten geht, so kann ich doch nicht länger bleiben, ich muss wieder hinauf zu den Meinigen.“
Die Frau Holle sagte: „Es gefällt mir, dass du wieder nach Hause verlangst, und weil du nur so treu gedient hast, so will ich dich selbst wieder hinaufbringen.“
Sie nahm es darauf bei der Hand und führte es vor ein grosses Tor. Das Tor ward aufgetan, und wie das Mädchen gerade darunter stand, fiel ein gewaltiger Goldregen, und alles Gold blieb an ihm hängen. so dass es über und über davon bedeckt war. „Das sollst du haben, weil du so fleissig gewesen bist“, sprach die Frau Holle und gab ihm auch die Spule wieder, die ihm in den Brunnen gefallen war. Darauf ward das Tor verschlossen, und das Mädchen befand sich oben auf der Welt, nicht weit von seiner Mutter Haus; und als es in den Hof kam, sass der Hahn auf dem Brunnen und rief:

„Kikeriki, unsere goldene Jungfrau ist wieder hie.“
Da ging es hinein zu seiner Mutter, und weil es so mit Gold bedeckt ankam, ward es von ihr und der Schwester gut aufgenommen.
Das Mädchen erzählte alles, was ihm begegnet war, und als die Mutter hörte, wie es zu dem grossen Reichtum gekommen war, wollte sie der andern hässlichen und faulen Tochter gerne dasselbe Glück verschaffen. Sie musste sich an den Brunnen setzen und spinnen; und damit ihre Spule blutig ward, stach sie sich in die Finger und stiess sich die Hand in die Dornhecke. Dann warf sie die Spule in den Brunnen und sprang selber hinein. Sie kam, wie die andere, auf die schöne Wiese und ging auf demselben Pfad weiter. Als sie zu dem Backofen gelangte, schrie das Brot wieder: „Ach zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich, ich bin schon längst ausgebacken.“ Die Faule aber antwortete: „Da hätt ich Lust, mich schmutzig zu machen“, und ging fort. Bald kam sie zu dem Apfelbaum, der rief: „Ach schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.“ Sie antwortete aber: „Du kommst mir recht, es könnte nur einer auf den Kopf fallen“, und ging damit weiter. Als sie vor der Frau Holle Haus kam, fürchtete sie sich nicht, weil sie von ihren grossen Zähnen schon gehört hatte, und verdingte sich gleich zu ihr.
Am ersten Tag tat sie sich Gewalt an, war fleissig und folgte der Frau Holle, wenn sie ihr etwas sagte, denn sie dachte an das viele Gold, das sie ihr schenken würde; am zweiten Tag aber fing sie schon zu faulenzen an, am dritten noch mehr, da wollte sie morgens gar nicht aufstehen. Sie machte auch der Frau Holle das Bett nicht, wie sich’s gebührte, und schüttelte es nicht, dass die Federn aufflogen. Das ward die Frau Holle bald müde und sagte ihr den Dienst auf.’ Die Faule war das wohl zufrieden und meinte, nun würde der Goldregen kommen; die Frau Holle führte sie auch zu dem Tor, als sie aber darunter stand, ward statt des Goldes ein grosser Kessel voll Pech ausgeschüttet. „Das ist zur Belohnung deiner Dienste“, sagte die Frau Holle und schloss das Tor zu.
Da kam die Faule heim, aber sie war ganz mit Pech bedeckt, und der Hahn auf dem Brunnen, als er sie sah, rief:
„Kikeriki, unsere schmutzige Jungfrau ist wieder hie.“
Das Pech aber blieb fest an ihr hängen und wollte, solange sie lebte, nicht abgehen. 

(Kinder- und Hausmärchen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Brüder Grimm))

Übrigens: Falls ihr beim Erzählen immer mal wieder zum Weihnachtsbaum schielt und ihr euch im Geheimen denkt: Was wird wohl aus dir werden… So habe ich eine feine Weihnachtsbaum-Upcycling-Idee, die perfekt zu Frau Holle passt und die ich euch nächste Woche gerne vorstellen möchte.

Bis dann wünsche ich euch, dass euch euer Anfang in Ruhe und Gelassenheit gelingen mag, sodass auch der kleinste Alltags-Zauber spürbar wird.
Alles Liebe, Sandra 

Über Schnee- und Winterbilderbücher habe ich hier bereits geschrieben. Schaut rein, falls ihr mehr literarischen Schnee braucht.

Das zauberhafte Märchenbuch „Die 100 schönsten Märchen der Gebrüder Grimm“ mit den Bildern von Daniela Drescher findet ihr hier.*

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BÜCHER SIND LEBENSMITTEL – DIE WEIHNACHTSGESCHICHTE

Still, still, still,
weil’s Kindlein schlafen will.
Die Englein tun schön jubilieren,
bei dem Kripplein musizieren.
Still, still, still,
weil’s Kindlein schlafen will.
(Wiegenlied aus dem Salzkammergut)

Wir haben die Weihnachtsbücher vorgekramt. Auch dies gehört, nebst Kekse knuspern und die Kerzen des Adventskranzes zu entzünden, zu den Dingen, die die Adventszeit ausmachen. Wir gehören ja praktisch ganzjährig zu den „Bilderbuchfamilien“ (haha), dennoch finde ich, dass das gemeinsame Lesen in der Adventszeit noch inniger und gemütlicher ist als sonst im Jahr.
Beim Durchblättern der wiederentdeckten Bücher ist mir einerseits aufgefallen, wie viele tolle Weihnachtsbücher sich über die Jahre in meiner Kinderbibliothek angesammelt haben, und anderseits, wie wenige davon tatsächlich DIE Weihnachtsgeschichte erzählen. Es gibt so viele wunderbare Bücher über Weihnachten mit den Waldtieren, Weihnachtsvorbereitungen bei den Hexen, Erzählungen von Trollen, die Weihnachtszauber vollbringen oder darüber, wie Menschen zusammen kommen um zu feiern. Aber Geschichten, die über die Reise von Maria und Josef und die Geburt Jesu erzählen, und deren Bildsprache ich kindgerecht und ansprechend finde, sind eigentlich ganz schön rar. 

Ich glaube, ich mochte die lustigen Geschichten bisher immer lieber und hatte mein Augenmerk tatsächlich nicht auf der Weihnachtsgeschichte. Dafür spüre ich bei meinen Kindern das Bedürfnis nach eben dieser ganz klar. Gespannt und fasziniert hören sie den Erzählungen der Reise von Nazareth nach Betlehem zu, sie bangen und sie sind voller Glück, als das Kindlein im Stall geboren wird und die Engel es der Welt verkünden.

Ein Kind wird geboren und die Welt ist voller Freude. Was könnte einem Kind näher sein als dieser Segen?

Die Geschichte ist Ursprung des Festes und gehört zu den Feierlichkeiten oder in die Vorbereitungen einfach dazu, finde ich. Hier sind die Weihnachtsgeschichten, die ich gerne mag. 

„Die Weihnachtsgeschichte“* von Eleonore Schmid

Die Weihnachtsgeschichte nach dem originalen Bibeltext aus Lukas 2, Vers 1 – 20, in der Übersetzung von Martin Luther.
Lange habe ich das Buch den Kindern vorenthalten, weil ich dachte, dass der Bibeltext zu schwierig sei für sie. Ich erzähle meinen Kindern oft auf Schweizerdeutsch, so findet automatisch nicht nur eine sprachliche, sondern auch eine inhaltliche Übersetzung statt und meine Interpretation schwingt mit. Ich glaube aber auch, dass die Kinder das Vorgelesene verstehen, weil sie die Gabe haben, das Grosse Ganze zu spüren und so die Geschichte in ihrem Herzen zu fühlen.
Die Geschichte wird von wunderschönen und sehr eindrücklichen Bilder von Eleonore Schmid unterstrichen.

„Die Geschichte vom Weihnachtsglöckchen“* von Rolf Kreuzer und Maja Dusíková

Ein kleines Mädchen aus Betlehem findet ein silbernes Glöckchen. Als in einem nahen Stall ein Kind geboren wird, und die Engel das himmlische Ereignis überall verkünden, weiss es, wofür es das Glöckchen gefunden hat. Es schenkt es dem Kind. Seit diesem Tag klingelt immer in der Weihnachtszeit das feine Glöckchen, um an das wunderbare Geschehen zu erinnern.
Die Geschichte vom Glöckchen umrahmt die Weihnachtsgeschichte mit stimmungsvollen Bildern und schlägt einen Bogen bis in unsere Zeit. Sogar bis hinein in unsere Stuben.

„Weihnachten im Stall“* von Astrid Lindgren und Harald Wiberg

Eine Mutter erzählt ihrem Kind wie es war, vor langer Zeit, als eine Frau und ein Mann in der Dunkelheit Unterschlupf in einem Stall fanden. Mitten in der Nacht bekam die Frau dort ihr Kind. Alle Sterne leuchteten am Himmel, der hellste und grösste aber strahlte über dem Stall, in dem das neugeborene Kind in der Krippe lag.
Es ist wenig Text, der die eher dunkel gehaltenen Bilder beschreibt. Es wird weder von Maria und Josef gesprochen, noch kommt ein Esel in der Geschichte vor. Keine Suche nach einer Herberge und auch keine Engel. Ganz wunderbar still, ganz einfach und stimmig beschreibt Astrid Lindgren ihre Weihnachtsgeschichte. Ich glaube, dass ich sie gerade deshalb so gerne mag.

„Marias kleiner Esel, eine Weihnachtslegende“* von Gunhild Sehlin

Kein Bilberbuch, aber ein wunderschönes Taschen-Vorlesebuch für die Weihnachtszeit.
Der kleine Esel ist faul, struppig und bockig. Doch nur eine erkennt, dass er der prächtigste Kerl ist, den man sich vorstellen kann: Maria.
Und der kleine Esel, der dankt es ihr – mehr als einmal. Ohne ihn wären Maria und Josef nämlich wohl kaum heil bis nach Bethlehem gekommen. Und nicht nur das…
Die Reise nach Betlehem mit all den Wundern und der grossen Zuversicht ist so liebevoll beschrieben, dass die Geschichte sehr gut ohne detaillierte Bilder auskommt. Die Kinder lieben den kleinen Esel, der doch so schlau und flink und zauberhaft durch diese Erzählung führt. Die Geschichte kann nicht an einem Tag erzählt werden. Sie ist perfekt, um in der Adventszeit oder über die Weihnachtstage immer wieder zusammen zu sitzen und ein Stück der Geschichte zu hören.

Es ist unglaublich, wie viele Bilderbücher über Weihnachten in der Bücherei hier ums Eck aufliegen. Aber in den wenigsten ist die Weihnachtsgeschichte beschrieben oder aber ich fand die Bilder irgendwie mau. Habt ihr ein Lieblingsbuch mit der Weihnachtsgeschichte? Und welches ist das? Ich bin sehr gespannt und immer offen für neue Buchempfehlungen.

Auf ein schönes, inniges 3. Adventswochenende. Mit den liebsten Grüssen aus dem schon wieder eindunkelnden Wien… 
Sandra

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BÜCHER SIND LEBENSMITTEL – SAMICHLAUS UND SEINE BRÜDER

Nun wollte ich euch heute ein paar wirklich tolle Bilderbücher vorstellen, weil ich dachte, dass diese sich auch gut machen in einem Nikolaussack. Schoggi schmausend und Nüsse knackend Samichlausgeschichten hören ist nämlich besonders gemütlich und stimmungsvoll. Aber gerade als ich anfangen wollte zu schreiben, fiel mir auf, dass ich eigentlich „nur“ Bilderbücher in meinem Bücherregal stehen habe, die vom rot gekleideten Samichlaus aus dem Wald erzählen…

Aber was ist denn nun der Unterschied zwischen dem roten Samichlaus aus dem Häuschen im Wald und dem St. Nikolaus mit dem Bischofsgewand?
Ein bisschen ist es auch verwirrend, denn im Dezember ziehen so viele nette Gabenbringer durchs Land, dass es sehr leicht passieren kann, dass die Bilder übereinandergeraten und ineinander verschwimmen. Von Gegend zu Gegend wird anders gefeiert, und eine jede Familie hat ihre eigene Tradition. Also habe ich versucht aufzuräumen in meinem Oberstübchen. Ui, ui, ui.
In Teilen der Schweiz sowie in Teilen Österreichs und Deutschlands kommt St. Nikolaus im reich geschmückten Bischofsgewand zu den Kindern. Er zieht von Haus zu Haus und bringt den Kindern gute Sachen. Auch gerne in Begleitung  seiner Gehilfen, dem Schmutzli, Knecht Ruprecht, oder, wie hier in Wien, dem Krampus. Aber eben, der St. Nikolaus heisst hier ja eh Nicolo. Passt.
In Zürich, wo ich aufgewachsen bin, besucht der Samichlaus (St. Nikolaus) am 6. Dezember die Kinder. Er trägt einen roten Mantel, Stiefel an den Füssen und einen schweren Jutesack mit Nüssen, Mandarinen und Lebkuchen, gefüllt für die Kinder. Er lebt, zusammen mit Schmutzli und dem Esel in einem Häuschen im Wald. Sehr einfach, sehr unkompliziert. 

AUF GAR KEINEN FALL ZU VERWECHSELN mit dem Weihnachtsmann, der nämlich auch eine rote Arbeitskleidung trägt (gleiches Gewand, völlig anderer Job), aber erst an Weihnachten zu den Kindern kommt, im Jobsharing mit dem Christkind, sozusagen… 
Und Santa Claus? Arbeitet der eigentlich mit dem Weihnachtsmann im gleichen Haus? Der eine im Rentierschlitten, der andere im Truck? Das ist eine andere Geschichte.
Nun, zurück zum 6. Dezember: St. Nikolaus, Nicolo und Samichlaus tragen zwar unterschiedliche Gewänder, haben aber alle den gleichen Urururururgrossvater, nämlich der erste Nikolaus von Myra, der Schutzpatron war für ganz viele. Vor allem aber der, der den hungrigen Kindern Essen brachte und die armen Menschen  beschenkte.
Und deshalb machen wir es heute einfach so: Ich stelle euch meine Lieblings-Samichlaus-Bücher vor – und ihr schickt mir bitte, bitte Tipps eurer liebsten Bilderbücher von St. Nikolaus im Bischofsgewand. Ich würde mich über einen Austausch riesig freuen. Dann mal los:

Dieses Buch habe ich letztes Jahr erst entdeckt, und es ist einfach ganz zauberhaft. Ein Must-Have, sozusagen.
Mandarinen und Organgen, Datteln und Feigen, Erdnüsse, Baumnüsse, Mandeln und Zimt – all die guten Sachen bringt der Nikolaus! Einmal möchte er aber selber in die Länder reisen, aus denen diese Köstlichkeiten kommen. Und so macht er sich auf den Weg. Unterwegs begegnet er den Menschen anderer Sprachen und Kulturen – und lernt nebenbei so einiges über die Geschichte des Nikolaus, seine eigene Geschichte. Wir können ihn auf seiner Reise begleiten… 
Wunderschön, witzig und informativ, mit Versen und Sprüchen aus der ganzen Welt. Danke Silvia Hüsler!
Aus der Schweiz hier zu bestellen.

Seit zwanzig (!!!!) Jahren mein Lieblingsbuch:
Schon im Herbst erzählen die Tiere im Wald von Sankt Nikolaus. Auch Glisglis, der Siebenschläfer, möchte ihm dieses Jahr einmal begegnen. Doch er hat Mühe, wach zu bleiben. So verpasst er ihn beinahe, doch die aufmerksame Eule weckt ihn noch rechtzeitig. Wie alle Waldtiere bekommt auch Glisglis von Sankt Nikolaus etwas Leckeres zu essen.
Zauberhafte Bilder, und eine so liebe Geschichte… Dass Nikolaus auch für die Tiere da ist, ist für die Kinder sonnenklar, und sie hoffen und bangen mit dem müden, lieben Siebenschläfer. 
Nikolaus und der dumme Nuck“ von Luise von der Crone und Heidi Schait

Nuck, der Esel von Samichlaus, ist verunsichert. Der Fuchs hat ihm eingeredet, dass er dumm sei: „Nuck, du bist dumm. Du musst dem Niklaus den schweren Sack tragen. Wenn er aber zu den Kinder ins Haus hineingeht, lässt er dich draussen im kalten Schnee warten. Willst du nicht selber einmal Nikolaus sein?“, fragt der Fuchs. „Eigentlich hat Rotschwanz recht“, findet Nuck und lässt sich vom Fuchs den Nikolausmantel überziehen und macht sich auf den Weg zu den Kindern. Die Waldtiere freut’s – sie lachen und bekommen erst noch einen Festschmaus.
Ein Esel lässt sich verführen und bringt die Kinder zum Lachen. Und doch versteht man ihn auch, den „dummen“ Esel und seinen Traum vom Nikolausleben.
Liebevoll erzählt und illustriert. Alle Kinder lieben Nuck!
Samichlous“ Barbara von Arx-Haller
Kein Bilderbuch, aber eine reiche Sammlung von Versen, Sprüchen, Liedern, Bastelanleitungen und Ideen rund um den Chlousetag. Leider nur auf Schweizerdeutsch.
Und, egal ob im Bischofsgewand oder im roten Mantel: Wichtig ist, dass die Kinder wissen, dass Nikolaus der Schutzpatron der Kinder ist, dass sie gesehen werden von dem Mann, der für die armen Kinder da war und auch, dass er ab und an mal mit der „Fitze“ winkt…

Einen schönen Chlausetag euch und alles Liebe aus dem Land des Nicolo.

BÜCHER SIND LEBENSMITTEL / HERBST


„Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne“
Jean Paul

Eben habe ich für euch unsere Herbstlieblinge zusammengestellt. So. Und jetzt kann es draussen bitte richtig ungemütlich werden, denn wir haben drinnen viel zu tun. Habt es lustig und spannend, innig und vor allem sehr heimelig.

von Oliver Jeffers

Leider, leider ist Floyds roter Drachen in eine Baumkrone geflogen und dort stecken geblieben. Erst versucht Floyd, seinen Lieblingsschuh nach dem Drachen zu werfen, um ihn aus den Ästen zu befreien. Leider aber bleibt auch dieser beim Drachen stecken und so bleibt dem Jungen nichts andres übrig, als nach mehr Gegenständen zu suchen, mit denen er seinen Drachen befreien könnte. Er wirft Stühle, den Milchmann, einen Leuchtturm und Nachbars Haus in den Baum, doch irgendwie will die Rettung einfach nicht gelingen.
Die Kinder und ich haben so gelacht. Die Geschichte ist voller Witz und Phantasie, und so haben wir das Buch mit Spannung gelesen und waren bei jedem Seitenumblättern von Neuem überrascht. Einfach toll. Und mein Grosser hat beim Einschlafen noch lachen müssen…

Der Herbstwind zupft zehn Blätter einer Weide und trägt diese weit davon. Jedes der Weidenblättchen erlebt eine andere Geschichte. Das eine wird zum Rettungsboot, ein anderes wird auf eine St. Martins Laterne geklebt, und eines wird von einem Wurm verspeist und wird so Dünger für die Weide. Der Kreis schliesst sich, und im Frühjahr wachsen am Ast der Weide wieder zehn Blättchen…
Ein hübsch bebildertes Buch mit einer ganz einfachen und deshalb grossartigen Geschichte. Die Kinder gehen gerne mit auf die luftige Reise. 
Mit schönen Ideen, die man mit den Kindern im Herbst gleich umsetzen kann.
von Petr Horacek

Was, wenn man einen leckeren Schatz gefunden hat, der aber leider so gross ist, dass man ihn nicht mit in seine Höhle nehmen kann? Richtig, man sucht sich ein neues Haus. Und dies tut die Maus, die mit ihrem grossen Apfel loszieht in die Welt. Weil die Höhlen, die sie unterwegs findet, immer schon besetzt sind und das Herumziehen ganz schön hungrig macht, wird der Apfel immer kleiner. Schlussendlich ist der Apfel so klein, dass er perfekt in ein Mauseloch passt…
Eine einfache, lustige und lebendige Geschichte für Gross und Klein, liebevoll bebildert und zum Nachspielen animierend.
von Leo Lionni
Eine wunderbare Geschichte, die Leo Lionni vor 50 Jahren für uns aufgeschrieben hat. Wir kennen es alle, das Mäuschen Frederik, das still sitzend Sonnenstrahlen, Farben und Wörter sammelt, währenddem seine Brüder und Schwestern Weizen, Stroh und Nüsse zusammen tragen, um zu überwintern. Ein bezauberndes Kinderbuch über die Kraft der Geschichten, der Bilder und Träume. 

In diesem Sinne wünsche ich euch und euren Kindern einen grossartigen Herbst mit vielen Geschichten, Bildern und Träumen, die das Überwintern einmalig machen. Wenn dir dieser Artikel gefällt, freue ich mich sehr, wenn du ihn mit deinen Freundinnen und Freunden teilst. Herzlich, Sandra von der Lieblingsbande

LANGOHR ODER GEDANKEN ZUM ROLLENSPIEL

Unsere Kinder lieben Rollenspiele. Mal schnell ein Tuch um die Schultern gelegt, ein Schneckenband um die Hüften gebunden und hej ho, stampft die Räuberbande durch den Wald. Es wird geräubert was das Zeug hält und dann werden die Schätze in die selbstgebaute Räuberhöhle geschleppt. Ha, ha, ha, Pech gehabt!

Der Grosse sprüht voller Ideen, was sie hätten und würden und müssten, und die Kleine ist voller Begeisterung mittendrin. Immer häufiger trägt auch sie ihre Ideen bei und ich bin so erfreut darüber, wie das Spiel von beiden belebt und gelenkt wird. Als wichtiger, mitgestaltender Teil der Bande voll und ganz im Spiel aufzugehen, in dieser innigen Geschäftigkeit zu versinken, das zaubert nicht nur rote Wangen auf Kindergesichter, sondern beschert ihnen auch eine tiefe Glückseligkeit. Die Kinderherzen werden mit Wärme gefüllt. So geht Erleuchtung im Kinderzimmer!
„Saisonbedingt“ habe ich den Kindern die Geschichte vom kleinen Häschen erzählt, das auf Ostern wartet und von den Tieren im Wald immer wieder vertröstet wird mit den Worten: 
„Erst wenn der volle Mond erwacht,
und so rund wie die Sonne lacht,
kann es hier auf Erden
wieder Ostern werden.“* 
Die Geschichte kann Inspiration sein, um ein Rollenspiel entstehen zu lassen. 
Schwupps hat der Grosse ein Tuch über ein paar Stühle gelegt und mit Wäscheklammern sturmsicher gemacht. Mit Kissen weich ausgestattet, mit einer Taschenlampe ausgeleuchtet und mit zwei Büchern dekoriert, wird dies die perfekte Hasenhöhle. Ganz wichtig, denn wenn die Nacht hereinbricht, braucht jedes Tier sein Plätzchen UND Schutz vor dem Fuchs… Der Höhleneingang ist eng… Besser so, Füchse überall. Ein blaues Tuch wird das Bächlein (gegen den Hasendurst, auch sehr wichtig!), und los geht das Spiel. 
Ach ja, schnell noch die einfachen Hasenschlappohren aus Filz übergezogen, und schon ist man Häsin und Mümmelmann. Die Tücher fürs Hasenfell mussten wohl überlegt ausgesucht werden. Die Kleine wollte pink, klar, das war schnell entschieden. Der Grosse hingegen überlegte. Braun oder Grün? Braun sind die Hasen, aber Grün ist besser wegen Tarnung und so… Schlauer Hase. Dann hoppelten sie heiter los, der rosa und der grüne Hase, hätten, würden und könnten. Und wenn sie nicht eingeschlafen sind, in ihrem kuscheligen Hasenbau, dann mümmeln sie noch heute!

*Die ganze Geschichte vom Ostermond findet ihr hier diesem wundervollen Buch (Partnerlink)

SCHELLEN-URSLI IN WIEN

„Hoch in den Bergen, weit von hier,
da wohnt ein Büblein so wie ihr.
In diesem Dörfchen, arm und klein, 
ganz unten steht sein Haus allein…“

Faschingszeit im Kindergarten. Schnell war’s beschlossene Sache, dass mein Grosser als Schellen-Ursli, sein Held (und unser aller Held der Kindheit!), zum Faschingsfest gehen wird. Sennenhemd, eine alte Hose und ein Wanderstock waren schnell hervorgeholt. Fehlten nur noch Mütze und GLOCKE! Ich hab einen „Tatort“ lang Mütze gestrickt – aber die Glocke… Woher nehmen wir hier in Wien eine Kuhglocke, so auf die Schnelle? Die liebe Anna, die fürs Theater arbeitet und ihre Quellen hat für ausgefallene, heisse Ware, organisierte uns die perfekte Schelle. Fertig war Schellen-Urslis Ausstattung und mein Kind voller Glück. 
Aufgeregt zog er am Faschingsmorgen los. Wir liefen zusammen zum Bus, und Schellen-Urslis Glocke läutete bei jedem Schritt. Die Arbeiter auf der grossen Baustelle hielten inne und drehten ihre Köpfe, die Menschen an der Busstation schmunzelten. Eine Frau lief an uns vorbei, lachte Schellen-Ursli an und meinte, sie fühle sich wie im Urlaub. Auf dem Weg bis zum Kindergarten trafen wir, wie immer, viele Leute. Aber an diesem Morgen lachten die Wiener uns an. Wunderschöne Glockenklänge verzauberten die Menschen für einen Moment. Ein bisschen Engadin, mitten in der Stadt Wien, und alle waren berührt. Mich haben die Klänge angeheimelt, ich war gerührt und erinnerte mich an meine Kindertage auf dem Land. Schön war’s, ja, schön war’s.
Im Kindergarten kam uns eine Kindergärtnerin aus dem Vorarlberg entgegen und rief: „Der Schellen-Ursli ist da!“ Kindergärtnerinnen und Kinder haben sich gefreut. Und der Schellen-Ursli? Er hat den ganzen Tag weder die Glocke, noch die Mütze ausgezogen, freudestrahlend, stolz und glückselig hat unser grosser, kleiner Schweizer Bueb Fasching gefeiert. Unvergesslich – für uns alle.
„Nun ist der Glockenumzug da,
und wer geht vorne dran? Hurra!
Der kleine Ursli, bim, bam, bum,
der hat die grösste Glocke um!
Und alle Leute bleiben stehen
vor Freude, dass sie Ursli sehen.“

Das Buch vom Schellen-Ursli ist eines unserer Lieblingsbücher. Wohl jedes Schweizer Kind kennt die Geschichte von Ursli und wie er ganz alleine den gefährlich weiten Weg bis zum Maiensäss gewandert ist, um seine grosse Glocke für den Umzug am Chalandamarz zu holen… Wer das Buch nicht kennt, hat was verpasst!

JANUARTAGE OHNE SCHNEE

Die Januartage sind für mich besondere Tage. Nach dem Dezember-Trubel, den Feierlichkeiten und dieser Fülle von allem, fängt für mich eine Zeit der Besonnenheit an. Tage, in denen ich mich und alles wieder ganz gemächlich ordne, Altes gehen lasse und Neuem Platz einräume. Es ist die Zeit, in der ich mich gerne auf Altbewährtes, Ursprüngliches besinne, und es ist der Augenblick, in dem ich mich mit meinen Kindern einkuschle und Märchen erzähle. Märchen erzählen heisst auch, sich ganz nah und innig sein, sich der Stimme der Erzählerin oder des Erzählers hingeben und diese archaischen Geschichten immer und immer wieder hören wollen. So, wies unsere Urgrossmütter an den kalten Wintertagen mit ihren Kindern gemacht haben. 

Und weil halb Europa eingeschneit ist, wir hier in Wien aber nur mit einem Flaum abgespeist wurden, erzählen wir von Frau Holle, in der Hoffnung, dass sie auch bei uns bald ihre Kissen richtig doll schütteln lässt. Bis dahin hören wir Märchen und machen unser Schneegestöber eben selber. Mit Schafwolle, einem Stück Faden an einer Nadel und einer Wunschperle… Schneeflöckchen, Weissröckchen, komm zu uns!
Hier noch weitere „Wintermärchen“: Schneewittchen und die sieben Zwerge, Schneeweisschen und Rosenrot, Sterntaler, Die Schneekönigin (Hans Christian Andersen)

Schnupfennasen und Geschichten in der Vorweihnachtszeit

 

Seit Tagen geben wir uns Schnupfen und Husten hin und her und her und hin. Das Triefen und Keuchen um den wachsenden Papiertaschentuch-Berg scheint kein Ende zu nehmen. Anstrengend, so irgendwie ok gelaunt, durch die Tage zu kommen.
So, wir brauchen dringend was für die Seele… Geschichten und Bücher.
Hier unsere Auswahl für die diesjährige Vorweihnachtszeit. Geht gleich viel besser!

„Olles Reise zu König Winter“, von Elsa Beskow
Väterchen Raureif nimmt Olle, der mit seinen neuen Skier im Wald unterwegs ist, mit zum Schloss von König Winter…
Für alle, die sehnlichst auf den Schnee warten!

„Wie weihnachtelt man“, von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer
Nicht mehr weg zu denken aus den Schweizer Bücherregalen. Eine lustige, witzige und liebevolle Geschichte über den Sinn des Schenkens. Unbedingt lesen!

„Guck mal, Madita, es schneit!“, von Astrid Lindgren und Ilon Wikland
Ein Bilderbuch, das Wärme und Geborgenheit, aber auch so viel Übermut und Lebensfreude ausstrahlt, dass man es am liebsten immer wieder anschauen und lesen möchte.

„Tomte Tummetot“ und „Tomte und der Fuchs“ von Astrid Lindgren und Harald Wiberg
Alle Jahre und immer und immer wieder wollen meine Kinder die Geschichte von Tomte Tummetot hören. Zwei zauberhafte, warmherzige Geschichten, um gut über den Winter zu kommen.

„Ein Märchen im Schnee“, von Loek Koopmans
Unsere neueste Errungenschaft erzählt von einem verloren gegangenen Handschuh, der als willkommene Behausung für die Tiere im Wald dient. Liebevoll, lustig und voller Überraschungen.

Und gleich wird einem warm ums Herz und man rückt noch ein bisschen näher zueinander… Haaaatschiiii!